Wo gehen junge Leute in Berlin hin?

Zehlendorf: Berlins grünes Juwel entdecken

Rating: 4.05 (6509 votes)

Berlin ist eine Stadt der Kontraste und der Vielfalt, was sich eindrucksvoll in ihren zahlreichen Stadtteilen widerspiegelt. Von lebendigen Szenevierteln bis hin zu ruhigen, exklusiven Wohngegenden bietet die deutsche Hauptstadt für jeden Anspruch das passende Umfeld. Besonders hervorzuheben sind jene Bezirke, die für ihren Wohlstand, ihre erstklassige Infrastruktur und ein gehobenes Lebensgefühl stehen. In diesem Zusammenhang fällt oft der Name Zehlendorf. Doch ist Zehlendorf wirklich ein gutes Viertel? Und welche Besonderheiten machen es aus?

Zehlendorf, gelegen im grünen Südwesten Berlins, zählt zweifellos zu den wohlhabendsten und begehrtesten Wohngegenden der Stadt. Zusammen mit anderen Bezirken wie Charlottenburg-Wilmersdorf oder Grunewald steht Zehlendorf für exklusive Immobilien, weitläufige Grünflächen und einen überdurchschnittlich hohen Lebensstandard. Das Viertel zieht Menschen an, die Ruhe, Natur und eine hohe Wohnqualität suchen, ohne auf die Annehmlichkeiten der Großstadtnähe verzichten zu wollen.

Wie hieß Zehlendorf früher?
Die Waldsiedlung Zehlendorf, auch Onkel Toms Hütte genannt, entsteht zwischen 1926 und 1931 tief im Südwesten Berlins.

Zehlendorf: Ein Synonym für gehobenes Wohnen

Die Frage, ob Zehlendorf ein gutes Viertel ist, lässt sich, je nach Perspektive, unterschiedlich beantworten. Für viele Berliner und Neu-Berliner gilt Zehlendorf als Inbegriff eines guten Viertels – vor allem, wenn es um Lebensqualität, Sicherheit und ein naturnahes Umfeld geht. Charakteristisch sind hier die zahlreichen Villen und Einfamilienhäuser mit großen Gärten, gesäumt von alten Bäumen. Die Nähe zu Seen wie der Krummen Lanke oder dem Grunewaldsee sowie ausgedehnte Waldgebiete tragen maßgeblich zur Attraktivität bei. Die Infrastruktur ist hervorragend, mit guten Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und einer soliden Verkehrsanbindung, auch wenn der Weg ins Stadtzentrum etwas länger sein kann als aus zentraleren Lagen.

Der Immobilienmarkt in Zehlendorf gehört zu den teuersten Berlins, was den exklusiven Charakter des Viertels unterstreicht. Wer hier lebt, schätzt die ruhige Atmosphäre und die Möglichkeit, dem Trubel der Innenstadt zu entfliehen, ohne die Vorzüge einer Metropole missen zu müssen.

Ein historisches Highlight: Die Waldsiedlung "Onkel Toms Hütte"

Neben den klassischen Villengebieten birgt Zehlendorf auch architektonisch und historisch interessante Facetten. Eine davon ist die berühmte Waldsiedlung Zehlendorf, weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt als Onkel Toms Hütte. Diese Siedlung, die zwischen 1926 und 1931 entstand, ist ein herausragendes Beispiel der Berliner Moderne und zählt heute zum UNESCO-Welterbe. Sie liegt tief im Südwesten Berlins, zu beiden Seiten der Argentinischen Allee.

Der ungewöhnliche Name „Onkel Toms Hütte“ leitet sich von einem nahegelegenen Ausflugslokal ab, das zur Zeit der Entstehung der Siedlung existierte und bis heute dem benachbarten U-Bahnhof seinen Namen gibt. Die Siedlung wurde im Auftrag der Gemeinnützigen Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft (GEHAG) errichtet.

Architektur und Vision von Bruno Taut und Kollegen

Federführend bei der Planung der Waldsiedlung war Bruno Taut, Chefarchitekt der GEHAG und eine der Schlüsselfiguren der Berliner Moderne. Taut hatte zuvor bereits die Hufeisensiedlung in Britz entworfen. Für die Waldsiedlung Zehlendorf stand ihm auf dem weitläufigen, damals noch unbebauten Gelände am Stadtrand mehr Gestaltungsfreiheit zur Verfügung. Seine Ideen für die Siedlung integrierten die Naturverbundenheit der Gartenstadt-Bewegung mit den städtebaulichen Prinzipien des gemeinnützigen Wohnungsbaus.

