Der Marienplatz in München ist zweifellos das lebendige Zentrum der Stadt und fasziniert bei jedem Besuch aufs Neue mit seiner Vielfalt. Dieser historische Platz, umrahmt von einigen der beeindruckendsten Gebäude Münchens, strahlt eine einzigartige Atmosphäre aus, die Besucher aus aller Welt in ihren Bann zieht. Hier schlägt das Herz Münchens, hier treffen Geschichte und modernes Leben aufeinander.

Seit seiner Gründung im Jahr 1158 durch Heinrich den Löwen war der Marienplatz, der damals noch Schrannenplatz hieß, der zentrale Punkt, an dem sich die wichtigsten Straßen der neuen Stadt trafen. Jahrhundertelang war er das Herzstück des Münchner Lebens, Schauplatz von Märkten, Turnieren und Feierlichkeiten. Ein Spaziergang über den Marienplatz ist wie eine Zeitreise durch 1000 Jahre Geschichte. Er ist der Ort, von dem aus Entfernungen in der Stadt gemessen werden und bis heute ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Gäste.
Die Geschichte des Marienplatzes: Vom Markt zum Mittelpunkt
Ursprünglich war der Marienplatz unter verschiedenen Namen bekannt, darunter „Markth“ und „Schranne“, später „Schrannenplatz“, was auf den dort abgehaltenen Getreidemarkt hinwies. Dieser Platz war seit dem 12. Jahrhundert die Hauptbühne des städtischen Lebens. Hier wurden nicht nur Waren gehandelt, sondern auch wichtige Ereignisse gefeiert und sogar Turniere ausgetragen, die später Inspiration für das berühmte Glockenspiel wurden.
Die Umbenennung des Platzes erfolgte am 9. Oktober 1854. Nach einer schweren Cholera-Epidemie, die im Sommer desselben Jahres ausgebrochen war, beschloss der Münchner Magistrat, den Platz unter den Schutz der bayerischen Schutzpatronin Maria zu stellen, in der Hoffnung auf ein schnelles Ende der Seuche. So wurde aus dem Schrannenplatz der Marienplatz, ein Name, der die tiefe Verbundenheit der Stadt mit ihrer Schutzheiligen symbolisiert.
Eine weitere bedeutende Veränderung erfuhr der Marienplatz im Vorfeld der Olympischen Spiele 1972. Das Stadtzentrum zwischen Karlsplatz (Stachus) und Marienplatz wurde in eine autofreie Zone umgewandelt, die heutige Fußgängerzone. Dies trug maßgeblich dazu bei, den Platz als Ort der Begegnung und des entspannten Verweilens zu etablieren und ihn noch attraktiver für Fußgänger zu machen.
Architektonische Juwelen rund um den Platz
Der Marienplatz wird von einigen der prächtigsten und historisch bedeutsamsten Gebäude Münchens gesäumt. Das imposanteste unter ihnen ist zweifellos das Neue Rathaus auf der Nordseite. Mit seiner neugotischen Fassade und dem beeindruckenden Turm ist es ein Meisterwerk der Architektur und beherbergt heute die Stadtverwaltung.

Das bekannteste Merkmal des Neuen Rathauses ist das weltberühmte Glockenspiel im Rathausturm. Es ist nicht nur eines der größten Glockenspiele Europas mit 43 Glocken, sondern auch eine der beliebtesten Attraktionen Münchens. Täglich um 11 und 12 Uhr, sowie von März bis Oktober zusätzlich um 17 Uhr, erwachen die mechanischen Figuren zum Leben und stellen Szenen aus der Münchner Geschichte dar, darunter den Schäfflertanz und ein Ritterturnier. Dieses Schauspiel zieht täglich Tausende von Zuschauern an und ist ein absolutes Muss für jeden Besucher.
Direkt neben dem Neuen Rathaus steht das Alte Rathaus, ein rekonstruierter gotischer Bau mit einem Ballsaal und einem Turm. Obwohl es im Krieg stark zerstört wurde, konnte es originalgetreu wieder aufgebaut werden und dient heute hauptsächlich als Veranstaltungsort und beherbergt das Spielzeugmuseum.
Nur wenige Gehminuten vom Marienplatz entfernt erhebt sich die historische Frauenkirche, deren markante Zwiebeltürme die Silhouette der Stadt prägen. Sie ist ein Wahrzeichen Münchens und bietet von ihren Türmen (nach einem Aufstieg über über 300 Stufen oder bequem per Lift im Neuen Rathaus) einen herrlichen Blick über den Marienplatz und die gesamte Stadt. Der Turm der Frauenkirche ist zwar nicht direkt am Platz, aber seine Präsenz ist allgegenwärtig und trägt zur historischen Atmosphäre bei.
