Warum heißt der Englische Garten in München so?

Der Englische Garten München: Eine grüne Oase

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Der Englische Garten in München ist weit mehr als nur eine Parkanlage. Er zählt zu den größten innerstädtischen Parks weltweit und bildet auf einer Länge von über fünfeinhalb Kilometern eine einzigartige Verbindung zwischen der natürlichen Flusslandschaft der Isarauen und der historischen Altstadt Münchens. Er ist eine grüne Lunge, ein Ort der Erholung und ein Meisterwerk der Gartenkunst, das jährlich Millionen von Besuchern anzieht.

Warum heißt der Englische Garten in München so?
Die Entstehung des Englischen Gartens Zunächst hieß er Theodors Park, doch schon bald setzte sich der Name Englischer Garten durch – weil er nicht als geometrisch ausgelegter Französischer Barockgarten, sondern im naturnahen Stil eines Englischen Landschaftsparks angelegt wurde.

„Die Natur drückt sich nur zufällig bildlich aus, die Kunst tut dies mit Vorsatz“, so beschrieb Friedrich Ludwig von Sckell, der maßgebliche Schöpfer dieses Parks, sein Werk. Was er schuf, war eine inszenierte, bis ins kleinste Detail geplante Natur. Und doch wirkt diese weitläufige Anlage auf Spaziergänger und Betrachter erstaunlich natürlich, fernab der Vorstellung eines typischen Stadtgartens.

Die faszinierende Geschichte des Englischen Gartens

Die Entstehungsgeschichte des Englischen Gartens beginnt im Jahr 1789. Kurfürst Karl Theodor fasste per Dekret den wegweisenden Beschluss zur Anlage des Parks. Von Anfang an war klar festgelegt, dass dieser Park „nicht bloß einem Stande, sondern dem ganzen Volke zugute kommen“ sollte. Diese fortschrittliche Idee, einen öffentlichen Volksgarten zu schaffen, stammte von Sir Benjamin Thompson, einem gebürtigen Amerikaner, der später als Reichsgraf von Rumford bekannt wurde.

Die Umsetzung erfolgte mit bemerkenswerter Geschwindigkeit. Bereits im August 1789 wurde der erfahrene Schwetzinger Hofgärtner Friedrich Ludwig von Sckell nach München gerufen, um „seine Meinung zu äußern, und mit zu wirken“ bei der Planung des geplanten Volksgartens. Ein möglicher Grund für diese zügige Realisierung könnte in den sozialen Unruhen jener Zeit liegen, die in Paris zum Sturm auf die Bastille geführt hatten.

Das ursprünglich für den Park vorgesehene Gebiet war kein einfaches Gelände. Es handelte sich um Überschwemmungsland, das hauptsächlich mit Weiden und stacheligem Sanddorn bewachsen war. Erst durch die Anlage eines Damms unter der Regie von Rumford konnte das Gebiet wirksam vor weiteren Überflutungen geschützt werden. Die gartentechnische Leistung, die in dieser frühen Phase erbracht wurde, ist kaum hoch genug einzuschätzen. Innerhalb kürzester Zeit wurden Wege angelegt, Pflanzungen vorgenommen, Brücken errichtet und erste Gebäude wie der bekannte Chinesischer Turm und das Rumfordhaus (beide im Jahr 1790 fertiggestellt) gebaut.

Die Entwicklung des Parks setzte sich fort. Im Jahr 1800, unter Rumfords Nachfolger Freiherr von Werneck, wurde die Parkfläche nochmals erheblich erweitert. 100 Hektar Parkfläche im Norden, das heute als „Hirschau“ bekannte Areal, wurden hinzugefügt. Der Kleinhesseloher See, heute eines der zentralen Gewässer des Parks, entstand ab 1804.

Friedrich Ludwig von Sckell, obwohl anfänglich beteiligt, hatte in den Jahren nach 1789 nur begrenzten Einfluss auf die Gestaltung des Parks. Erst als er 1804 von Schwetzingen nach München zog, um die Position des Hofgartenintendanten zu übernehmen und damit die Geschicke des bayerischen Hofgartenwesens zu leiten, erhielt der Englische Garten jenen entscheidenden Schliff, der ihn zu einem der herausragenden Gartenkunstwerke des 19. Jahrhunderts machte. Viele der bestehenden Wegeführungen wurden von ihm überarbeitet, Pflanzungen verbessert und die Gewässer vollendet, um das Idealbild einer natürlichen Landschaft zu erreichen.

