Die kleine Stadt Bischofswerda, malerisch etwa 30 Kilometer östlich von Dresden gelegen, birgt nicht nur eine reiche Geschichte und geografische Besonderheiten, sondern auch einen Namen, der neugierig macht. Warum heißt dieser Ort eigentlich Bischofswerda? Die Antwort führt uns tief in die Vergangenheit, zu Bischöfen, Inseln und einem einzigartigen Stadtwappen. Doch Bischofswerda ist mehr als nur sein Name; es ist das selbsternannte "Tor zur Oberlausitz", ein Ort, der Tradition und Moderne auf faszinierende Weise verbindet und der liebevoll den Beinamen "Schiebock" trägt.

Die Herkunft des Namens Bischofswerda
Der Name Bischofswerda setzt sich aus zwei Teilen zusammen: "Bischofs-" und "-werda". Der erste Teil, "Bischofs-", weist unverkennbar auf eine Verbindung zu einem Bischof hin. Tatsächlich wird die Entstehung der Stadt eng mit den Bischöfen von Meißen verknüpft. Insbesondere Bischof Benno Graf von Waldenburg, der zwischen 970 und 1076 lebte, soll eine entscheidende Rolle beim Ausbau des Ortes zur Stadt gespielt und eine Kirche errichtet haben. Die Legende besagt, dass er die Stadt im Zuge der Missionierung des Meißnischen Landes gründete. Auch wenn spätere Stadtchronisten diese direkte Gründungslegende aufgrund fehlender Belege in Frage stellten, ist der Bezug zum Bischof im Namen tief verwurzelt.
Der zweite Teil des Namens, "-werda", stammt von dem Wort "Werder". Ein Werder bezeichnet im Allgemeinen eine Insel oder ein von stehenden Gewässern umgebenes Land. Im Falle von Bischofswerda war dies eine von 17 Teichen umgebene Fläche, die strategisch günstig an einer wichtigen Handelsstraße lag, die von Pirna über Stolpen nach Bautzen und Görlitz führte. Man kann sich Bischofswerda also ursprünglich als eine Art "Insel des Bischofs" vorstellen, ein befestigter oder zumindest geschützter Platz inmitten einer feuchten Niederung.
Diese geografische Besonderheit, die umgebenden Gewässer und Teiche, die eine natürliche Verteidigungslinie bildeten, trug maßgeblich zur Namensgebung bei und prägte die frühe Entwicklung des Ortes.
Das Stadtwappen: Symbole der Geschichte
Das Stadtwappen von Bischofswerda erzählt ebenfalls einen Teil der Geschichte und des Namensursprungs. Es basiert auf einem Siegel aus dem Jahr 1392, das einen Krummstab und zwei Sterne zeigte. Spätestens seit 1559 führt die Stadt das heute gültige Wappen mit zwei sich kreuzenden Bischofsstäben und vier sechsstrahligen Sternen. Die genaue Entstehungsgeschichte dieser erweiterten Form ist nicht vollständig dokumentiert. Eine Interpretation besagt, dass die Hinzufügung des zweiten Krummstabs und weiterer Sterne den bischöflichen Besitz besonders hervorheben sollte. Andere sehen in dem Stäbekreuz ein Symbol für "Gesetz" und "Evangelium".
Auch die Bedeutung der vier sechsstrahligen Sterne ist Gegenstand verschiedener Deutungen. Sie wurden beispielsweise als "Wissende", "Unwissende", "Besitzende" und "Besitzlose" interpretiert, oder auch als "Lehrer in Kirche und Schule", "Zuhörer", "Regenten" und "Untertanen". Die Sechsstrahligkeit der Sterne soll symbolisch für die sechs Schöpfungstage stehen.
Eine Besonderheit des Bischofswerdaer Stadtwappens ist, dass es oft von einem Engel gehalten dargestellt wird, was seinen besonderen Charakter unterstreicht. Das Wappen ist ein klares visuelles Bekenntnis zur bischöflichen Vergangenheit der Stadt.