Die Mariensäule: Ein Symbol der Dankbarkeit
Im Zentrum des Marienplatzes steht die Mariensäule, die dem Platz seinen heutigen Namen gab. Diese elegante Säule aus Tegernseer Marmor wurde 1638 von Kurfürst Maximilian I. errichtet. Sie sollte seine Dankbarkeit dafür symbolisieren, dass München während der schwedischen Besetzung im Dreißigjährigen Krieg von Zerstörung verschont geblieben war.
Auf der Spitze der 11 Meter hohen Säule thront eine goldene Statue der Jungfrau Maria, der Patrona Bavariae, die schützend über die Stadt und den Freistaat Bayern blickt. Diese Bronzefigur soll bereits 1593 vom Renaissance-Bildhauer Hubert Gerhard für das Grabmal Herzog Wilhelms V. geschaffen worden sein und schmückte bis 1613 den Hochaltar in der Münchner Frauenkirche. Maria steht, basierend auf dem traditionellen Gnadenbild von Loreto, auf einer Mondsichel und hält das Jesuskind im Arm.
Am Sockel der Mariensäule kämpfen vier bronzene Putti (kleine Engel) gegen verschiedene Ungeheuer: Der Drache symbolisiert den Hunger, der Löwe den Krieg, der Basilisk die Pest und die Schlange die Häresie. Diese Darstellungen versinnbildlichen Marias Triumph über diese Plagen und unterstreichen ihre Rolle als Beschützerin.

Die Mariensäule ist nicht nur ein historisches Denkmal, sondern auch der offizielle Mittelpunkt Münchens. Sie dient als Ausgangspunkt für Wegweiser von anderen Orten in die Stadt. Für Katholiken ist sie zudem ein zentraler Pilgerort; sogar drei Päpste – Pius VI. (1782), Johannes Paul II. (1980) und Benedikt XVI. (2006) – haben die Säule besucht.
Veranstaltungen und die lebendige Atmosphäre
Der Marienplatz ist das ganze Jahr über voller Leben und Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen. Eine der beliebtesten und magischsten Zeiten ist zweifellos die Adventszeit, wenn der Platz zum weltberühmten Münchner Christkindlmarkt wird. Drei Wochen vor Weihnachten öffnen die festlich geschmückten Stände und verwandeln den Platz in ein Winterwunderland. Der Christkindlmarkt am Marienplatz ist einer der ältesten und bekanntesten in München und zieht jedes Jahr unzählige Besucher an.
Man genießt es, durch die Gassen des Marktes zu schlendern, traditionelles Handwerk zu bewundern und natürlich köstliche Leckereien wie Glühwein, Lebkuchen und gebrannte Mandeln zu probieren. Die festliche Beleuchtung und die weihnachtliche Atmosphäre machen den Besuch zu einem besonderen Erlebnis.
Aber auch außerhalb der Weihnachtszeit gibt es immer etwas zu erleben. Ob Stadtgeburtstage, öffentliche Versammlungen oder die legendären Meisterfeiern des FC Bayern München auf dem Rathausbalkon – der Marienplatz ist der zentrale Ort für große Ereignisse in der Stadt.
Auch im Alltag pulsiert der Platz. Man kann im Schatten des Alten und Neuen Rathauses sitzen, einen Kaffee genießen und das bunte Treiben beobachten. Der Marienplatz ist der ideale Ausgangspunkt, um das Münchner Flair zu erleben. Die umliegenden Gassen mit ihren vielen Geschäften, Cafés und Restaurants laden zum Verweilen ein. Man kann durch die Fußgängerzone bummeln, einkaufen oder einfach auf einer Bank sitzen und dem Treiben zusehen.
Ein traditioneller Treffpunkt, besonders für Einheimische, ist der Fischbrunnen vor dem Haupteingang des Neuen Rathauses. Die Geschichte des Brunnens reicht bis ins Mittelalter zurück, als hier der Fischmarkt abgehalten wurde. Seine heutige Gestalt erhielt er 1954. Der Fischbrunnen ist auch Schauplatz traditionsreicher Bräuche wie dem Metzgersprung, bei dem Lehrlinge nach einem Bad im Brunnen losgesprochen werden, und dem Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch, das für gut gefüllte Geldbeutel im restlichen Jahr sorgen soll.

