Was kann man an den Landungsbrücken machen?

Landungsbrücken Hamburg: Geschichte & Erlebnisse

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Die Hamburger Landungsbrücken im Stadtteil St. Pauli sind weit mehr als nur eine Anlegestelle; sie sind ein Wahrzeichen, ein pulsierendes Herzstück und das Tor zum weltberühmten Hamburger Hafen. Mit einer Länge von knapp 700 Metern, aufgeteilt in sechs Pontons und verbunden durch neun Brücken, bilden sie eine einzigartige Struktur, die täglich Tausende von Touristen und Einheimischen anzieht. Doch woher stammt der Name, und welche Geschichte verbirgt sich hinter diesem ikonischen Ort?

Der Name „Landungsbrücken“ erklärt sich ganz einfach aus ihrer ursprünglichen Funktion: Sie dienten und dienen noch heute als Anlegestelle für Schiffe aller Art. Hier legen Boote an, Passagiere gehen an Land oder begeben sich auf die Reise – sie „landen“ oder „legen ab“ an den Brücken. Eine schlichte, aber treffende Bezeichnung für diesen zentralen maritimen Knotenpunkt.

Was kann man an den Landungsbrücken machen?
Welche Erlebnisse bieten die Landungsbrücken?SehenswürdigkeitErlebnisRickmer Rickmers (Innenbesichtigung)Das historische Museumsschiff betreten und die Ausstellung zur maritimen Geschichte Hamburgs erkundenCap San DiegoDas Museumsschiff besichtigen und mehr über die Seefahrt und Frachtschifffahrt erfahren

Die Anfänge: Ein Hafen für Dampfschiffe

Die Geschichte der Landungsbrücken reicht zurück bis ins Jahr 1839. Damals befand sich der Hauptteil des Hamburger Hafens noch in der Nähe der heutigen U-Bahn-Station Baumwall. Doch das 19. Jahrhundert brachte eine revolutionäre Veränderung im Handel und in der Schifffahrt mit sich: Die Schiffe wurden immer größer, insbesondere die aufkommenden kohlebetriebenen Dampfschiffe. Der bestehende Hafen wurde zu klein.

Hamburg musste expandieren. Im Zuge dieser Hafenerweiterung entschied man sich, am „Hamburger Berg“, dem heutigen St. Pauli, einen eigenen, tieferen Hafenbereich speziell für diese großen Dampfschiffe zu schaffen. Es war genau an dieser strategisch wichtigen Stelle, dass Ende der 1830er-Jahre die ersten Anlagen errichtet wurden, die den Grundstein für die heutigen Landungsbrücken legten. Sie waren zunächst als reine Anlegestellen für diese neuen, beeindruckenden Überseedampfer konzipiert.

Von der HAPAG-Ära zum Zweiten Weltkrieg

Nach einem umfassenden Umbau zwischen 1907 und 1909 entwickelten sich die Landungsbrücken zu einem wichtigen Terminal für Linienschiffe. Insbesondere die HAPAG-Reederei (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft), aus der später die weltweit bekannte Hapag-Lloyd-Reederei hervorging, nutzte die Landungsbrücken intensiv. Legendäre Schiffe wie die „Kaiserin Auguste Viktoria“, die bei ihrem Stapellauf 1905 kurzzeitig das größte Schiff der Welt war und zwischen Hamburg und New York verkehrte, legten hier an und ab.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 herrschte an den Landungsbrücken ein reger, internationaler Schiffsverkehr. Sie waren ein Symbol für Hamburgs Weltoffenheit und seine Bedeutung als Handelshafen. Die NS-Zeit brachte dunkle Pläne mit sich, darunter repräsentative Großbauten westlich der Landungsbrücken und eine geplante Elbbrücke. Doch diese Projekte wurden nie realisiert.

Der Zweite Weltkrieg und die damit verbundenen Bombardierungen trafen den Hamburger Hafen und die angrenzenden Landungsbrücken schwer. Große Teile der Anlagen wurden zerstört, der internationale Schiffsverkehr kam zum Erliegen.

Wiederaufbau und heutiges Erscheinungsbild

Der mühsame Wiederaufbau der Landungsbrücken begann erst 1953 und dauerte rund zwei Jahre, bis 1955. Die Struktur, die damals entstand, entsprach jedoch noch nicht vollständig dem Bild, das wir heute kennen. Der letzte Abschnitt, der zwischen Brücke zwei und drei, wurde erst sehr viel später, im Jahr 1976, wiederhergestellt. Das heutige Erscheinungsbild der Landungsbrücken ist also das Ergebnis eines langen Prozesses des Wiederaufbaus und der Modernisierung nach den Zerstörungen des Krieges.

