Am 12. April 1968 war es endlich soweit: Der neue Hamburger Fernsehturm öffnete seine Pforten für die Öffentlichkeit. Ein Tag, der vielen Hamburgern in Erinnerung bleiben sollte. Nach Jahren des Baus konnten die Menschen endlich das höchste Gebäude der Stadt erklimmen und eine bislang unerreichte Aussicht genießen. Die Vorfreude war riesig, die Schlangen lang, und das Erlebnis für viele unvergesslich. Der Turm, liebevoll „Telemichel“ genannt, wurde sofort zu einem neuen Wahrzeichen der Hansestadt und zog Tausende von Besuchern an, die neugierig darauf waren, Hamburg aus der Vogelperspektive zu sehen und die rasante Fahrt mit dem Aufzug zu erleben.

Die Anfänge: Bau, Eröffnung und die ersten Besucher
Der offizielle Name des Turms lautet Heinrich-Hertz-Turm, benannt nach dem großen Hamburger Physiker. Gebaut wurde er in den Jahren 1965 bis 1968 in solider Stahlbetonweise, eine beeindruckende Ingenieursleistung der damaligen Zeit. Der Architekt Fritz Trautwein entwarf das markante Bauwerk im Auftrag der Deutschen Bundespost.
Der Karfreitag 1968 markierte den Beginn des Besucherbetriebs. Schon früh am Morgen versammelten sich Hunderte von Hamburgern vor den Eingängen, in der Hoffnung, zu den ersten zu gehören, die den Turm betreten dürfen. Für die ersten 500 Besucher gab es sogar eine besondere Belohnung: freien Eintritt und eine kostenlose Fahrt mit dem Aufzug. Ein älterer Herr, der die Eintrittskarte Nummer 498 in den Händen hielt, strahlte vor Freude – das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt.
Für alle, die nach den ersten 500 kamen, wurde ein Eintrittsgeld fällig. Der Preis für die Fahrt zur Aussichtsplattform betrug damals faire zwei D-Mark für Erwachsene. Kinder zahlten die Hälfte, also eine Mark. Angesichts des Erlebnisses – der schnellen Aufzugsfahrt und der spektakulären Aussicht – empfanden viele diesen Preis als absolut angemessen.
Der Ansturm am Eröffnungswochenende, das auf Ostern fiel, übertraf alle Erwartungen. Ganze 28.500 Menschen besichtigten an diesen wenigen Tagen Hamburgs neues Wahrzeichen. Das führte unweigerlich zu langen Schlangen vor den beiden Personenaufzügen im Turm. Doch das Warten lohnte sich.
Einmal im Fahrstuhl angekommen, begann das eigentliche Abenteuer. Die Aufzüge waren für die damalige Zeit extrem schnell. Mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde katapultierten sie die Besucher in nur etwa 25 Sekunden von null auf 124 Meter Höhe, wo sich die Aussichtsplattform befand. Diese rasante Fahrt war für viele ebenso aufregend wie die Aussicht selbst. Manche Besucher waren so verblüfft von der Schnelligkeit, dass sie zunächst gar nicht glauben konnten, bereits am Ziel angekommen zu sein und zögerten, den Aufzug zu verlassen. Die Fahrt nach unten hingegen bereitete einigen Gästen leichte Probleme: Die hohe Geschwindigkeit konnte zu Ohrendruck und einem flauen Gefühl im Magen führen, ein kleiner Preis für das einzigartige Erlebnis.
Die Aussichtsplattform: Hamburg zu Füßen
Auf der Aussichtsplattform angekommen, wurden die Besucher mit einem atemberaubenden 360-Grad-Rundblick über die gesamte Hansestadt belohnt. Aus rund 124 Metern Höhe wirkten die Gebäude Hamburgs wie Spielzeug. Eifrig wurde diskutiert und versucht, die eigene Wohnung, bekannte Wahrzeichen oder die Elbe zu identifizieren. Der Blick reichte weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Der Fernsehturm bot zu dieser Zeit die mit Abstand höchste öffentlich zugängliche Aussichtsplattform in Hamburg. Selbst der berühmte Michel oder die Petrikirche konnten da nicht mithalten. Dieser Umstand allein machte den Besuch zu einem besonderen Ereignis.