Einkaufen und Erkunden in der Umgebung
Vom Marienplatz aus erstreckt sich die weitläufige Fußgängerzone, die zu einem ausgiebigen Einkaufsbummel einlädt. Beliebte Einkaufsstraßen wie die Kaufingerstraße, Neuhauser Straße, Sendlinger Straße und Theatinerstraße sind nur einen Katzensprung entfernt. Auch exklusive Einkaufspassagen wie die Fünf Höfe liegen in unmittelbarer Nähe.
Neben Einkaufsmöglichkeiten bietet die Umgebung des Marienplatzes eine Fülle weiterer Attraktionen. Der berühmte Viktualienmarkt, ein Paradies für Feinschmecker, ist nur wenige Gehminuten entfernt. Auch kulturelle Highlights wie die Maximilianstraße mit ihren Boutiquen und Theatern, das Nationaltheater, die Münchner Kammerspiele und das Residenztheater sowie die Residenz München sind bequem zu Fuß erreichbar. Selbst das weltbekannte Hofbräuhaus ist nicht weit vom Marienplatz entfernt.
Praktische Tipps für Ihren Besuch
Der Marienplatz ist dank seiner zentralen Lage hervorragend an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Der U- und S-Bahnhof Marienplatz ermöglicht eine bequeme Anreise aus allen Stadtteilen und der Umgebung. Der Platz dient oft als Ausgangspunkt, um weitere Teile der Stadt zu erkunden.
Wer den Marienplatz und die Stadt aus der Vogelperspektive sehen möchte, hat zwei Möglichkeiten. Der Turm des Alten Peter (Peterskirche), ein weiteres Wahrzeichen Münchens, bietet nach dem Erklimmen von über 300 Stufen einen atemberaubenden Panoramablick. Alternativ kann man den Turm des Neuen Rathauses besuchen, der bequem mit einem Aufzug erreichbar ist und ebenfalls eine tolle Aussicht bietet.
Häufig gestellte Fragen zum Marienplatz in München
Wir haben einige der am häufigsten gestellten Fragen rund um den Marienplatz für Sie zusammengestellt:
- Warum heißt der Marienplatz Marienplatz?
Der Platz wurde am 9. Oktober 1854 von Schrannenplatz in Marienplatz umbenannt. Mit der Umbenennung stellte der Münchner Magistrat den Platz unter den Schutz der bayerischen Schutzpatronin Maria, in der Hoffnung auf ein schnelles Ende der im Sommer 1854 ausgebrochenen Cholera-Epidemie. - Wofür ist der Marienplatz berühmt?
Der Marienplatz ist berühmt für das Neue Rathaus mit seinem Glockenspiel, die Mariensäule, den Christkindlmarkt, seine historische Bedeutung als Stadtzentrum, den Fischbrunnen und als Veranstaltungsort für große Ereignisse wie Meisterfeiern. - Warum sollte ich den Marienplatz besuchen?
Sie sollten den Marienplatz besuchen, um das historische Herz Münchens zu erleben, die beeindruckende Architektur zu bewundern, das Glockenspiel zu sehen, die Atmosphäre aufzusaugen, durch die umliegende Fußgängerzone zu bummeln und die Nähe zu vielen anderen Sehenswürdigkeiten wie der Frauenkirche, dem Viktualienmarkt und dem Hofbräuhaus zu nutzen. - Wann wurde die Mariensäule gebaut?
Die Mariensäule wurde 1638 von Kurfürst Maximilian I. in Auftrag gegeben und errichtet. - Seit wann ist der Marienplatz Fußgängerzone?
Das Zentrum zwischen Karlsplatz (Stachus) und Marienplatz wurde für die Olympischen Spiele 1972 in eine autofreie Fußgängerzone umgewandelt. - Wie alt ist der Fischbrunnen am Marienplatz?
Die Geschichte des Fischbrunnens reicht bis ins Mittelalter zurück. Seine heutige Gestalt erhielt er jedoch erst 1954. - Was ist das Hauptzentrum von München?
Der Marienplatz gilt seit der Stadtgründung als das historische und bis heute pulsierende Hauptzentrum Münchens.
Trotz des oft hohen Besucheraufkommens hat der Marienplatz seinen besonderen Charme nie verloren. Für uns bleibt er stets ein Ort, den wir gerne wieder besuchen – sei es für eine kurze Pause oder einfach, um die besondere Atmosphäre Münchens zu genießen.
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