Unter der Elbe: Der Alte Elbtunnel

Direkt bei den Landungsbrücken befindet sich ein weiteres architektonisches Meisterwerk und eine wichtige historische Verbindung: der Alte Elbtunnel. Bei seiner Eröffnung im Jahr 1911 war er eine technische Sensation, heute steht er unter Denkmalschutz und ist eine beliebte Touristenattraktion.

Der Tunnel war notwendig geworden, weil die Hafenarbeiter im Winter bei zugefrorener Elbe oder bei dichtem Nebel kaum zu ihren Arbeitsplätzen auf den Werften gelangten. Fähren konnten nicht fahren, und eine Brücke über die breite Elbe wäre zu dieser Zeit technisch und wirtschaftlich extrem aufwendig gewesen und hätte zudem den Schiffsverkehr behindert. Man entschied sich für eine Unterquerung.

Der Bau begann 1907 im damals hochmodernen Schildvortriebverfahren. Es entstanden zwei Röhren mit einer Länge von jeweils 426 Metern, die rund 24 Meter unter der Wasseroberfläche verlaufen. Mit einer lichten Höhe von sechs Metern waren sie für die damaligen Verhältnisse großzügig bemessen.

Auch wenn der Alte Elbtunnel durch den Bau des Neuen Elbtunnels bei Övelgönne an verkehrstechnischer Bedeutung für den Autoverkehr verloren hat, ist er für Fußgänger und Radfahrer weiterhin nutzbar und ein faszinierendes Erlebnis. Die Sanierungsarbeiten am Tunnel laufen bereits seit 1995, und seit 2003 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz. Die vollständige Wiedereröffnung beider Röhren wird für 2026 erwartet. Bis dahin ist oft nur eine Röhre begehbar, was aber dem Erlebnis, tief unter dem Fluss hindurchzugehen, keinen Abbruch tut. Viele nutzen den Tunnel im Sommer auch als willkommene Abkühlung.

Der Panoramablick: Einer der größten Häfen der Welt

Die Hamburger Landungsbrücken bieten vielleicht einen der besten Blicke auf einen der größten Häfen der Welt. Hamburg rangiert beim Containerumschlag auf Platz 17 weltweit und ist der drittgrößte Hafen Europas. Von den Landungsbrücken aus lässt sich das geschäftige Treiben auf dem Wasser und an den Terminals hervorragend beobachten.

Besonders eindrucksvoll ist dieser Blick von oben. Mehrere Gastronomiebetriebe an den Landungsbrücken verfügen über Dachterrassen, die einen spektakulären Ausblick ermöglichen. Das traditionsreiche Brauhaus Blockbräu und das Hard Rock Café Hamburg bieten von ihren Terrassen aus einen wunderbaren Panoramablick über die Elbe, den Hafen und die vorbeifahrenden Schiffe. Hier lässt sich das maritime Flair bei einem Getränk oder einer Mahlzeit besonders gut genießen.

Giganten jenseits der Elbe: Blohm+Voss

Wer von den Landungsbrücken über die Elbe blickt, dessen Blick fällt unweigerlich auf die imposanten Docks der Werft Blohm+Voss, die heute zur Lürssen Werftgruppe gehört. Besonders markant sind das Schwimmdock 11 und das Trockendock Elbe 17.

Dock 11 ist eines der größten Schwimmdocks in Europa. Für Reparatur- und Wartungsarbeiten wird es abgesenkt, das Schiff fährt hinein, und durch das Auspumpen der Ballasttanks schwimmt das Dock mitsamt Schiff wieder auf. Das Trockendock Elbe 17 ist sogar so groß, dass es Kreuzfahrtschiffe von der Größe der „Quantum of the Seas“ oder der „Queen Mary 2“ aufnehmen kann.

Früher wurden bei Blohm+Voss legendäre Schiffe gebaut, darunter der imposante Segler „Peking“ (heute im Deutschen Hafenmuseum in Hamburg zu besichtigen), das Segelschulschiff „Gorch Fock“ oder das Kriegsschiff „Bismarck“. Heute konzentriert sich die Werft auf Reparatur- und Wartungsarbeiten sowie den Bau von Spezialschiffen und Luxusjachten.