Ein weiteres berühmtes Wahrzeichen des Englischen Gartens, der Monopteros-Tempel, wurde erst nach dem Tod von Friedrich Ludwig von Sckell errichtet. Der Architekt Leo von Klenze ließ ihn im Jahr 1837 auf einem künstlich aufgeschütteten und sanft modellierten Hügel errichten, der von Carl August Sckell, einem Verwandten Friedrich Ludwigs, gestaltet wurde. Dieser klassizistische Rundtempel bietet heute einen wunderbaren Panoramablick über den südlichen Teil des Parks bis hin zur Münchner Altstadt.

Größe, Dimensionen und Charakter

Mit einer Fläche von 376 Hektar (oder 411 Hektar, wenn man die angrenzenden Maximiliansanlagen, den Hofgarten und den Finanzgarten mit einrechnet) ist der Englischer Garten tatsächlich eine der größten innerstädtischen Parkanlagen der Welt. Er übertrifft in seiner Ausdehnung sogar weltbekannte Parks wie den Central Park in New York oder den Hyde Park in London. Seine heutige Ausdehnung reicht vom Odeonsplatz im Süden durch den Hof- und Finanzgarten bis weit in den Norden der Stadt.

Die immense Fläche von 376 Hektar gliedert sich auf beeindruckende Weise in verschiedene Landschaftstypen: Etwa 170 Hektar entfallen auf Gehölzflächen, die dichte Wälder und Haine bilden. Mit 187 Hektar machen Wiesenflächen den größten Teil des Parks aus und bieten weite offene Bereiche für Erholung und Freizeit. Wasserflächen, darunter Seen und Bäche, umfassen etwa 16 Hektar.

Das Wegenetz im Englischen Garten ist ebenfalls beachtlich. Es hat eine Gesamtlänge von 78 Kilometern, wovon etwa 12 Kilometer speziell als Reitwege ausgewiesen sind. Diese umfangreichen Wege laden zum Spazierengehen, Joggen, Radfahren und natürlich auch zum Reiten ein.

Das größte Gewässer im Park ist der bereits erwähnte Kleinhesseloher See mit einer Fläche von rund 8 Hektar. Hier kann man Tretboote mieten oder einfach am Ufer entspannen. Die Gesamtlänge der Bäche, die sich durch den Park schlängeln und oft für das berühmte Eisbach-Surfen genutzt werden (obwohl der Eisbach selbst am Rand liegt und das Surfen dort eine besondere Herausnahme ist, die im Ausgangstext nicht detailliert beschrieben wird, halten wir uns an die Erwähnung der Bäche), beträgt etwa 15 Kilometer. Über diese Gewässer führen mehr als 100 Brücken und Stege, die die verschiedenen Teile des Parks miteinander verbinden.

Biodiversität im Herzen der Stadt

Trotz seiner Lage inmitten einer Großstadt bietet der Englische Garten Lebensraum für eine erstaunliche Vielfalt an Tieren. Neben 50-60 Brutvogelarten, die hier nisten, leben im Park auch Säugetiere wie Igel, Eichhörnchen, Wildkaninchen, Feldhasen, Füchse und sogar Biber. Diese Tierwelt trägt maßgeblich zum natürlichen Eindruck und zur ökologischen Bedeutung des Parks bei.

Eine besondere Initiative im Nordteil des Englischen Gartens ist der Wildbienen-Lehrpfad, der von der Deutschen Wildtier Stiftung angelegt wurde. Auf einer Strecke von etwa drei Kilometern informieren acht Stationen mittels QR-Codes digital über Wildbienen und ihre Lebensweise. Dieser Lehrpfad ist als Rundkurs konzipiert und bietet vom U-Bahnhof Studentenstadt oder vom Aumeister Biergarten aus einen interessanten Einblick in die Welt dieser wichtigen Bestäuber.

Gastronomie und Erholung

Für das leibliche Wohl der jährlich über 5 Millionen Besucher ist im Englischen Garten bestens gesorgt. Vier Gaststätten stehen zur Verfügung: der Aumeister, die Gaststätte am Chinesischer Turm, die Hirschau und das Seehaus am Kleinhesseloher See. Ergänzt wird das Angebot durch vier Kioskbetriebe. Besonders hervorzuheben ist der Biergarten am Chinesischer Turm, der mit seinen 7000 Sitzplätzen zu den größten und bekanntesten Biergärten in ganz Bayern zählt und bei schönem Wetter ein beliebter Treffpunkt ist.

