Wo trinkt man Stiegl?

Stiegl Bier: Österreichs führende Privatbrauerei

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Die Stieglbrauerei zu Salzburg blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1492 reicht. Seit ihrer Gründung hat sich Stiegl zu einem Eckpfeiler der österreichischen Braukultur entwickelt und ist heute stolz darauf, die führende Privatbrauerei des Landes zu sein. Dieser Erfolg ist nicht zuletzt das Ergebnis einer tiefen Verbundenheit mit Werten wie Qualität, Regionalität und Respekt, die seit Jahrhunderten gepflegt werden. Im Herzen dieser Traditionsbrauerei steht seit über 120 Jahren eine Familie, deren Name untrennbar mit Stiegl verbunden ist: die Familie Kiener.

Wem gehört Stiegl Bier?
Seit mehr als 120 Jahren ist die Brauerei im Besitz der Familie Kiener und seit Ende 1990 leitet Dr. Heinrich Dieter Kiener (III.) die Geschicke des Unternehmens. In dieser Zeit entwickelte sich Stiegl von einer kleinen regionalen Braustätte zu Österreichs führender Privatbrauerei.

Die Reise von Stiegl ist eine Geschichte von Beständigkeit, Innovation und Überwindung zahlreicher Herausforderungen. Sie erzählt von bescheidenen Anfängen an einem kleinen Stieglein, über die Entwicklung historischer Ausschankstätten in Salzburg, bis hin zur modernen Produktionsstätte in Maxglan und der heutigen Bedeutung als wichtiger Wirtschaftsfaktor und Bewahrer österreichischer Braukunst. Dieses Erbe wird mit Leidenschaft gelebt und geformt, um auch zukünftige Generationen mit hochwertigem Bier zu begeistern.

Die Familie Kiener: Das Herzstück der Brauerei

Der Name Kiener steht seit mehr als 120 Jahren für die Eigentümerschaft und Führung der Stieglbrauerei. Diese lange Tradition im Familienbesitz ist eine Seltenheit in der heutigen globalisierten Wirtschaft und prägt die Philosophie des Unternehmens maßgeblich. Seit Ende der 1990er Jahre liegt die Leitung in den Händen von Dr. Heinrich Dieter Kiener (III.). Unter seiner Führung hat sich Stiegl von einer primär regionalen Braustätte zu Österreichs führender Privatbrauerei entwickelt.

Als „freier Unternehmer“ verkörpert Heinrich Dieter Kiener die Verantwortung, die mit der Leitung eines solchen Traditionsbetriebs einhergeht. Er setzt sich aktiv für eine gesunde, regionale Wirtschaftsstruktur ein und sichert österreichweit über 700 Arbeitsplätze. Die Prämisse, heimische Rohstoffe zu verwenden und respektvoll mit natürlichen Ressourcen umzugehen, ist tief in der Unternehmenskultur verankert. Doch nicht nur die Produkte, sondern auch der Umgang mit Menschen steht im Vordergrund: Ein wertschätzendes Miteinander mit Kund:innen, Lieferant:innen und Mitarbeiter:innen ist ein zentraler Wert. Denn bei Stiegl strebt man nicht nur beim Bier nach höchster Qualität, sondern in allen Bereichen des Unternehmens.

Spuren der Geschichte: Wo Stiegl einst und jetzt lebte

Die Geschichte der Stieglbrauerei ist eng mit der Stadt Salzburg und ihren historischen Orten verwoben. Die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1492 bezieht sich auf das „Prewhaws auff der Gestettenn“, auch bekannt als „Prewhaus bey dem Stieglein auf der Gstätten“. Seinen Namen verdankte das Brauhaus einer kleinen Treppe, einer „Stiege“, die einst vom Gebäude zum Almkanal führte. Dieses historische Brauhaus diente bis ins Jahr 1909 als Braugasthof, bevor es an die Stadt Salzburg verkauft wurde. Ein Teil des Gebäudes ging später an das Ursulinenkloster, das an dieser Stelle ein Mädchengymnasium errichtete. Auch heute noch erinnert eine kleine Treppe, die von der Gstättengasse zum Anton-Neumayr-Platz führt, an den Ursprung des Namens Stiegl.

