Warum heißt der Dutzendteich so?

Der Dutzendteich: Mehr als nur ein See

Rating: 4.51 (2705 votes)

Der Dutzendteich in Nürnberg ist seit jeher ein Anziehungspunkt. Damals wie heute zieht das Gewässer und das umliegende Areal Menschen an, die hier Erholung, Unterhaltung oder sportliche Betätigung suchen. Doch der Dutzendteich ist weit mehr als nur ein See am Rande der Stadt. Er ist ein Ort mit einer tiefen, vielschichtigen Geschichte, die von mittelalterlicher Nutzung über industrielle Revolution und politischen Missbrauch bis hin zur heutigen Rolle als wichtiges Stadtbiotop und Veranstaltungsort reicht. Seine Geschichte ist eng mit der Entwicklung Nürnbergs verbunden und spiegelt die Höhen und Tiefen vergangener Jahrhunderte wider.

Wie lange läuft man um den großen Dutzendteich?
3-4 Stunden. Ein Training dreimal pro Woche über 20 Minuten ist effektiver als ein einmaliges 60-minütiges Training.

Eine Frage, die viele Besucher beschäftigt, ist die nach der Herkunft seines Namens. Oft wird vermutet, der Name leite sich von einer bestimmten Anzahl von Weihern ab. Doch die Wahrheit ist eine andere und führt uns in die Vergangenheit des Geländes.

Herkunft des Namens Dutzendteich

Entgegen der landläufigen Meinung leitet sich der Name des Dutzendteichs nicht von der Anzahl der umliegenden Weiher ab. Stattdessen stammt er vom mittelhochdeutschen Wort „dutze“ ab, was Schilfrohrkolben bedeutet. Dieser Name verweist auf die ursprüngliche, wahrscheinlich sehr sumpfige Beschaffenheit des Geländes, bevor der See in seiner heutigen Form existierte. Die Vorstellung, dass der Name von einem Dutzend Teichen herrührt, ist eine spätere Interpretation, die nicht der historischen Herkunft entspricht.

Die Anfänge als künstliches Gewässer

Der Dutzendteich ist kein natürlich entstandenes Gewässer. Er wurde künstlich angelegt, was eine beachtliche Leistung für die damalige Zeit darstellte. Wahrscheinlich begann die Aufstauung des Langwassers und weiterer kleiner Bäche bereits im 13. Jahrhundert. Mit Sicherheit lässt sich die Existenz des aufgestauten Sees jedoch ab den 1430er Jahren nachweisen. Die Hauptzwecke dieser künstlichen Anlage waren die Nutzung als Wasserspeicher und die Fischzucht. Solche Teiche waren im Mittelalter eine wichtige Nahrungsquelle und wirtschaftlicher Faktor für Städte und Adelsfamilien.

Die Teichlandschaft gehörte zunächst der Familie Waldstromer, die 1337 als Besitzer genannt wurde. Im Jahr 1495 kaufte der Rat der Stadt Nürnberg das Areal. Schon bald wurde die Wasserkraft des Sees genutzt. Bereits 1496 werden am Ausfluss des Dutzendteichs zwei Hammermühlen erwähnt. Um die verfügbare Wasserkraft weiter zu erhöhen, wurde im gleichen Jahr der Fischbach durch den Teich geleitet, was die Mühlenleistung verbesserte.

Das legendäre Ratsfischen

Im 16. Jahrhundert wurde der Dutzendteich durch das Anlegen von Dämmen weiter parzelliert, um die Fischzucht zu optimieren. Diese wurde vom städtischen Rat in Eigenregie betrieben. Ein besonderes Ereignis war das alle zwei Jahre stattfindende Abfischen, bekannt als „Ratsfischen“. Nach dem offiziellen Fischzug der Obrigkeit wurde der Fang an Anspruchsberechtigte verteilt.

Doch das Ratsfischen war mehr als nur eine Verteilung von Fisch. Es entwickelte sich zu einem bedeutenden Volksfest und zog viele Schaulustige an. Nachdem der Rat seinen Fang eingeholt hatte, wurde das Wasser abgelassen, und die Teiche wurden der Allgemeinheit zum Nachfischen überlassen. Dieses Spektakel, bei dem sich mehr als 100 Leute in das sumpfige, schlammige Gelände begaben, um die übrig gebliebenen Fische einzusammeln, war eine gern besuchte Volksbelustigung im 19. Jahrhundert. Die umstehenden Zuschauer amüsierten sich köstlich über das Treiben im Schlamm. Das Ratsfischen wurde bis 1873 durchgeführt und war lange Zeit ein fester Bestandteil des Nürnberger Kalenders.

