Wer gründete das Stift Heiligenkreuz?

Stift Heiligenkreuz: Einblick ins Klosterleben

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Österreich ist gesegnet mit einer Fülle an uralten Stiften und Klöstern, die fest in der Landschaft und Kultur des Landes verwurzelt sind. Sie sind einfach da, ein selbstverständlicher Teil unserer Identität. Diese Präsenz hat viele Vorteile: Klöster werden weithin als Träger von Kultur, Tradition, Glaube und Geschichte geschätzt. Es ist schwer vorstellbar, was Österreich ohne sein „Klösterreich“ wäre! Doch diese Selbstverständlichkeit birgt auch Nachteile. Oft interessieren sich die Menschen weniger für die tiefere Spiritualität, die das Herz eines Klosters ausmacht. Sie sehen vielleicht den Arbeitgeber, den Grundbesitzer oder den Kulturproduzenten, aber der eigentliche Kern – die intensive Suche nach Gott – bleibt vielen verborgen.

Wie viele Mönche leben im Stift Heiligenkreuz?
In Heiligenkreuz sind wir etwa 100 Mönche. Das ist ein Höchststand seit der Türkenbelagerung 1683!

Der Kern des Klosterlebens liegt in der Nähe zu Gott. Viele wissen wenig über das, was uns Mönche wirklich antreibt: unser tägliches Chorgebet, unsere überlieferten Traditionen, unsere gelebte Spiritualität. Manchmal scheint es, als interessierten sich die Menschen mehr für exotische Meditationsformen als für die jahrhundertealte Gebetspraxis in einem christlichen Stift „gleich nebenan“. Doch wir wollen nicht klagen. Als Mönche streben wir danach, verborgen für Gott zu leben. Dennoch schadet es nicht, einen Einblick in unser Leben, unseren Tagesablauf und unsere Aufgaben zu geben. Vielleicht weckt es Interesse und lässt die Menschen erkennen, welch besonderes Geschenk ein so altes und zugleich lebendiges Kloster in ihrer Nähe ist. Schließlich beten wir von früh bis spät für die Menschen in unserem Land.

Die Gemeinschaft der Mönche in Heiligenkreuz

Die Gemeinschaft ist ein Gottesgeschenk, wie es Psalm 133 ausdrückt: „Seht doch, wie gut und froh es ist, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen.“ Im Stift Heiligenkreuz leben aktuell (Stand Mai 2024) fast 100 Mönche. Das ist die höchste Zahl seit der Türkenbelagerung von 1683! Für viele Besucher sind wir Mönche ein Kuriosum, und oft hören wir die erstaunte Frage: „Wie viele Mönche gibt es hier denn noch?“ – als wären wir eine aussterbende Art. Jeder Besucher hat seine eigene Sichtweise: Für die einen sind wir ein mittelalterliches Relikt, für andere ein altes Wirtschaftsunternehmen, für manche Touristen nur ein Punkt auf der Reiseroute. Doch Heiligenkreuz ist mehr. Wir sind ein lebendiges, strenges Mönchskloster im Wienerwald, gleichzeitig aber auch ein typisches österreichisches Stift mit reichem kulturellem Angebot und vielfältigen pastoralen Aufgaben. Wir betreuen 21 Pfarren, und unsere Patres sind in allen Formen der Seelsorge tätig. Ein wichtiger Schwerpunkt ist auch die Hochschule Heiligenkreuz mit etwa 300 Studenten, von denen sich die meisten auf das Priestertum vorbereiten.

Leben im Rhythmus von Gebet und Arbeit

Unser Tag ist geprägt von einem geheiligten Rhythmus aus Gebet und Arbeit. Das Chorgebet, das Herzstück unseres Tages, ist mehr als nur Gesang; es ist Meditation über die Bibel, das tiefe Erfassen des Wortes Gottes, das wir aufnehmen und in Lobpreis zurückgeben. Es ist der öffentliche Lobpreis Gottes durch Psalmen und Hymnen, die die Kirche seit Jahrhunderten singt. Zusätzlich beten wir täglich privat und widmen uns der geistlichen Lesung. So ist unser Tag mit geistlichem Leben erfüllt, und die Stille wird zu einem Dialog des Herzens mit Gott.

