Im zehnten Kapitel des Johannesevangeliums offenbart Jesus einige tiefgreifende Wahrheiten über sich selbst und das Reich Gottes, indem er ein Bild verwendet, das seinen Zuhörern sehr vertraut war: das Bild des Schafstalls und des Hirten. In dieser Parabel, die oft als die Gleichnisse vom Schafstall bezeichnet wird, stellt Jesus sich selbst dem Fremden, dem Dieb und dem Mietling gegenüber. Diese Gegenüberstellung hilft uns zu verstehen, wem wir folgen sollen und wem nicht, um sicher in das Reich Gottes zu gelangen.

Johannes Kapitel 10 enthält diese bedeutenden Gleichnisse, die das Reich Gottes mit einem Schafstall vergleichen. Christus wird als der Hirte dargestellt, dessen Schafe seine Stimme hören. Er ist aber auch die Tür (oder das Tor) des Schafstalls, und nur durch ihn kann man in Gottes Reich eintreten. Es wäre ein großer Fehler, einem anderen Hirten zu folgen oder zu versuchen, auf einem anderen Weg in den Himmel zu gelangen. Um den Kern dieser Botschaft zu verstehen, müssen wir zunächst klären, was ein Schafstall in dieser Zeit überhaupt darstellte.
Was war ein Schafstall?
Ein „Schafstall“ war im Grunde eine gesicherte, ummauerte oder umzäunte Anlage, in der Schafe eingesperrt wurden, wenn sie nicht unter der Obhut des Hirten auf der Weide waren. Solch ein Schafstall konnte verschiedene Formen annehmen. Manchmal war es eine dauerhafte, scheunenähnliche Struktur, die den Schafen Unterschlupf bot. Es konnte aber auch einfach ein Freigehege mit Steinmauern sein. In manchen Fällen, besonders unterwegs oder in weniger besiedelten Gebieten, konnte es sich auch um eine provisorische Absperrung aus Dornengestrüpp und kreuz und quer gelegten spitzen Stöcken handeln.
Wichtig war, dass es nur eine einzige, schmale Öffnung für den Ein- und Ausgang gab. Wenn diese Öffnung nicht durch eine stabile Tür oder ein festes Tor gesichert war, stellte sich entweder ein Wächter davor, oder der Hirte selbst schlief nachts quer über den Eingang, um ihn zu bewachen.
Der Hauptzweck des Schafstalls war der Schutz. Er sollte die Herde zusammenhalten, Wölfe oder wilde Hunde fernhalten und es Dieben oder Vandalen erschweren, die Schafe zu stehlen oder ihnen Schaden zuzufügen. Eine Herde Schafe war ein sehr wertvoller, aber gleichzeitig äußerst verwundbarer Besitz. Ein guter Hirte kannte und liebte seine Schafe. Er bewachte sie mit seinem Leben gegen alle Raubtiere. Er hielt seine Herde zusammen und holte jedes Schaf zurück, das sich verirrte. Ein Schafstall war also eine absolute Notwendigkeit für den Schutz der Herde.
Der Gute Hirte
Der zentrale Vers in diesem Abschnitt des Johannesevangeliums (Johannes 10,1-30) ist Vers 11, wo Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ Jesus vergleicht den guten Hirten mit einem Fremden, einem Dieb und einem Mietling, und wir werden diese Vergleiche gleich näher betrachten.
Die Hauptidee ist, dass nur der Hirte eine vollständige Hingabe an die Schafe hat und folglich ihr volles Vertrauen genießt. Der gute Hirte ist sogar bereit, sein Leben für die Schafe hinzugeben – so sehr kümmert er sich um sie.
Dreimal wiederholt Jesus die Aussage: „Ich lasse mein Leben für die Schafe“ (Verse 11, 15, 17). Dies unterstreicht, dass dies der Kernpunkt seiner Rede über den Schafstall ist. Beim dritten Mal führt Jesus diese Aussage weiter aus. Er sagt uns, dass er die Vollmacht hat – ein Gebot vom Vater –, sein Leben hinzugeben, und nicht nur das, sondern es auch wieder aufzunehmen.
Christus hat die Gemeinde mit seinem eigenen Blut erkauft (Apostelgeschichte 20,28). Er hat alles für die Herde (die Gemeinde) gegeben. Deshalb folgen die Schafe niemand anderem, deshalb gehören die Schafe ihm, und deshalb ist er allein berechtigt, sie „meine Schafe“ zu nennen und sich selbst „den guten Hirten“ zu nennen.
Die jüdischen Führer waren empört über die Aussage: „Ich bin der gute Hirte.“ Der Rest des Kapitels (Johannes 10,31-39) zeigt, dass sie „wieder Steine aufnahmen, um ihn zu steinigen.“ Was machte sie so wütend? Nun, Psalm 23 war einer ihrer Lieblingspsalmen, genauso wie er einer von unseren ist.