Vom Nutzgewässer zum beliebten Ausflugsziel

Bereits im 17. Jahrhundert begann sich der Dutzendteich als beliebtes Ausflugsziel zu etablieren. Zunächst gab es Schwierigkeiten mit dem unerlaubten Ausschank von Getränken, doch nachdem ein Verbot nicht fruchtete, erhielt der Weihermeister 1638 ein offizielles Schankrecht. Im Gegenzug musste der Badebetrieb und das Befahren mit Booten eingestellt werden – eine Regelung, die sich später wieder ändern sollte.

Die Zahl der Ausflügler stieg kontinuierlich an. Dies veranlasste den Rat der Stadt, im Jahr 1713 ein steinernes Gasthaus am Nordwestufer errichten zu lassen, das den Namen „Wirtshaus am Dutzendteich“ trug. Dieses Gasthaus wurde schnell zu einem zentralen Treffpunkt für die Besucher.

Im 19. Jahrhundert, als die Anziehungskraft des Dutzendteichs ungebrochen war, wurde das Befahren des Teichs mit Booten wieder erlaubt. Im Jahr 1826 bot die Gondel „Preciosa“ Platz für zwölf Fahrgäste und vier Ruderer, was auf eine beginnende Kommerzialisierung des Freizeitangebots hindeutet. Ende des 19. Jahrhunderts kamen, dem technischen Fortschritt entsprechend, sogar „Accumulatorboote“ der Firmen Schuckert und Späth zum Einsatz.

Warum wird der Dutzendteich abgelassen?
Bis Weihnachten ist der Dutzendteich auf Eislaufniveau Ab Oktober wird der Große Dutzendteich wieder kontinuierlich abgelassen, damit Sör im November und Dezember die notwendigen Unterhaltsarbeiten "unter Wasser" durchführen kann.

Nachdem das Gelände des Dutzendteichs verkauft worden war, gründete sich 1823 die „Dutzendteich-Park-Actiengesellschaft“. Diese Gesellschaft bestand bis 1941 und hatte das erklärte Ziel, „...den Vergnügungsort Dutzendteich seiner bisherigen Bestimmung, den Einwohnern Nürnbergs eine Stätte der Erholung und des Vergnügens zu sein, zu erhalten und zu verschönern.“

Da die Schifffahrt im Sommer und das Eislaufen im Winter viele Vergnügungslustige anzogen, siedelten sich in der Nachbarschaft weitere Gastronomiebetriebe an. So entstand 1869 das Ausflugslokal „Waldlust“, gefolgt von der „Seerose“ (1896) und dem „Volksgarten“ (1889). Das städtische „Wirtshaus am Dutzendteich“ wurde 1899 durch das beliebte „Park-Café-Wanner“ ersetzt.

Die wachsende Beliebtheit erforderte auch eine bessere verkehrstechnische Erschließung. Im Jahr 1870 entstand die Bahnstation Dutzendteich. Seit 1882 verkehrte eine Pferdebahn, die 1896 durch die elektrische Straßenbahn ersetzt wurde. Der Dutzendteich war nun für die Nürnberger Bevölkerung leicht erreichbar.

Ein Ort der Industrie und der großen Ausstellungen

Auch in Zeiten der Industrialisierung spielte der Dutzendteich eine bedeutende Rolle. Am Ausfluss des Fischbachs gründeten die Gebrüder Späth im Jahr 1825 ihre spätere Maschinenfabrik, ein wichtiger Schritt für die industrielle Entwicklung Nürnbergs. Nürnberg entwickelte sich dank Unternehmern wie Schuckert, Späth, Faber und Cramer-Klett zu einem wichtigen Zentrum der Maschinen-, Bleistift- und Elektroapparateindustrie.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Zugehörigkeit Bayerns richtete man 1906 die Landesausstellung am Dutzendteichgelände aus, im heutigen Luitpoldhain. Auf einer Fläche von 700.000 Quadratmetern präsentierten bayerische Unternehmen ihre Leistungsfähigkeit. Für die Ausstellung wurden Gebäude mit jugendstilähnlichen Fassaden errichtet, die nach Ende der Veranstaltung jedoch wieder abgebaut wurden. Im gleichen Jahr fand auf dem Gewässer Deutschlands erstes Damen-Ruderrennen statt, was die vielfältige Nutzung des Sees unterstreicht.