Der historische Märzenkeller in der Festungsgasse

Ein weiterer bedeutender Ort in der Stiegl-Geschichte ist der Märzenkeller in der Festungsgasse. Im Jahr 1819 erwarb Johann Schreiner die Stieglbrauerei. Bereits ein Jahr später, 1820, kaufte er gemeinsam mit seiner Frau Anna Holzegger das Haus Nummer 206 in der Festungsgasse und richtete dort einen Märzenkeller ein. Der heutige Terrassengastgarten war ursprünglich Teil der Salzburger Stadtbefestigung. 1838 erhielt die Stieglbrauerei die Schankkonzession für diesen Garten und den Lagerkeller. Der Märzenkeller wurde in den folgenden Jahrzehnten weiter ausgebaut, unter anderem 1840 und 1860. Seine heutige architektonische Gestalt erhielt er durch Umbauten des Baumeisters Jacob Ceconi im Jahr 1901, der Erker, Giebel und Türmchen hinzufügte, sowie durch den Münchner Architekten Franz Zell im Jahr 1926.

Die ehemalige Stieglbierhalle in Mülln

In der Müllner Hauptstraße Nr. 7 befand sich seit dem 17. Jahrhundert ein Gasthaus mit großem Gastgarten. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde es vom Moserbräu aus der Judengasse betrieben. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts diente das Haus kurzzeitig als kaiserliches Werbhaus für Soldaten. Im Jahr 1902 erwarb die Stieglbrauerei das Anwesen und gestaltete es zu einem beliebten Bierkeller um. Bekannt ist das Gebäude auch durch einen historischen Besuch: Kaiser Franz I. und Zar Alexander I. trafen sich hier 1822 auf dem Weg zum Veroneser Kongress, um einem Schifferstechen auf der Salzach beizuwohnen. Heute ist das Gebäude ein Mietshaus.

Die Rochuskaserne: Vom Pesthaus zum Brauerei-Standort

Ein Areal von großer historischer Bedeutung für die Brauerei ist die ehemalige Rochuskaserne an der Rochusstraße/Kendlerstraße. Ursprünglich unter Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau als städtisches Pesthaus errichtet, wurde das Spital unter Erzbischof Sigismund Graf Schrattenbach (1754–58) renoviert und zu einem „Zucht- und Arbeitshaus“ umfunktioniert. Eine Inschrift über dem Eingangstor, „Abstine aut sustine“ („Meide oder leide“), erinnert noch heute an diese Zeit. Heinrich Kiener ließ 1903 an der Außenmauer der Brauerei eine Kapelle mit Kreuz errichten, um an den früheren Pestfriedhof zu erinnern.

Nachdem Salzburg 1816 endgültig zu Österreich kam, wurde das Spital als Kaserne genutzt. 1895 wurde die Umwandlung in eine Landwehrkaserne, die sogenannte Rochuskaserne, beschlossen. Hier war unter anderem das 8. Landwehr-Schützenbataillon stationiert. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden hier Hunde und Pferde untergebracht. Heute ist das Areal untrennbar mit dem modernen Brauereibetrieb verbunden. Hier befinden sich unter anderem die Stallungen für die beeindruckenden Braurösser, der Mitarbeiter-Schalander (die Kantine), Bewegungs- und Ruheräume für die Angestellten, Seminarräume und Büros. Inmitten dieses Betriebsamkeit steht jedoch weiterhin die kulturgeschichtlich bedeutsame Rochuskapelle.

