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Warschauer Straße: Herz von Friedrichshain

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Die Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain ist weit mehr als nur eine Hauptverkehrsader. Sie ist ein faszinierender Mikrokosmos, der die bewegte Geschichte Berlins auf Schritt und Tritt erlebbar macht. Von ihren Anfängen als einfacher Verkehrsweg bis hin zu ihrem heutigen Status als Zentrum für Kultur, Nachtleben und urbanen Wandel – diese Straße erzählt viele Geschichten. Tauchen Sie ein in die Welt der Warschauer Straße und entdecken Sie ihre vielfältigen Facetten.

Was kann man an der Warschauer Straße machen?
Reichstagsgebäude.Gedenkstätte Berliner Mauer.Pergamonmuseum.Museumsinsel.Friedrichstadt-Palast Berlin.Brandenburger Tor.Topographie des Terrors.Holocaust-Mahnmal (Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Ihren Namen verdankt die Warschauer Straße der polnischen Hauptstadt Warschau. Diese Benennung erfolgte am 23. Februar 1874, zu einer Zeit, als die Straße noch Teil des Russischen Kaiserreichs war. Ursprünglich war die Straße im Bebauungsplan von 1864 als „Straße Nr. 11 in der Abteilung XIV“ verzeichnet und stellte zunächst lediglich einen einfachen Transportweg dar. Der renommierte Hobrecht-Plan sah die Warschauer Straße jedoch schon damals als wichtigen Bestandteil eines geplanten Ringsystems vor, das nach Pariser Vorbild die damaligen Städte Berlin und Charlottenburg verbinden sollte. Dieses frühe städtebauliche Konzept unterstreicht die von Anfang an geplante Bedeutung der Straße als zentrale Verkehrsachse. Im Norden beginnt die Warschauer Straße als Fortsetzung der Petersburger Straße am Frankfurter Tor, einer Kreuzung, die historisch nichts mit dem ursprünglichen Frankfurter Tor der Akzisemauer gemein hat. Im Süden führt sie über den Straßenzug Am Oberbaum und die Oberbaumbrücke weiter.

Eine Straße im Wandel der Zeit

Die Entwicklung der Warschauer Straße ist eng mit der industriellen Geschichte Friedrichshains verbunden. Bereits früh siedelten sich hier Großbetriebe an. Das älteste davon war das Reichsbahnausbesserungswerk (Raw), das 1867 als „Königliche Eisenbahnhauptwerkstatt Berlin II“ eröffnet wurde. Es diente der Instandhaltung von Zügen und beschäftigte bald Hunderte von Arbeitern. Auch das erste Propellerwerk Deutschlands fand seinen Platz in der Warschauer Straße 59a. Diese frühen Industriebetriebe prägten das Bild und die Funktion der Straße maßgeblich.

Die typische Bebauung, die man heute noch vielerorts in Friedrichshain findet, entstand größtenteils zwischen 1890 und 1908. Sie zeichnet sich durch die Aufteilung in Vorderhaus, Seitenflügel, Quergebäude und Hinterhäuser aus, oft mit mehreren Hinterhöfen, die ursprünglich auch für gewerbliche Nutzungen vorgesehen waren. Besonders die holzverarbeitende Industrie hatte hier Tradition. Diese Mischung aus Wohnen und Gewerbe in den Hinterhöfen war charakteristisch, wurde aber ab 1925 in Neubauten verboten. In den Aufbaujahren entstanden rund 6000 Wohnungen im Umfeld der Warschauer Straße, was die wachsende Bedeutung des Gebiets als Wohnquartier unterstrich.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch an der Warschauer Straße seine Spuren. Teile der Bebauung wurden zerstört. Der Wiederaufbau in den 1950er und 1960er Jahren erfolgte oft pragmatisch, Fassaden wurden geglättet und Baulücken gefüllt. Nach der politischen Wende im Jahr 1989 zeigten sich jedoch gravierende städtebauliche Defizite. Wohnungen waren oft schlecht ausgestattet (z.B. Kohleöfen), es fehlte an öffentlicher Infrastruktur wie Schulen und Grünflächen, und der öffentliche Raum wies Mängel auf. Aus diesem Grund wurde die Warschauer Straße und ihre Umgebung 1994 zum Sanierungsgebiet erklärt. Im Rahmen dieses Programms wurden bis 2011 rund 100 Millionen Euro investiert, sowohl in die Gebäudesanierung durch Privateigentümer als auch in die Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur. Diese Sanierungsmaßnahmen haben das Gesicht der Straße nachhaltig verändert und zu ihrer heutigen Vitalität beigetragen.

