Der Dresdner Fernsehturm ragt mit seiner markanten Silhouette über das Elbtal hinaus und ist ein unverkennbares Wahrzeichen der Stadt. Doch seit mehr als drei Jahrzehnten bleibt seine Aussichtsplattform für die Öffentlichkeit unzugänglich. Was steckt hinter dieser langen Schließung, und gibt es Hoffnung auf eine Wiedereröffnung? Die Geschichte des Turms ist reich an technischer Bedeutung und touristischem Reiz, aber seine jüngere Vergangenheit ist geprägt von ungenutztem Potenzial und komplexen Herausforderungen bei den Bemühungen um eine erneute Zugänglichmachung für Besucher.

Erfahren Sie im Folgenden mehr über die faszinierende Geschichte dieses Bauwerks, die Gründe, die zur Schließung führten, und den aktuellen Stand der Dinge, der von Finanzierungsfragen, Verkehrskonzepten und dem Engagement verschiedener Akteure geprägt ist.
Ein Wahrzeichen entsteht: Geschichte und Bedeutung
Der Dresdner Fernsehturm steht auf den Dresdner Elbhängen im Stadtteil Wachwitz, strategisch günstig gelegen, um das Elbtalkessel mit Rundfunk- und Fernsehsignalen zu versorgen. Mit dem Aufbau des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in der DDR ab 1956 sollte ein Sender für ganz Deutschland geschaffen werden. Die topografische Lage Dresdens im Elbtalkessel erschwerte jedoch den direkten Empfang erheblich. Dieses Gebiet war in der DDR auch als „Tal der Ahnungslosen“ bekannt, da hier das Westfernsehen nur schwer oder gar nicht empfangbar war. Um die über 600.000 Bewohner im Ballungsraum von Pirna bis Coswig zu versorgen, war ein leistungsstarker Sendeturm unerlässlich.
Bereits in den 1950er Jahren gab es Pläne für Sendetürme in der Region, zunächst in Radebeul. 1959 wurde im Postmuseum der DDR sogar ein Modell eines 165 Meter hohen Sende- und Fernsehturms aus Spannbeton gezeigt, der in Radebeul entstehen sollte. Doch letztlich fiel die Entscheidung für den Standort Wachwitz.
Der Bau des Dresdner Fernsehturms begann im Sommer 1964 unter der Federführung der Deutschen Post der DDR. Im Dezember 1964 hatte der Turm bereits eine Höhe von 85 Metern erreicht. Die Bauarbeiten gestalteten sich nicht immer einfach. Versuche, die Arbeiten im Winter mit einer ballonartigen Traglufthalle aufrechtzuerhalten, scheiterten spektakulär. Ein Schutzdach aus Dederon wurde am 28. Februar 1965 durch einen Sturm der Windstärke 12 zerstört, als der Innendruck nachließ. Ein zweites Schutzdach erlitt später ein ähnliches Schicksal. Am 15. Dezember 1965 konnte das Richtfest gefeiert werden, der Betonbau war mit einer Höhe von 167,15 Metern abgeschlossen. Tragischerweise kam es 1966 beim Innenausbau zu einem tödlichen Unfall, als ein Monteur in den 120 Meter tiefen Aufzugsschacht stürzte.
Nach der Montage der 85 Meter hohen Kunststoffzylinder-Antenne erreichte der Turm im Juni 1968 seine endgültige Höhe von 252 Metern. Damit gehört er zu den zehn größten Fernsehtürmen in Deutschland, konkret belegt er den neunten Platz. Die technische Inbetriebnahme erfolgte am 18. September 1969 in Anwesenheit des Ministers für Post- und Fernmeldewesen der DDR. Die Eröffnung für den Publikumsverkehr wurde bewusst etwas später, zum 20. Jahrestag der Republik am 7. Oktober 1969, vollzogen, um der Eröffnung des Berliner Fernsehturms den Vorrang zu lassen.
Touristische Blütezeit: Ein beliebtes Ausflugsziel
Von 1969 bis zu seiner Schließung im Jahr 1991 war der Dresdner Fernsehturm nicht nur ein wichtiger Sendestandort, sondern auch ein äußerst beliebtes Ausflugsziel. Im Besucherbereich, der mit zwei Personenaufzügen erreichbar war, befand sich in 145 Metern Höhe ein zweistöckiges Turmcafé mit 120 Plätzen. Darüber, in 148 Metern Höhe, lag die offene Aussichtsplattform mit einer Kapazität von 40 bis 50 Besuchern, die einen atemberaubenden Blick über das Elbtal ermöglichte. Jährlich strömten etwa 200.000 Gäste zum Turm, um diese Aussicht zu genießen.
