Die Immermannstraße in Düsseldorf ist weit mehr als nur eine gewöhnliche Verkehrsader. Sie ist ein lebendiges Zentrum, ein Schmelztiegel der Kulturen und das unbestrittene Herzstück der japanischen Gemeinschaft in Düsseldorf. Gelegen in der Stadtmitte, bildet sie das wirtschaftliche und kulturelle Epizentrum dessen, was liebevoll als „Little Tokyo“ oder auch „Nippon am Rhein“ bezeichnet wird – die einzige ausgeprägte Japantown Deutschlands. Doch ihre Bedeutung und ihr heutiges Erscheinungsbild sind das Ergebnis einer langen und wechselvollen Geschichte.

Benannt ist die Straße nach dem deutschen Dramatiker Karl Immermann, der im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle im kulturellen Leben Düsseldorfs spielte. Von 1827 bis 1840 war er hier als Landgerichtsrat tätig und prägte als Leiter des Stadttheaters (1834-1837) die sogenannte Immermann’sche Musterbühne. Sein Name lebt in dieser zentralen Straße fort, die heute eine ganz andere, globalere Ausstrahlung besitzt.
Von der Künstlergasse zur Hauptverkehrsachse
Ihre Anfänge nahm die Immermannstraße im 19. Jahrhundert. Damals war sie eine schmale Wohnstraße, die sich vom Wilhelmplatz im Südosten bis zur Oststraße im Nordwesten erstreckte. Überraschenderweise war sie zu dieser Zeit ein beliebter Wohnort für eine Vielzahl von Künstlern. Maler der berühmten Düsseldorfer Schule, Schriftsteller und Musiker fanden hier ihr Zuhause. Namen wie Hans Bachmann, Eduard von Gebhardt, Johann Wilhelm Preyer oder auch der Schriftsteller Hanns Heinz Ewers und der Musiker Günther Bartel sind nur einige Beispiele für die kreative Szene, die einst diese Straße prägte. Diese frühe Periode zeigt ein ganz anderes Gesicht der Immermannstraße – eine ruhige, bürgerliche Gasse, die vom kulturellen Leben der Stadt durchdrungen war.
Der Zweite Weltkrieg brachte jedoch eine Zäsur. Die historische Bebauung der Immermannstraße wurde durch Luftangriffe schwer beschädigt oder gar zerstört. Der Wiederaufbau nach dem Krieg veränderte das Gesicht der Straße grundlegend. Im Geiste der damals vorherrschenden Idee der autogerechten Stadt wurde die Immermannstraße zu einer innerstädtischen Magistrale ausgebaut. Sie wurde verbreitert und bis zur neugeschaffenen Berliner Allee verlängert, um einen „Durchbruch“ zu schaffen. Das Ziel war, eine direkte und leistungsfähige Verbindung zwischen dem neuen Verkehrsknotenpunkt Jan-Wellem-Platz und dem Hauptbahnhof Düsseldorf herzustellen und dem zunehmenden motorisierten Verkehr mehr Raum zu geben.
Das heutige Erscheinungsbild der Immermannstraße im Bereich zwischen Berliner Allee und Hauptbahnhof ist stark von dieser Wiederaufbauphase geprägt. Sie veranschaulicht eindrucksvoll die Nachkriegsmoderne, die Prinzipien des Städte- und Verkehrsbau in der Ära des Wiederaufbaus sowie die Architektur der 1950er Jahre in Düsseldorf. Die klaren Linien und funktionalen Bauten dieser Zeit dominieren diesen Abschnitt und erzählen die Geschichte einer Stadt, die sich nach Zerstörung neu erfand.
Architektonische Entwicklungen und Landmarken
Der Wiederaufbau brachte nicht nur eine veränderte Straßenführung, sondern auch neue, markante Gebäude hervor. Schon in den frühen 1950er Jahren gab es ambitionierte Pläne für die Immermannstraße. So wollte der Modeunternehmer Max Goldberg an einem Grundstück zwischen Marienstraße und Immermannstraße einen über 30-geschossigen „Wolkenkratzer der Modeindustrie“ errichten. Dieses visionäre Projekt scheiterte jedoch im Jahr 1952.