Das pulsierende Herz: Das RAW-Gelände

Einer der bekanntesten und belebtesten Orte an der Warschauer Straße ist zweifellos das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk, heute besser bekannt als das RAW-Gelände. Nach der schrittweisen Stilllegung des Werks bis 1995 hat sich das weitläufige Areal zu einem einzigartigen Zentrum für Kultur, Kunst, Sport und Nachtleben entwickelt. Hier findet man eine beeindruckende Vielfalt an Angeboten:

  • Clubs und Konzertsäle: Legendäre Veranstaltungsorte wie Astra, Cassiopeia, Badehaus Szimpla, Lokschuppen Berlin und Weißer Hase locken Nachtschwärmer und Musikliebhaber an.
  • Bars und Gastronomie: Zahlreiche Bars und Restaurants wie Crack Bellmer und Emma Pea bieten kulinarische Erlebnisse und Treffpunkte. Auch der Haubentaucher mit seinem Poolbereich ist im Sommer sehr beliebt.
  • Sport und Freizeit: Von der Skaterhalle über Kletterkegel bis zur Boulder-Halle gibt es diverse Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten.
  • Kunst und Kultur: Galerien wie Urban Spree präsentieren zeitgenössische Kunst.
  • Märkte und Events: Am Sommerwochenenden finden regelmäßig Flohmärkte statt. Ein Freiluftkino (Inselkino) war ebenfalls geplant.

Das RAW-Gelände ist ein Paradebeispiel für die Umnutzung ehemaliger Industriebrachen und verkörpert den alternativen und kreativen Geist Friedrichshains. Die Zukunft des Geländes wird jedoch intensiv diskutiert, da es mehrere Eigentümerwechsel gab und Pläne für Neubauten, wie Studentenwohnungen, existieren, denen der Bezirk kritisch gegenübersteht. Bürgerbeteiligungsverfahren sollen die Entwicklung mitgestalten.

Markante Bauwerke an der Straße

Neben dem RAW-Gelände gibt es weitere bemerkenswerte Gebäude entlang der Warschauer Straße, die ihre Geschichte widerspiegeln.

Der Industriepalast

Der Industriepalast, ein Gebäudekomplex entlang der Warschauer Straße 34–44, wurde zwischen 1906 und 1907 errichtet. Geplant vom Architekten Johann Emil Schaudt, der auch das KaDeWe entwarf, war er eine typische Etagenfabrik im Stahlskelettbau. Die variablen Hallen und Lager, Krananlagen und sogar unterirdische Gleise boten optimale Bedingungen für verschiedene Betriebe, von Gerbereien bis zu elektrotechnischen Unternehmen. Bekannte Mieter waren die Auergesellschaft und später der VEB Kälte Berlin. Das berühmte Palais des Ostens, ein großes Vergnügungsetablissement, war ebenfalls Teil des Komplexes. Heute beherbergen die erhaltenen Teile Dienstleister, das beliebte Michelberger Hotel mit Restaurant sowie das Industriepalast Hostel & Hotel. Obwohl Teile des Komplexes im Zweiten Weltkrieg zerstört und später durch Neubauten ersetzt oder stark verändert wurden, stehen die original erhaltenen Gebäude 39/40 und 43/44 unter Denkmalschutz und zeugen von der industriellen Vergangenheit der Straße.

Das Eckhaus Warschauer Straße 33

Das Eckhaus an der Warschauer Straße 33 / Marchlewskistraße 111 ist aus einem kuriosen Grund bekannt: Der Dichter und spätere DDR-Kulturminister Johannes R. Becher behauptete in einem Interview, hier gewohnt zu haben. Tatsächlich befand sich im Erdgeschoss nur seine Lieblingskneipe, das Café Komet, während er selbst im Nachbarhaus lebte. Trotzdem wird das Eckhaus oft als sein ehemaliges Wohnhaus genannt. Der Bau von 1906/08 überstand den Zweiten Weltkrieg nicht unbeschadet – Brandbomben zerstörten Dach und Teile der Geschossdecken, sogar ein Keller stürzte ein. Eine Informationstafel erinnert an dieses „alltägliche Häuserschicksal im Berlin der Kriegsjahre“. Ende der 2000er Jahre wurde das Haus umfangreich saniert.

Verkehrsknotenpunkt Warschauer Brücke

Die Warschauer Brücke ist ein zentraler Punkt der Straße und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Sie überquert die zahlreichen Gleisanlagen der Bahn, die hier seit dem 19. Jahrhundert verlaufen. Die erste Brücke entstand bis 1875, musste aber aufgrund der zunehmenden Nutzung und später durch die Korrosion durch Dampflokomotiven immer wieder umgebaut und schließlich ersetzt werden. Der Neubau wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen und ein Bombentreffer machte die Brücke 1945 unpassierbar. Erst 1948 konnte sie wieder für den Verkehr freigegeben werden. Nach mehreren Instandsetzungen ermöglichte eine Grundinstandsetzung 1995–1997 auch wieder die Querung durch die Straßenbahn.

Am südwestlichen Ende der Brücke befanden sich früher Empfangs- und Dienstgebäude des Schlesischen Güterbahnhofs, die jedoch zugunsten der heutigen Mercedes-Benz Arena (ehemals O2 World) abgerissen wurden.