Der Psalm beginnt: „Der Herr ist mein Hirte…“ Indem Jesus sich selbst den guten Hirten nannte, machte er sich zu Gott, und er leugnete dies nicht, sondern klärte es sogar, denn er beendete seine Rede mit der klaren Aussage: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10,30). Dies war eine direkte Identifizierung mit Gott, die die jüdischen Führer als Gotteslästerung ansahen, was ihre Wut erklärte.
Der Fremde
Johannes 10,4-6 beschreibt die Rolle des Fremden. Ein Fremder kann die Schafe nicht führen, weil der Türhüter (der in diesem Kontext oft als Gott interpretiert wird) einem Fremden den Zutritt zum Schafstall (der hier die Gemeinde oder das Reich Gottes symbolisiert) nicht gewährt. Sollte der Fremde versuchen, auf andere Weise als durch die Tür in den Schafstall zu gelangen, werden die Schafe ihm nicht folgen. Warum nicht? Weil sie seine Stimme nicht erkennen. Dies wird oft als Metapher für falsche Lehren verstanden.
Der Fremde kennt die Schafe nicht beim Namen, so wie es der Hirte tut. Die Schafe kennen den Fremden nicht und vertrauen ihm nicht. Ihre Reaktion ist die Flucht vor ihm, weil seine Stimme unbekannt ist und keine Vertrautheit oder Sicherheit vermittelt. Dies unterstreicht die Bedeutung der persönlichen Beziehung zwischen dem wahren Hirten und seinen Schafen.
Der Dieb
In Johannes 10,1-2, 8, 10 und 28 wird der Dieb beschrieben. Der Dieb kommt, um die Schafe zu stehlen. Jesus nennt den Fremden sogar „einen Dieb und einen Räuber“, was darauf hindeutet, dass Fremde, die nicht durch die Tür kommen, im Grunde die Absicht eines Diebes haben.
Es gab solche Diebe und Räuber, bevor Jesus kam. Er sagte voraus, dass es auch nach seinem Weggang weiterhin Diebe und Räuber geben würde. „Denn es werden viele falsche Propheten aufstehen und viele verführen“ (Matthäus 24,11). Diese falschen Propheten und Lehrer sind die Diebe und Räuber, die versuchen, die Schafe vom wahren Hirten wegzulocken.

Diebe haben nicht das Wohl der Schafe im Sinn. Sie kommen nur, „um zu stehlen, zu töten und zu verderben.“ Das ist ihre einzige Motivation und ihr Ziel. Sie bringen Zerstörung und Tod. Im krassen Gegensatz dazu steht Jesus. Er kam, um den Schafen Leben im Überfluss zu geben. Nur er kann ihnen „ewiges Leben“ geben; der Dieb bringt nichts als Tod. Die Absicht des Diebes ist immer zerstörerisch, niemals lebensspendend.
Der Mietling
Johannes 10,12-13 stellt uns den Mietling vor. Ein Mietling ist weder ein Fremder noch ein Dieb im Sinne völliger Illegalität oder direkter Zerstörungsabsicht. Er ist ein legitimer Betreuer, aber seine Motivation ist rein finanziell. Er ist nur wegen des Geldes da. Er ist nicht der Hirte, und ihm gehören die Schafe nicht. Deshalb sind sie nicht sein Leben.
Der Mietling stellt sein eigenes Leben über das der Schafe. Wenn ein Wolf kommt, läuft der Mietling weg, um sich selbst zu schützen. Er ist nicht bereit, sein Leben für die Schafe in Gefahr zu bringen. Seine Loyalität ist nur zum Zweck seines Lohnes vorhanden. Wenn die Gefahr zu groß wird, verschwindet er.
Jesus nimmt hier Bezug auf die jüdischen religiösen Führer seiner Zeit. Sie hatten eine gewisse Legitimität, da sie durch das Gesetz eingesetzt waren. Ihre Herzen waren jedoch nicht am richtigen Ort. Sie stellten ihr eigenes Leben, ihren Status und ihre Bequemlichkeit über das Wohl der Menschen, denen sie eigentlich dienen sollten. Infolgedessen waren die Menschen oft „wie Schafe ohne Hirten“ (Markus 6,34), weil ihre offiziellen Führer sich nicht wirklich um sie kümmerten, wenn es darauf ankam.
Jesus als die Tür der Schafe
In Johannes 10,7 und 9 offenbart Jesus eine weitere Facette seiner Identität in diesem Gleichnis: Er ist nicht nur der Hirte, sondern auch die Tür.
Er ist der wahre Hirte, dem der Türhüter die Tür öffnet (Johannes 10,1-3). Er ist aber auch die Tür selbst (Johannes 10,7). Das Gleichnis „Ich bin die Tür der Schafe“ ist ein zweites Bild, das in das größere Gleichnis „Ich bin der gute Hirte“ eingebettet ist.