Geografische Lage und Bedeutung als "Tor zur Oberlausitz"
Bischofswerda liegt im Nordwestlausitzer Hügelland und stößt im Nordosten an das Oberlausitzer Gefilde sowie im Südosten an das Lausitzer Bergland. Diese Lage ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch historisch bedeutsam. Die Stadt bezeichnet sich selbst als "Tor zur Oberlausitz", und das hat einen guten Grund. Hier traf im Mittelalter das erst gerodete Waldland auf den seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelten offenen Sorbengau Milska. Diese Nahtstelle, ein breiter, niedriger Geländesattel zwischen dem Kloster- und dem Butterbergmassiv, bildet eine natürliche Grenze zwischen mehreren Naturräumen und ist gleichzeitig eine Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der Schwarzen Elster im Osten und der Wesenitz im Westen.
Die Wesenitz spielt eine besondere Rolle für die Geografie der Stadt. Sie ändert hier ihren Lauf und schuf eine breite, sumpfige Niederung, in der später Teiche angestaut wurden. Diese Wesenitzschleife und das umliegende sumpfige Gebiet bildeten im Süden der Stadt eine natürliche Verteidigungslinie, was beim Bau der Stadtmauer berücksichtigt wurde und diese in diesem Bereich weniger aufwendig machte.
Die Stadtgrenzen von Bischofswerda berühren verschiedene Nachbargemeinden, darunter Burkau im Norden, Demitz-Thumitz und Schmölln-Putzkau im Osten, Neustadt und Stolpen im Süden sowie Großharthau, Frankenthal und Rammenau im Westen. Zum Stadtgebiet gehören neben der Kernstadt Bischofswerda selbst auch mehrere Ortsteile, die im Laufe der Zeit eingemeindet wurden, wie Belmsdorf, Geißmannsdorf, Goldbach, Großdrebnitz, Kynitzsch, Neu-Schönbrunn, Schönbrunn und Weickersdorf.
Eine wechselvolle Geschichte
Die Geschichte Bischofswerdas reicht weit zurück. Um 600 wurde das Gebiet bereits von den Sorben besiedelt. Die Entwicklung zum städtischen Zentrum begann, wie erwähnt, durch die Bischöfe von Meißen im Zeitraum von 970 bis 1076. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt datiert aus dem Jahr 1227, und seit 1361 wird Bischofswerda offiziell als "Stadt" bezeichnet.
Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt von einer wechselvollen Geschichte. Die Stadt wurde mehrfach von verheerenden Bränden heimgesucht. Auch Seuchen wie die Pest sowie kriegerische Auseinandersetzungen, darunter Überfälle durch die Kroaten und die Einlagerung der Schweden während des Dreißigjährigen Krieges, hinterließen tiefe Spuren.
Ein besonders einschneidendes Ereignis war der große Brand vom 12. Mai 1813. Vermutlich durch die Fahrlässigkeit napoleonischer Truppen verursacht, zerstörte das Feuer fast die gesamte Stadt innerhalb der Ringmauer. Es wird angenommen, dass lediglich drei Häuser und ein Teil der Fronfeste verschont blieben. Dieses katastrophale Ereignis machte einen umfassenden Wiederaufbau notwendig, der den Grundstock des heutigen Bischofswerda bildet. Die Neugestaltung der Stadt nach diesem Brand prägt bis heute das Erscheinungsbild des historischen Zentrums.
Das historische Herz: Der Altmarkt
Das Zentrum der Stadt bildet der Altmarkt, der nach dem Brand von 1813 im klassizistischen Stil neu gestaltet wurde. Hier stehen das 1818 errichtete Rathaus, der Paradiesbrunnen und zahlreiche Bürgerhäuser, die vom Wiederaufbau zeugen. Der Altmarkt wurde in den Jahren 2006 und 2007 anlässlich der 780-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 2007 völlig neu gestaltet. War er zuvor ein vom Straßenverkehr überlasteter Knotenpunkt der Bundesstraßen B 6 und B 98, so wurde er zu einem weitgehend Fußgängern vorbehaltenen Treffpunkt, einer Ruhezone und einem Veranstaltungsareal umgestaltet. Bei den archäologischen Grabungen im Vorfeld der Restaurierung wurden die Grundmauern des ersten Rathauses der Stadt freigelegt, die in die Neugestaltung des Platzes integriert wurden und nun sichtbar sind.