Eine besondere Attraktion der Landesausstellung war der am Südufer erbaute Leuchtturm. Er war als Aussichtsturm konzipiert und imitierte die Scheinwerfersignale eines echten Leuchtturms. Die Besucher konnten mit einem elektrischen Aufzug im Turminneren auf die Aussichtsplattform gelangen. Dieses Bauwerk, das bei den Nürnbergern sehr beliebt war, sollte jedoch nur wenige Jahrzehnte bestehen.

Die dunkle Zeit: Das Reichsparteitagsgelände

Die Nationalsozialisten erkannten früh das Potenzial des Dutzendteichgeländes und des Luitpoldhains für ihre Massenveranstaltungen. Hier sollte das Reichsparteitagsgelände entstehen, ein Projekt von monumentalen, größenwahnsinnigen Ausmaßen. Dies hatte verheerende Folgen für das Areal.

Der beliebte Leuchtturm am Südufer musste weichen. Im Oktober 1935 wurde er von den Nationalsozialisten gesprengt, da er dem geplanten Bau der Kongresshalle im Weg stand. Auch der Tiergarten, der seit 1912 auf einem Teil des Geländes der Jubiläumsausstellung und an den so genannten Nummerweihern angesiedelt war, störte die Pläne und musste später an seinen heutigen Standort am Schmausenbuck umziehen. Der Dutzendteich selbst musste eine Verkleinerung und brutale Zerstückelung hinnehmen. Durch den Bau der Großen Straße, einer gigantischen Aufmarschstraße, wurde die Teichlandschaft zerschnitten. Das Gewässer wurde durch das nie fertig gestellte Reichsparteitagsgelände verstümmelt.

Neben der Teilung in Kleinen und Großen Dutzendteich „verdankt“ die Stadt dem NS-Regime ein weiteres Gewässer in unmittelbarer Nähe: den Silbersee. Dieser See ist eine mit Grundwasser vollgelaufene Baugrube des ebenfalls nie fertiggestellten „Deutschen Stadions“. Diese Veränderungen prägen das Areal bis heute.

Dramatische Momente: Harry Houdini am Dutzendteich

Ein Spektakel der besonderen Art ereignete sich im Dutzendteich kurz vor dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1923. Harry Houdini, der weltberühmte Entfesselungskünstler, war auf Europa-Tournee und wollte in Nürnberg seinen spektakulärsten Bühnentrick, die „Chinesische Wasserzellenfolter“, vorführen. Houdini war den deutschen Polizeibehörden jedoch suspekt, da er sich aus fast jeder erdenklichen Fesselung befreien konnte. Er arbeitete mit handelsüblichen Schlössern, Handschellen und Ketten, doch niemand, auch nicht die Polizei, konnte ihn so fesseln, dass er seine Selbstbefreiung nicht schaffte.

Warum heißt der Dutzendteich so?
"Der Dutzendteich wurde vom Schicksal erschaffen, damit die lieben Nürnberger wissen, wann ein Sonntag ist. Ein Nürnberger, der an einem Sonntag nicht an den Ufern des Dutzendteiches weilt, weiß gar nicht, dass überhaupt Sonntag ist." Johann Wilhelm Spaeth – Spaeth & Co.

Dies war dem Nürnberger Polizeichef Schlumberger natürlich ein Dorn im Auge. Man wollte sich nicht vorführen lassen. Um alle Zweifel an seiner Kunst auszuräumen, wollte Houdini seinen Trick nicht wie sonst üblich in einem Wasserbecken, sondern im Dutzendteich vorführen. Schlumberger untersagte die Vorstellung, dumm nur, dass dieses Verbot dem Künstler nicht rechtzeitig mitgeteilt wurde.

