Ein markantes Wahrzeichen ragt über die Baumwipfel im Südosten Berlins hinaus: der Müggelturm. Eingebettet in die reizvolle Landschaft der Müggelberge, lockt dieser Aussichtsturm seit über einem Jahrhundert unzählige Besucher an, die von seiner Spitze einen unvergleichlichen Blick über Wälder, Seen und die ferne Stadt genießen möchten. Doch der Weg zum heutigen Turm war steinig und seine Geschichte ist reich an Wendungen, Zerstörung und immer wieder neuen Hoffnungen.

Begleiten Sie uns auf eine Reise durch die Zeit und erfahren Sie mehr über die Ursprünge, die Herausforderungen und die Zukunftsvisionen für dieses beliebte Berliner Ausflugsziel, das nicht nur mit seinem Panorama, sondern auch mit seinen zahlreichen Stufen eine Herausforderung und Belohnung zugleich darstellt.
Die Wurzeln des Turms: Vom Spindlerturm zum Pagodenbau
Die Geschichte des Müggelturms begann bescheiden im Jahr 1880. Carl Spindler, der Eigentümer der weit über Köpenick hinaus bekannten Wäscherei W. Spindler, nach der sogar ein ganzer Stadtteil benannt wurde (Spindlersfeld), ließ auf dem Kleinen Müggelberg einen hölzernen Aussichtsturm errichten. Dieser erste Turm war gerade einmal zehn Meter hoch und erhielt den Namen Spindlerturm. Seine geringe Höhe ermöglichte jedoch keine weite Fernsicht, weshalb er nur wenige Besucher anzog.
Spindler erkannte das Potenzial des Standortes und entschied sich für eine umfassende Erweiterung. 1889 beauftragte er den Architekten Max Jacob, einen neuen, größeren Turm zu planen. Für die damalige Zeit beachtliche 40.000 Mark entstand ein Bauwerk im exotischen chinesischen Pagodenstil. Dieser neue Turm erreichte eine Höhe von 27 Metern und wurde am Ostersonntag, dem 6. April 1890, eröffnet. Er besaß einen quadratischen Grundriss, der sich von 5 x 5 Metern am Boden auf 2,80 x 2,80 Meter an der Aussichtsplattform verjüngte. Wie sein Vorgänger war er aus Holz gebaut und mit Schindeln verkleidet. Im Turm befand sich auch ein Restaurant, dessen erster Gastwirt Carl Streichhahn war.
Der vergrößerte Turm entwickelte sich schlagartig zu einem Publikumsmagneten. Der atemberaubende Blick von der Aussichtsplattform, der bis zu 50 Kilometer weit über die Seen- und Waldlandschaft bis zur Berliner Stadtsilhouette reichte, begeisterte die Massen. Schon im Eröffnungsjahr 1890 zählte man beeindruckende 52.000 Besucher. Theodor Fontane beschrieb die Landschaft der Müggelberge um 1880, noch vor dem Pagodenbau, als eine Gegend, in der auf Quadratmeilen hin nur Wasser und Wald zu sehen war, fast unberührt von menschlicher Kultur.
Im Jahr 1924 erwarb der Baumeister Walter Wichelhaus den Turm und das umliegende Gelände. Er nahm in den folgenden Jahren weitere bauliche Veränderungen vor, ließ neue Gebäude für ein Restaurant, eine Küche und eine Wohnung für seine Familie errichten. Bei diesen Arbeiten stieß man auf vorgeschichtliche Funde, die Wichelhaus nutzte, um das Areal um eine kulturelle Attraktion zu erweitern. 1926 eröffnete er eine Ausstellung zur Geschichte des Müggellandes und der Müggelberge, die in Zusammenarbeit mit dem Märkischen Museum entstand. Die Schau präsentierte Funde und Informationen über die Stein-, Bronze- und Eisenzeit sowie über die Sprewanen, einen slawischen Stamm, der in der Region siedelte. Ein Mammut-Backenzahn war ein bekanntes Exponat. Die Ausstellung deutete auch auf die Existenz einer früheren großen Halle auf dem Berg hin, die den Sprewanen als Kultstätte gedient haben könnte.