Die Gastronomie im Turm: Vom Kiosk zum Drehrestaurant
Während die Aussichtsplattform bereits am 12. April 1968 öffnete, mussten die Besucher auf gastronomische Angebote zunächst noch warten. Ein kleiner Kiosk war zwar sofort geöffnet und bot Souvenirs wie Eierwärmer mit Hamburg-Wappen oder Schneekugeln mit Landungsbrücken-Motiv an, aber für Speisen und Getränke musste man sich noch gedulden.
Das Selbstbedienungsrestaurant im Turm eröffnete acht Tage später, am 20. April 1968. Hier waren die Preise bewusst moderat gehalten, um ein breites Publikum anzusprechen. Ein Bier, ein Kaffee oder eine Limonade kosteten jeweils 50 Pfennig. Eine Bockwurst gab es für eine D-Mark. Dieses Angebot ermöglichte es vielen Besuchern, sich nach der Auffahrt und der Aussicht zu stärken, ohne tief in die Tasche greifen zu müssen.
Das eigentliche gastronomische Highlight folgte am 11. Mai 1968, dem Tag der offiziellen Einweihung des Fernsehturms. Über der Aussichtsplattform befand sich ein weiterer Bereich, der eine Bar und ein exklusiveres Restaurant beherbergte. Hier war das Erlebnis deutlich kostspieliger, aber auch luxuriöser.
Die Preise im Drehrestaurant spiegelten den gehobenen Anspruch wider. Ein T-Bone-Steak stand für 11 D-Mark auf der Karte, ein Filetgulasch Stroganoff für 9,75 D-Mark. Im Vergleich zu den Preisen im Selbstbedienungsrestaurant oder in vielen Restaurants in der Stadt waren das beachtliche Summen. Doch die Gäste zahlten nicht nur für das Essen, sondern vor allem für ein einzigartiges Erlebnis.
Das legendäre Drehrestaurant
Der besondere Clou dieses Restaurants war die integrierte Drehscheibe. Die Tische, an denen die Gäste Platz nahmen, befanden sich auf einer rotierenden Plattform, die sich langsam um die Achse des Turms drehte. Eine komplette Umdrehung dauerte etwa eine Stunde. Das bedeutete, dass die Besucher während ihres Essens das gesamte Hamburg-Panorama an sich vorbeiziehen lassen konnten, ohne ihren Platz verlassen zu müssen. Dieser stetig wechselnde Ausblick machte das Mittag- oder Abendessen im Fernsehturm zu einem unvergesslichen Ereignis.
Für die richtige Atmosphäre sorgte eine besondere Beleuchtung. 21.500 kleine Taschenlampenbirnen waren in die Decke eingelassen und spendeten ein gedämpftes Licht. Dies war nicht nur stimmungsvoll, sondern hatte auch einen praktischen Grund: Das gedämpfte Licht spiegelte sich nicht in den großen Panoramafenstern, sodass die Aussicht stets klar und unverstellt blieb.
Die logistische Herausforderung, ein Restaurant in dieser Höhe zu betreiben, wurde clever gelöst. Gekocht wurde nicht oben, sondern in Küchenbereichen unten im Turm. Die zubereiteten Speisen wurden dann per Aufzug nach oben transportiert. Dort wurden sie lediglich noch angebraten oder aufgewärmt und angerichtet. So konnte die Qualität der Speisen gewährleistet werden, während gleichzeitig das einzigartige Ambiente in der Höhe erhalten blieb.