Dennoch entstanden in den folgenden Jahren wichtige städtebauliche Dominanten, die das Bild der Straße bis heute prägen. Am nordwestlichen Ende, nahe dem Hauptbahnhof, wurde bis 1957 das Hochhaus der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf erbaut. Es setzte ein starkes städtebauliches Zeichen. Davor befand sich ab 1961/1962 eine der Auffahrten zum sogenannten Tausendfüßler, einer Autohochstraße. Nach dem Abriss des Tausendfüßlers wurde an dieser Stelle 2015 die Abfahrt zum Kö-Bogen-Tunnel mit der Unterquerung der Schadowstraße eröffnet, was die Verkehrssituation in diesem Bereich erneut veränderte.
Eine weitere bedeutende Landmarke entstand an der Kreuzung mit der Charlottenstraße: das Dommelhaus, auch bekannt als Immermann-Tower. Erbaut zwischen 1954 und 1956, ist es ein weiteres Beispiel für die Architektur der 1950er Jahre und fügt sich in das Bild der Nachkriegsmoderne ein.
Auch religiöse Bauten prägten die Immermannstraße. An der Kreuzung der Oststraße stand lange Zeit der Neubau der Franziskaner-Klosterkirche St. Antonius, der 1955 nach einem Entwurf des Architekten Heinz Thoma erbaut wurde. Dieses Gebäude wurde 2017 abgerissen, um Platz für ein neues Projekt zu schaffen. An seiner Stelle wurde bis 2020 das Büro- und Wohnhausprojekt „Francis“ des Immobilienunternehmens Pandion verwirklicht, das moderne Akzente in das Straßenbild bringt.
Ein besonders wichtiges Bauwerk, das eng mit der Identität der Straße als „Little Tokyo“ verbunden ist, ist das Deutsch-Japanische Center. Dieses markante Gebäude wurde zwischen 1972 und 1978 von den Architekturbüros Hentrich-Petschnigg & Partner und Takenaka Associated Architects in modernistischer Formensprache errichtet. Es beherbergte unter anderem das Hotel Nikkō, das heute als Clayton Hotel Düsseldorf firmiert, und ist ein zentraler Anlaufpunkt für die japanische Gemeinschaft und Besucher.
Das Herz von Little Tokyo
Was die Immermannstraße heute jedoch am meisten auszeichnet und ihr ihre einzigartige Anziehungskraft verleiht, ist die seit den 1960er Jahren entstandene und stetig wachsende Dichte an japanischen Unternehmen. Hier findet man eine beispiellose Konzentration von japanischen Speiselokalen, Supermärkten, Buchhandlungen, Bäckereien, Reisebüros, Friseuren und zahlreichen anderen Geschäften und Dienstleistern, die sich speziell an die japanische Gemeinschaft richten oder von ihr betrieben werden. Diese Ballung hat der Immermannstraße und ihren angrenzenden Bereichen die bereits erwähnten Beinamen „Little Tokyo“, „Little Tokyo-on-the-Rhine“, „Nippon on the Rhine“ oder „Klein-Japan“ eingebracht und sie als einzige Japantown in Deutschland etabliert.
Die Präsenz dieser vielfältigen japanischen Geschäfte führt zu einer konstant hohen Fußgängerfrequenz. Besonders vor den beliebten Supermärkten und Restaurants bilden sich zu Stoßzeiten oft Menschentrauben, was der Straße ein lebhaftes, fast schon fernöstlich anmutendes Flair verleiht. Ein Bummel entlang der Immermannstraße ist wie eine kleine Reise nach Japan, ohne die Stadt verlassen zu müssen.
Neugestaltung und moderne Akzente
Um den besonderen Charakter der Immermannstraße als belebten Boulevard und Zentrum von „Little Tokyo“ weiter zu stärken, begann im Jahr 2016 eine umfassende Umgestaltung des Straßenraums, gefördert aus Mitteln der Städtebauförderung des Landes Nordrhein-Westfalen. Ziel war es, den „Boulevardcharakter“ der Straße hervorzuheben und die Aufenthaltsqualität zu verbessern.
Im Zuge dieser Neugestaltung wurden im Januar 2020 besondere Leuchten installiert, deren Gestalt an das traditionelle Origami eines Kranichs erinnert – eine subtile, aber wirkungsvolle Hommage an die japanische Kultur, die die Straße prägt. Bis Ende 2021 wurden diese Leuchten durch weitere Elemente ergänzt, darunter orangefarbene Bänke, die zum Verweilen einladen, und eine hervorhebende Pflasterung, die bestimmte Bereiche oder Wege optisch abgrenzt und aufwertet. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Immermannstraße nicht nur als Verkehrsachse, sondern auch als attraktiven öffentlichen Raum zu gestalten.
Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung, die die einzigartige Identität der Straße unterstreicht, ist die Einführung von bilingualer Beschilderung. Seit Ende 2021 wird diesem Merkmal durch zusätzliche Straßenschilder in deutscher und japanischer Sprache Rechnung getragen. Diese zweisprachige Beschilderung erleichtert nicht nur die Orientierung für japanischsprachige Besucher und Bewohner, sondern ist auch ein deutliches Zeichen der Wertschätzung für die japanische Kultur und Gemeinschaft, die die Immermannstraße so besonders macht. Seit etwa November 2023 sind sogar die Hinweisschilder für die Abstellflächen von E-Bikes und E-Rollern in beiden Sprachen ausgeführt, was den integrativen Ansatz weiter betont.
Einzigartige Atmosphäre und Vielfalt
Die Immermannstraße bietet eine faszinierende Mischung aus deutscher Nachkriegsarchitektur und japanischem Flair. Hier reihen sich traditionelle japanische Restaurants, die authentische Ramen, Sushi oder Izakaya-Gerichte anbieten, an moderne Bürofassaden und traditionelle deutsche Geschäfte. Japanische Supermärkte wie Shochiku oder Hanaro (ein koreanischer Supermarkt, der aber auch viele japanische Produkte führt) sind Anziehungspunkte für Menschen aus der ganzen Region, die auf der Suche nach speziellen Zutaten oder Produkten sind. Buchhandlungen wie Takagi Books bieten eine riesige Auswahl an japanischer Literatur, Manga und Zeitschriften. Kleine Bäckereien locken mit japanischem Gebäck und Brot.
Diese Vielfalt schafft eine einzigartige Atmosphäre, die man in Deutschland so kein zweites Mal findet. Die Gerüche aus den Restaurants, die Schilder in japanischer Schrift, die Gespräche in verschiedenen Sprachen – all das trägt zum lebendigen und multikulturellen Charakter der Immermannstraße bei. Sie ist ein Ort des Austauschs, der Begegnung und des kulturellen Erlebens.
Tabelle: Chronologie wichtiger Entwicklungen
| Zeitraum / Jahr | Ereignis / Entwicklung | Bedeutung für die Immermannstraße |
|---|---|---|
| 19. Jahrhundert | Entstehung als schmale Wohnstraße | Wohnort für Künstler, bürgerlicher Charakter |
| Nach 1945 | Zerstörung und Wiederaufbau | Umwandlung zur breiten innerstädtischen Magistrale, Prägung durch Nachkriegsarchitektur |
| 1954-1956 | Bau des Dommelhauses (Immermann-Tower) | Städtebauliche Dominante der 1950er Jahre |
| 1955 | Neubau Franziskaner-Klosterkirche St. Antonius | Religiöser Ankerpunkt (bis Abriss 2017) |
| Bis 1957 | Bau des IHK Hochhauses | Wichtige städtebauliche Dominante am Ende der Straße |
| Seit den 1960ern | Zunehmende Ansiedlung japanischer Unternehmen | Entwicklung zu "Little Tokyo" / Japantown |
| 1972-1978 | Bau des Deutsch-Japanischen Centers | Zentrales Gebäude für japanische Gemeinschaft und Kultur |
| 2015 | Eröffnung Abfahrt zum Kö-Bogen-Tunnel | Verkehrliche Anpassung nach Abriss des Tausendfüßlers |
| Seit 2016 | Umgestaltung des Straßenraums | Stärkung des Boulevardcharakters, Verbesserung der Aufenthaltsqualität |
| 2020 | Installation Origami-Leuchten | Kultureller Akzent, Teil der Umgestaltung |
| 2017-2020 | Abriss St. Antonius und Bau "Francis" | Moderner Neubau an historischer Stelle |
| Ende 2021 | Installation Bänke, Pflasterung, bilinguale Straßenschilder | Abschluss der Umgestaltung, Würdigung der japanischen Präsenz |
| Ende 2023 | Bilinguale Schilder für Abstellflächen | Weitere Integration bilingaler Beschilderung |
Häufig gestellte Fragen zur Immermannstraße
Warum gibt es in Düsseldorf eine so große japanische Gemeinschaft?