Nur eine Tür oder ein Tor führt zur grünen Weide des ewiges Leben. Dieses Tor ist Jesus. Wer durch ihn eintritt, wird gerettet werden. Wer versucht, durch eine andere Tür einzutreten, wird verloren gehen. Dies betont die Exklusivität des Weges zu Gott, der durch Jesus führt. Es gibt keinen anderen Zugang, keinen anderen Mittler.
Vergleich der Rollen im Schafstall-Gleichnis
Um die Unterschiede zwischen den Figuren in diesem Gleichnis zu verdeutlichen, kann ein Vergleich hilfreich sein:
| Rolle | Beziehung zu den Schafen | Motivation | Verhalten bei Gefahr |
|---|---|---|---|
| Der Gute Hirte | Gehören ihm; kennt sie beim Namen; liebt sie. | Ihr Wohl, Schutz, Gebot des Vaters. | Stellt sich der Gefahr; ist bereit, sein Leben zu opfern. |
| Der Fremde | Keine Beziehung; Schafe kennen seine Stimme nicht. | Zugang zum Schafstall; oft mit Diebesabsicht verbunden. | Wird von den Schafen gemieden/geflohen; kommt nicht durch die Tür. |
| Der Dieb | Keine Beziehung; will stehlen und zerstören. | Stehlen, Töten, Verderben der Schafe. | Kommt nicht durch die Tür, sondern klettert anderswo hine; bringt Tod. |
| Der Mietling | Gehören ihm nicht; kümmert sich nur gegen Bezahlung. | Lohn, persönlicher Nutzen. | Flieht vor der Gefahr, um sich selbst zu schützen. |
Diese Tabelle verdeutlicht, dass nur der Gute Hirte eine echte, auf Liebe und Hingabe basierende Beziehung zu den Schafen hat und bereit ist, das ultimative Opfer für sie zu bringen.
Häufig gestellte Fragen zum Schafstall-Gleichnis
Was symbolisiert der Schafstall in diesem Gleichnis?
Der Schafstall symbolisiert oft das Reich Gottes, die Gemeinde oder den sicheren Bereich, in dem Gottes Schafe (die Gläubigen) versammelt und geschützt sind. Er steht für Sicherheit und Zugehörigkeit unter der Obhut des Hirten.
Warum nennt sich Jesus den „Guten“ Hirten?
Jesus nennt sich den „Guten“ Hirten, weil er im Gegensatz zu allen anderen (Fremden, Dieben, Mietlingen) bereit ist, das höchste Opfer für seine Schafe zu bringen: Er gibt sein Leben für sie hin. Seine Güte zeigt sich in seiner völligen Hingabe, seinem Schutz und seiner Liebe, die über jede Pflicht oder jeden Lohn hinausgeht.
Was bedeutet es, dass Jesus die Tür ist?
Indem Jesus sagt „Ich bin die Tür“, erklärt er, dass er der einzige Weg ist, um in den Schafstall – also in das Reich Gottes oder zu ewiges Leben – zu gelangen. Nur durch Glauben an ihn und durch ihn kann man Zugang zu Gott und zur Erlösung finden. Er ist der exklusive Zugangspunkt.
Wer sind die Fremden, Diebe und Mietlinge in der Anwendung heute?
Diese Figuren können verschiedene Dinge repräsentieren: Fremde und Diebe stehen oft für falsche Lehrer, Sekten oder Ideologien, die versuchen, Gläubige vom wahren Glauben wegzuführen, oft mit zerstörerischen Absichten für ihren Glauben oder ihr Leben. Mietlinge können Führer oder Autoritätspersonen (auch innerhalb religiöser Kontexte) darstellen, die ihre Position aus egoistischen Motiven (Geld, Macht, Ansehen) nutzen und die Menschen, die ihnen anvertraut sind, im Stich lassen, wenn es schwierig wird oder wenn es sie persönlich etwas kostet.
Zusammenfassung
Das Gleichnis vom Schafstall in Johannes 10 ist eine kraftvolle Darstellung der Beziehung zwischen Jesus und seinen Nachfolgern. Es lehrt uns, dass Jesus der einzige wahre Hirte ist, der seine Schafe liebt, kennt und beschützt, sogar um den Preis seines eigenen Lebens. Es zeigt uns auch, dass er die einzige Tür ist, durch die wir Zugang zu Gott und zum ewigen Leben haben. Die Warnung vor Fremden, Dieben und Mietlingen ruft uns dazu auf, wachsam zu sein und sicherzustellen, dass wir wirklich der Stimme des Guten Hirten folgen und nicht denjenigen, die versuchen, uns zu schaden oder uns aus egoistischen Motiven zu führen. Nur unter der Führung Jesu finden wir wahren Schutz und das Leben im Überfluss.
Hat dich der Artikel Das Gleichnis vom Schafstall in Johannes 10 interessiert? Schau auch in die Kategorie Gastronomie rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