Schwimmende Zeitzeugen: Die Museumsschiffe

An den Landungsbrücken und in unmittelbarer Nähe liegen mehrere historische Schiffe vor Anker, die heute als Museen oder Gastronomiebetriebe dienen und Besuchern einen Einblick in die maritime Vergangenheit Hamburgs geben.

SchiffBaujahrUrsprüngliche FunktionHeutige FunktionBesonderheit
Rickmer Rickmers1896Frachtsegler, später SegelschulschiffMuseumsschiff, Restaurant, KletterparkÄltestes Museumsschiff in der Nähe, fuhr weltweit
Feuerschiff1952NavigationshilfeRestaurant, HotelWar im Einsatz in Großbritannien
Cap San Diego1961StückgutfrachterMuseumsschiff, HotelGrößter fahrtüchtiger Museumsfrachter der Welt

Das älteste dieser Schiffe ist die „Rickmer Rickmers“. Dieser Großsegler lief 1896 in Bremerhaven vom Stapel und war zunächst als Frachtschiff auf den Weltmeeren unterwegs. Später wurde sie vor allem auf der Route zwischen Europa und Chile für den Transport von Kohle und Salpeter eingesetzt. Von 1924 bis 1962 diente sie der portugiesischen Marine als Segelschulschiff. Seit 1983 liegt die „Rickmer Rickmers“ als Museumsschiff im Hamburger Hafen nahe den Landungsbrücken. An Bord gibt es eine Dauerausstellung, wechselnde Ausstellungen, ein Restaurant und für Mutige sogar einen Kletterparcours in den Masten.

Weniger auffällig, aber ebenfalls von historischer Bedeutung, ist das alte Feuerschiff. Gebaut 1952, diente es ursprünglich als schwimmende Navigationshilfe vor den Küsten Großbritanniens, um Schiffe vor Untiefen in Flussmündungen zu warnen. Seit 1989 liegt es im Hamburger Hafen und beherbergt heute ein Restaurant und ein kleines Hotel.

Das jüngste und gleichzeitig größte der drei historischen Schiffe ist die „Cap San Diego“. Dieser Stückgutfrachter wurde 1961 in Hamburg-Finkenwerder gebaut und war auf der Südamerika-Route im Einsatz. Mit fast 160 Metern Länge ist sie nicht nur das einzige fahrtüchtige Museumsschiff an den Landungsbrücken, sondern auch der größte fahrtüchtige Museumsfrachter der Welt. Mehrmals im Jahr können Gäste auf der „Cap San Diego“ mitfahren, beispielsweise bei den Paraden zum Hamburger Hafengeburtstag. Auch die „Cap San Diego“ beherbergt ein Museum und ein kleines Hotel.

Landungsbrücken heute: Drehkreuz für maritime Erlebnisse

Während die Landungsbrücken früher hauptsächlich als Terminal für große Linienschiffe dienten, sind sie heute ein vielseitiges Drehkreuz für verschiedene maritime Aktivitäten. Der einzige verbliebene Liniendienst, der hier ablegt, ist der „Halunder Jet“, ein Katamaran, der täglich Fahrgäste zur einzigen deutschen Hochseeinsel Helgoland bringt.

Ansonsten dominieren die Hafenfähren, die großen Hafenrundfahrtschiffe und die kleineren Barkassen das Bild. Besonders beliebt sind die Hafenrundfahrten, die hier starten. Mit den wendigen Barkassen geht es oft durch die engen Kanäle der historischen Speicherstadt, während die größeren Schiffe Touren zu den riesigen Containerterminals im westlichen Teil des Hafens anbieten.

Hafen entdecken mit der Fähre: Ein Geheimtipp

Eine kostengünstige und dennoch eindrucksvolle Alternative zu den klassischen Hafenrundfahrten bietet das Netz der öffentlichen Hafenfähren. Besonders die Linie 62, die von den Landungsbrücken Richtung Finkenwerder fährt, ist längst kein Geheimtipp mehr für Touristen.

Mit einer normalen HVV-Tageskarte kann man einfach an Bord gehen und eine etwa einstündige Rundfahrt (Hin- und Rückfahrt) genießen. Dabei passiert man Containerriesen, Kreuzfahrtschiffe, Werften und den Elbstrand. Man erlebt den Hafen aus nächster Nähe, ganz ohne Moderation, aber mit authentischem Flair. Auch die Fährlinien 72 und 73 bieten interessante Perspektiven.

