Inmitten der Stadt Magdeburg erhebt sich ein Bauwerk, das auf den ersten Blick anders ist. Es ist die sogenannte Grüne Zitadelle, besser bekannt als das Hundertwasserhaus Magdeburg. Dieses farbenfrohe und unkonventionelle Gebäude ist nicht nur ein Blickfang, sondern verkörpert eine ganz besondere Philosophie des Wohnens und Lebens. Es ist das letzte von dem visionären österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser konzipierte und realisierte Architekturprojekt, ein Erbe, das bis heute Menschen anzieht und fasziniert.

Das Hundertwasserhaus in Magdeburg ist mehr als nur eine Ansammlung von Mauern und Dächern. Es ist eine gelebte Utopie, eine Oase der Menschlichkeit und der Natur inmitten einer oft als rational und steril empfundenen städtischen Umgebung. Die Idee hinter diesem einzigartigen Bauwerk entspringt tiefen Überzeugungen des Künstlers Friedensreich Hundertwasser, der Architektur als eine Erweiterung des menschlichen Seins betrachtete. Für ihn war das Haus die dritte Haut des Menschen, nach der natürlichen Haut und der Kleidung. Eine Haut, die ebenso individuell und nach den eigenen Wünschen gestaltet werden können sollte.
Die Entstehung eines architektonischen Traums in Magdeburg
Die Geschichte der Grünen Zitadelle begann nicht direkt als Neubauprojekt. Ursprünglich im Jahr 1998 angedacht, war die Idee der Wohnungsbaugenossenschaft "Stadt Magdeburg von 1954" eG., einen bestehenden Plattenbau am Breiten Weg nach den Plänen Hundertwassers umgestalten zu lassen. Doch aus dem Umbaukonzept entwickelte sich bald ein ambitioniertes Neubauprojekt, das die Vision des Künstlers in vollem Umfang verwirklichen sollte.
Die Realisierung dieses außergewöhnlichen Vorhabens übernahm im Jahr 2002 die GERO-AG. Mit dem ersten Spatenstich im Dezember 2003 nahm der Traum Gestalt an. Die Bauzeit war vergleichsweise kurz, nur zwei Jahre dauerte es, bis dieses einzigartige Gebäude stand. Am 3. Oktober 2005 wurde die Grüne Zitadelle schließlich feierlich eröffnet und ist seitdem ein fester Bestandteil und ein unverwechselbares Wahrzeichen der Stadt Magdeburg.
Besonders bemerkenswert ist, dass Friedensreich Hundertwasser selbst die Fertigstellung seines Projekts nicht mehr erleben konnte. Er verstarb bereits am 19. Februar 2000. Doch er hatte bis kurz vor seinem Tod intensiv an den Plänen für die Grüne Zitadelle gearbeitet. Alle notwendigen Planungen waren abgeschlossen, ein detailliertes Baumodell existierte und zahlreiche Detailzeichnungen lagen vor. Dies ermöglichte es, sein Werk postum zu realisieren, ganz im Sinne seiner letzten architektonischen Vorstellungen. Somit ist das Hundertwasserhaus in Magdeburg das letzte fertig konzipierte und tatsächlich realisierte Bauwerk des österreichischen Künstlers, ein bedeutendes Vermächtnis seiner kreativen Schaffenskraft und seiner einzigartigen Sichtweise auf die Architektur.
Friedensreich Hundertwassers Philosophie: Architektur als dritte Haut
Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) war weit mehr als nur ein Maler. Seit den 1950er Jahren widmete er sich verstärkt der Architektur und entwickelte dabei revolutionäre Ideen, die sich grundlegend von der damals vorherrschenden rationalen und funktionalen Bauweise unterschieden. Seine Philosophie basierte auf der Überzeugung, dass es einen engen und untrennbaren Zusammenhang zwischen der Form der Architektur und dem Wohlbefinden der Menschen gibt, die in oder mit ihr leben.
Für Hundertwasser war das Haus die „dritte Haut“ des Menschen. Er argumentierte, dass der Mensch seine erste Haut (die natürliche Haut) und seine zweite Haut (die Kleidung) nach seinem Willen auswählen und gestalten kann. Genauso sollte er auch die Möglichkeit haben, seine dritte Haut, sein Wohnumfeld, individuell zu gestalten. Diese Idee stand im krassen Gegensatz zu uniformen und standardisierten Bauten, die seiner Meinung nach die menschliche Seele erstickten.
Zwei zentrale Konzepte prägten Hundertwassers Architekturprojekte: das „Fensterrecht“ und die „Baumpflicht“. Das Fensterrecht besagt, dass jeder Bewohner das Recht haben sollte, seine Fensterumgebung so zu gestalten, wie es ihm gefällt, auch wenn dies die Fassade des Gebäudes verändert. Es war ein Plädoyer für Individualität und gegen architektonische Gleichmacherei. Die Baumpflicht hingegen forderte die Integration von Natur in und auf Gebäuden. Bäume sollten aus Fenstern wachsen, Dächer und Fassaden begrünt werden. Dies sollte nicht nur die Ästhetik verbessern, sondern auch die Verbindung des Menschen zur Natur stärken und ökologische Vorteile bringen.