Der Umzug und das Wachstum in Maxglan

Die heutige Produktionsstätte der Stieglbrauerei befindet sich in Salzburg-Maxglan. Die Verlegung der Brauerei an diesen Standort erfolgte bereits 1863 unter Josef Schreiner. Sein Nachfolger Kiener erwarb 1901 auch die bereits erwähnte Rochuskaserne. Nach einem schweren Brand in Maxglan im Jahr 1887 übernahm Franz Huemer die Leitung. Er ordnete die Finanzen neu und konnte innerhalb von nur zehn Jahren den Ausstoß von 18.000 auf beeindruckende 90.000 Hektoliter steigern. Im Jahr 1889 trat sein Neffe Heinrich Kiener (I.) in den Betrieb ein. Seine Nachkommen führen die Brauerei bis heute, aktuell in dritter Generation durch Heinrich Dieter Kiener.

Herausforderungen und Triumph: Die Entwicklung bis heute

Die Geschichte der Stieglbrauerei ist auch eine Geschichte der Überwindung von Krisen und der Anpassung an neue Gegebenheiten. Der Erste Weltkrieg führte zu starken Einbrüchen in der Produktion und im Absatz, von denen sich das Unternehmen erst in den 1920er Jahren langsam erholte. Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Logistik war die sogenannte Stieglbahn, die ab 1920 einen eigenen Anschluss an das österreichische Eisenbahnnetz ermöglichte und den Biertransport erheblich erleichterte. In dieser Zeit etablierte sich Stiegl stark im Salzburger Markt: Bereits 1924 war jedes zweite in Salzburg getrunkene Bier ein Stiegl.

Wem gehört Stiegl Bier?
Seit mehr als 120 Jahren ist die Brauerei im Besitz der Familie Kiener und seit Ende 1990 leitet Dr. Heinrich Dieter Kiener (III.) die Geschicke des Unternehmens. In dieser Zeit entwickelte sich Stiegl von einer kleinen regionalen Braustätte zu Österreichs führender Privatbrauerei.

Zwischen 1921 und 1925 wurden leerstehende landwirtschaftliche Gebäude der Brauerei in Maxglan an die Salzburger Kunstfilm verpachtet, die darin Filmateliers und ein Labor einrichtete – ein interessantes, wenn auch kurzes Kapitel der Diversifizierung. Der Börsencrash von 1929 brachte erneut magere Zeiten für die Brauerei, die erst mit dem Einmarsch deutscher Truppen 1938 und einer damit verbundenen, kurzfristigen wirtschaftlichen Scheinblüte ein Ende fanden.

Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit

Der Zweite Weltkrieg stellte Stiegl vor immense Herausforderungen. Aufgrund des Mangels an guten Rohstoffen litten Produktion und Qualität erheblich. Beschlagnahmungen und Bombenangriffe setzten der Brauerei zusätzlich zu. In den Jahren 1944/45 konnte die Familie Kiener nur noch etwa 40.000 Hektoliter Dünnbier herstellen.

Auch nach Kriegsende war die Versorgungslage zunächst schlecht. 1946 konnte Stiegl nur etwa 67.000 Liter eines sehr leichten Bieres mit nur 2,5° Stammwürze produzieren. Erst ab 1948 ermöglichten besser verfügbare Rohstoffe wieder die Herstellung eines qualitativ besseren Bieres. Eine Besonderheit der Nachkriegszeit war die Produktion von Bier für die in Salzburg stationierten amerikanischen Soldaten. Da diesen genügend Rohstoffe aus der Heimat zur Verfügung standen, konnten sie auf „hochgrädiges“ Bier zurückgreifen, das bei Stiegl gebraut und abgefüllt wurde – erkennbar am Vermerk „Brewed and bottled at the Stieglbrauerei“ auf Etiketten und Bierdeckeln.

Die Ära Heinrich Kiener II und der Weg zur Moderne

Kurz nach dem Tod von Heinrich Kiener I im Jahr 1950 konnte die Brauerei unter der Leitung von Heinrich Kiener II wieder Vollbier mit 12° Stammwürze und ein Spezialbier mit 14° produzieren. In seiner 51-jährigen Tätigkeit für die Brauerei steigerte Heinrich Kiener II den Brauausstoß zwischen 1950 und 1960 um 100.000 Hektoliter. Er zeigte auch unternehmerischen Weitblick über das Bier hinaus und gründete die „Salzburger Getränkeindustrie“, wodurch er Coca-Cola nach Salzburg brachte und im ersten Jahr bereits 100.000 Kisten verkaufte.

