Was ist in Mannheim am Bahnhof passiert?

Mannheim Hbf: Drehkreuz mit Geschichte & Zukunft

Rating: 4.23 (1860 votes)

Der Mannheimer Hauptbahnhof ist weit mehr als nur ein Ort, an dem Züge halten. Er ist ein pulsierendes Drehkreuz im Herzen der Metropolregion Rhein-Neckar und für ganz Deutschland. Mit täglich rund 118.000 Reisenden und Besuchern (Stand 2020) zählt er zu den meistfrequentierten Bahnhöfen des Landes und ist der zweithäufigst frequentierte in Baden-Württemberg, direkt nach Stuttgart. Seine Größe und Bedeutung spiegeln sich nicht nur in den beeindruckenden Zahlen wider, sondern auch in seiner langen und ereignisreichen Geschichte sowie seiner zentralen Rolle für den Fern-, Regional- und Nahverkehr.

Was ist in Mannheim am Bahnhof passiert?
Eurocity entgleist Viele Verletzte bei Zugunglück in Mannheim. Nahe dem Hauptbahnhof Mannheim ist am Freitagabend ein Eurocity verunglückt. Fünf Waggons kamen von der Strecke ab, zwei kippten um. Laut Feuerwehr wurden 45 Menschen verletzt, fünf von ihnen schwer.

Eine Reise durch die Zeit: Die Geschichte des Mannheimer Hauptbahnhofs

Die Geschichte des Bahnverkehrs in Mannheim begann bereits in den frühen 1840er Jahren mit dem ersten Bahnhof, einem Kopfbahnhof nahe dem heutigen Tattersall. Doch die fortschreitende Entwicklung und insbesondere die Planung der Rheinbrücke nach Ludwigshafen machten schon bald eine Verlegung notwendig. 1867 ging die Eisenbahnbrücke über den Rhein in Betrieb und ebnete den Weg für neue Bahnanlagen.

In den Jahren 1874 bis 1875 entstand das neue Empfangsgebäude, das im Oktober 1876 eingeweiht wurde. Weitere wichtige Schritte waren die Anbindung des Zentralgüterbahnhofs 1877 und die Einführung der Riedbahn 1880. Bemerkenswert ist, dass der Bahnhof anfangs von mehreren Bahnverwaltungen genutzt wurde, eine „Doppelbesetzung“, die erst im Jahr 1900 endete.

Anfang des 20. Jahrhunderts folgten Erweiterungen des Empfangsgebäudes (1906/1907) und der Bahnsteige (1910/1912). Im Jahr 1927 wurde die Vorderfassade des Empfangsgebäudes um 10 Meter nach vorne versetzt, was die Grundfläche mehr als verdoppelte. Die Fassade wurde nach Kriegszerstörungen und Wiederaufbau in vereinfachter Form wiedererrichtet.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gab es weitreichende Pläne (Projekt „1943 B3“), den Bahnhof anzuheben, zu verschieben und kreuzungsfrei zu gestalten, doch diese wurden kriegsbedingt nicht umgesetzt. Während des Krieges wurde der Hauptbahnhof bei über 150 Luftangriffen auf Mannheim mehrfach schwer beschädigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der Personenverkehr sprunghaft an. Anfang der 1950er Jahre entschied man sich gegen eine Verlegung des Bahnhofs und für einen von der Deutschen Bundesbahn entwickelten Entwurf, der unter anderem die Anhebung der Gleisanlagen vorsah. In den Jahren 1957 bis 1960 fanden weitere große Umbauten statt, und Anfang der 1960er Jahre waren die wesentlichen Kriegsschäden beseitigt. In den 1970er Jahren war der Mannheimer Hauptbahnhof bereits einer von nur fünf zentralen Verknüpfungspunkten im Intercity-Netz der Deutschen Bundesbahn.