Hundertwasser betrachtete es als die hohe Aufgabe der Architektur, den Menschen in ein verloren geglaubtes Paradies zurückzuführen. Seine Bauten sollten Orte sein, an denen sich der Mensch wohlfühlt, an denen seine Seele atmen kann und an denen er in Harmonie mit der Natur lebt. Die Grüne Zitadelle von Magdeburg ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie diese Philosophie in die Tat umgesetzt wurde. Sie ist ein Manifest gegen gerade Linien und sterile Oberflächen, ein Bekenntnis zu organischen Formen, Farben und der Integration von Grün.
Die Grüne Zitadelle: Ein lebendiges und vielfältiges Gebäude
Das Hundertwasserhaus in Magdeburg, auch bekannt als die Grüne Zitadelle, ist weit mehr als nur ein Wohnhaus. Es ist ein komplexes, multifunktionales Gebäude, das unterschiedliche Nutzungsbereiche unter einem Dach vereint und somit ein lebendiger Ort der Begegnung und des Lebens ist. Es beherbergt eine beeindruckende Vielfalt an Angeboten, die es zu einem integralen Bestandteil des städtischen Lebens machen.
Ein zentraler Bestandteil sind die 55 Wohnungen. Jede einzelne dieser Wohnungen ist einzigartig gestaltet, keine gleicht der anderen. Sie bieten individuelle Lebensräume, die den Bewohnern die Möglichkeit geben, ihre „dritte Haut“ ganz persönlich zu erleben und zu gestalten. Diese Vielfalt in den Grundrissen und Details spiegelt Hundertwassers Wunsch nach individuellen Wohnräumen wider.
Neben den Wohnungen beherbergt die Grüne Zitadelle auch eine Reihe von Gewerbeflächen. Attraktive Ladenlokale laden zum Einkaufen ein und bieten ein besonderes Ambiente. Darüber hinaus gibt es Eventräume, die für Veranstaltungen genutzt werden können, sowie Büros und Arztpraxen. Diese Mischung aus Wohnen und Arbeiten, aus Handel und Dienstleistung schafft eine lebendige Atmosphäre.
Ein weiteres Highlight ist das Hotel, das Besuchern die Möglichkeit bietet, direkt in Hundertwassers Werk zu übernachten und die einzigartige Architektur hautnah zu erleben. Auch kulturelle Einrichtungen finden hier ihren Platz, darunter ein Theater, das regelmäßig Aufführungen anbietet und das kulturelle Leben der Stadt bereichert. Nicht zuletzt gibt es auch einen Kindergarten, der zeigt, dass Hundertwassers Vision eines menschen- und naturnahen Lebensraums alle Altersgruppen einschließt.

Die Grüne Zitadelle ist somit ein Ort, an dem Menschen nicht nur wohnen, arbeiten oder einkaufen können. Es ist ein Ort, an dem man staunen und genießen kann, an dem gefeiert und getagt wird. Diese multifunktionale Nutzung macht das Gebäude zu einem lebendigen und dynamischen Zentrum im Herzen von Magdeburg.
Wem gehört die Grüne Zitadelle heute?
Die Eigentumsverhältnisse des Hundertwasserhauses in Magdeburg haben sich im Laufe der Zeit geändert. Ursprünglich vom Bistum Magdeburg über seine Firma Centum Aqua Immobilien GmbH gehalten, wurde das kunterbunte Wohn- und Geschäftshaus zum 1. Januar 2014 verkauft.
Der neue Eigentümer ist die Gestiun-Gruppe mit Sitz in Halle. Dieses Unternehmen ist darauf spezialisiert, Wohn- und Gewerbeimmobilien anzukaufen und zu verwalten, insbesondere für langfristig orientierte Anleger. Die Gestiun-Gruppe agiert dabei im Auftrag der Züricher Vermögensverwaltung Actieninvest AG. Der genaue Kaufpreis, zu dem das Gebäude den Besitzer wechselte, wurde zwischen den Vertragsparteien vertraulich behandelt und nicht öffentlich bekannt gegeben.
Die Gestiun-Gruppe war bereits seit 2004 im Osten Deutschlands tätig und erwarb mit dem Hundertwasserhaus erstmals Immobilien in Magdeburg. Die neuen Eigentümer betonen, dass sie einen langfristigen Ansatz bei der Weiterentwicklung und Pflege der Grünen Zitadelle verfolgen. Nachhaltigkeit und Stabilität stehen nach ihren eigenen Aussagen im Vordergrund ihres Engagements. Die vormalige Geschäftsführerin der Centum Aqua, Anja Schulze, äußerte sich positiv über den Verkauf und zeigte sich erfreut, das Haus an einen Eigentümer übergeben zu können, der Wert auf diese Aspekte legt.
Diese Information gibt Einblick in die wirtschaftliche Seite des Gebäudes und zeigt, dass die Grüne Zitadelle nicht nur ein Kunstwerk ist, sondern auch eine bedeutende Immobilie, die von professionellen Investoren verwaltet wird, mit dem Ziel, ihren Wert langfristig zu erhalten und zu steigern.
