Jede große Stadt hat ihre Wahrzeichen, Bauwerke, die sofort erkannt werden und Teil der Identität sind. In Berlin gibt es viele davon, aber eines sticht besonders hervor, nicht nur wegen seiner Höhe, sondern auch wegen seines Spitznamens: der „Lange Lulatsch“. Für viele Berliner und Besucher ist er ein vertrauter Anblick im Westen der Stadt. Doch was verbirgt sich hinter diesem ungewöhnlichen Namen, und welche Geschichten erzählt dieses imposante Stahlgerüst? Der Lange Lulatsch ist niemand Geringeres als der Berliner Funkturm, ein Bauwerk mit einer reichen und bewegten Historie, das weit mehr ist als nur ein Sendemast. Er ist ein Zeuge der Technikgeschichte, ein Aussichtspunkt und ja, auch ein Ort, an dem man hoch über den Dächern speisen kann.

Der Berliner Funkturm steht auf dem Gelände der Messe Berlin im Stadtteil Westend. Seine markante Silhouette ist von vielen Punkten der Stadt aus sichtbar. Mit einer aktuellen Höhe von 146,78 Metern (ursprünglich 138 Meter, zeitweise 150 Meter) mag er nicht mehr das höchste Bauwerk Berlins sein, aber seine Geschichte und sein einzigartiger Charakter machen ihn unverwechselbar. Besonders attraktiv für Besucher sind das auf 50 Metern Höhe gelegene Turmrestaurant und der darüberliegende Aussichtsbereich an der Turmspitze, die öffentlich zugänglich sind und einen beeindruckenden Panoramablick über die Hauptstadt bieten.
Die Vision: Ein Wahrzeichen für die Funkindustrie
Die Geschichte des Funkturms beginnt Mitte der 1920er Jahre, einer Zeit, in der der Hörfunk in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte. Der Turm war ursprünglich als zentraler Bestandteil eines geplanten „Hauses der deutschen Funkindustrie“ gedacht. Der Verband der Radio-Industrie e. V. suchte nach einer Lösung für die benötigten Antennen und Masten. Anfangs dachte man über drei Maste nach, doch schnell reifte die Idee, einen einzigen, besonders hohen Antennenturm zu errichten. Dieser Turm sollte nicht nur die technische Notwendigkeit erfüllen, sondern auch als weithin sichtbares Wahrzeichen der deutschen Funkindustrie dienen.
Die ursprünglichen Planungen sahen einen reinen Sendeturm vor, der die bestehenden Sender ersetzen sollte. Angesichts der Höhenlage des vorgesehenen Standorts im Witzlebener Gebiet, das nur vom Kreuzberg überragt wurde, wurde eine Antennenhöhe von etwa 120–130 Metern als ausreichend erachtet. Daraus ergab sich die geplante Turmhöhe von 138 Metern. Eine anfängliche Idee, einen Turm aus Stahl mit einem Aluminiumring zu bauen, wurde wieder verworfen.
Doch die Vision beschränkte sich nicht lange auf die reine Sendefunktion. Der damalige Direktor des Berliner Messe-Amtes, Alfred Schick, setzte sich dafür ein, die Funkanlage zu erweitern und sie zu einem Aussichtsturm mit einem Restaurantgeschoss zu machen. Die treibende Kraft hinter der Idee des Turmrestaurants war der Journalist Karl Vetter, der ebenfalls Direktor des Messeamtes war. Vetters Weitsicht sollte sich später auszahlen, als er den Abriss des Funkturms verhinderte, nachdem seine Bedeutung als reiner Antennenträger nachließ.
Bau unter Zeit- und Kostendruck
Der Auftrag zum Bau des Funkturms wurde am 8. November 1924 vergeben, kurz nach dem Ende der 1. Großen Deutschen Funkausstellung. Der Bau begann prompt und schritt zügig voran. Zunächst wurde ein 120 Meter hoher Stahlgittermast errichtet, der als Kran für den eigentlichen Turmbau diente. Der Turm selbst wurde bis zum 15. April 1925 aufgestellt, der weitere Ausbau, einschließlich der Installation der Besucherbereiche, zog sich bis ins Frühjahr 1926 hin. Die Bauabnahme erfolgte schließlich am 26. April 1926.