Südteil vs. Nordteil: Zwei Gesichter eines Parks

Der Englische Garten wird oft in zwei Hauptbereiche unterteilt, die sich in ihrem Charakter deutlich unterscheiden: den belebten Südteil und den eher ruhigen Nordteil. Der Südteil erstreckt sich von der Prinzregentenstraße bis zum Mittleren Ring. Dieser Bereich ist dichter bebaut, beherbergt die bekanntesten Wahrzeichen wie den Chinesischer Turm, den Monopteros und den Kleinhesseloher See und ist entsprechend stärker frequentiert.

Was ist größer, englischer Garten oder Central Park?
Wusstest du eigentlich, dass der Englische Garten in München größer ist als der Central Park? Das Oktoberfest in München kennt die ganze Welt, aber wusstest du eigentlich, dass der Englische Garten in München mit 375 Hektar größer ist als der Central Park in New York (341 ha) und der Hyde Park in London (142 ha)?

Wer beim Spazierengehen, Joggen oder Radfahren mehr Ruhe sucht, zieht es meist in den Nordteil. Dieser beginnt ab dem Mittleren Ring und reicht bis nach Freimann hinauf. Hier präsentiert sich der Park von einer wilderen, naturbelasseneren Seite. Die Wiesen sind weitläufiger und weniger überlaufen. An manchen Tagen kann man hier sogar eine Schafherde antreffen, die zur Landschaftspflege eingesetzt wird und dem Park eine fast ländliche Atmosphäre verleiht. Der Nordteil ist ideal für ausgedehnte Spaziergänge abseits des Trubels.

Übrigens: Eine wichtige Entwicklung für die Zukunft des Parks ist die geplante Untertunnelung des Isarrings (Teil des Mittleren Rings), der den Englischen Garten derzeit in zwei Teile trennt. Im Juni 2017 wurde vom Stadtrat beschlossen, die konkreten Planungen für einen 390 Meter langen Tunnel aufzunehmen, um den Park wieder zusammenzuführen und die Barrierewirkung der Straße zu beseitigen.

Verwaltung, Pflege und Herausforderungen

Die Pflege und Verwaltung einer solch riesigen und vielbesuchten Parkanlage erfordert einen erheblichen Aufwand. Insgesamt sind 60 Mitarbeiter für den Englischen Garten beschäftigt. Der Freistaat Bayern investiert jährlich rund 2,5 Millionen Euro (mit Bauunterhalt 2,7 Millionen Euro) in den Unterhalt des Parks, inklusive Personalkosten. Diese Mittel sind notwendig, um die Wege, Grünflächen, Gewässer, Brücken und Gebäude instand zu halten und die hohe Qualität der Anlage zu gewährleisten.

Trotz aller Bemühungen stellt die hohe Besucherzahl von über 5 Millionen Menschen pro Jahr die Verwaltung auch vor Herausforderungen. Probleme ergeben sich unter anderem durch geändertes Verhalten der Besucher, wie beispielsweise die intensive Nutzung der Wiesen (manchmal auch zum Nacktbaden, was in bestimmten Bereichen geduldet ist, aber zu Konflikten führen kann) oder das Anlegen unerlaubter Trampelpfade. Auch Vandalismus und Beschädigungen treten leider auf.

Ein besonders drängendes Problem ist die Müllentsorgung. Jährlich müssen etwa 120 Tonnen Müll im Park gesammelt und entsorgt werden. Der Hauptanteil dieses Mülls entsteht durch die Verschmutzung der Wiesen, insbesondere an den Wochenenden. Dies erfordert einen erheblichen personellen und finanziellen Aufwand und stellt eine Belastung für die Umwelt im Park dar.

Reiten im Englischen Garten

Für Reiter bietet der Englische Garten mit 12 Kilometern Reitwegen, einer Reitwiese und einer Sprungwiese attraktive Möglichkeiten. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass das Reiten im Park nicht ohne Weiteres gestattet ist. Als Reiter benötigen Sie eine kostenpflichtige Reiterlaubnis.