Unser Tag beginnt früh: Wir stehen vor 5 Uhr auf, um um 5.15 Uhr zum ersten Chorgebet, den Vigilien und den Laudes, in der Abteikirche zusammenzukommen. Daran schließt sich gegen 6.20 Uhr die gemeinsame Heilige Messe, das klösterliche Konventamt, an. Danach ist Zeit für das Frühstück oder andere persönliche Dinge. Von 8 bis 12 Uhr widmen wir uns unserer Arbeit. Die Studenten besuchen in dieser Zeit Vorlesungen an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz. Um 12 Uhr versammeln wir uns erneut in der Kirche für die Terz und Sext. Im Anschluss nehmen wir im Speisesaal das gemeinsame Mittagessen ein. Danach gehen wir in Prozession, Psalm 50 betend, zurück in die Kirche, um das Totengedenken zu halten und die Non zu beten.

Nachmittags gibt es eine kurze Freizeit oder Siesta, an Feiertagen oft ein geselliges Beisammensein bei Kaffee. Von 14 bis 18 Uhr gehen wir wieder unserer Arbeit nach. Um 18 Uhr feiern wir die Vesper, das feierliche abendliche Lobgebet der Kirche. Danach folgt das gemeinsame Abendessen im Refektorium. Es schließt sich wieder Freizeit an, oft mit der Möglichkeit zur gemeinsamen Rekreation. Um 19.50 Uhr treffen wir uns im Kreuzgang, um einen Abschnitt aus der Regel des heiligen Benedikt, unserer Ordensregel, zu hören und danach die Komplet zu singen. Nach der Komplet beginnt das nächtliche Schweigen, das die Benediktsregel besonders betont. Optional besteht die Möglichkeit, den Rosenkranz vor dem ausgesetzten Allerheiligsten im Altarsakrament in der Krankenkapelle gemeinsam zu beten. Charakteristisch für Heiligenkreuz ist, dass wir das Chorgebet und die Heilige Messe in lateinischer Sprache feiern, dem Wunsch des Zweiten Vatikanischen Konzils folgend.

Jung und Alt – Ein Segen

Unsere Gemeinschaft ist lebendig und umfasst Mönche aller Altersstufen. Tatsächlich sind wir ein relativ junger Konvent, was manchmal Touristen dazu veranlasst, junge Mönche zu fragen, ob sie bezahlte Statisten seien! Aber natürlich gibt es auch viele ältere Mitbrüder. Die Berufung zum Mönch ist eine Berufung auf Lebenszeit, „usque ad mortem“ – bis zum Tod. Das Altwerden gehört also untrennbar dazu. Unsere älteren Mönche haben weiterhin viele wichtige Aufgaben im Kloster. Ihre Lebensweisheit ist unersetzlich, und ihr Gebet sowie ihr Leiden sind Quellen der Gnade für die Gemeinschaft. Für unsere kranken Mitbrüder gibt es eine eigene Krankenstation mit Pflegepersonal, und jüngere Mönche helfen, wo immer möglich, bei der Pflege. Der heilige Benedikt lehrt uns, „die Älteren zu ehren, die Jüngeren zu lieben“ (RB 4,70-71). Wenn das Zusammenleben von Jung und Alt gelingt, erwächst daraus großer Segen.

Liturgie und Spiritualität

Wir lieben den Gregorianischen Choral! Dieser alte Gesang ist fester Bestandteil unseres Chorgebets und der Eucharistiefeier. Täglich werden die Heilige Messe, die Vesper und die Komplet feierlich gesungen. Abhängig vom liturgischen Rang eines Festes werden auch andere Teile des Offiziums gesungen; ansonsten werden sie rezitiert, also auf einem gleichbleibenden Ton gebetet. Die tägliche geistliche Lesung hält jeder Mönch zu einer selbst gewählten Zeit. Alle Elemente unseres klösterlichen Alltags – privates und gemeinsames Gebet, Arbeit, Lesung, Gemeinschaftsleben und Erholung – sind miteinander verbunden. Sie bilden eine Lebensform, die uns helfen soll, den Egoismus zu überwinden und frei zu werden für die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Unser Chorgebet und die Heilige Messe sind öffentlich zugänglich, und wir freuen uns über jeden Besucher. An Sonn- und Feiertagen ist das Konventamt mit Gregorianischem Choral um 9.30 Uhr. In der kalten Jahreszeit (ca. November bis April) findet das Chorgebet in der geheizten Bernardikapelle statt, die sich allerdings im Klausurbereich befindet; eine Anmeldung an der Klosterpforte genügt in der Regel, um eingelassen zu werden.

