Schloss Drachenburg, eine majestätische Anlage oberhalb von Königswinter, zieht nicht nur Geschichtsinteressierte und Touristen an, sondern dient auch immer wieder als beeindruckende Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen. Aktuell steht das Schloss im Rampenlicht der internationalen Unterhaltungsindustrie, da hier Szenen für eine hochkarätige deutsche Serie gedreht werden. Doch das Schloss hat eine weit bewegtere Geschichte, geprägt von seinem Erbauer und einem besonders exzentrischen späteren Besitzer, dessen Leben und Wirken eng mit der jüngeren Geschichte des Schlosses verbunden sind.

Dreharbeiten auf historischem Grund
Derzeit wird auf Schloss Drachenburg mit außergewöhnlichem Aufwand für die finale Staffel der international erfolgreichen Serie „Babylon Berlin“ gedreht. Die Macher der Serie haben sich entschieden, das Schloss für einen Zeitraum von vier Wochen komplett in Beschlag zu nehmen. Dieser Umstand unterstreicht die Bedeutung und die visuelle Anziehungskraft von Schloss Drachenburg als authentischer Drehort für historische Stoffe. Der Aufwand, der hier betrieben wird, ist nach Berichten so hoch wie nie zuvor bei Dreharbeiten an diesem spezifischen Ort. Dies zeugt von der zentralen Rolle, die das Schloss in der kommenden Staffel der packenden Kriminalserie spielen könnte.
Der ungewöhnliche Retter: Paul Spinat
Die jüngere Geschichte von Schloss Drachenburg ist untrennbar mit einer schillernden und höchst ungewöhnlichen Persönlichkeit verbunden: Paul Spinat. Spinat stammte aus eher einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Postbeamter, und seine Mutter führte einen Kiosk. Trotz dieser bescheidenen Anfänge besuchte er das renommierte Aloisiuskolleg in Godesberg. Im Anschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse Godesberg, wo er es bis zum Vize-Direktor brachte. Dies legte den Grundstein für seinen späteren finanziellen Erfolg.
Während des Zweiten Weltkriegs diente Spinat als Oberleutnant zur See in der Marine. Nach dem Krieg widmete er sich dem Aufbau eigener Unternehmen. 1949 gründete er die Firma Spitan-Bekleidung. Er selbst übernahm die Geschäftsführung und war für die kaufmännischen Belange zuständig, während seine Tochter Erika ihr Talent für den Entwurf und die Herstellung maßgeschneiderter Damenkleider einbrachte. Bereits 1950 beschäftigte Spitan 18 Mitarbeiter, ein Zeichen für den frühen Erfolg des Unternehmens.
Parallel dazu verdiente Paul Spinat erheblich an Immobiliengeschäften. Ab 1956 begann er, diese Einnahmen in die Gestaltung seines eigenen Wohnhauses in Bad Godesberg zu investieren. Was einst ein einfaches Holzhaus war, ließ er derart extravagant mit Zinnen, Bögen und Türmchen ausstatten, dass die Zeitungen darüber berichteten. Er legte sich zudem ein eigenes Familienwappen zu und begann, Kunst und Kitsch zu sammeln. Sein Sinn für das Außergewöhnliche und die theatralische Inszenierung zeichnete sich schon früh ab.
Der Kauf von Schloss Drachenburg und seine Folgen
Im Jahr 1971 erwarb Paul Spinat Schloss Drachenburg vom Land Nordrhein-Westfalen. Der Kaufpreis betrug 500.000 DM, finanziert über einen Bausparvertrag. Zu diesem Zeitpunkt war der Zustand des Schlosses prekär; es war vom Verfall bedroht. Es war Spinats Verdienst, das Schloss durch diesen Kauf zunächst vor dem weiteren Zerfall zu bewahren. Nach dem Erwerb ließ er das Schloss nach seinem persönlichen Geschmack renovieren und ausstatten. Allerdings erwiesen sich die Unterhaltskosten für die riesige Anlage als enorm. Weder sein eigenes Geld noch die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern der Besucher reichten aus, um den laufenden Betrieb zu finanzieren.
Um die notwendigen Mittel zu generieren, begann Spinat, das Schloss als Veranstaltungsort zu nutzen. Er organisierte Konzerte und Ausstellungen. Darunter befanden sich bemerkenswerte Ausstellungen mit Werken weltberühmter Künstler wie Marc Chagall und Salvador Dalí. Darüber hinaus gab er Feste und Empfänge, zu denen Prominente geladen waren. Sogar der ikonische Pop-Art-Künstler Andy Warhol gehörte zu den Besuchern des Schlosses und nutzte ein Foto des Gebäudes als Vorlage für eines seiner Kunstwerke. Diese Aktivitäten brachten zwar Aufmerksamkeit und einige Einnahmen, konnten die finanziellen Probleme aber nicht dauerhaft lösen.
1975 erweiterte Paul Spinat seinen Schlossbesitz und kaufte Schloss Marienfels bei Remagen. Doch die finanzielle Last wurde zu groß. Ende der 1980er Jahre hatte er so viele Schulden angehäuft, dass er beide Schlösser nicht mehr halten konnte. Schloss Drachenburg wurde vom Land NRW für acht Millionen Mark zurückgekauft, eine Summe, die deutlich über dem ursprünglichen Kaufpreis lag und Spinats Beitrag zur Rettung des Schlosses würdigte. Schloss Marienfels wurde vom sogenannten „Burgenkönig“ Herbert Hillebrand erworben und erlangte später bundesweite Bekanntheit, als der Fernsehmoderator Thomas Gottschalk es kaufte.