Tausende Schaulustige wurden mit etlichen Sonderzügen der Nürnberger Verkehrsbetriebe an den Dutzendteich gebracht. Sie beobachteten, wie Harry Houdini schwer gefesselt ins Wasser sprang und kurze Zeit später unter dem Jubel der Menge unversehrt wieder auftauchte. Sofort wurde er von der Obrigkeit verhaftet.

Da ihm das Verbot zum Zeitpunkt seiner Vorführung nicht mitgeteilt wurde, versuchte ihn die Staatsanwaltschaft wegen unerlaubten Badens außerhalb der Saison anzuklagen. Der Richter jedoch, wie sich später herausstellte ein Verehrer Houdinis, wollte diese Farce nicht mitspielen, sodass das Nürnberger Gastspiel für den Künstler ohne Folgen blieb. Dieses Ereignis zeigt die Anziehungskraft, die der Dutzendteich auch abseits der regulären Freizeitnutzung besaß.

Der Volkspark Dutzendteich heute

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Dutzendteichgelände wieder zu dem umfunktioniert, was es schon immer in seiner Grundbestimmung war – ein Naherholungsgebiet. Längst wurde das Areal des Volksparks unter Denkmalschutz gestellt und zum Stadtbiotop erklärt, was seine ökologische Bedeutung unterstreicht. Heute werden die Ufer des Gewässers vorwiegend von Spaziergängern, Radlern, Skatern und Joggern genutzt. An schönen Sommerwochenenden kann es hier durchaus eng werden, was die anhaltende Beliebtheit des Ortes bezeugt.

Auch die Boote sind seit Langem auf den Seen zurückgekehrt, allerdings in verkleinerter Form. Vergnügungsschiffe gibt es nicht mehr. Wer auf dem Teich schippern will, muss sich schon selbst anstrengen. Es können Ruder- und Tretboote unterschiedlicher Größe angemietet werden. Auch der Yacht- und Segelclub Nürnberg hat am Dutzendteich samt Club- und Bootshaus sein Zuhause gefunden.

Nicht nur kulturell und als Freizeitort, sondern auch ökologisch erfüllt das Gelände seinen Zweck. Für zahlreiche Tiere und Pflanzen der sogenannten Roten Liste dient das Gebiet als wichtige Schutzzone und Lebensraum.

Zweimal im Jahr wird es richtig laut am Nürnberger Dutzendteich. Beim Festival „Rock im Park“ campen Tausende Musikfans am See und in den umliegenden Gebieten. Trotz Badeverbot nutzen viele Festivalbesucher den Kleinen und Großen Dutzendteich sowie den Silbersee für einen Sprung ins kühle Nass. Leider ein sehr gefährliches Unterfangen, das Übermutige schon mit körperlichen Schäden bezahlen mussten, da die Gewässer Tücken bergen.

Beim Norisring-Speedweekend, dem ehemaligen „200 Meilen von Nürnberg“, dient das Stadtbiotop als mediterrane Kulisse. Die Top-Teams der DTM (Deutsche Tourenwagen Masters) schlagen gern ihre Hospitality-Zelte am Ostufer des Dutzendteichs auf, um ihre Gäste zu bewirten – Seeblick inklusive. Da das Rennen auf einem Stadtkurs rund um die Stein- bzw. Zeppelintribüne stattfindet, dem einzig einst fertiggestellten Relikt der Nationalsozialisten, und die Rennstrecke unmittelbar am Gewässer liegt, wird der Norisring oft als „Klein-Monaco“ bezeichnet.

Auch die Traditionsgaststätte „Wanner“ existiert in veränderter Form heute noch und wurde durch den neuen Besitzer, eine Brauerei, generalsaniert. Sie firmiert nun als „Gutmann am Dutzendteich“ (vormals Wanner). Einzig die Konzertmuschel erinnert noch an das „Original“. Die legendäre „Seerose“ musste in den 1990er Jahren dem Ausbau der Ringstraße weichen. Die beiden hölzernen Chörlein der Seerose wurden gerettet und auf Initiative der Altstadtfreunde an anderen historischen Gebäuden in der Altstadt (Weinmarkt 12a und Hauptmarkt 9) angebracht. Ein Teil der halbfertigen Kongresshalle beheimatet seit 2001 das „Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände“. Ein vom Dokuzentrum mit Hinweistafeln ausgestatteter Weg führt heute durch das Gelände rund um den Dutzendteich und informiert über die dunkle Vergangenheit des Ortes.