Neben Taut waren zwei weitere namhafte Architekten der Berliner Moderne am Projekt beteiligt: Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg. Beide passten ihre Entwürfe den Vorgaben Tauts an, gaben den von ihnen geplanten Reihenhäusern aber jeweils eine eigene Note – Häring etwa durch farbige Akzente an den Dachüberständen, Salvisberg durch die Markierung der Grenzen zwischen den Häusern mit Ziegelschichten.

Die Siedlung umfasst über 1.900 Wohneinheiten, darunter etwa 1.100 Geschosswohnungen und 800 Einfamilienhäuser. Die Wohnflächen, insbesondere die der Einfamilienhäuser (oft 85 oder 104 Quadratmeter), waren für die damalige Zeit großzügig bemessen. Ein besonderes Merkmal aller Einfamilienhäuser war und ist der zugehörige Mietergarten, der bis heute zu einer hohen Lebensqualität beiträgt.

Farbenpracht und Funktionalität: Die „Papageiensiedlung“

Ein herausragendes Merkmal der von Bruno Taut entworfenen Wohnblocks im Norden der Siedlung ist der intensive Einsatz von Farbe. Taut nutzte unterschiedliche Farbflächen an den Fassaden, um das Straßenbild zu beleben und Lebensfreude zu vermitteln. Dieses Gestaltungsmittel hatte er bereits in der Gartenstadt Falkenberg angewendet, doch die Waldsiedlung wurde zu seinem farbenprächtigsten Entwurf seit 1913. Intensive Grün-, Gelb- und Blautöne wechselten sich ab, was der Siedlung den Spitznamen „Papageiensiedlung“ einbrachte – ein Name, der nicht immer nur positiv gemeint war, da die bunte Gestaltung für manche Zeitgenossen gewöhnungsbedürftig war.

Auch die landschaftliche Gestaltung spielte eine wichtige Rolle. Die Landschaftsarchitekten Leberecht Migge und Martha Willings-Göhre bezogen den vorhandenen Baumbestand aus Kiefern in ihre Planung ein. Die Häuserreihen wurden immer wieder geöffnet, um den Blick auf die Bäume in den Gärten freizugeben, und die Farbgebung der Fassaden schuf interessante Kontraste zum umliegenden Grün.

Der "Zehlendorfer Dächerkrieg": Ein architektonischer Konflikt

Die moderne, farbenfrohe Architektur der Waldsiedlung mit ihren flachen Pultdächern stieß nicht überall auf Gegenliebe. Insbesondere Traditionalisten sahen darin eine Abkehr vom Althergebrachten. Hinzu kamen soziale Spannungen, da sich im Villenvorort Zehlendorf einige gut betuchte Bürger gegen den Zuzug ärmerer Bevölkerungsschichten wehrten, die in den neuen GEHAG-Wohnungen ein Zuhause fanden.

Parallel zur Waldsiedlung entstand am Rande von Onkel Toms Hütte ein Projekt der Gemeinnützigen AG für Angestellten-Heimstätten (GAGFAH), die der konservativen Zentrumspartei nahestand: die Versuchssiedlung Am Fischtal. Deren Architektur im Heimatstil mit traditionellen Satteldächern stand im starken Kontrast zur modernen Gestaltung der Waldsiedlung. Diese Gegenüberstellung ging als „Zehlendorfer Dächerkrieg“ in die Architekturgeschichte ein und verdeutlicht die ideologischen und ästhetischen Konflikte der Zeit.

Was ist das besondere am Kudamm?
Kultur und Sehenswürdigkeiten am Kurfürstendamm Am Beginn des Boulevards befindet sich auf dem Breitscheidplatz die eindrucksvolle Kaiser-Wilhelm-Gedächtsniskirche mit ihrer besonderen Architekturgeschichte. Hier können Sie an heißen oder verregneten Tagen zwischendurch einkehren und Ruhe finden.

Die Waldsiedlung heute: Denkmal und lebendiges Viertel

Die Waldsiedlung Onkel Toms Hütte überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. In den folgenden Jahrzehnten kam es zu einigen Umbauten, die das ursprüngliche Bild veränderten, doch ab den 1980er Jahren wurden umfassende Sanierungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen initiiert. Seit 1995 steht die Siedlung als Flächendenkmal unter Denkmalschutz und ist seit 2008 Teil des UNESCO-Welterbes „Siedlungen der Berliner Moderne“.