Der Entwurf für die beiden Besucherplattformen – die Aussichtsetage und die Restaurantetage – sowie das Empfangs- und Wartehäuschen am Boden stammte von Architekt Straumer. Die bauliche Leitung oblag den Ingenieuren Heiligenthal und Behrens. Das Projekt stand unter enormem Kostendruck, was dazu führte, dass auf aufwendige Zierelemente, wie sie beispielsweise beim Pariser Eiffelturm zu finden sind, verzichtet wurde. Diese Reduzierung der Masse ließ das Bauwerk jedoch ungewohnt feingliedrig erscheinen. Alle technischen Details wurden in insgesamt 140 Konstruktionszeichnungen festgehalten.
Besondere Sorgfalt wurde auf die Gestaltung des Innenraums des Restaurants gelegt. Der Künstler Victor Lurjé, der der Wiener Werkstätte angehörte, schuf kunstvolle Intarsien auf den Vertäfelungen aus kaukasischem Nussholz. Die Decke wurde mit Rippenstuck verziert, was dem Raum eine besondere Atmosphäre verlieh. Trotz der Komplexität und des Tempos der Bauarbeiten konnte das Projekt ohne tödliche Unfälle abgeschlossen werden – eine bemerkenswerte Leistung für die damalige Zeit.
Vier Tage vor der geplanten Eröffnung kam es zu einem dramatischen Zwischenfall: Lötarbeiten lösten einen Schwelbrand aus, der sich durch den Aufzugsschacht bis zum Restaurantdach ausbreitete. Da die Holzkonstruktion noch nicht vollständig mit Zink verkleidet war, fachten starke Winde das Feuer an. Glücklicherweise konnten die Bauarbeiter das Feuer noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr mit Handfeuerlöschern eindämmen und eine Katastrophe verhindern.
Kosten und die feierliche Eröffnung
Die ursprünglichen Baukosten für den Berliner Funkturm waren auf 180.000 Mark veranschlagt worden. Der Auftrag wurde am 8. Dezember 1924 an die Hein, Lehmann & Co. vergeben. Allerdings führten notwendige Änderungen, wie die Vergrößerung und unterirdische Verankerung der Fundamente sowie weitere Anpassungen an der Struktur, zu Mehrkosten. Die Endabrechnung belief sich auf 203.660 Mark. Umgerechnet in heutige Kaufkraft entspricht dies rund 943.000 Euro – eine Investition, die sich als wegweisend erweisen sollte.
Am 3. September 1926 war es dann so weit: Der Berliner Funkturm wurde feierlich eröffnet und für den Publikumsverkehr freigegeben. Zahlreiche hochrangige Gäste waren anwesend, darunter Reichsinnenminister Wilhelm Külz, die Politiker Johannes Bell und Heinrich Haslinde, der Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß sowie rund 1000 geladene Gäste. Die Einweihung war ein bedeutendes Ereignis. Hans Bredow, Vorsitzender der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft und Chefsprecher der Berliner Funkstunde, trug ein Weihegedicht vor, das die Bedeutung des Turms als neues Berliner Wahrzeichen unterstrich. Die ersten Zeilen lauteten:
„Hoch vom Berliner Himmel umblaut,
Ist ein stählerner Turm gebaut.
Steil in die Berliner Luft,
Umleuchtet vom letzten Sommerduft.
Im neuen Berlin im Berliner Wind,
Das allerjüngste Berliner Kind!
Berliner Jahre werden gehn:
Sturm wird kommen der Turm wird stehn!“
Ähnlich wie der Eiffelturm bei der Weltausstellung 1889 in Paris, war der Funkturm eine Hauptattraktion der 3. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin. Das Berliner Tageblatt bezeichnete ihn am Eröffnungstag als „das neue Wahrzeichen Berlins“ und betonte die „bedeutungsvolle“ Stunde für die Reichshauptstadt und die Entwicklung des deutschen Rundfunks. Mit seinen 138 Metern war der Berliner Funkturm bei seiner Eröffnung der erste und höchste Sende- und Aussichtsturm im Deutschen Reich der Weimarer Republik.