Ein grundlegender Umbau erfolgte zwischen 1977 und 1982 mit der Errichtung eines neuen, hochmodernen Gleisbildstellwerks (Typ SpDrS60), das zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme das größte von Siemens entwickelte Stellwerk war. Dies war der Beginn einer Reihe von weitreichenden Maßnahmen, die auch die Integration der Westlichen Einführung der Riedbahn und der Neubaustrecke nach Stuttgart vorbereiteten. Die Bahnsteige wurden in den Jahren 1978/1979 auf 76 Zentimeter erhöht und ihre Nutzlängen erweitert, um längere Züge aufnehmen zu können. 1980 wurden Fahrtreppen in Betrieb genommen, gefolgt von der westlichen Personenunterführung im Jahr 1981.

Mit der Inbetriebnahme der Westlichen Einführung der Riedbahn am 2. Juni 1985 entfiel der zeitaufwendige Fahrtrichtungswechsel für viele Züge, was die Attraktivität des Standorts weiter steigerte. Zwischen 1999 und 2001 wurde das Bahnhofsgebäude umfassend entkernt und modernisiert, wobei die historische Fassade erhalten blieb und eine beeindruckende Glaskuppel die Eingangshalle krönt. Diese Sanierung verwandelte den Bahnhof in ein modernes Einkaufs- und Dienstleistungszentrum. Für diese umfassende Erneuerung wurde der Mannheimer Hauptbahnhof am 14. Oktober 2005 von Allianz pro Schiene als „Bahnhof des Jahres 2005“ ausgezeichnet.

Bedeutung und Größe: Ein Drehkreuz im Herzen Europas

Der Mannheimer Hauptbahnhof ist ein zentraler Knotenpunkt im deutschen und europäischen Eisenbahnnetz. Seine strategisch günstige Lage macht ihn zum Treffpunkt zahlreicher Fernverkehrslinien. Täglich bedienen ihn (Stand 2009) 238 Fernverkehrszüge, 265 Regionalzüge und 155 S-Bahnen. Diese Überlagerung der Linien führt meist zu einem attraktiven Stundentakt in viele Richtungen.

Über Hochgeschwindigkeitsstrecken sind Metropolen wie Frankfurt am Main, Stuttgart, Basel, aber auch Paris, Marseille, Amsterdam und Mailand innerhalb weniger Stunden erreichbar. Seit Dezember 2016 wird Mannheim auch von ÖBB Nightjets angefahren, die Verbindungen nach Hamburg, Zürich und über Leipzig sogar nach Berlin und Prag bieten. Dies macht den Hauptbahnhof zu einer attraktiven Alternative zum Flugzeug für viele Verbindungen.

Wann öffnet der Hauptbahnhof Mannheim?
GeschäfteMontag05:30 – 20:00Freitag05:30 – 20:00Samstag07:00 – 20:00Sonntag08:00 – 20:00Feiertag08:00 – 20:00

Auch im Regionalverkehr ist Mannheim Hbf von großer Bedeutung. Er ist der meistfrequentierte Knotenpunkt für Busse und Bahnen des öffentlichen Personennahverkehrs im Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Direkte Regionalverbindungen bestehen unter anderem nach Frankfurt, Karlsruhe und Mainz. Seit Dezember 2022 verkehren an Wochenenden und Feiertagen auch Freizeitzüge wie der „Murgtäler Freizeitexpress“ und der „Bundenthaler“, die Ausflugsziele in der Region erschließen.

Die Bedeutung des Bahnhofs lässt sich auch anhand der Entwicklung der Fernzugzahlen ablesen:

ZeitraumTägliche Fernzug-Ankünfte/-Abfahrten (regelmäßig)Rang im Netz der Deutschen Bahn / ReichsbahnTägliche Reisende und BesucherRang in Baden-Württemberg (Reisende)
Sommerfahrplan 19399414Nicht verfügbarNicht verfügbar
Mitte der 1980er JahreNicht verfügbar (ca. 700 Zughalte gesamt)Nicht verfügbarca. 30.000 (Zu-/Aussteigende)Nicht verfügbar
Sommerfahrplan 198926910Nicht verfügbarNicht verfügbar
Sommerfahrplan 19963086Nicht verfügbarNicht verfügbar
Jahresfahrplan 20043325Nicht verfügbarNicht verfügbar
Um 2005Nicht verfügbarNicht verfügbarca. 65.2002
2020238 (Fernverkehr gesamt)Nicht verfügbarca. 118.0002

Diese Tabelle veranschaulicht die steigende Bedeutung des Bahnhofs im Fernverkehrsnetz bis in die frühen 2000er Jahre und seine konstant hohe Passagierzahl in Baden-Württemberg.