Das Turmcafé war in der Preisklasse S eingestuft, der höchsten in der DDR. Die Bedingungen für das Personal waren jedoch anspruchsvoll. Die Küche musste in einem runden Raum von nur 40 m² untergebracht werden. Eine besondere Herausforderung stellte die Schwankung des Turms dar, der bei Wind bis zu 1,60 Meter ausschlagen konnte. Dies führte dazu, dass die Küchenwaagen nicht mehr richtig funktionierten und der Koch die notwendigen Abweichungen von bis zu 30 Gramm durch Erfahrung ausgleichen musste.
Es gab sogar weitere touristische Pläne für den Standort, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Am Fuß des Turms sollte ein Lokal für 250 Gäste entstehen, dessen Grundmauern heute noch als Ruine erhalten sind. Dieses Projekt wurde aus Kostengründen und zugunsten des Baus der Bobbahn in Altenberg aufgegeben. Auch eine Seilbahn vom Elbufer zum Turm war angedacht, um die Verkehrsanbindung zu verbessern. Dieser Plan wurde ebenfalls verworfen; eine Seilbahn wurde stattdessen 1970 im Bodetal errichtet.
Die Schließung 1991 und die Folgen
Das Ende der touristischen Nutzung kam im Jahr 1991. Am 30. Juni 1991 wurde das Turmcafé geschlossen, und Ende 1991 folgte die vollständige Schließung des Turms für die Öffentlichkeit. Die Schließung erfolgte im Zuge einer Renovierung durch die Deutsche Telekom und nach der Pleite des letzten Pächters des Turmcafés (der HO-Gaststätte). Nach der Renovierung wurde der Turm jedoch nicht wieder für Besucher geöffnet. Der ehemalige Eingangsbereich wurde vermauert und das Gelände sicher umzäunt.
Obwohl der Turm für die Öffentlichkeit geschlossen ist, ist er keineswegs ungenutzt. Er ist nach wie vor der wichtigste Funkstandort für Dresden und die Region. DVBT, analoger und digitaler Hörfunk, Mobilfunk und Sicherheitsbehörden nutzen die Sendeanlagen im Turm. Baulich befindet er sich in einwandfreiem Zustand. Er ist lediglich nicht mehr für die Anforderungen und die erwartete Besucherzahl von potenziell 230.000 Besuchern pro Jahr ausgelegt, insbesondere was die Aufzugsanlagen, Brandschutzbestimmungen und natürlich die Besucherbereiche selbst betrifft.
Lange Wege zur Wiedereröffnung: Hoffnung und Hürden
Seit 2008 gibt es immer wieder ernsthafte Bestrebungen, den Dresdner Fernsehturm wieder für Besucher zugänglich zu machen. Der Stadtrat befasste sich bereits im Februar 2008 mit einer möglichen Wiedereröffnung. Die Herausforderungen waren und sind beträchtlich, insbesondere die hohen Kosten für eine Sanierung der Aufzugsanlage und des Restaurants, die anfangs auf etwa drei bis vier Millionen Euro geschätzt wurden.
Ein wirtschaftlicher Betrieb wurde als nur mit sehr hohen Besucherzahlen, teils bis zu 500.000 pro Jahr, möglich erachtet, was die Suche nach einem finanzierbaren Konzept und geeigneten Investoren erschwerte. Der damalige Betreiber, die Deutsche Funkturm, sah zunächst keinen eigenen Bedarf für eine touristische Renovierung.

Unterstützung kam von einem Förderverein, der 2004 gegründet wurde und sich für die Wiedereröffnung einsetzte, auch wenn er 2009 kurz vor der Auflösung stand. 2010 gab es Berichte über das Interesse eines potenziellen Investors, die erforderlichen Investitionskosten wurden nun mit zehn Millionen Euro beziffert.
Auch unvorhergesehene Ereignisse trugen zur Komplexität bei. Im Februar 2012 verursachte eine geplatzte Rohrleitung aufgrund von Frost einen Wasserschaden in den Kellerräumen. 2013 und 2014 zeigte eine Online-Petition das starke bürgerschaftliche Interesse an der Wiedereröffnung.