Ein Angebot, das sich besonders ins Gedächtnis vieler Hamburger eingebrannt hat, war das Nachmittagsangebot im Drehrestaurant. Unter dem Motto „Kaffee und Kuchen satt“ durften die Gäste zwischen 15:00 Uhr und 17:30 Uhr so viel Torte und Kuchen essen, wie sie nur schaffen konnten. Dieses verlockende Angebot lockte viele Kaffeetrinker und Kuchenliebhaber in den Turm und trug zur Beliebtheit des Drehrestaurants bei.
Die Kosten des Baus und spätere Investitionen
Die Frage nach den Kosten eines solchen monumentalen Bauwerks ist naheliegend. Der Bau des Hamburger Fernsehturms, der von 1965 bis 1968 dauerte, war ein teures Unterfangen. Die ursprünglichen Baukosten beliefen sich auf beachtliche 57,2 Millionen D-Mark. Diese Summe wurde von der Deutschen Bundespost getragen, die den Turm in erster Linie für Telekommunikations- und Sendezwecke benötigte. Die Besucherplattformen und Restaurants waren eine zusätzliche Nutzung, die den Turm für die Öffentlichkeit attraktiv machte.
Viele Jahre lang war der Fernsehturm ein beliebter Anziehungspunkt. Doch in den 1990er-Jahren schien das Konzept in die Jahre gekommen zu sein, und die Besucherzahlen gingen zurück. Ein schwerwiegenderes Problem war die Entdeckung von Asbest im Gebäude. Dies führte schließlich dazu, dass der Turm am 1. Januar 2001 geschlossen werden musste – sowohl die Aussichtsplattform als auch die Restaurants.
Die notwendige Sanierung und weitere Umbauten zur Beseitigung des Asbests und zur Modernisierung waren mit erheblichen Kosten verbunden. Der Bund stellte für diese Maßnahmen 18,5 Millionen Euro bereit. Dies zeigt, dass auch nach der ursprünglichen Investition weiterhin große Summen für den Erhalt und die notwendige Anpassung des Turms erforderlich waren und sind.
Zahlen, Daten, Fakten zum Hamburger Fernsehturm
Hier sind einige wichtige Fakten zum Hamburger Fernsehturm in der Übersicht:
| Merkmal | Wert / Beschreibung |
|---|---|
| Offizieller Name | Heinrich-Hertz-Turm |
| Spitzname | Telemichel |
| Bauzeit | 1965 - 1968 |
| Bauweise | Stahlbeton |
| Gesamthöhe | 279,2 Meter |
| Höhe Stahlbetonteil | 204 Meter |
| Höhe Aussichtsplattform (ursprünglich) | ca. 124 Meter |
| Höhe Aussichtsplattform (geplant) | ca. 120 Meter |
| Geschwindigkeit Aufzug | 6 Meter/Sekunde |
| Fahrzeit zur Plattform | ca. 25 Sekunden |
| Ursprüngliche Baukosten | 57,2 Millionen D-Mark |
| Kosten Sanierung/Umbau (Bund) | 18,5 Millionen Euro |
| Grund für Schließung 2001 | Asbest-Belastung |
| Aktuelle Nutzung | Träger von Telekommunikations- und Sendeeinrichtungen |
| Gastronomie-Highlight | Drehrestaurant |
| Beliebtes Angebot | Kaffee und Kuchen satt (ehemals) |
Die Schließung und die ungewisse Zukunft
Wie bereits erwähnt, musste der Fernsehturm am 1. Januar 2001 aufgrund von Asbestbelastung für den Publikumsverkehr geschlossen werden. Was zunächst als temporäre Maßnahme für Sanierungsarbeiten gedacht war, entwickelte sich zu einer Schließung, die nun schon über zwei Jahrzehnte andauert. Die Asbestsanierung war aufwendig und teuer.
In den Jahren seit der Schließung gab es immer wieder Pläne und Initiativen, den „Telemichel“ wieder für Besucher zugänglich zu machen. Verschiedene Betreiberkonzepte wurden geprüft, doch keines konnte bislang erfolgreich umgesetzt werden oder scheiterte aus unterschiedlichen Gründen. Die Hamburger warten seither sehnsüchtig darauf, ihr Wahrzeichen wieder besteigen zu können.