Ein Paradies zum Anfassen: Architekturdetails und Erlebnisse
Die Grüne Zitadelle von Magdeburg ist ein Fest für die Sinne und bietet zahlreiche architektonische Details, die Hundertwassers einzigartige Handschrift tragen. Überall im Gebäude und auf dem Gelände finden sich Elemente, die seine Philosophie von der Harmonie zwischen Mensch, Architektur und Natur greifbar machen.
Schon von Weitem ziehen die weithin leuchtenden goldenen Kugeln auf den Türmen die Blicke auf sich. Sie sind ein charakteristisches Merkmal vieler Hundertwasser-Bauten und symbolisieren oft die Sonne oder die menschliche Seele. Die Fenster sind nicht gerade und uniform, sondern scheinen zu „tanzen“. Ihre unterschiedlichen Formen, Größen und Platzierungen durchbrechen die Monotonie und verleihen der Fassade Lebendigkeit und Individualität, ganz im Sinne des Fensterrechts.
Ein weiteres zentrales Element ist die Integration von Grün. Auf den Dächern und Rampen wachsen Blumenwiesen und Bäume, die als „Baummieter“ aus den Fenstern schauen. Diese Begrünung ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern trägt auch zur Verbesserung des Mikroklimas bei und schafft Lebensraum für Pflanzen und Tiere in der Stadt. Sie ist die direkte Umsetzung der Baumpflicht.
Auch die Böden im Inneren und in den Innenhöfen sind nicht eben, sondern verlaufen wellenförmig. Hundertwasser nannte dies „Melodien für die Füße“. Diese unebenen Böden sollen den Gleichgewichtssinn anregen und den Besuchern ein beschwingtes Gefühl vermitteln, ein Erlebnis, das sich vom monotonen Gehen auf geraden Flächen unterscheidet.
Die Innenhöfe selbst sind Oasen der Ruhe und laden zum Verweilen ein. Sie sind liebevoll gestaltet mit organischen Formen, farbigen Elementen und natürlich viel Grün. Hier kann man die Atmosphäre des Gebäudes auf sich wirken lassen und die Details entdecken.
Das gesamte Bauwerk ist darauf ausgelegt, ein „begreifbares Paradies“ zu sein. Es lädt die Menschen ein, sich in ihm zu bewegen, es zu erkunden und seine Besonderheiten zu erleben. Ob beim Flanieren durch die Innenhöfe, beim Einkaufen in den Läden, beim Besuch des Theaters oder einfach nur beim Betrachten der Fassade – die Grüne Zitadelle bietet ein einzigartiges architektonisches Erlebnis, das Hundertwassers Vision von einem lebenswerten und harmonischen Umfeld zum Leben erweckt.
Häufig gestellte Fragen zur Grünen Zitadelle von Magdeburg
- Wem gehört das Hundertwasserhaus in Magdeburg?
- Seit dem 1. Januar 2014 gehört das Hundertwasserhaus, auch Grüne Zitadelle genannt, der Gestiun-Gruppe aus Halle, die im Auftrag der Züricher Vermögensverwaltung Actieninvest AG handelt. Zuvor war es im Besitz des Bistums Magdeburg.
- Wann wurde das Hundertwasserhaus in Magdeburg gebaut und eröffnet?
- Der erste Spatenstich für das Hundertwasserhaus fand im Dezember 2003 statt. Nach nur zwei Jahren Bauzeit wurde das Gebäude am 3. Oktober 2005 eröffnet.
- Was befindet sich alles im Hundertwasserhaus?
- Das Gebäude ist multifunktional und beherbergt unter anderem 55 Wohnungen, verschiedene Läden, Eventräume, ein Hotel, ein Theater, Büros, Arztpraxen und einen Kindergarten.
- Was war die Idee hinter dem Bauwerk?
- Friedensreich Hundertwasser wollte mit der Grünen Zitadelle eine "Oase für Menschlichkeit und für die Natur in einem Meer von rationellen Häusern" schaffen. Seine Philosophie betrachtet Architektur als die dritte Haut des Menschen, die individuell und in Harmonie mit der Natur gestaltet sein sollte.
- Hat Friedensreich Hundertwasser die Fertigstellung des Hauses erlebt?
- Nein, Friedensreich Hundertwasser verstarb am 19. Februar 2000. Er arbeitete jedoch bis kurz vor seinem Tod an den Plänen für die Grüne Zitadelle, sodass das Projekt postum realisiert werden konnte und sein letztes vollendetes Werk ist.
- Wie viel kostete der Bau der Grünen Zitadelle?
- Die Baukosten für das Hundertwasserhaus in Magdeburg beliefen sich auf 27 Millionen Euro.
Die Grüne Zitadelle von Magdeburg bleibt ein faszinierendes Beispiel für eine alternative Architektur, die den Menschen und die Natur in den Mittelpunkt stellt. Sie ist ein bleibendes Zeugnis für das Werk von Friedensreich Hundertwasser und eine Bereicherung für das Stadtbild von Magdeburg.
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