Der Orden der Zisterzienser

Woher kommt der Name?

Wir Zisterzienser benennen uns nach unserem ersten Kloster, das 1098 in „Cistercium“ (heute Cîteaux) in Frankreich gegründet wurde. Wir sind benediktinische Mönche, was bedeutet, dass wir nach der Regel des heiligen Benedikt leben. Unser großer Ordensvater, wenn auch nicht Gründer im engeren Sinne, ist der heilige Bernhard von Clairvaux (1090–1153). Die Mönche von Heiligenkreuz gehören diesem ursprünglichen Orden an, unsere Abkürzung ist „OCist“ (Ordo Cisterciensis). Charakteristisch ist unser schwarz-weißes Ordensgewand, das der Überlieferung nach von der Gottesmutter Maria selbst an den zweiten Abt von Cîteaux, den heiligen Alberich, übergeben wurde.

Entstehung und Ideal: Eine Reform der Reform

Die beeindruckendste Bewegung des mittelalterlichen Mönchtums war der zentralistisch organisierte Klosterverband von Cluny. Doch auch Cluny drohte im 11. Jahrhundert in der Tradition zu erstarren und sich nicht anzupassen. Zahlreiche Reformversuche entstanden. Männer wie Robert von Molesme (1028–1111) störten sich an der Vernachlässigung der Handarbeit und dem Mangel an Armut und Einfachheit. Er versuchte, eine strengere Beobachtung der Benediktsregel einzuführen, stieß aber auf Widerstand. Mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter zog er 1098 aus, um in einem abgelegenen Sumpfgebiet bei Dijon ein neues Kloster zu gründen: Cîteaux (Cistercium). Hier begannen sie am Fest des heiligen Benedikt ein strenges klösterliches Leben nach der Regel ohne Abstriche. Robert kehrte jedoch bald nach Molesme zurück.

In Cîteaux wurde der Prior Alberich Nachfolger. Die Forderungen des „Novum Monasterium“ (Neues Kloster) waren klar: Leben nach der Benediktsregel, eigener Lebensunterhalt durch Arbeit, Verzicht auf reiche Schenkungen, strenge Abgeschiedenheit. Anfänglich trugen die Mönche ungebleichten, grauen Stoff, weshalb sie „graue Mönche“ genannt wurden. Später entwickelte sich das heute bekannte Gewand: ein weißer Habit mit schwarzem Skapulier und schwarzer Kapuze, sowie eine weiße Kukulle für das Chorgebet. Nach Alberichs Tod wurde Stephan Harding († 1134) Abt. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Kloster weiter, doch der entscheidende Impuls kam später.

Die Strenge, der sich die ersten Zisterzienser unterwarfen, war radikal. Männer aus oft wohlhabenden Kreisen trugen einfachste Wollkleidung, aßen bescheidene Kost (kein Fleisch, Fisch, Eier, Weißbrot, Butter, Käse; nur Salz als Gewürz; an langen Fastentagen nur eine Mahlzeit, oft nur gekochte Buchenblätter bei Mangel). Sie schliefen im ungeheizten Dormitorium auf Holzplanken, ohne den Habit abzulegen, um jederzeit bereit für das Gebet zu sein, das um zwei Uhr nachts begann und die harte Arbeit siebenmal täglich unterbrach. Sie verzichteten auf Leibeigene und arbeiteten mit eigenen Händen. Ihre Kirchen bauten sie schlicht, ohne Verzierungen, Bilder oder Ornamente, als Ausdruck ihrer nüchternen Lebensweise. Der Alltag war mit Gebet, Arbeit und geistlicher Lesung erfüllt. Diese Härte des Anfangs ist nur im Licht des Strebens nach vollkommener Teilnahme am Erlösungsleiden Christi zu verstehen.