Wo ist der Dutzendteich?
Dutzendteich ist ein statistischer Bezirk im Süden Nürnbergs, der zum Statistischen Stadtteil 3 „Südöstliche Außenstadt“ gehört. Der Bezirk besteht aus den Distrikten 300 Dutzendteich (Kongresshalle, Stadion) und 301 Dutzendteich (Volkspark, Messezentrum).

Ein humorvoller Blick auf die Besucher (Hanns Schödel, 1923)

Der Schriftsteller Hanns Schödel, später als Peter Luginsland bekannt, beschrieb im Jahr 1923 in seinem Buch „Nürnberger Sehenswürdigkeiten – Ein lustiges Hanns Schödel-Buch“ den Vergnügungsort Dutzendteich und seine Besucher auf humorvolle Weise. Seine Beobachtungen geben einen Einblick in die Gesellschaft jener Zeit und die unterschiedlichen Schichten, die sich am See trafen:

„Die halbherrschaftliche Seite umfaßt den Volksgarten, die Seerose und den tiefer gelegenen Teil des Hauptrestaurants. Dort sitzen kinderreiche Familien und essen aus mitgebrachten Freßkobern viel Brot und weniger Wurst. Dazu konsumieren sie Dünnbier und geben dem Kellner 5 Pfennige Trinkgeld. Auf der hochherrschaftlichen Seite – auf der sogenannten Terrasse weht ein anderer Wind Dort sitzen, steif wie die Figuren in Geißlers Anatomischen Museum auf dem Volksfest, die Mitglieder der Eleganten Welt die den Delikateß-Foxtrott und den Truthahn-Tanz auf dem Gewissen haben. Die Mitglieder der Eleganten Welt lesen den mitgebrachten Junggesellen oder Die elegante Welt und schauen sich gegenseitig mit dem Ausdruck ungeschminkter Selbsthochachtung in die Augen. Dazu schlürfen sie Sorbetos oder Eiskaffee und rauchen feine Zigarren, das Stück zu 80 Pfennigen.“

Und warum wurde das Gewässer erschaffen? Auch hierfür hatte der Beobachter eine humorvolle Antwort:

„Der Dutzendteich wurde vom Schicksal erschaffen, damit die lieben Nürnberger wissen, wann ein Sonntag ist. Ein Nürnberger, der an einem Sonntag nicht an den Ufern des Dutzendteiches weilt, weiß gar nicht, dass überhaupt Sonntag ist.“

Diese Zitate zeigen, wie fest der Dutzendteich schon vor 100 Jahren im Leben der Nürnberger verankert war und als Gradmesser für den Sonntag galt.

Zeittafel zur Geschichte des Dutzendteichs
Jahrhundert/ZeitraumWichtige Entwicklungen/NutzungBesonderheiten
13. / 14. Jh.Künstliche Anlage durch AufstauungWasserspeicher, Beginn Fischzucht
1495Kauf durch den Rat der Stadt NürnbergStädtische Nutzung und Verwaltung
1496Erwähnung von Hammermühlen, Umleitung des FischbachsNutzung der Wasserkraft
16. - 19. Jh.Städtische Fischzucht, RatsfischenAlle zwei Jahre, Volksfestcharakter
17. Jh.Beginn als AusflugszielErste Schankrechte, später steinernes Gasthaus
19. Jh.Zunehmende Freizeitnutzung, IndustrieansiedlungBootsfahrt, Eislaufen, Gründung Maschinenfabrik Späth, Gründung Dutzendteich-Park-Actiengesellschaft
1906Landesausstellung am GeländeLuitpoldhain entsteht, Bau des Leuchtturms
1912Tiergarten siedelt sich am Gelände anÜber 800 Tiere, Seelöwen und Eisbären in Nebenweihern
1923Harry Houdini tritt aufSpektakuläre Entfesselung im See
1933-1945Umwandlung zum ReichsparteitagsgeländeZerstörung Leuchtturm, Teilung des Sees, Entstehung Silbersee, Tiergarten muss weichen
Seit 1945Wiederherstellung als NaherholungsgebietVolkspark Dutzendteich, Denkmalschutz, Stadtbiotop, moderne Freizeitnutzung, Veranstaltungen (Rock im Park, Norisring)
2001Dokumentationszentrum eröffnetIn der Kongresshalle