Betrieb in den ersten Jahren: Technik und Attraktionen
Der Betrieb des Funkturms begann mit modernster Technik für die damalige Zeit. Die Carl Flohr AG installierte die erste Aufzugsanlage, die Besucher hinauf zur Aussichtsplattform brachte. Mit einer Förderhöhe von 120 Metern war dies der höchste elektrische Lift im Deutschen Reich. Ein 20 PS starker Elektromotor an der Turmspitze zog bis zu zehn Personen nach oben. Die anfängliche Geschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde wurde bald auf 2,5 Meter pro Sekunde erhöht, was die Fahrt auf die Plattform komfortabler machte.
Die Wasserversorgung für den Turm stellte eine technische Herausforderung dar, da die Berliner Wasserwerke das Wasser nur bis etwa 40 Meter Höhe pumpen konnten. Eigens dafür wurden im Turmhaus zwei Hochdruck-Kreiselpumpen installiert, die im Wechsel liefen, um die notwendige Versorgung für das Restaurant und die oberen Etagen sicherzustellen.
Auch für angenehme Temperaturen war gesorgt. Das Restaurant wurde ursprünglich über eine Niederdruck-Dampfheizungsanlage beheizt, die von der Radio-Messehalle gespeist wurde. Selbst bei starkem Frost war so eine behagliche Raumtemperatur gewährleistet. Ein Fernthermometer informierte den Heizer am Kessel über die nötige Befeuerungsleistung. Das Belüftungssystem war ebenfalls fortschrittlich: Zwei elektrische Schleuderlüfter konnten die 600 Kubikmeter Luft im Restaurant fünfmal pro Stunde komplett umwälzen. Abzugsklappen im Restaurantdach sorgten dafür, dass sich Zigarrenqualm nicht sammelte. Für die Kühlung im Sommer gab es anfangs eine 1,3 PS starke Kältemaschine im Dachboden des Restaurants, die konzentriertes Salzwasser als Kälteträger durch ein Leitungssystem in Küche und an die Theke transportierte.
Neben seiner Funktion als Aussichtsturm war der Funkturm natürlich in erster Linie ein Sendeturm. In den Jahren 1926–1930 wurden verschiedene Sender installiert, darunter ein Telefunken-Sender als Reserve und zwei Sender der C. Lorenz AG. Da die Sendeleistung damals auf maximal 1,5 kW begrenzt war, musste bei Bedarf auf andere Frequenzen ausgewichen werden, was häufige Anpassungen an den Antennen erforderte. Ein historisches Ereignis war die Rede Albert Einsteins am 22. August 1930 zur Eröffnung der 7. Deutschen Funkausstellung und Phonoschau am Fuße des Turms, die live im Rundfunk übertragen wurde.
Der Funkturm entwickelte sich schnell zu einer Touristenattraktion. Bis 1928 verzeichnete er bereits 500.000 Besucher. Im selben Jahr sorgte der deutsche Ingenieur und Erfinder Engelbert Zaschka für Aufsehen, als er mit seinem Faltauto, dem Zaschka-Faltauto, die oberste Plattform des Turms erklomm – ein spektakuläres Ereignis.
Wie der Eiffelturm in seinen Anfangsjahren diente auch der Berliner Funkturm als überdimensionaler Werbeträger. An der dem Messedamm zugewandten Seite, oberhalb des Eingangs zum Restaurant, gab es eine beeindruckende Matrixanzeige-Reklamefläche. Mit 4000 Glühlampen konnten hier wahlweise statische Schriftzüge oder Laufschriften dargestellt werden.
Brandkatastrophe und Kriegszeit: Eine Zeit der Bewährung
Die Geschichte des Funkturms war nicht frei von Rückschlägen. Am 19. August 1935 brach ein Großbrand in der alten Ausstellungshalle 4 aus. Der Wind trug das Feuer zum Funkturm, wo die Hitzeentwicklung einen Kurzschluss in den Installationen verursachte. Auch die Ostseite des Restaurantbereichs fing Feuer. Ironischerweise hielt der Wind das Feuer gleichzeitig in Schach, sodass schlimmere Schäden am Turm verhindert wurden. Die Funkhalle brannte jedoch vollständig nieder. Glücklicherweise befand sich zur späten Stunde, als der Brand ausbrach, nur das Standpersonal in der Halle, sodass bei dieser Katastrophe lediglich drei Menschen ums Leben kamen.