Kulinarische Vielfalt: Essen an den Landungsbrücken

Ein Besuch der Landungsbrücken ist für viele untrennbar mit einer kulinarischen Stärkung verbunden. Die Auswahl ist riesig, von großen Restaurants bis hin zu kleinen Buden, die Speisen auf die Hand anbieten.

Zu den größeren Adressen gehören das Blockbräu mit seiner Brauhaustradition und das Hard Rock Café. Doch das Besondere an den Landungsbrücken sind die vielen kleinen Stände und Lokale, die fast alles von Pommes (Vorsicht vor den frechen Möwen!) bis hin zu hochwertigen Fischgerichten anbieten.

Zwei Adressen stechen dabei besonders hervor: Die Bude an Brücke 10 gilt seit Jahren als DER Anlaufpunkt für exzellente Fischbrötchen. Trotz ihrer Bekanntheit ist sie keine reine Touristenfalle, sondern bietet konstant hohe Qualität. Mittlerweile gibt es sogar einen zweiten Standort am Ausgang des Alten Elbtunnels auf der anderen Elbseite. Wer jedoch Lust auf eine modernere Interpretation des klassischen Fischbrötchens hat, sollte Underdocks besuchen. Hier werden maritime Klassiker neu gedacht und auf kreative Weise serviert – absolut empfehlenswert!

Häufig gestellte Fragen zu den Landungsbrücken und Hafenrundfahrten

Die Landungsbrücken sind der ideale Startpunkt für die Erkundung des Hamburger Hafens. Viele Besucher haben Fragen zu den verschiedenen Möglichkeiten.

Welche Hafenrundfahrt in Hamburg ist die beste?

Die Wahl der „besten“ Hafenrundfahrt hängt stark von Ihren persönlichen Interessen ab. Wenn Sie die ganz großen Containerriesen und Werften sehen möchten, ist eine große Hafenrundfahrt auf einem der größeren Schiffe die richtige Wahl. Wenn Sie sich mehr für die Geschichte Hamburgs und die Architektur interessieren, bietet sich eine Barkassenfahrt durch die Speicherstadt an (dies ist nur bei Flut möglich, da die Brücken der Speicherstadt bei Ebbe zu niedrig sind). Für preisbewusste Besucher oder diejenigen, die einfach nur das Gefühl haben möchten, auf dem Wasser im Hafen unterwegs zu sein, sind die Fahrten mit den öffentlichen Hafenfähren (insbesondere Linie 62) eine hervorragende und sehr günstige Alternative. Allerdings gibt es bei den Fähren keine Moderation. Gelegentlich werden auch spezielle Themenrundfahrten angeboten, zum Beispiel zur Kolonialgeschichte des Hafens.

Was versteht man unter Hafenrundfahrt?

Eine Hafenrundfahrt in Hamburg ist eine Schiffsfahrt durch verschiedene Bereiche des Hamburger Hafens. Dazu gehören in der Regel die modernen Containerterminals und die Werften, aber oft auch die historische Speicherstadt, sofern die Tide es zulässt. Bei den meisten klassischen Hafenrundfahrten gibt es einen Moderator an Bord, der interessante Fakten, Wissenswertes und manchmal auch Seemannsgarn über den Hafen, seine Geschichte und das aktuelle Geschehen erzählt. Die Kosten für eine Hafenrundfahrt variieren stark, von etwa 3,50 Euro für eine einfache Fährfahrt von den Landungsbrücken nach Finkenwerder bis hin zu über 30 Euro für längere XXL-Touren oder spezielle Angebote wie Party-Rundfahrten (z.B. mit Olivia Jones). Die meisten Rundfahrten starten direkt an den Landungsbrücken oder in unmittelbarer Nähe. Die großen Schiffe legen meist direkt an den Landungsbrücken an, während viele kleinere Barkassen im Sportboothafen zwischen der Cap San Diego und dem Feuerschiff ihren Startpunkt haben.

Die Hamburger Landungsbrücken sind somit nicht nur ein historisch bedeutsamer Ort, sondern auch heute noch ein lebendiges Zentrum Hamburgs, das Geschichte, Technik, maritime Erlebnisse und kulinarische Genüsse auf einzigartige Weise vereint.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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