Kirchen und weitere Sehenswürdigkeiten
Zu den sehenswerten Gebäuden der Stadt gehören die Christuskirche und die römisch-katholische Kirche St. Benno, die beide nach Renovierungen neu eingeweiht wurden (Christuskirche 1991). Zeugen der Vergangenheit sind auch der sogenannte Bischofssitz, der heute das Kulturamt, die Stadtinformation, die Stadtbibliothek und die Carl-Lohse-Galerie beherbergt, sowie Reste der alten Stadtmauer. Eine historische Postmeilensäule, die erstmals 1724 aufgestellt wurde, erinnert ebenfalls an frühere Zeiten.
Freizeit und Erholung
Bischofswerda bietet seinen Bewohnern und Gästen vielfältige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Das Freischwimmbad, das in den Jahren 1996 und 1997 vollständig neu gestaltet wurde, ist besonders im Sommer ein beliebter Anziehungspunkt. Der 1957 angelegte Tierpark erfreut sich großer Beliebtheit, insbesondere bei Familien, und zählt jährlich rund 90.000 Besucher.

Für kulturelle Veranstaltungen und Unterhaltung stehen ein modernes Kulturhaus mit Sälen und Klubräumen sowie ein Lichtspieltheater mit zwei Vorführsälen zur Verfügung. Vier gepflegte Parkanlagen laden zum Spazierengehen und Verweilen ein. Sportbegeisterte finden im Wesenitzsportpark ein Stadion, eine moderne Sporthalle, einen Fitnessraum und eine Sauna.
Ein Ausflug auf den "Hausberg" von Bischofswerda, den 385 Meter hohen Butterberg, ist sehr empfehlenswert. Von hier oben genießt man nicht nur eine schöne Aussicht, sondern kann auch in den zwei gemütlichen Berggaststätten, dem "Berg-Gasthof" und der "Jagdbaude", einkehren.
Für Übernachtungsgäste stehen in Bischofswerda rund 100 Betten in Hotels, Gästehäusern, Pensionen und Privatquartieren zur Verfügung. Zahlreiche Gaststätten, Büfetts und Cafés sorgen für das leibliche Wohl.
Die "Schiebocker Tage" und der Spitzname "Schiebock"
Eine ganz besondere Tradition und ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender ist das jährliche Stadtfest, die "Schiebocker Tage". Dieses Fest zieht Tausende von Besuchern in die Stadt und hat Bischofswerda seit Ende des 20. Jahrhunderts auch überregional bekannt gemacht.
Der umgangssprachliche Name "Schiebock" für Bischofswerda hat eine interessante Herkunft. Er bezieht sich vermutlich auf die Zeiten, als auf dem Altmarkt während der Messen und Handelszeiten zahlreiche "Schieböcke" abgestellt wurden. Ein Schiebock ist ein schubkarrenähnliches Gefährt, das von Händlern genutzt wurde, um ihre Waren zu transportieren. Handelsreisende machten in der verkehrsgünstig gelegenen Stadt halt, boten ihre Waren auf dem Markt feil, und die vielen Schieböcke prägten das Stadtbild.
Während historische Umzüge und Märkte auch bei vielen anderen Stadtfesten zu finden sind, dreht sich in Bischofswerda alles um den Schiebock. Die alljährlich ausgetragenen "Meisterschaften im Schiebockrennen" sind eine einzigartige Attraktion. Zahlreiche Mannschaften treten auf dem historischen Kopfsteinpflaster der Innenstadt gegeneinander an, um den Meistertitel zu erringen. Dieses Rennen verkörpert den besonderen, lokalen Charakter der Stadt, die stolz ihren Beinamen "Schiebock" trägt.