Ausbreitung und Organisation

Unter dem Einfluss des heiligen Bernhard, der 1113 eintrat, begann die rasche Ausbreitung. Von Cîteaux aus wurden ab 1113 die ersten Tochterklöster gegründet: La Ferté, Pontigny, Clairvaux (wo Bernhard Abt wurde), und Morimond. Diese vier Primarabteien bildeten mit Cîteaux den Kern des neuen Ordens. Berufungen strömten in die Klöster, Fürsten und Bischöfe baten um Gründungen in ihren Gebieten. Alle Kirchen des neuen Ordens wurden der Gottesmutter geweiht. Als Bernhard 1153 starb, gab es bereits 343 Zisterzienserklöster in ganz Europa. Diese beeindruckende Ausbreitung war auch einer klugen Gesetzgebung zu verdanken: Abt Stephan Harding schuf mit der Carta caritatis (Gesetz der Liebe) das organisatorische Fundament. Die Klöster waren durch das Prinzip der Filiation (Tochterschaft) verbunden, wobei die Mutterabtei die Tochterabtei jährlich visitierte. Zusätzlich fand jährlich am 14. September in Cîteaux ein Generalkapitel aller Äbte statt. Die Einheit des Ordens wurde auch durch einheitliche Bauweise, Liturgie und den Gregorianischen Choral gewährleistet.

Die Zisterzienserklöster in Österreich

Während in vielen Ländern Zisterzienserklöster aufgehoben oder zerstört wurden, blieb Österreich von Ereignissen wie der Französischen Revolution oder der deutschen Säkularisation weitgehend verschont. Auch die Türkenbedrohung 1683 und der Naziterror gingen vorüber. Deshalb gibt es in Österreich besonders viele Zisterzienserklöster, viele davon über Jahrhunderte ununterbrochen bestehend. Heiligenkreuz ist mit seiner Gründung 1133 – nach Stift Rein – das weltweit zweitälteste durchgehend bestehende Zisterzienserkloster.

Geschichte des Stiftes Heiligenkreuz

Wer gründete das Stift Heiligenkreuz?

Das Stift Heiligenkreuz wurde 1133 von Markgraf Leopold III. von Österreich gegründet. Er lud Zisterzienser ein, sich in einem damals prekären Grenzgebiet des bayrischen Herzogtums niederzulassen, um Rodungen und den Wegebau voranzutreiben. Das ursprüngliche Landgeschenk umfasste etwa das Gebiet der heutigen Gemeinde Heiligenkreuz. Die erste Stiftung erwies sich wirtschaftlich als zu schwach, und die Mönche erwogen um 1206, wegen Hungers nach Westungarn zu ziehen. Daraufhin erhielten sie von König Andreas II. von Ungarn die Grangien, die heute Mönchhof und Podersdorf heißen. Das Stift Heiligenkreuz ist eng mit dem Babenberger Herrschergeschlecht verbunden, das es großzügig förderte und das Stift als Grablege nutzte.

Wie viele Mönche leben im Stift Heiligenkreuz?
In Heiligenkreuz sind wir etwa 100 Mönche. Das ist ein Höchststand seit der Türkenbelagerung 1683!

Wichtige Ereignisse und Bauphasen

  • 1133: Gründung durch Markgraf Leopold III.
  • 1187: Weihe der hochromanischen Kirche (Langhaus, Fassade, Querhaus).
  • 1188: Schenkung der wertvollen Kreuzreliquie durch Leopold V.
  • Um 1206: Wirtschaftliche Schwierigkeiten, Erhalt weiterer Ländereien in Ungarn.
  • 1240: Fertigstellung der gotischen Kloster- und Konventsgebäude (Kapitelsaal, Fraterie, Refektorium, Dormitorium, Kreuzgang).
  • 1295: Fertigstellung des hochgotischen Hallenchors (Ersatz des romanischen Chors) und des Brunnenhauses. Fertigstellung der Bernardikapelle.
  • 1642: Fertigstellung der neuen Konventsgebäude im Süden (Barock).
  • 1674: Fertigstellung des barocken Kirchturms.
  • 1683: Überfall und Brand durch Türken.
  • Ab 1683: Wiederaufbau und barocke Erweiterung unter Abt Clemens Scheffer. Entstehung des großen polygonalen Stiftshofs.
  • 1710-1739: Weitere barocke Ausbauten und Ergänzungen (Annakapelle, Totenkapelle, Dreifaltigkeitssäule, Josefsbrunnen).
  • 1783: Stift bleibt unter Joseph II. von der Aufhebung verschont, dank pastoraler und schulischer Tätigkeiten.
  • 1802: Gründung einer philosophisch-theologischen Hauslehranstalt zur Priesterausbildung.
  • 1938: Anschluss an das Dritte Reich, Pläne zur Zerstörung durch Autobahnbau.
  • Nach 1945: Pläne abgewendet, Überleben trotz Widrigkeiten (Glockenbeschlagnahme, sowjetische Besatzung).
  • 1976: Erhebung des Institutum Theologicum zur Hochschule.
  • 1982: Errichtung der modernen Kreuzkirche, Guss des Carillons.
  • 1983: Errichtung der neuen Kreuzkapelle für die Kreuzreliquie.
  • 2023/2024: Generalsanierung der Kreuzkirche, Gespräche zur Übernahme des Klosters Säben, Pater Kosmas Thielmann übernimmt Pilgerseelsorge in Säben.