Eine Machbarkeitsstudie im Jahr 2017 bezifferte die Kosten für eine einfache Sanierung mit Café und Besucherplattform bereits auf 15,5 Millionen Euro.
Ein entscheidender Schritt gelang im November 2018, als der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages Mittel in Höhe von 12,8 Millionen Euro im Rahmen der Denkmalförderung bereitstellte, um sich an den Kosten für die Wiedereröffnung zu beteiligen. Diese Fördermittel stehen bis 2025 zur Verfügung. Wenige Monate später, im Mai 2019, sicherten auch der Freistaat Sachsen und die Stadt Dresden ihre Unterstützung und finanzielle Mittel in gleicher Höhe von je 12,8 Millionen Euro zu. Damit schien die Finanzierung von insgesamt 25,6 Millionen Euro gesichert.
Im Oktober 2019 wurde das Projekt auf der Immobilienmesse Expo Real in München vorgestellt. Anlässlich des 50. Geburtstages des Turms im Oktober 2019 konnten sogar 200 Besucher die Aussichtsplattform einmalig besuchen – ein kleiner Vorgeschmack auf das, was möglich wäre. Die Stadt Dresden finanzierte eine Verkehrsstudie, die von erwarteten 200.000 Besuchern jährlich ausging.
Im Juni 2021 wurde mit der Fernsehturm Dresden GmbH ein neuer Betreiber vorgestellt, an dem unter anderem die DDV Mediengruppe und die Dresden Information GmbH beteiligt sind. Dieser neue Betreiber soll ohne dauerhafte städtische Zuschüsse auskommen. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine Eröffnung nicht vor 2025 erwartet.
Herausforderungen bestehen fort: Verkehr und Finanzierung
Trotz der gesicherten Finanzierung und eines gefundenen Betreibers bleiben Herausforderungen bestehen. Ein wesentlicher Punkt ist das Verkehrskonzept für die erwarteten Besucher. Ursprünglich wurde ein Konzept für 45 Millionen Euro diskutiert, das zusätzlich von der Stadt zu bezahlen gewesen wäre. Kürzlich wurde eine deutlich abgespeckte Variante vorgestellt, die unter anderem ein zweistöckiges Parkhaus vorsieht.
Dieses Konzept stößt bei den Anwohnern auf Widerstand. Sie sind enttäuscht und zweifeln an der Nachhaltigkeit. Ältere Bewohner erinnern sich an die frühere Nutzung und berichten, dass Fernsehtürme mit Fernblick sehr unregelmäßig besucht werden. Bei gutem Wetter kamen zwar viele Besucher, an trüben Tagen hingegen kaum jemand. Ein Parkhaus mitten im Landschaftsschutzgebiet stünde in solchen Zeiten nutzlos leer, so die Bedenken der Anwohner, darunter Jan Weigel, der neben dem Turm aufwuchs und wohnt.
Zusätzlich zu den Bedenken der Anwohner stellt sich für die Stadt Dresden aktuell die Frage, ob sie sich ihren Eigenanteil von fünf Millionen Euro überhaupt noch leisten kann. Die Mittel von Bund und Land sind zweckgebunden und können nicht einfach für andere Projekte wie den Wiederaufbau der Carolabrücke umgeleitet werden; dies würde neue Beschlüsse von Bundestag und Landtag erfordern.
Im August 2020 wurde eine Gegenbewegung sichtbar, die per Online-Petition eine Verlegung des Fernsehturms auf den Altmarkt in Dresden forderte. Als Hauptargumente wurden das Fehlen eines realistischen Verkehrskonzepts am aktuellen Standort und die daraus resultierende unzureichende touristische Erschließung genannt.
Ein schwerer Rückschlag für die Wiedereröffnungsbemühungen war der tragische Absturz eines Ultraleichtflugzeugs im Juli 2022, bei dem der Vorsitzende des Fernsehturmvereins, Eberhard Mittag, und der Beiratsvorsitzende, Klaus Martin, ums Leben kamen. Beide hatten sich maßgeblich für die Wiedereröffnung engagiert.
Bei einer Einwohnerversammlung im November 2022 wurden neue Ideen für den Turm ins Spiel gebracht, darunter ein möglicher Baumwipfelpfad als zusätzliche Attraktion. Gleichzeitig wurde der Eröffnungstermin weiter nach hinten verschoben, nun wurde das Jahr 2027 genannt.