Anfang 2024 gab es die Nachricht, dass eine geplante Wiedereröffnung erneut auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste. Dennoch gibt es weiterhin Hoffnung. Die Deutsche Funkturm GmbH, die Eigentümerin des Turms, plant, im Jahr 2025 einen neuen Bauantrag einzureichen. Dieser Schritt ist notwendig, um die erforderlichen Umbauten und Modernisierungen durchführen zu können, die den Turm wieder fit für den Publikumsbetrieb machen sollen. Geplant ist, dass die Aussichtsplattform dann in einer Höhe von 120 Metern liegen wird, nur unwesentlich tiefer als ursprünglich.
Wann genau der Hamburger Fernsehturm seine Türen für Besucher wieder öffnen wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt (Stand der vorliegenden Informationen) noch unklar. Die Planungen laufen, aber ein konkreter Termin steht noch nicht fest. Fest steht aber, dass der Turm auch während seiner Schließung weiterhin eine wichtige Funktion erfüllt: Er dient nach wie vor als Träger für eine Vielzahl von Telekommunikations- und Sendeeinrichtungen, die für die Kommunikation in der Region unverzichtbar sind.
Häufig gestellte Fragen zum Hamburger Fernsehturm
Wie hoch ist der Hamburger Fernsehturm?
Der Fernsehturm hat eine Gesamthöhe von 279,2 Metern. Der Stahlbetonteil reicht bis 204 Meter, darüber befindet sich der Gittermast mit den Antennen.
Wann wurde der Fernsehturm für Besucher eröffnet?
Der Turm öffnete erstmals am 12. April 1968 seine Tore für die Öffentlichkeit.
Was kostete der Eintritt im Jahr 1968?
Der reguläre Eintrittspreis für die Auffahrt zur Aussichtsplattform betrug 1968 zwei D-Mark für Erwachsene und eine D-Mark für Kinder, nachdem die ersten 500 Besucher freien Eintritt hatten.
Gab es ein Restaurant im Turm?
Ja, es gab ein Selbstbedienungsrestaurant und ein exklusiveres Drehrestaurant mit Bar.
Was war das Besondere am Drehrestaurant?
Das Restaurant befand sich auf einer rotierenden Plattform, die sich innerhalb einer Stunde einmal um die Turmachse drehte, sodass die Gäste während des Essens das gesamte Panorama genießen konnten.
Warum wurde der Turm für Besucher geschlossen?
Der Turm musste am 1. Januar 2001 wegen Asbestbelastung geschlossen und saniert werden.
Wann öffnet der Fernsehturm wieder?
Ein genauer Termin für die Wiedereröffnung steht noch nicht fest. Die Eigentümerin plant jedoch, im Jahr 2025 einen Bauantrag für die notwendigen Umbauten einzureichen.
Was hat der Bau ursprünglich gekostet?
Die ursprünglichen Baukosten des Fernsehturms beliefen sich auf 57,2 Millionen D-Mark.
Der Hamburger Fernsehturm bleibt ein faszinierendes Bauwerk mit einer reichen Geschichte. Von seiner aufregenden Eröffnung im Jahr 1968, den beeindruckenden technischen Details wie dem schnellen Aufzug und dem einzigartigen Drehrestaurant, bis hin zu seiner heutigen Rolle als wichtiger Sendestandort und dem Warten auf die Wiedereröffnung als Besucherattraktion – der „Telemichel“ ist und bleibt ein prägender Teil der Hamburger Skyline und Identität. Die Erinnerungen an die Zeit, als man hoch oben über der Stadt speisen und den Blick schweifen lassen konnte, leben fort, und die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr dieser Möglichkeit ist bei vielen Hamburgern und Besuchern ungebrochen.
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