Nach dem Brand musste der 80 Meter hohe Behelfsmast entfernt werden. Eine einfache Schrägdrahtantenne wurde von der Turmspitze zum Sendergebäude gespannt. Diese Notlösung führte dazu, dass der Sender Witzleben in der Berliner Innenstadt kaum und im Ostteil der Stadt gar nicht mehr empfangen werden konnte. Allerdings war der Sender durch die Inbetriebnahme des Senders Tegel entbehrlich geworden.
Während des Zweiten Weltkriegs diente der Funkturm als militärischer Warn- und Beobachtungsposten. Er überstand die Kriegswirren nicht unbeschadet. Bei der Schlacht um Berlin im Jahr 1945 wurde er von einer Granate getroffen, die das Turmrestaurant erneut beschädigte. Ein weiterer Treffer in einem Knotenpunkt eines Stützpfeilers in 38 Metern Höhe führte dazu, dass der Turm praktisch nur noch auf drei Pfeilern stand – ein beeindruckendes Zeugnis seiner stabilen Konstruktion und Widerstandsfähigkeit.
Nach dem Ende der Kämpfe stand der Funkturm vor einer ungewissen Zukunft; ein Abriss wurde erwogen. Doch glücklicherweise entschied man sich für die Reparatur. Durch den zusätzlichen Einbau von 7,2 Tonnen Stahl und 800 Kilogramm Schrauben konnten die Kriegsschäden behoben und das Wahrzeichen gerettet werden. Im Zuge der Reparaturen wurde auch das eckige Kassenhäuschen am Fuße des Turms durch einen abgerundeten Neubau mit gläserner Fassade ersetzt.
Nachkriegszeit und neue Aufgaben
In der Nachkriegszeit erhielt der Berliner Funkturm eine neue Spitze, die notwendig war, um die UKW-Antennen des NWDR aufzunehmen. Dadurch wuchs der Turm um zwölf Meter auf eine Gesamthöhe von 150 Metern an. Gleichzeitig installierte man auf der Spitze gelbe Warnleuchten, die eine entscheidende Rolle spielten: Sie dienten den Flugzeugen der Berliner Luftbrücke als Orientierung für den Anflug auf den Flughafen Tempelhof. So wurde der Funkturm während der Berlin-Blockade 1948/1949 zu einem wichtigen Wegweiser für die sogenannten „Rosinenbomber“.
Die Befeuerung drehte sich 25 Mal pro Minute und war dank ihrer 3000 Watt starken Leistung bis zu 60 Kilometer weit zu sehen. Da alle drahtgebundenen Fernmeldewege durch das Gebiet der sowjetischen Besatzungszone verliefen, versuchte die britische Besatzungsmacht 1948, eine Richtfunkverbindung vom 177 Kilometer entfernten Bocksberg im Harz nach West-Berlin zum Funkturm herzustellen, um die Kommunikation sicherzustellen.
Das Turmrestaurant, das durch die Kriegsschäden in Mitleidenschaft gezogen worden war, wurde 1950 neu eröffnet und konnte wieder Gäste empfangen. Ab dem 1. Oktober 1951 war das Berliner Fernsehen betriebsfähig, und am 29. Oktober desselben Jahres begann der tägliche Sendebetrieb aus dem Poststudio in Tempelhof. Das Fernsehsignal wurde von einem ein Kilowatt starken Sender auf der Funkturmspitze über eine Vierfach-Schmetterlingsantenne ausgestrahlt. Auch weitere Antennen für Fernseh- und Rundfunkprogramme sowie für den Funkdienst der Feuerwehr und Taxifunk wurden installiert. Ab 1952 strahlte die ARD ihr Programm vom Funkturm aus.