Bildungseinrichtungen in Bischofswerda
Bischofswerda verfügt über ein breites Angebot an sozialen, vorschulischen und schulischen Einrichtungen. Es gibt mehrere Kindergärten, Kindertagesstätten, Tagesmütter und eine Kinderkrippe. Die schulische Ausbildung beginnt in den Grundschulen an der Kirchstraße, der Ernst-Thälmann-Straße ("Grundschule Süd") und der Grundschule "Geschwister Scholl" im Ortsteil Goldbach.
In den historischen Gebäuden der alten Volksschule an der Kirchstraße aus dem Jahr 1901 sind heute neben der Grundschule Kirchstraße auch die Oberschule Bischofswerda untergebracht. Das 1912 als Lehrerseminar errichtete Gebäude an der August-König-Straße beherbergt das Goethe-Gymnasium. Zusätzlich gibt es an der Kamenzer Straße eine Schule zur Lernförderung.
Für die Betreuung der Schüler vor und nach dem Unterricht stehen Horte wie der "8-Sterne-Hort" und der "Hort Goldbach" zur Verfügung. Kulturelle Bildungsangebote macht unter anderem eine Außenstelle der Kreismusikschule im Goethe-Gymnasium.
Häufig gestellte Fragen zu Bischofswerda
Wie alt ist Bischofswerda?
Obwohl das Gebiet um 600 besiedelt wurde und die Entwicklung zur Stadt zwischen 970 und 1076 begann, gilt die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1227 als offizieller Beginn der Stadtgeschichte. Seit 1361 wird Bischofswerda offiziell als "Stadt" bezeichnet.
Was bedeutet der Name "Bischofswerda"?
Der Name setzt sich aus "Bischofs-" (Bezug zu den Bischöfen von Meißen, insbesondere Bischof Benno) und "-werda" (von "Werder", was Insel oder von Wasser umgebenes Land bedeutet) zusammen. Er beschreibt den Ort als "Insel des Bischofs", eine von Teichen umgebene Siedlung.
Warum wird Bischofswerda "Schiebock" genannt?
Der Spitzname "Schiebock" stammt aus der Zeit des Handels auf dem Altmarkt. Die vielen "Schieböcke" (schubkarrenähnliche Gefährte), die von Händlern zum Transport ihrer Waren genutzt und auf dem Markt abgestellt wurden, prägten das Bild und gaben der Stadt ihren umgangssprachlichen Namen.
Was sind die "Schiebocker Tage"?
Die "Schiebocker Tage" sind das jährliche Stadtfest von Bischofswerda. Ein besonderes Highlight ist die "Meisterschaft im Schiebockrennen", ein einzigartiger Wettbewerb auf dem historischen Kopfsteinpflaster.
Was ist die wichtigste Sehenswürdigkeit in Bischofswerda?
Das historische Zentrum mit dem Altmarkt, dem klassizistischen Rathaus und dem Paradiesbrunnen gilt als Herzstück der Stadt. Auch die Kirchen, der Bischofssitz und Reste der Stadtmauer sind bedeutend. Nicht zu vergessen sind Freizeiteinrichtungen wie der Tierpark und der Butterberg.
Fazit
Bischofswerda ist eine Stadt mit tiefen historischen Wurzeln, deren Name eng mit ihrer geografischen Lage und der Rolle der Bischöfe von Meißen verbunden ist. Als "Tor zur Oberlausitz" nimmt sie eine besondere Position ein. Trotz der Zerstörungen in ihrer wechselvollen Geschichte, insbesondere durch den Brand von 1813, hat die Stadt ihr historisches Zentrum bewahrt und neu belebt. Der einzigartige Spitzname "Schiebock" und die dazugehörigen Meisterschaften im Schiebockrennen verleihen Bischofswerda einen unverwechselbaren Charakter, der Besucher und Einheimische gleichermaßen begeistert. Bischofswerda lädt ein, seine Geschichte zu erkunden, die landschaftliche Umgebung zu genießen und die lebendige Kultur zu erleben.
Hat dich der Artikel Bischofswerda: Name, Geschichte und Charme interessiert? Schau auch in die Kategorie Gastronomie rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