Die Grablege der Babenberger

Was die Kaisergruft in Wien für die Habsburger ist, das ist der Kapitelsaal des Stiftes Heiligenkreuz für das Geschlecht der Babenberger. Eine Reihe von Landesherren und älteren Angehörigen dieses Hauses sind im Stift bestattet. Ihre Gräber befinden sich im Kapitelsaal, dem Versammlungsraum der Mönche. Für Herzog Friedrich II. den Streitbaren, den letzten Babenberger, der Österreich regierte und ein großzügiger Förderer des Stiftes war, wurde im Kapitelsaal ein eindrucksvolles Hochgrab geschaffen. Die übrigen Personen fanden ihre letzte Ruhe unter einfachen Steinplatten. Auch zwei Enkel Rudolfs von Habsburg sind hier begraben, was die Anknüpfung der frühen Habsburger an die Babenberger-Tradition zeigt.

Architektur und Bereiche des Stiftes

Das Stift Heiligenkreuz ist ein beeindruckendes Ensemble aus romanischer, gotischer und barocker Architektur, das die über 800-jährige Geschichte des Klosters widerspiegelt.

Die Stiftskirche

Die Stiftskirche ist das Herzstück der Anlage. Sie besteht aus dem romanischen Langhaus und dem gotischen Hallenchor. Das spätromanische dreischiffige Langhaus wurde Ende des 12. Jahrhunderts vollendet. Es zeichnet sich durch rundbogige Obergadenfenster und Spitzbogenportale aus, die bereits auf die beginnende Gotik verweisen. Das Mittelschiff ist mit spitzbogigen Bandrippengewölben gedeckt. Der hochgotische Hallenchor, 1295 fertiggestellt, ersetzte einen kleineren romanischen Chor. Er ist der größte gotische Hallenchor dieser Art in Österreich und beeindruckt durch seine Höhe und die großen, feingliedrigen gotischen Fenster. Die Kirche beherbergt bedeutende Kunstwerke, darunter das barocke Chorgestühl von Giovanni Giuliani (1707). Im Zuge der Regotisierung Ende des 19. Jahrhunderts wurde viel barocke Ausstattung entfernt, aber das Altarbild von Johann Michael Rottmayr blieb erhalten. Unter dem Ziboriumsaltar befindet sich heute eine Kopie des Kruzifixes von Mastro Guglielmo, das Christus als auferstandenen Herrn zeigt.

Orgeln und Glocken

Die große Orgel von Heiligenkreuz wurde 1804 von Ignaz Kober erbaut. Mit zwei Manualen, 55 Registern und 2959 Pfeifen ist sie ein bedeutendes Instrument, auf dem einst Franz Schubert und Anton Bruckner spielten. Ursprünglich auf einer Empore über dem Hauptportal, wurde sie 1949 in den nördlichen Querhausarm versetzt. Gegenüber befindet sich eine kleinere Chororgel von Johann Wimola aus dem Jahr 1746, die 1994 restauriert wurde.

Im Gegensatz zu mittelalterlichen Zisterzienserkirchen, die meist keinen hohen Glockenturm hatten, besitzt Heiligenkreuz einen weithin sichtbaren barocken Turm, der 1674 erbaut wurde. Er beherbergt fünf große Glocken, darunter die Dreifaltigkeitsglocke von 1697 und vier Glocken von 1956. Im Dachreiter über dem Chor hängt die Messglocke aus dem 14. Jahrhundert. Im Dachreiter des Konventtrakts läutet die Konventglocke von 1993, die den Tagesrhythmus der Mönche markiert und sie von der Einkleidung bis zum Begräbnis begleitet.