Düsseldorf hat eine lange Geschichte der wirtschaftlichen Beziehungen zu Japan. Viele japanische Unternehmen haben hier ihre Europazentralen oder Niederlassungen angesiedelt. Dies hat über die Jahrzehnte hinweg zur Ansiedlung einer großen japanischen Expatriate-Gemeinschaft geführt, die wiederum die Infrastruktur wie Schulen, Geschäfte und Restaurants hervorgebracht hat, die sich heute entlang der Immermannstraße konzentrieren.
Gibt es in Little Tokyo nur japanische Geschäfte und Restaurants?
Obwohl die Immermannstraße und ihre Umgebung für ihre hohe Dichte an japanischen Einrichtungen bekannt sind, gibt es dort auch andere Geschäfte, Restaurants und Dienstleister. Allerdings ist die Präsenz japanischer Unternehmen so dominant, dass sie das Gesamtbild prägt und den Namen "Little Tokyo" rechtfertigt. Auch koreanische und andere asiatische Geschäfte sind in der Nähe zu finden, was die multikulturelle Vielfalt des Viertels unterstreicht.
Welche Art von japanischem Essen finde ich auf der Immermannstraße?
Die kulinarische Vielfalt ist enorm. Sie finden von traditionellen Ramen-Bars, die herzhafte Nudelsuppen servieren, über authentische Sushi-Restaurants, die frischen Fisch anbieten, bis hin zu Izakayas (japanische Kneipen mit kleinen Gerichten) und Bäckereien mit süßem und herzhaftem Gebäck alles. Auch auf japanische Curry-Gerichte, Okonomiyaki oder Tempura spezialisierte Lokale sind vertreten. Die Qualität ist oft sehr hoch, da viele Restaurants authentische japanische Küche anbieten.
Ist die Immermannstraße nur für die japanische Gemeinschaft relevant?
Absolut nicht. Die Immermannstraße ist ein Anziehungspunkt für Menschen aus ganz Düsseldorf und darüber hinaus. Touristen, die ein Stück Japan in Deutschland erleben möchten, ebenso wie Einheimische, die authentisches japanisches Essen suchen oder in den spezialisierten Geschäften einkaufen wollen, besuchen die Straße regelmäßig. Sie ist ein wichtiger Teil des urbanen Lebens und der kulturellen Landschaft Düsseldorfs.
Kann man in Little Tokyo auch japanische Produkte kaufen, die man sonst schwer findet?
Ja, gerade die japanischen Supermärkte auf der Immermannstraße sind bekannt für ihr breites Sortiment an importierten Lebensmitteln, Getränken, Süßigkeiten, Snacks und Haushaltswaren, die in regulären Supermärkten kaum erhältlich sind. Auch spezielle Buchhandlungen und Geschäfte für Manga, Anime oder traditionelle japanische Waren sind hier zu finden.
Ein lebendiger Teil Düsseldorfs
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Immermannstraße eine Straße mit vielen Gesichtern und einer tiefen Geschichte ist. Von ihren Anfängen als Künstlerdomizil über die radikale Veränderung nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zur Entwicklung zum lebendigen Zentrum der japanischen Kultur in Deutschland – die Immermannstraße hat sich stetig gewandelt. Heute ist sie ein pulsierender Ort, der die globale Vernetzung Düsseldorfs widerspiegelt und eine einzigartige Mischung aus deutscher und japanischer Kultur bietet. Ihre Neugestaltung und die sichtbare Würdigung der japanischen Präsenz durch bilinguale Schilder unterstreichen ihre Bedeutung als Deutschlands einzige Japantown und machen sie zu einem unverzichtbaren Erlebnis für jeden Besucher Düsseldorfs.
Ob man auf der Suche nach authentischem japanischem Essen ist, seltene Produkte importierter Waren sucht oder einfach nur die besondere Atmosphäre dieses einzigartigen Viertels erleben möchte – die Immermannstraße bietet eine faszinierende Reise auf wenigen hundert Metern. Sie ist ein Beweis dafür, wie Migration und kultureller Austausch das Gesicht einer Stadt bereichern und beleben können.
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