Im Jahr 1953 wurde das gesamte Turmbauwerk einer grundlegenden Renovierung unterzogen. Rost und alte Farbe wurden mit Hilfe eines Sandstrahlgebläses entfernt, um die Struktur zu erhalten. 1958 wurde die Anlage durch einen Siemens-Sender mit Leistungen von 10 bzw. 2 Kilowatt verstärkt.
Transformation seit den 1960er Jahren: Vom Sendeturm zum Wahrzeichen
Zum 35-jährigen Bestehen im Jahr 1961 wurde der Funkturm unter Denkmalschutz gestellt, was seine historische und architektonische Bedeutung unterstrich. Doch die Bedeutung als Sendeturm nahm in den folgenden Jahrzehnten ab. Neue, leistungsfähigere Sendetürme wurden in Berlin gebaut, beispielsweise der Sender in Britz und der Fernmeldeturm auf dem Schäferberg, der bereits ein Jahr nach der Einstellung des regulären Sendebetriebs am Funkturm fertiggestellt wurde. Am 15. Mai 1963 stellte der Funkturm die Ausstrahlung des regulären Radio- und Fernsehsendebetriebs ein. Seit diesem Jahr nutzte der SFB einen 230 Meter hohen Sendemasten am Scholzplatz.
Der Funkturm war fortan nicht mehr Berlins höchstes Bauwerk, behielt aber seine Funktion als Aussichts- und Restaurantturm bei. 1964 erhielt er einen neuen Aufzug, der die Fahrt zur Spitze auf nur noch 34 Sekunden verkürzte. Für den Neuanstrich im selben Jahr wurden fünf Tonnen Lack benötigt – eine logistische Herausforderung.
Zwar wurde im Dezember 1966 der UKW-Sendebetrieb mit der Frequenz 98,2 MHz für das Gastarbeiterprogramm SFB4 wieder aufgenommen, doch der reguläre Rundfunksendebetrieb wurde 1973 endgültig eingestellt. Die entsprechende Frequenz wurde ebenfalls zum Scholzplatz verlegt. Der Funkturm diente fortan nur noch als Betriebsreserve.
Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 wurde eine umfassende Sanierung vorgenommen, um das Bauwerk für die Zukunft zu erhalten. Mit der Demontage der Sendeanlage an der Spitze im Jahr 1989 verringerte sich die Höhe des Funkturms von 150,06 auf 146,78 Meter. Dies markierte das endgültige Ende seiner Ära als primärer Sendeturm. Heute dient er nur noch als Relaisstation für nichtöffentliche Landfunkdienste.
Von 1967 bis 1997 beherbergte der Funkturm am Fuße das Deutsche Rundfunk-Museum, das die Geschichte des Rundfunks in Deutschland dokumentierte. Auch für spektakuläre Aktionen war der Turm Schauplatz: Am 26. März 1999 eröffnete der Motorradakrobat Christian Pfeiffer die Berliner Motorradtage, indem er die 287 Stufen in Richtung Restaurant mit seiner Spezialmaschine hinauffuhr – ein beeindruckendes Kunststück.
Im Jahr 2007 wurde der Funkturm für den Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ nominiert, eine Anerkennung seiner technischen und historischen Bedeutung. In den Sommermonaten 2011 wurde die Beleuchtung des Turms auf sparsame und wartungsärmere LED-Technik umgestellt, was ihm bei Abenddämmerung ein neues, modernes Aussehen verleiht. Im Sommer 2012 war der Turm wegen weiterer Sanierungsarbeiten für neun Wochen geschlossen.
Über die Jahrzehnte haben mehr als 17 Millionen Gäste den Funkturm besucht. Allerdings sind die Besucherzahlen in den letzten Jahren rückläufig. Wurden 1995 noch rund 136.000 Besucher gezählt, waren es Anfang der 2000er Jahre nur noch etwa 60.000 jährlich. Dennoch bleibt der Funkturm ein beliebtes Ziel für Berliner und Touristen, die den Ausblick und das Restaurant hoch über der Stadt genießen möchten.