Ausstattung und Service: Mehr als nur Gleise

Das Empfangsgebäude des Mannheimer Hauptbahnhofs präsentiert sich heute als modernes Einkaufs- und Dienstleistungszentrum. Besucher gelangen über Fahrtreppen und Aufzüge in die Nord- und Süd-Unterführungen, die zu den Gleisen führen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Barrierefreiheit: Aufzugsanlagen, Rolltreppen und ein Leitsystem für Sehbehinderte ermöglichen allen Reisenden den eigenständigen Zugang zu den Bahnsteigen.

Für Reisende der ersten Klasse und Vielfahrer steht eine DB Lounge zur Verfügung. Eine wichtige soziale Einrichtung ist die Bahnhofsmission, die bereits seit 1897 am Bahnsteig 1 existiert. Ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich hier um mobilitätseingeschränkte Fahrgäste, alleinreisende Kinder, orientierungslose Menschen und andere Hilfsbedürftige.

Direkt am Bahnhofsvorplatz befindet sich zudem der Zentrale Omnibusbahnhof, der seit 2007 Fernbusverbindungen in zahlreiche europäische Metropolen bietet.

Das Unglück von 2014: Ein Blick zurück

Am Abend des 1. August 2014 ereignete sich im Mannheimer Hauptbahnhof ein schweres Unglück. Um 20:51 Uhr kam es zu einer Flankenfahrt zwischen einem Güterzug und dem EuroCity EC 216. Beide Züge fuhren auf parallelen Fahrstraßen in den Bahnhof ein, als es zum Zusammenstoß kam. Die Geschwindigkeiten lagen bei etwa 30 km/h bzw. 35 km/h.

Infolge der Kollision entgleisten fünf Wagen des EuroCitys, zwei davon stürzten um. Vom Güterzug entgleisten die Lokomotive und die ersten beiden Wagen, wobei zwei Container herabfielen. Von den 250 Reisenden im EuroCity, von denen sich 110 in den umgekippten Wagen befanden, wurden 35 verletzt, vier davon schwer.

Die Untersuchung des Unglücks durch die Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes ergab mehrere Fehler des Lokomotivführers des Güterzuges. Dieser hatte irrtümlich Signale auf der linken Seite beachtet, die für den EuroCity galten. Nach einer Zwangsbremsung setzte der Fahrer den Zug ohne Rücksprache mit dem Fahrdienstleiter wieder in Bewegung und fuhr an weiteren Halt zeigenden Signalen vorbei. Eine Weiche, die als Zwieschutzweiche sowohl den EuroCity als auch eine einfahrende S-Bahn schützen sollte, war auf das Gleis des EuroCity gestellt, was zur Flankenfahrt führte. Zudem stellte der Bericht fest, dass die Streckenkenntnis des Lokomotivführers nicht ausreichend nachgewiesen war und er die vorgeschriebene Mindestruhezeit nicht eingehalten hatte.

Das Unglück führte auch zu rechtlichen Konsequenzen. Im März 2016 wurde der Triebfahrzeugführer angeklagt und am 28. September 2016 wegen Gefährdung des Bahnverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Zukunftspläne und Erweiterungen: Weichen für morgen

Der Mannheimer Hauptbahnhof entwickelt sich stetig weiter. Im Rahmen des Ausbaus des Knotens Mannheim/Heidelberg wurde ab September 2014 der neue Bahnsteig F gebaut und im Dezember 2016 (Gleis 12) bzw. August 2017 (Gleis 11) in Betrieb genommen. Dieser 210 Meter lange Bahnsteig erforderte umfangreiche Umbauten an den Gleisanlagen. Die Gesamtinvestitionen beliefen sich auf rund 58,7 Millionen Euro.