Der Kreuzgang

Der Kreuzgang ist das Zentrum der mittelalterlichen Klosteranlage, ein Ort der Besinnung und des Übergangs. Er umschließt einen schlichten Innenhof und besteht aus romanisch-gotischen Galerien. Die Arkaden sind in Biforien gegliedert, die wiederum unterteilt sind, und zeigen frühgotische Formen. Die Joche sind mit gotischen Kreuzrippengewölben überdeckt. Entlang der Innenseiten verlaufen steinerne Sitzbänke. Eine Galerie wird der „Grabsteingang“ genannt, wo Grabsteine mittelalterlicher Wohltäter zu finden sind, die als Dank für ihre Gaben hier begraben wurden. Ein anderer Teil ist der „Lesegang“, wo sich die Mönche vor der Komplet zur Lesung eines Abschnitts aus der Benediktsregel versammeln. Der Lesegang ist mit Grisaille-Glasfenstern aus dem 13. Jahrhundert verglast.

Kapitelsaal

Der Kapitelsaal war der Versammlungsraum der Mönche, wo täglich ein Kapitel der Ordensregel gelesen wurde. Er öffnet sich vom Kreuzgang durch zwei Fenster und eine Tür und liegt einige Stufen tiefer. Der Raum ist in neun Joche unterteilt, die von Kreuzrippengewölben überdeckt werden, getragen von vier achteckigen Säulen. An der Ostwand belichten drei große runde Fenster den Raum. Wie bereits erwähnt, dient der Kapitelsaal als Grablege der Babenberger, mit neun einfachen Grabplatten und dem Hochgrab Herzog Friedrichs II.

Fraterie

Die Fraterie war der Arbeitsraum der Laienbrüder und beherbergte verschiedene Werkstätten sowie das Skriptorium, die Schreibstube. Dies war oft der einzige beheizte Raum im Kloster. Der Raum ist in achtzehn Joche unterteilt, die von Kreuzgratgewölben (ohne Rippen) überdeckt werden, getragen von zehn Stützen. Hier finden sich Bezüge zur Romanik.

Bernardikapelle

Die Bernardikapelle, auch Winterkapelle genannt, wurde um 1290 fertiggestellt. Sie diente ursprünglich wohl als Infirmerie. Nach einem Brand 1910 und der Freilegung des Chors wurde sie zunehmend für das Stundengebet und die Messe genutzt. Abt Karl Braunstorfer machte sie zur geheizten Winterkapelle und ließ sie mit farbenprächtigen Glasfenstern von Margret Bilger (1963/64) ausstatten, die Glaubensfeste des Kirchenjahres darstellen. Die Kapelle ist außen schlicht, wie es dem Zisterzienserideal entspricht, und wurde hauptsächlich aus Leithasandstein erbaut.

Totenkapelle und Annakapelle

Die Totenkapelle, ein schmaler Raum zwischen Kapitelsaal und Fraterie, war im Mittelalter vermutlich das Parlatorium, der einzige Raum, in dem Sprechen erlaubt war. Seit 1713 dient sie als Totenkapelle und ist mit beeindruckenden tanzenden Skeletten von Giovanni Giuliani geschmückt, die den Weg ins Jenseits weisen.

Die Annakapelle, zwischen Hallenchor und Kapitelsaal, beherbergte im Mittelalter das Armarium, die Büchersammlung des Konventes.

Sakristei und Alte Pforte

Die Sakristei, im 17. Jahrhundert angebaut, ist ein rechteckiger Raum mit großen Fenstern und einer reich gegliederten Stuckdecke sowie Rokokofresken.

Die „Alte Pforte“ war der mittelalterliche Zugang von außen zum Kreuzgang. Heute zeigen barocke Fresken Maria, den heiligen Benedikt und den heiligen Bernhard und symbolisieren den Schutz, unter den sich Eintretende stellen.