Der Funkturm heute: Ein Besuch wert
Heute ist der Berliner Funkturm ein wichtiges Wahrzeichen Berlins, das die Geschichte der Stadt und die Entwicklung der Funktechnik widerspiegelt. Er ist nicht nur ein technisches Denkmal, sondern auch ein lebendiger Ort, der Besucher anzieht. Das Turmrestaurant bietet ein einzigartiges gastronomisches Erlebnis mit Panoramablick, während die Aussichtsplattform einen unvergleichlichen Blick über das weitläufige Stadtgebiet ermöglicht. Der Funkturm, der liebevoll „Lange Lulatsch“ genannt wird, steht als Symbol für Berlins Vergangenheit und Gegenwart und lädt dazu ein, die Stadt aus einer ganz besonderen Perspektive zu erleben.
Fakten und Zahlen zum Berliner Funkturm
Hier sind einige wichtige Daten und Fakten zum Berliner Funkturm im Überblick:
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Spitzname | Der Lange Lulatsch |
| Standort | Messegelände Berlin, Westend |
| Aktuelle Höhe | 146,78 Meter |
| Höhe Restaurant | 50 Meter |
| Höhe Aussichtsplattform | An der Turmspitze |
| Baubeginn | Dezember 1924 |
| Bauabnahme | 26. April 1926 |
| Eröffnung | 3. September 1926 |
| Architekt Besucherbereiche | Straumer |
| Baukosten (Endabrechnung) | 203.660 Mark (ca. 943.000 € heute) |
| Erster Aufzug | Carl Flohr AG, 120 m Förderhöhe |
| Denkmalschutz | Seit 1961 |
| Ende regulärer Sendebetrieb | 1973 |
| Demontage Sendeanlage | 1989 |
| Gesamtbesucherzahl (Stand 2012) | Über 17 Millionen |
| Betreiber Restaurant/Aussicht | Capital Catering GmbH |
Häufig gestellte Fragen zum Berliner Funkturm
Hier beantworten wir einige häufig gestellte Fragen rund um den Berliner Funkturm:
Was bedeutet „Der Lange Lulatsch“?
„Der Lange Lulatsch“ ist ein liebevoller Spitzname für den Berliner Funkturm, der aufgrund seiner schlanken, hohen Form entstanden ist.Wo genau steht der Berliner Funkturm?
Der Funkturm befindet sich auf dem Gelände der Messe Berlin im Stadtteil Westend.Gibt es ein Restaurant im Funkturm?
Ja, es gibt ein öffentlich zugängliches Turmrestaurant in 50 Metern Höhe, das einen Panoramablick bietet.Kann man auf den Funkturm hinauffahren?
Ja, man kann mit einem Aufzug zur Aussichtsplattform an der Spitze und zum Restaurant fahren.Wie hoch ist der Berliner Funkturm?
Die aktuelle Höhe des Funkturms beträgt 146,78 Meter.Wann wurde der Funkturm gebaut?
Der Bau begann Ende 1924, die Bauabnahme war im April 1926, und die feierliche Eröffnung fand am 3. September 1926 statt.Wurde der Funkturm im Krieg beschädigt?
Ja, der Funkturm wurde im Zweiten Weltkrieg durch Granaten getroffen und beschädigt, konnte aber repariert werden.Wird der Funkturm heute noch zum Senden genutzt?
Der Funkturm dient heute nicht mehr dem regulären Radio- oder Fernsehsendebetrieb. Er wird nur noch als Relaisstation für nichtöffentliche Landfunkdienste genutzt.Steht der Funkturm unter Denkmalschutz?
Ja, der Berliner Funkturm steht seit 1961 unter Denkmalschutz.
Der Berliner Funkturm, der „Lange Lulatsch“, ist somit weit mehr als ein technisches Bauwerk. Er ist ein lebendiges Stück Berliner Geschichte, ein Ort der Erinnerung an die Anfänge des Rundfunks und Fernsehens, ein Zeuge von Krieg und Wiederaufbau und bis heute ein beliebter Anziehungspunkt, der seinen Besuchern einen einzigartigen Blick auf die Stadt bietet. Ein Besuch lohnt sich, um dieses ikonische Wahrzeichen und seine faszinierende Geschichte selbst zu erleben.
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