Ist der Mannheimer Bahnhof groß?
Mannheim Hauptbahnhof ist mit 658 Zügen, davon 238 Fernverkehrszügen und etwa 118.000 Reisenden und Besuchern täglich (2020) nach Stuttgart Hauptbahnhof der zweithäufigst frequentierte Bahnhof in Baden-Württemberg. Er gehört zu den 86 Bahnhöfen (Stand 2021) der Preisklasse 2 von DB InfraGO.

Für die Zukunft sind weitere umfangreiche Projekte geplant, insbesondere im Rahmen des sogenannten Deutschlandtakts. Dieser sieht vor, Mannheim zu einem zentralen Vollknotenpunkt zu machen, an dem Fernverkehrslinien zur Minute 0 korrespondieren. Geplante Maßnahmen umfassen unter anderem den Einbau von „Schnellfahrweichen im Südkopf Mannheim“ zur Beschleunigung der Ein- und Ausfahrten. Diese Projekte, deren Baubeginn um 2031 erwartet wird, sind Teil eines Investitionsprogramms von über 600 Millionen Euro und gehören zu den prioritären Infrastrukturprojekten des Bundes.

Auch das Bahnhofsumfeld wird weiterentwickelt. Auf der Südseite entsteht das „Glückstein-Quartier“, das unter anderem ein neues Portalgebäude mit Service- und Einzelhandelsflächen sowie die Verlängerung des Gepäcktunnels als zusätzlichen Bahnsteigzugang vorsieht, um die häufig überlastete Süd-Unterführung zu entlasten und eine bessere Anbindung an den Busbahnhof zu schaffen.

Zusätzlich wird die Brücke über die Tunnelstraße in den Jahren 2022 bis 2024 für rund 45 Millionen Euro schrittweise erneuert.

Häufig gestellte Fragen zum Mannheimer Hauptbahnhof

Ist der Mannheimer Hauptbahnhof groß?
Ja, gemessen an den täglichen Reisenden und Zügen gehört er zu den wichtigsten und frequentiertesten Bahnhöfen in Deutschland und ist der zweitgrößte in Baden-Württemberg.

Welche Züge halten in Mannheim Hbf?
Es halten zahlreiche Fernverkehrszüge (ICE, IC, TGV, Nightjet), Regionalzüge und S-Bahnen. Auch Fernbusse fahren vom benachbarten Zentralen Omnibusbahnhof ab.

Gab es in Mannheim Hbf ein größeres Unglück?
Ja, am 1. August 2014 ereignete sich eine Flankenfahrt zwischen einem Güterzug und einem EuroCity, bei der mehrere Personen verletzt wurden.

Ist der Bahnhof barrierefrei?
Ja, der Bahnhof wurde umfassend saniert und verfügt über Aufzüge, Rolltreppen und Leitsysteme für Sehbehinderte, um einen barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen zu gewährleisten.

Wie ist der Bahnhof an den Nahverkehr angebunden?
Der Bahnhof ist ein zentraler Knotenpunkt für den öffentlichen Personennahverkehr (VRN) mit zahlreichen Straßenbahn- und Buslinien direkt am Bahnhofsvorplatz. Die Stadtbahnhaltestelle wurde kürzlich erweitert, um dem hohen Fahrgastaufkommen gerecht zu werden.

Der Mannheimer Hauptbahnhof ist ein lebendiger Ort, der Geschichte und Moderne verbindet und eine entscheidende Rolle für die Mobilität in der Region und weit darüber hinaus spielt. Mit kontinuierlichen Investitionen und ambitionierten Zukunftsplänen bleibt er ein zentraler Verkehrsknotenpunkt auf dem neuesten Stand der Technik.

Hat dich der Artikel Mannheim Hbf: Drehkreuz mit Geschichte & Zukunft interessiert? Schau auch in die Kategorie Gastronomie rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!

Avatar-Foto

Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

Go up