Zur Verbesserung der Zugänglichkeit ließ Wichelhaus 1928 die beiden heute noch existierenden Treppen anlegen, die von den Ufern der umliegenden Gewässer auf den Berg führen. Die Treppe vom Teufelssee im Nordosten wurde mit 111 Stufen gebaut, die südliche Treppe von der ehemaligen Gaststätte Marienlust an der Dahme sogar mit 374 Stufen. Beide Treppen wurden 1953 erneuert.
Die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs hatten auch Auswirkungen auf den Müggelturm. 1942 wurden die Museumsbestände in die Gaststätte Schmetterlingshorst ausgelagert, wo sie zusammen mit einer Schmetterlingssammlung gezeigt wurden. Beide Sammlungen gingen später bei einem Bombenangriff verloren. Gegen Kriegsende, im April 1945, wurde der Turm von den Nationalsozialisten zum militärischen Objekt erklärt und als Funk- und Beobachtungsposten genutzt. Es gab Pläne, den Turm wie die benachbarte Bismarckwarte zu sprengen, um ihn nicht der Roten Armee zu überlassen. Doch Walter Wichelhaus, der damalige Gastwirt, verhinderte die Sprengung heldenhaft, indem er die Zündkabel durchtrennte.
Nach dem Krieg wurde der Gaststättenbetrieb wieder aufgenommen. 1953 übernahm die Handelsorganisation (HO) Köpenick den Betrieb des Areals. Doch der hölzerne Turm war in die Jahre gekommen. Im Januar 1957 musste er wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Es gab Pläne, ihn durch ein neues Fundament und eine Stahlkonstruktion zu stabilisieren und zu erweitern. Tragischerweise brach am Nachmittag des 19. Mai 1958 bei mutmaßlichen Schweißarbeiten ein Feuer aus, das den historischen Turm vollständig zerstörte. Dies machte den Weg frei für einen kompletten Neubau an gleicher Stelle.
Der heutige Müggelturm: Ein Denkmal mit Herausforderungen
Der heutige Aussichtsturm, der in den Jahren 1960/1961 neu errichtet wurde, steht seit Mai 1995 zusammen mit dem Gastronomiebereich unter Denkmalschutz. Das Berliner Landesdenkmalamt würdigte seine Bedeutung als „populäre und weithin sichtbare Landmarke“ im Berliner Landschaftsbild.
Die Erreichbarkeit des Turms ist nach wie vor ein Thema. Die traditionellen Wege über die Treppen sind beliebt, erfordern aber Kondition. Die Treppe vom Teufelssee hat 111 Stufen, die von Marienlust beeindruckende 374 Stufen. Für Autofahrer gibt es eine Zufahrt vom Müggelheimer Damm, die jedoch nur bis zu einem Parkplatz einige hundert Meter vor dem Gipfelplateau genutzt werden darf. Direkt am Turmfuß ist laut Besitzer ein ausgewiesener Parkplatz vorhanden. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, kann den Bus 169 der BVG nutzen, muss aber anschließend noch einen Fußweg von über einem Kilometer durch den Wald in Kauf nehmen.
Der Aufstieg zur Aussichtsplattform im Inneren des heutigen Turms führt über 126 Stufen. Diese führen auf eine Höhe von fast 30 Metern über dem Erdboden und belohnen die Mühe mit dem bereits erwähnten herrlichen Panoramablick.
Eine turbulente Nachwendezeit und neue Perspektiven
Nach der deutschen Wiedervereinigung durchlief das Müggelturm-Areal eine lange Phase der Unsicherheit und wechselnder Eigentümer. 1991 von der Treuhandanstalt verkauft, blieben die Eigentumsverhältnisse zunächst unklar, was Investitionen verhinderte. 1995 erwarb das Land Berlin die Immobilie zurück und übertrug die Verwaltung später an den landeseigenen Liegenschaftsfonds.