Ein Leben voller Exzentrik
Paul Spinat war bekannt für seine exzentrische Art und seine Vorliebe für Selbstinszenierung. Er nannte sich gerne „Graf Spinat“ und besaß einen goldenen Rolls-Royce Silver Shadow, der seine extravagante Lebensweise unterstrich. Er empfing Gäste auf einer Freitreppe, die ins Nichts führte, oft gekleidet in einer Phantasieuniform. In der Öffentlichkeit trat er stets mit einem Toupet auf. Eine besonders kuriose Angewohnheit war, dass er Orgelkonzerte auf einer Attrappe gab, wobei die Musik tatsächlich vom Band kam. Solche Auftritte machten ihn zu einer lokalen Berühmtheit und trugen zu seinem Ruf als Original bei.
Sein Privatleben war ebenfalls bewegt. 1931 heiratete er Gertrud Heimann, mit der er die Tochter Erika hatte. Diese Ehe wurde 1950 geschieden. 1968 heiratete er ein zweites Mal. Drei Jahre nach dem Tod seiner zweiten Frau Karla im Jahr 1982 heiratete er 1985 Erina Prinzessin von Sachsen, geborene Eilts. Erina Prinzessin von Sachsen wurde ihrerseits unter anderem dadurch bekannt, dass sie 1992 den Schauspieler Olli Maier adoptierte, den Witwer von Helga Feddersen.
Trotz seiner skurrilen Auftritte und finanziellen Schwierigkeiten wurde Paul Spinat 1986 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen, eine Anerkennung für seine Verdienste, zu denen zweifellos auch die Rettung von Schloss Drachenburg vor dem Verfall gehörte.
Späte Jahre und Vermächtnis
Paul Spinat starb im Februar 1989 im Alter von 84 Jahren. Bis zu seinem Tod residierte er auf Schloss Drachenburg. Er wurde auf dem Friedhof Am Palastweiher in Königswinter beigesetzt, direkt neben dem Erbauer des Schlosses, Stephan Freiherr von Sarter. Damit fand er seine letzte Ruhe an dem Ort, den er maßgeblich vor dem Verfall bewahrt hatte. Seine Witwe Erina starb 88-jährig im Jahr 2010.

Paul Spinats Geschichte ist die eines Aufsteigers aus kleinen Verhältnissen, eines erfolgreichen Geschäftsmanns, eines leidenschaftlichen Sammlers und eines exzentrischen Liebhabers historischer Gebäude. Seine Zeit auf Schloss Drachenburg war turbulent, geprägt von finanziellen Nöten, aber auch von kulturellen Veranstaltungen und Begegnungen mit berühmten Persönlichkeiten. Er hat zweifellos dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit auf Schloss Drachenburg zu lenken und es in einer kritischen Phase seiner Geschichte zu erhalten. Heute dient das Schloss wieder als prachtvolle Kulisse für moderne Produktionen wie „Babylon Berlin“, was zeigt, dass seine Geschichte und seine Anziehungskraft lebendig bleiben.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Film oder welche Serie wird aktuell auf Schloss Drachenburg gedreht?
Auf Schloss Drachenburg werden derzeit Szenen für die finale Staffel der international erfolgreichen Serie „Babylon Berlin“ gedreht.
Wie lange dauern die Dreharbeiten für „Babylon Berlin“ auf Schloss Drachenburg?
Das Filmteam nimmt das Schloss für vier Wochen in Beschlag.
Wer war ein bekannter Besitzer von Schloss Drachenburg in der jüngeren Geschichte?
Ein bekannter Besitzer war Paul Spinat, der das Schloss 1971 kaufte.
Wie hat Paul Spinat sein Geld verdient, bevor er Schloss Drachenburg kaufte?
Er gründete das Unternehmen Spitan-Bekleidung und verdiente viel Geld mit Immobiliengeschäften.
Was tat Paul Spinat, um die Unterhaltskosten von Schloss Drachenburg zu decken?
Er organisierte Konzerte, Ausstellungen (u.a. mit Werken von Chagall und Dalí) und gab Feste mit Prominenten.
Welcher berühmte Künstler besuchte Schloss Drachenburg während Spinats Besitz?
Andy Warhol besuchte das Schloss und nutzte ein Foto davon für eines seiner Kunstwerke.
Warum verkaufte Paul Spinat Schloss Drachenburg wieder?
Er hatte Schulden angehäuft und konnte den Unterhalt nicht mehr tragen.
Wer kaufte Schloss Drachenburg von Paul Spinat zurück?
Das Land Nordrhein-Westfalen kaufte es für acht Millionen Mark zurück.
Wurde Paul Spinat für seine Verdienste um das Schloss ausgezeichnet?
Ja, ihm wurde 1986 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Wo ist Paul Spinat begraben?
Er ist auf dem Friedhof Am Palastweiher in Königswinter begraben, neben dem Erbauer Stephan Freiherr von Sarter.
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