Hornturm und Glockenspiel

Im barocken Hornturm über dem Eingangstor zum Stiftshof befindet sich das Glockenspiel (Carillon) des Stiftes. Mit 43 Glocken ist es das zweitgrößte in Österreich. Die Glocken wurden 1982 in den Niederlanden gegossen und können sowohl manuell als auch computergesteuert bespielt werden. Zehn Minuten vor jeder vollen Stunde erklingt ein Kirchenlied. Der Turm erhielt seinen Namen von einem früheren Hornwerk, einer Art Orgel, deren Klang weithin zu hören war.

Welcher Orden ist im Stift Heiligenkreuz?
Unser großer Ordensvater – aber nicht unser Gründer – ist der heilige Bernhard von Clairvaux (1090-1153). Wir Mönche von Heiligenkreuz sind Zisterzienser dieses ursprünglichen Ordens, die Abkürzung unseres Ordensnamens ist „OCist“, das bedeutet „Ordo Cisterciensis“.

Kreuzkirche und Brunnenhaus

Die moderne Kreuzkirche, 1982 erbaut und 2023 saniert, schließt nördlich an Querhaus und Turm an. Sie birgt die kostbare Kreuzreliquie und ist mit neuen Gemälden von Clemens Maria Fuchs ausgestattet.

Das Brunnenhaus im Kreuzgang war im Mittelalter die einzige Trinkwasserquelle. Dieser hochgotische, neuneckige Raum von 1295 wirkt wie eine prachtvolle Kapelle mit farbigen Fenstern, die die Babenberger zeigen, und einem Schlussstein mit dem thronenden Christus. Die ästhetische Ausgestaltung dieses profanen Raumes sollte die Mönche daran erinnern, dass auch alltägliche Tätigkeiten im Angesicht Christi geschehen und sie stets und überall Gott dienen sollen.

Stiftshof und Konventgebäude

Der große polygonale Stiftshof wird von mittelalterlichen und barocken Gebäuden umschlossen. Hier befinden sich das Eingangsportal mit dem Hornturm sowie in der Mitte die barocke Dreifaltigkeitssäule und der Josefsbrunnen.

Südlich des Kreuzgangs schließt das jüngere Konventgebäude an, das Mitte des 16. Jahrhunderts fertiggestellt wurde und den Wohnbereich der Mönche beherbergt. Es umschließt ebenfalls einen Innenhof.

Rekreationszimmer

Ein besonderer Raum im Klausurbereich ist das Rekreationszimmer, entworfen vom Architekten Hans Pfann und 1972 eingeweiht. Es ist ein seltenes Beispiel zeitgenössischer Architektur im Stift und diente als Raum für Erholung und Gemeinschaft.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Mönche leben im Stift Heiligenkreuz?
Derzeit (Stand Mai 2024) leben fast 100 Mönche im Stift Heiligenkreuz.

Welcher Orden lebt im Stift Heiligenkreuz?
Im Stift Heiligenkreuz leben Mönche des Zisterzienserordens (OCist), die nach der Regel des heiligen Benedikt leben.

Wann wurde das Stift Heiligenkreuz gegründet?
Das Stift wurde im Jahr 1133 gegründet.

Wer gründete das Stift Heiligenkreuz?
Gründer des Stiftes war Markgraf Leopold III. von Österreich.

Kann man die Gottesdienste und das Chorgebet besuchen?
Ja, das Chorgebet und die Heilige Messe sind öffentlich zugänglich. Insbesondere das Konventamt an Sonn- und Feiertagen um 9.30 Uhr mit Gregorianischem Choral ist für Besucher geöffnet.

Was ist die Bedeutung der Babenberger für das Stift?
Die Babenberger waren die Gründer und wichtige Förderer des Stiftes. Der Kapitelsaal dient als ihre Grablege.

Welche besondere Reliquie wird in Heiligenkreuz verehrt?
Im Stift Heiligenkreuz wird eine wertvolle Kreuzreliquie verehrt, die 1188 von Leopold V. geschenkt wurde und sich heute in der Kreuzkapelle befindet.

Stift Heiligenkreuz ist weit mehr als nur ein historisches Bauwerk. Es ist ein lebendiger Ort des Glaubens, der Arbeit, der Gemeinschaft und der Gastfreundschaft, dessen lange Geschichte und reiche Spiritualität bis heute wirken und viele Menschen anziehen.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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