Auch heute noch ist die Waldsiedlung ein attraktiver Wohnort mit hoher Lebensqualität. Die Verbindung von naturnahem Wohnen und guter Anbindung an die Stadt (seit 1929/1932 durch den U-Bahnhof Onkel Toms Hütte der Linie U3) macht sie besonders reizvoll. Der Bahnhof selbst, ursprünglich von Alfred Grenander entworfen und von Otto Rudolf Salvisberg erweitert, ist mit seinen markanten Ladenpassagen ebenfalls ein architektonisches Highlight.

Mehr als nur Wohnen: Umgebung und Freizeitmöglichkeiten

Die Umgebung von Zehlendorf und der Waldsiedlung bietet zahlreiche Möglichkeiten für Freizeitgestaltung und kulturelle Entdeckungen. In der Nähe befinden sich Museen wie das Brücke-Museum, das Kunsthaus Dahlem und das Haus am Waldsee, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind. Die Seenlandschaft der Krummen Lanke, des Riemeisterfenn und des Grunewaldsees lädt zu Spaziergängen und Erholung ein. Auch die Domäne Dahlem, ein Freilichtmuseum für Agrarwissenschaft, und das Alliierten-Museum sind beliebte Ausflugsziele.

Zehlendorf im Überblick: Vorzüge und Besonderheiten

AspektBeschreibung für Zehlendorf / Onkel Toms Hütte
WohnqualitätSehr hoch, geprägt von viel Grün, Ruhe und großzügigen Grundstücken/Wohnungen.
ImmobilienÜberwiegend exklusiv und hochpreisig, mit Villen, Einfamilienhäusern und architektonisch bedeutsamen Siedlungen.
Natur & GrünflächenHervorragend, mit Wäldern, Seen und zahlreichen Parks und Gärten.
ArchitekturVielfältig, von klassischen Villen bis zur modernen Siedlungsarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts (z.B. Onkel Toms Hütte).
InfrastrukturGut, mit Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (U-Bahn, Busse).
Historische BedeutungBedeutend, insbesondere durch das UNESCO-Welterbe Waldsiedlung Zehlendorf und den "Zehlendorfer Dächerkrieg".

Häufig gestellte Fragen zu Zehlendorf

Ist Zehlendorf ein teures Pflaster?
Ja, Zehlendorf gehört zu den wohlhabendsten und teuersten Wohngegenden Berlins. Die Immobilienpreise liegen hier deutlich über dem Berliner Durchschnitt.

Was ist die Waldsiedlung Zehlendorf?
Die Waldsiedlung Zehlendorf, auch Onkel Toms Hütte genannt, ist eine historische Wohnsiedlung im Südwesten Berlins, die zwischen 1926 und 1931 im Stil der Berliner Moderne errichtet wurde. Sie ist heute Teil des UNESCO-Welterbes.

Wer hat Onkel Toms Hütte gebaut?
Die Siedlung wurde von namhaften Architekten der Berliner Moderne entworfen, allen voran Bruno Taut, sowie Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg.

Warum heißt die Siedlung „Onkel Toms Hütte“?
Der Name leitet sich von einem ehemaligen Ausflugslokal und dem heutigen U-Bahnhof in der Nähe der Siedlung ab.

Was war der "Zehlendorfer Dächerkrieg"?
Dies war ein historischer Konflikt in den späten 1920er Jahren zwischen der modernen Architektur mit Flachdächern der Waldsiedlung Zehlendorf und der traditionellen Architektur mit Satteldächern der benachbarten Versuchssiedlung Am Fischtal.

Steht Onkel Toms Hütte unter Denkmalschutz?
Ja, die Waldsiedlung steht seit 1995 als Flächendenkmal unter Schutz und ist seit 2008 Teil des UNESCO-Welterbes.

Wie komme ich zur Waldsiedlung Onkel Toms Hütte?
Die Siedlung ist am besten mit der U-Bahn-Linie U3 zu erreichen. Fahren Sie bis zum Bahnhof Onkel Toms Hütte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Zehlendorf für viele Menschen tatsächlich ein sehr gutes Viertel ist, insbesondere für jene, die Wert auf Ruhe, Natur und ein gehobenes Wohnumfeld legen. Die Geschichte des Viertels, sichtbar etwa in der architektonisch bedeutenden Waldsiedlung „Onkel Toms Hütte“, verleiht ihm zusätzlichen Charakter und macht es zu einem facettenreichen Teil Berlins, der weit mehr zu bieten hat als nur luxuriöse Adressen.

Hat dich der Artikel Zehlendorf: Berlins grünes Juwel entdecken interessiert? Schau auch in die Kategorie Gastronomie rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!

Avatar-Foto

Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

Go up