1990 verstarb der 80-jährige Heinrich Kiener II. Die Leitung der Stieglbrauerei übernahm nun wiederum ein Mitglied der Familie: Dr. Heinrich Dieter Kiener III. Unter seiner Führung wurde ab 1991 der Gär- und Lagerkeller erweitert. Ein Meilenstein war die Eröffnung der Stiegl-Brauwelt im Jahr 1995, die sich schnell zur größten Bierausstellung Europas entwickelte und heute ein beliebter Veranstaltungsort für Konzerte, Theater- und Kabarettaufführungen ist.

Stiegl heute: Zahlen, Fakten und die Zukunft

Heute ist die Stieglbrauerei zu Salzburg die größte in Privatbesitz befindliche Brauerei Österreichs. Mit einem jährlichen Absatz von rund 1.000.000 Hektolitern Bier spielt Stiegl eine bedeutende Rolle auf dem österreichischen Biermarkt. Die wichtigsten Absatzgebiete sind traditionell Salzburg, Oberösterreich und Tirol. Beliefert werden circa 15.000 Kunden österreichweit. Die Absatzkanäle verteilen sich zu 43 % auf das Gastgewerbe und zu 57 % auf den Handel mit Handelsketten.

Auch bei den Verpackungsarten zeigt sich eine klare Verteilung des Ausstoßes: Etwas mehr als ein Drittel (34 %) wird in Fässern geliefert, 61 % in Flaschen und fünf Prozent in Dosen. Der österreichweite Marktanteil von Stiegl liegt bei circa elf Prozent.

Stiegl Distribution Heute

BereichAnteil
Gastronomie43%
Handel57%

Verpackungsarten (Anteil am Ausstoß)

VerpackungAnteil
Fass34%
Flaschen61%
Dosen5%

Im Jahr 2021 unterstrich Stiegl seine Verpflichtung zur Unabhängigkeit und regionalen Braukultur, indem die Brauerei zusammen mit neun anderen Gründungsmitgliedern den „Verein der Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs“ ins Leben rief. Dies festigt die Position von Stiegl als Verfechter des unabhängigen Brauwesens und der traditionellen Braukunst.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Stiegl

Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Stieglbrauerei.

  • Wem gehört die Stieglbrauerei?
    Die Stieglbrauerei befindet sich seit über 120 Jahren im Besitz der Familie Kiener. Aktuell wird das Unternehmen von Dr. Heinrich Dieter Kiener III. geleitet.
  • Ist Stiegl die größte Brauerei Österreichs?
    Stiegl ist die größte Privatbrauerei Österreichs.
  • Wo befindet sich der Hauptsitz und die Produktion von Stiegl?
    Der Hauptsitz und die Produktionsstätte der Stieglbrauerei befinden sich in Salzburg-Maxglan.
  • Was ist die Stiegl-Brauwelt?
    Die Stiegl-Brauwelt in Salzburg ist Europas größte Bierausstellung und dient zugleich als bekannter Veranstaltungsort für diverse Events.
  • Seit wann gibt es die Stieglbrauerei?
    Die Geschichte der Stieglbrauerei reicht sehr weit zurück. Die erste urkundliche Erwähnung des Brauhauses stammt aus dem Jahr 1492.

Die Stieglbrauerei ist mehr als nur ein Bierproduzent; sie ist ein Stück österreichischer Geschichte und Kultur. Die lange Tradition im Familienbesitz, die Verankerung in der Region Salzburg und das fortwährende Streben nach höchster Qualität und nachhaltigem Wirtschaften machen Stiegl zu einem herausragenden Beispiel für eine erfolgreiche Privatbrauerei, die ihre Wurzeln ehrt und gleichzeitig mutig in die Zukunft blickt.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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