Es folgten mehrere gescheiterte Privatisierungsversuche mit unterschiedlichen Konzepten, darunter Hotelpläne, die am Flächennutzungsplan scheiterten, und der Vorschlag einer „Burganlage“, der als zu massiv abgelehnt wurde. Ausschreibungen des Liegenschaftsfonds brachten keine tragfähigen Angebote hervor, selbst als die Bedingungen investorenfreundlicher gestaltet wurden und sogar den Abriss der Gastronomie ermöglichten.
Im Januar 2005 schien eine Lösung gefunden, als die PM Gewerbe- und Verwaltungs GmbH den Zuschlag erhielt und Pläne für ein umfangreiches Hotel- und Gastronomieprojekt präsentierte. Doch Ende 2005 zog sich die PM GmbH zurück.
Ein weiterer Versuch startete im Dezember 2007, als der Investor Marc Förste das Grundstück erwarb. Der Vertrag war an die Auflage gebunden, innerhalb von drei Jahren einen Bauantrag vorzulegen. Förste scheiterte daran, und trotz anfänglichen Widerstands gelang dem Liegenschaftsfonds Ende 2011 der formelle Rücktritt vom Kaufvertrag. Erst Anfang 2014, nach einem verlorenen Prozess Förstes, wurde das Land Berlin wieder Eigentümer, was den Weg für einen neuen Investor freimachte.
Seit Mai 2014 ist der Köpenicker Immobilienentwickler Matthias Große der bestätigte Eigentümer des Müggelturm-Areals. Er kündigte umfassende Pläne zur Wiederbelebung an, darunter die Sanierung des Turmes, den Bau eines deutsch-italienischen Restaurants, eines Imbisses, einer Sonnenterrasse mit Pool und Flächen für Veranstaltungen. Auch regelmäßige Kulturveranstaltungen sind vorgesehen.
Nachdem sich die Genehmigungsverfahren verzögerten – unter anderem wegen des Wunsches, öffentliche Flächen für einen barrierefreien Zugang hinzuzuerwerben, und fehlender Brandschutzgutachten – konnten die Arbeiten Ende 2015 beginnen. Im Frühjahr 2017 wurde bereits die Baude am Turmfuß wiedereröffnet, die kleine Speisen, Kaffee und Kuchen anbietet. Der Bau einer größeren Gaststätte und Pläne für ein Freiluftkino folgten.
Zukunftsprojekte: Der Weg zur Barrierefreiheit
Eine der größten Herausforderungen und wichtigsten Zukunftspläne betrifft die Barrierefreiheit des Turmes. Die Aussichtsplattform ist derzeit nur über die 126 Stufen im Inneren erreichbar, was Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Zugang verwehrt. Ein erster Vorschlag für einen außen angebrachten Fahrstuhl wurde vom Denkmalamt abgelehnt.
Eine überraschende und innovative Idee kam im Frühjahr 2019 auf: die Errichtung eines zweiten, baugleichen und außen identischen Turmes direkt neben dem bestehenden. Dieser Zwillingsturm soll einen Fahrstuhl beherbergen und auf Höhe der Aussichtsetage über einen Übergang mit dem Originalturm verbunden werden. Diese Lösung würde nicht nur einen barrierefreien Zugang ermöglichen, sondern auch die Kapazität auf der Plattform fast verdoppeln.
Der ursprüngliche Architekt des heutigen Turms, Siegfried Wagner, reagierte zunächst kritisch auf den Vorschlag eines zweiten Turms. Nach Gesprächen mit dem Denkmalamt und dem Investor sowie einer öffentlichen Diskussion ließ er sich jedoch überzeugen, dass ein barrierefreier Zugang ein großer Fortschritt für das Bauwerk ist. Anfang März 2019 wurde ein akzeptierter Vorschlag vorgestellt, der den Bau eines zweiten Turms mit Fahrstuhl vorsieht, der über eine Verbindung zur Plattform des bestehenden Turms verfügen soll. Interessanterweise könnte dieser zweite Turm nach den ursprünglichen Bauentwürfen sogar eine ovale Form erhalten. Eine Skizze dazu lieferte Thomas Wagner, der Sohn des Architekten.