Diese Erlaubnis wird ausschließlich als Jahres-Reitgenehmigung von der Verwaltung des Englischen Gartens ausgestellt. Tages-Reitpässe oder ähnliche kurzfristige Genehmigungen können leider nicht erworben werden. Reiter, die eine Jahres-Reitgenehmigung beantragen, müssen zudem auf eigene Kosten bei einer Schilder-Firma eine Plakette mit der ihnen zugeteilten Reit-Nummer anfertigen lassen. Eine genaue Beschreibung der Anforderungen erhalten Sie bei der Verwaltung des Englischen Gartens.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine vom Landratsamt München für den Landkreis München erteilte Reiterlaubnis im Englischen Garten nicht gültig ist. Es ist zwingend erforderlich, die spezifische Genehmigung der Parkverwaltung einzuholen.

Statistiken im Überblick

MerkmalWert
Gesamtfläche376 ha (ohne angrenzende Anlagen)
Fläche Gehölzca. 170 ha
Fläche Wiesenca. 187 ha
Fläche Wasserca. 16 ha
Länge Wegenetz78 km
Länge Reitwegeca. 12 km
Fläche Kleinhesseloher Seeca. 8 ha
Länge Bächeca. 15 km
Anzahl Brücken/Stegeüber 100
Jährliche Besuchermehr als 5 Mio.
Mitarbeiter Parkverwaltung60
Jährliche Kosten (Unterhalt)ca. 2,5 - 2,7 Mio. Euro
Jährlich gesammelter Müllca. 120 t

Häufig gestellte Fragen zum Englischen Garten

Q: Wie groß ist der Englische Garten in München?
A: Der Englische Garten hat eine Fläche von 376 Hektar. Rechnet man angrenzende Anlagen wie den Hof- und Finanzgarten hinzu, sind es sogar 411 Hektar. Er ist damit größer als der Central Park in New York oder der Hyde Park in London.

Q: Was kann man im Englischen Garten sehen oder unternehmen?
A: Der Park bietet zahlreiche Attraktionen und Aktivitäten. Dazu gehören berühmte Bauwerke wie der Chinesischer Turm und der Monopteros, der Kleinhesseloher See mit Bootsverleih, weitläufige Wiesen und Wälder, sowie ein etwa 78 km langes Wegenetz zum Spazierengehen, Joggen oder Radfahren. Es gibt auch einen speziellen Wildbienen-Lehrpfad im Nordteil. Mehrere Gaststätten und Biergärten laden zur Einkehr ein.

Q: Gibt es Gastronomie im Englischen Garten?
A: Ja, im Park gibt es vier Gaststätten (Aumeister, Chinesischer Turm, Hirschau, Seehaus) und vier Kioskbetriebe. Der Biergarten am Chinesischer Turm ist mit 7000 Plätzen einer der größten in Bayern.

Q: Darf man im Englischen Garten reiten?
A: Ja, es gibt ausgewiesene Reitwege und Flächen. Allerdings benötigen Sie dafür eine kostenpflichtige Jahres-Reitgenehmigung, die Sie bei der Verwaltung des Englischen Gartens beantragen müssen. Eine vom Landkreis erteilte Reiterlaubnis ist im Park nicht gültig.

Q: Was ist der Unterschied zwischen dem Süd- und dem Nordteil des Parks?
A: Der Südteil (bis zum Mittleren Ring) ist belebter und beherbergt viele der bekannten Sehenswürdigkeiten. Der Nordteil (ab dem Mittleren Ring) ist ruhiger, weitläufiger und naturbelassener, mit wilderen Wiesen und selteneren Besuchern.

Q: Warum heißt der Park 'Englischer Garten'?
A: Der vorliegende Text erklärt nicht explizit die Herkunft des Namens. Er beschreibt jedoch, dass die Anlage im Stil eines englischen Landschaftsgartens gestaltet wurde, der sich durch eine natürliche, oft idealisierte Landschaftsform auszeichnet, im Gegensatz zu den streng formalen Barockgärten.

Fazit

Der Englische Garten ist ein unverzichtbarer Bestandteil von München. Er bietet auf riesiger Fläche Erholung, Kultur und Natur. Seine reiche Geschichte, die durchdachte Gestaltung und die Vielzahl an Attraktionen machen ihn zu einem einzigartigen Ort, der für jeden Besucher etwas bereithält – sei es ein ruhiger Spaziergang im Norden, ein belebter Nachmittag am Chinesischer Turm oder einfach nur das Gefühl, inmitten einer grünen Oase zu sein.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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