Was kann man an der Warschauer Straße machen?
Reichstagsgebäude.Gedenkstätte Berliner Mauer.Pergamonmuseum.Museumsinsel.Friedrichstadt-Palast Berlin.Brandenburger Tor.Topographie des Terrors.Holocaust-Mahnmal (Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Der S-Bahnhof Warschauer Straße am östlichen Brückenende ist ein bedeutender Umsteigepunkt. Er hat eine wechselvolle Geschichte mit mehreren Bahnhofsgebäuden an unterschiedlichen Standorten. Der aktuelle Neubau des Bahnhofs ist Teil größerer Infrastrukturprojekte und soll den Umstieg für die täglich über 85.000 Fahrgäste erleichtern.

Auch der U-Bahnhof Warschauer Brücke (heute U-Bahnhof Warschauer Straße) ist von historischer Bedeutung. Er wurde bereits 1902 als Endbahnhof der ersten Berliner Untergrund- und Hochbahnlinie (heutige U1/U3) in Betrieb genommen. Nach erheblichen Zerstörungen im Krieg und einer Schließung aufgrund des Mauerbaus wurde er 1995 saniert und wiedereröffnet. Pläne zur Verlegung des U-Bahnhofs näher an den S-Bahnhof wurden verworfen, stattdessen ist eine Verlängerung des Fußgängerstegs geplant, um das Umsteigen zu verbessern.

Was kann man an der Warschauer Straße erleben?

Die Warschauer Straße selbst und ihre unmittelbare Umgebung bieten eine Fülle von Erlebnissen:

  • Nachtleben und Kultur auf dem RAW-Gelände: Hier konzentriert sich ein Großteil des Geschehens mit seinen zahlreichen Clubs, Bars, Konzerten und kulturellen Veranstaltungen.
  • Gastronomie und Ausgehen: Entlang der Straße und in den Seitenstraßen finden sich viele Restaurants, Cafés und Kneipen. Das Michelberger Hotel bietet ebenfalls Gastronomie.
  • Shopping: Die Straße ist gesäumt von Geschäften, von kleinen Läden bis zu Optikern wie dem historischen Optikhaus Kramer.
  • Architektur entdecken: Bestaunen Sie die historische Bebauung, den Industriepalast und das sanierte Eckhaus.
  • Entspannung und Sport: Das RAW-Gelände bietet Sportmöglichkeiten und im Sommer den Haubentaucher mit Pool.
  • Ausgangspunkt für Erkundungen: Von der Warschauer Straße aus sind viele weitere Attraktionen Berlins gut erreichbar, insbesondere die East Side Gallery an der nahegelegenen Mühlenstraße und die Oberbaumbrücke. Auch die Spree ist nur einen Katzensprung entfernt.

Obwohl berühmte Sehenswürdigkeiten wie das Reichstagsgebäude, das Brandenburger Tor oder die Museumsinsel nicht direkt an der Warschauer Straße liegen, ist die Straße dank ihrer hervorragenden Anbindung an S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahn ein idealer Ausgangspunkt, um diese und andere Orte in Berlin zu erkunden.

Häufig gestellte Fragen zur Warschauer Straße

Warum ist die Warschauer Straße so bekannt?
Sie ist bekannt für ihre lebendige Mischung aus Geschichte, urbaner Kultur, insbesondere für das legendäre Nachtleben und die vielfältigen Angebote auf dem RAW-Gelände sowie als wichtiger Verkehrsknotenpunkt.

Was ist das RAW-Gelände?
Das RAW-Gelände ist das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk, das heute eine Vielzahl von Clubs, Bars, kulturellen Einrichtungen, Sportstätten und Veranstaltungsflächen beherbergt.

Ist die Warschauer Straße gut angebunden?
Ja, die Warschauer Straße ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt mit einem S- und U-Bahnhof sowie mehreren Straßenbahnlinien (M10, 21), die eine hervorragende Anbindung an das gesamte Berliner Stadtgebiet bieten.

Gibt es Restaurants und Bars an der Warschauer Straße?
Ja, die Straße und das RAW-Gelände sind bekannt für ihre zahlreichen gastronomischen Angebote, von Restaurants über Cafés bis zu Bars und Kneipen.

Welche Art von Geschäften gibt es?
Entlang der Straße gibt es eine Mischung aus verschiedenen Geschäften, darunter auch traditionsreiche Handwerksbetriebe.

Kann man von der Warschauer Straße aus andere Sehenswürdigkeiten erreichen?
Absolut. Dank des S+U-Bahnhofs ist die Warschauer Straße ein idealer Startpunkt, um viele berühmte Berliner Sehenswürdigkeiten schnell und einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Fazit

Die Warschauer Straße ist ein faszinierendes Spiegelbild der Berliner Geschichte und Gegenwart. Von ihren industriellen Wurzeln über die Narben des Krieges bis hin zu ihrer heutigen Rolle als pulsierendes Zentrum für Kultur und Nachtleben hat sie eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Insbesondere das RAW-Gelände und der wichtige Verkehrsknotenpunkt machen sie zu einem unverzichtbaren Anlaufpunkt in Friedrichshain. Wer das authentische, dynamische Berlin erleben möchte, kommt an der Warschauer Straße nicht vorbei. Sie ist ein Ort, der sich ständig wandelt, aber stets seinen einzigartigen Charakter bewahrt.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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