Informationen vom Ende 2020 bestätigten die grundsätzliche Einigkeit aller Beteiligten bezüglich der Schaffung von Barrierefreiheit. Präzise Baupläne des Investors werden noch erwartet, um die notwendigen Entscheidungen treffen zu können. Matthias Große äußerte die Hoffnung, dass das Projekt für den Zusatzbau bereits 2021 beginnen könnte, um den Turm allen Besuchern zugänglich zu machen.
Der unvergleichliche Ausblick
Unabhängig von den Bauarbeiten und Zukunftsplänen bleibt der Hauptgrund für einen Besuch des Müggelturms der atemberaubende Panoramablick. Von der Spitze des Turmes erstreckt sich bei guter Fernsicht ein weiter Rundblick über die Region.
Im Nordwesten ist die charakteristische Stadtsilhouette Berlins zu erkennen. Nach Südwesten fällt der Blick auf die imposante Halle des Tropical Islands. Im Westen ist die Einflugschneise des Flughafens Berlin Brandenburg (BER), der etwa acht Kilometer entfernt liegt, deutlich auszumachen. Doch auch die nähere Umgebung, die dichten Wälder der Müggelberge und die spiegelnden Flächen des Müggelsees und des Langen Sees, bieten ein beeindruckendes Naturschauspiel, das zu jeder Jahreszeit seinen Reiz hat.
Besitzer des Müggelturms im Wandel der Zeit
Die Eigentumsverhältnisse des Müggelturms haben sich im Laufe seiner über 140-jährigen Geschichte mehrfach geändert:
- Ab 1880: Carl Spindler
- Vor 1902: Karl Streichhan
- 1924–1945: Walter Wichelhaus
- 1953–1990: Handelsorganisation (HO) Köpenick
- 1995–2001: Bezirksverwaltung Treptow-Köpenick
- Seit 2015: Matthias Große
Häufig gestellte Fragen zum Müggelturm
Wie viele Stufen hat der Müggelturm im Inneren?
Der Aufstieg zur Aussichtsplattform des heutigen Müggelturms führt über 126 Stufen.
Wie viele Stufen haben die Treppen, die zum Turm hinaufführen?
Es gibt zwei bekannte Treppenwege zum Turmplateau:
- Die Treppe vom Teufelssee hat 111 Stufen.
- Die Treppe von Marienlust hat 374 Stufen.
Kann man den Müggelturm mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen?
Ja, eine Anfahrt ist mit der BVG-Buslinie 169 möglich, allerdings schließt sich von der Haltestelle ein Fußweg von über einem Kilometer durch den Wald an.
Gibt es Parkmöglichkeiten am Müggelturm?
Es gibt einen Parkplatz einige hundert Meter vor dem Plateau. Direkt am Turmfuß gibt es laut Besitzer einen ausgewiesenen Parkplatz.
Ist der Müggelturm barrierefrei zugänglich?
Derzeit nicht. Die Aussichtsplattform ist nur über die 126 Stufen im Inneren erreichbar. Es gibt jedoch konkrete Pläne zum Bau eines zweiten Turms mit Fahrstuhl, um Barrierefreiheit zu schaffen.
Was ist mit dem historischen Müggelturm passiert?
Der zweite, hölzerne Turm im Pagodenstil brannte 1958 bei Renovierungsarbeiten vollständig ab.
Wer ist der aktuelle Eigentümer des Müggelturms?
Seit 2015 ist der Köpenicker Immobilienentwickler Matthias Große der bestätigte Eigentümer.
Fazit
Der Müggelturm ist ein faszinierendes Stück Berliner Geschichte und ein beliebtes Ausflugsziel, das viel mehr bietet als nur einen schönen Blick. Seine bewegte Vergangenheit, die Herausforderungen der letzten Jahrzehnte und die spannenden Zukunftspläne, insbesondere im Hinblick auf die Schaffung von Barrierefreiheit, machen ihn zu einem Ort, der sich ständig weiterentwickelt. Ob über die Stufen der Waldwege oder die 126 Stufen im Turm – der Aufstieg lohnt sich und verspricht ein unvergessliches Panorama über die einzigartige Landschaft rund um Berlin.
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