Häufig gestellte Fragen zum Dutzendteich

Obwohl wir viele Aspekte der Geschichte und Gegenwart des Dutzendteichs beleuchtet haben, gibt es einige Fragen, die besonders oft gestellt werden. Hier finden Sie Antworten basierend auf den verfügbaren Informationen:

Warum heißt der Dutzendteich so?
Der Name leitet sich nicht von der Anzahl der Weiher ab, wie oft angenommen. Er stammt vom mittelhochdeutschen Wort „dutze“, das Schilfrohrkolben bedeutet. Dies weist auf die sumpfige Beschaffenheit des Geländes vor der Anlage des Sees hin.

Warum wird der Dutzendteich regelmäßig abgelassen?
Der Große Dutzendteich wird ab Oktober kontinuierlich abgelassen, um notwendige Unterhaltsarbeiten am Grund und an den Ufern durchführen zu können. Dazu gehört insbesondere die Entnahme von Wasserpflanzen und Algen, um Nährstoffe zu reduzieren, die Wasserqualität zu verbessern und einer Verlandung vorzubeugen. Dies geschieht mit speziellen Mähsammelbooten wie der „Hummel“, die in der Saison 2024 ein Rekordergebnis bei der Entnahme erzielte. Bis Weihnachten wird ein Teilstau auf Eislaufniveau angestrebt, der Vollstau traditionell bis Ostern.

Wurde der Dutzendteich natürlich gebildet?
Nein, der Dutzendteich ist ein künstlich angelegtes Gewässer. Er wurde wahrscheinlich ab dem 13. Jahrhundert, sicher aber ab den 1430er Jahren, durch die Aufstauung des Langwassers und weiterer kleiner Bäche geschaffen.

Wo genau befindet sich der Dutzendteich?
Der Dutzendteich liegt im Süden Nürnbergs und bildet einen eigenen statistischen Bezirk. Er gehört zum statistischen Stadtteil „Südöstliche Außenstadt“ und umfasst neben den Seen selbst auch den Volkspark, die Zeppelinwiese, das Max-Morlock-Stadion und das Gelände des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes. Er liegt nahe der Bundesstraße 4 R (Bayernstraße).

Was war das Ratsfischen?
Das Ratsfischen war ein historisches Ereignis, das bis 1873 alle zwei Jahre am Dutzendteich stattfand. Dabei fischte der städtische Rat die Teiche ab. Anschließend wurde das Wasser abgelassen und die Teiche für das Nachfischen durch die allgemeine Bevölkerung freigegeben. Es war ein beliebtes Volksfest.

Gab es am Dutzendteich einen Leuchtturm?
Ja, für die Landesausstellung 1906 wurde am Südufer ein Leuchtturm als Aussichtsturm erbaut. Er war bei der Bevölkerung sehr beliebt, wurde aber im Oktober 1935 von den Nationalsozialisten gesprengt, da er dem Bau der Kongresshalle im Weg stand.

Was hat Harry Houdini mit dem Dutzendteich zu tun?
Der berühmte Entfesselungskünstler Harry Houdini führte 1923 trotz eines Verbots der Polizei seinen spektakulären Wasserzellen-Trick im Dutzendteich auf. Er wurde danach kurzzeitig verhaftet, aber später freigesprochen.

Die Geschichte des Dutzendteichs ist eine faszinierende Reise durch die Jahrhunderte, die zeigt, wie sich ein künstlich angelegtes Gewässer von einem reinen Nutzfaktor zu einem zentralen Ort der Freizeit, Kultur und Geschichte entwickelt hat. Auch wenn die Narben der Vergangenheit, insbesondere durch die Nutzung in der NS-Zeit, sichtbar bleiben, hat der Dutzendteich seinen Platz als lebenswichtiges Stadtbiotop und beliebter Treffpunkt für die Menschen in Nürnberg und darüber hinaus zurückerobert.

Hat dich der Artikel Der Dutzendteich: Mehr als nur ein See interessiert? Schau auch in die Kategorie Gastronomie rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!

Avatar-Foto

Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

Go up