Der Eigentümer des Turms, die Deutsche Funkturm, arbeitet eigenen Angaben zufolge weiterhin an der Wiedereröffnung. Peer Kollecker von der Deutsche Funkturm GmbH erklärte gegenüber MDR SACHSEN, dass ein klarer Zeitplan existiere, der vorsieht, die Entwurfsplanung bis Anfang des nächsten Jahres abzuschließen, um danach den Bauantrag stellen zu können. Diese Aussage, die sich auf den Zeitpunkt des Berichts im zugrunde liegenden Text bezieht, zeigt, dass die Planungsphase komplex und zeitaufwendig ist.
Fragen und Antworten zum Dresdner Fernsehturm
Warum wurde der Dresdner Fernsehturm geschlossen?
Der Turm wurde Ende 1991 für die Öffentlichkeit geschlossen. Dies geschah im Zuge einer Renovierung durch die Deutsche Telekom und nachdem der letzte Pächter des Turmcafés Insolvenz angemeldet hatte. Nach der Renovierung wurde der öffentliche Zugang nicht wiederhergestellt, obwohl der Turm technisch weiter genutzt wird.
Kann man den Dresdner Fernsehturm besichtigen?
Nein, der Dresdner Fernsehturm ist seit 1991 für Besucher geschlossen und kann derzeit nicht besichtigt werden. Es gibt jedoch Pläne und Bemühungen des Eigentümers und weiterer Akteure, ihn in Zukunft wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Wann wurde der Dresdner Fernsehturm gebaut und eröffnet?
Der Bau begann 1964 und wurde 1969 abgeschlossen. Die technische Inbetriebnahme erfolgte am 18. September 1969, die Eröffnung für den Publikumsverkehr war am 7. Oktober 1969.
Wo steht der Dresdner Fernsehturm?
Der Fernsehturm steht auf den Dresdner Elbhängen im Stadtteil Wachwitz.
Wer ist der Eigentümer des Turms?
Eigentümer des Turms ist die Deutsche Funkturm GmbH.
Wird der Turm aktuell genutzt?
Ja, obwohl er für Besucher geschlossen ist, wird der Turm weiterhin intensiv als wichtiger Funkstandort für Fernsehen, Rundfunk, Mobilfunk und Sicherheitsbehörden genutzt. Technisch ist er in einwandfreiem Zustand.
Wie hoch ist der Dresdner Fernsehturm?
Der Turm hat eine Gesamthöhe von 252 Metern.
Wie viele Besucher hatte der Turm vor der Schließung?
Bis zur Schließung im Jahr 1991 besuchten nach Angaben der Deutschen Funkturm GmbH jährlich etwa 200.000 Menschen die Aussichtsplattform.
Wie ist der aktuelle Stand der Wiedereröffnungspläne?
Der Eigentümer arbeitet an der Wiedereröffnung. Die Finanzierung von 25,6 Millionen Euro durch Bund, Land und Stadt wurde 2018/2019 zugesagt, wobei die Finanzierung des städtischen Anteils aktuell diskutiert wird. Ein neuer Betreiber (Fernsehturm Dresden GmbH) wurde 2021 vorgestellt. Die Entwurfsplanung läuft. Herausforderungen sind das Verkehrskonzept und die Finanzierung. Eine Eröffnung wird nicht vor 2025, möglicherweise erst 2027 erwartet.
Welche Herausforderungen gibt es bei der Wiedereröffnung?
Wesentliche Herausforderungen sind die hohen Kosten für die Sanierung und Anpassung für den Publikumsverkehr, die Finanzierung (insbesondere die gesicherte Bereitstellung des städtischen Anteils), die Entwicklung und Akzeptanz eines tragfähigen Verkehrskonzepts für die Besucher sowie die Sicherstellung eines wirtschaftlichen Betriebs ohne dauerhafte Zuschüsse.
Ausblick
Die Wiedereröffnung des Dresdner Fernsehturms bleibt ein komplexes Projekt mit vielen Beteiligten und Hürden. Trotz gesicherter Fördermittel und dem Engagement eines neuen Betreibers müssen Fragen wie das Verkehrskonzept und die endgültige Finanzierung geklärt werden. Die lange Geschichte der Bemühungen zeigt den starken Wunsch, dieses Wahrzeichen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ob die neuen Ideen und der aktuelle Zeitplan zu einer erfolgreichen Realisierung bis 2027 führen, wird die Zukunft zeigen.
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