Wem gehört das Nikolauskloster?

Das Nikolauskloster: Geschichte und Markt

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Das Nikolauskloster, ein Ort reich an Geschichte und Tradition, lädt dazu ein, seine Vergangenheit zu erkunden und die Gegenwart zu erleben. Es ist nicht nur ein Ort der Einkehr und der Seelsorge, sondern auch Schauplatz eines beliebten vorweihnachtlichen Marktes. Tauchen wir ein in die wechselvolle Geschichte dieses besonderen Ortes.

Wann ist der Nikolausmarkt im Nikolauskloster?
Jedes Jahr, am Samstag und Sonntag vor dem 1. Advent (Christkönigsonntag/Volkstrauertag), laden wir zum Nikolausmarkt ein. Neben regionaler Handwerkskunst bieten Aussteller in dieser vorweihnachtlichen Zeit ihre Produkte an.

Eine Reise durch die Jahrhunderte: Die Geschichte des Nikolausklosters

Die Ursprünge des Nikolausklosters liegen im Dunkeln des Mittelalters, umwoben von Legenden. Es wird erzählt, dass eine St.-Nikolaus-Kapelle bereits im 12. Jahrhundert existierte. Die erste gesicherte schriftliche Erwähnung der Kapelle findet sich jedoch erst viel später, am 25. Februar 1398, unter dem Namen „Sinter Claes“. Dieser Name zeugt von der frühen Verehrung des Heiligen Nikolaus an diesem Ort.

Von Einsiedlern und Franziskanern: Die mittelalterliche Gründung

Eine entscheidende Wende nahm die Geschichte des Ortes im Jahr 1401. Der Einsiedler Heinrich von der Blume, der vom nahegelegenen Blumenhof in Lüttenglehn stammte, ließ sich hier nieder. Er nahm die bereits bestehende Kapelle und eine dort befindliche Wohnung in seinen Besitz. Sein Beispiel zog weitere Menschen an. Fünf oder sechs Personen schlossen sich Heinrich von der Blume an. Gemeinsam legten sie im Jahr 1403 die Profess nach der Regel der Regulartertiarier des heiligen Franziskus ab. Dies markiert die offizielle Gründung einer klösterlichen Gemeinschaft an diesem Ort.

Die Bedeutung des Klosters wuchs. Im Jahr 1451 wurde eine neue Kirche errichtet, ein Zeichen für die wachsende Gemeinschaft und ihre Bedürfnisse. Seit 1403 war das Nikolauskloster nicht nur ein Ort des Gebets und der Gemeinschaft, sondern entwickelte sich auch zum Hauskloster und zur Grablege der Herren von den Dyck, später bekannt als die Grafen von Salm-Reifferscheid. Diese Verbindung sollte über Jahrhunderte bestehen bleiben und die Geschicke des Klosters maßgeblich beeinflussen.

Wechselvolle Zeiten in der Neuzeit

Das heutige Erscheinungsbild des Nikolausklosters wurde zwischen 1715 und 1746 geprägt, als die Klostergebäude in ihrer heutigen Form errichtet oder umgebaut wurden. Doch die Stabilität währte nicht ewig. Die Zeit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte tiefgreifende Veränderungen mit sich.

Im Jahr 1802 wurde das Kloster säkularisiert und ging in den Besitz des französischen Staates über. Zunächst wurde das Anwesen verpachtet. Kurz darauf, im Jahr 1804, wurde es der Ehrenlegion zugewiesen. Die Nutzung änderte sich rasch erneut, als das Kloster 1805 zur Begleichung von Kriegsschulden einem französischen Armeelieferanten überlassen wurde. Dies zeigt, wie das Kloster in dieser turbulenten Zeit zum Spielball politischer und wirtschaftlicher Interessen wurde.

Auch die kirchliche Zuordnung änderte sich. Mit der erstmaligen Errichtung des Bistums Aachen im Jahr 1802 wurde das Gebiet von St. Nikolaus der Pfarrei Glehn zugewiesen. Die Klosterkirche wurde aufgegeben. Ihre reiche Ausstattung, darunter der barocke Hochaltar, wurde verkauft oder an andere Kirchen abgegeben und ging damit für das Kloster verloren. Eine traurige Zäsur in der langen Geschichte des Gotteshauses.

Rückkehr in den Besitz der Familie Salm-Dyck und neue Nutzungen

Eine wichtige Wende ereignete sich am 6. Mai 1806. Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck erwarb das Kloster zusammen mit einem umfangreichen Ländereibesitz von 103 Hektar und 50 Ar zurück. Damit kehrte das Anwesen in den Besitz der Familie zurück, die bereits im Mittelalter eng mit dem Kloster verbunden war.

Die Familie Salm-Dyck verpachtete das Kloster zunächst, und die Kirche diente profanen Zwecken, unter anderem als Vorratskammer. Doch es gab auch Bemühungen, das Anwesen anderweitig zu nutzen. Zwischen 1842 und 1854 beherbergten die Klosterräume eine Ackerbauschule. Dies zeigt die landwirtschaftliche Prägung der Region und den Versuch, Bildung und Praxis zu verbinden.

In den folgenden Jahren ließ der damalige Fürst Joseph die Kirche restaurieren und mit einer neuen Einrichtung versehen. Dazu gehörte unter anderem ein neugotischer Altar, der den Verlust der ursprünglichen Ausstattung teilweise kompensierte. Die kirchliche Bedeutung des Ortes sollte wiederhergestellt werden. Durch ein Dekret des Kölner Erzbischofs Kardinal von Geissel wurde St. Nikolaus aus dem Pfarrverband Glehn herausgelöst und in die Pfarrei Bedburdyck inkorporiert. Dies ebnete den Weg für die Wiederaufnahme des Gottesdienstes.

Am 10. August 1860 konnte der erste Gottesdienst nach langer Unterbrechung wieder gefeiert werden. Die Wiederbelebung der Klosterkirche stand zu dieser Zeit in erster Linie im Zusammenhang mit ihrer historischen Bedeutung als Grablege der Altgrafen zu Salm-Reifferscheidt-Dyck. Sie sollte wieder als solche genutzt werden, was die tiefe Verwurzelung der Familie mit diesem Ort unterstreicht.

Die Ära der Oblaten

Fürst Alfred zu Salm-Reifferscheidt, der 1893 die Erbfolge angetreten hatte, suchte spätestens seit 1899 aktiv nach einem Männerorden, der sich in den Klostergebäuden ansiedeln sollte. Erste Kontakte zu den Oblaten bestanden seit 1901. Die Oblaten M.I. (Missionare Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria) zeigten Interesse an einer Niederlassung.

Ab Oktober 1904 fanden konkrete Verhandlungen zwischen Fürst Alfred und den Oblaten statt. Vertreten wurden die Oblaten dabei von Pater Max Kassiepe. Diese Verhandlungen führten im Januar 1905 zu einem offiziellen Vertrag. Die Oblaten, die bereits eine Niederlassung in Hünfeld bei Fulda hatten, eröffneten am 6. Oktober 1905 ihre siebte Niederlassung im Nikolauskloster. Pater Max Kassiepe wurde der erste Superior (1905–1910) dieser neuen Gemeinschaft.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Nikolauskloster unter der Leitung der Oblaten zu einem wichtigen Zentrum der katholischen Volksmission. Die Patres des Klosters waren weit über die Region hinaus aktiv. Sie predigten von St. Nikolaus aus in der Regel ein- bis zweiwöchige Missionen in zahlreichen Gemeinden, insbesondere im Ruhrgebiet und im Rheinland. Ihre Arbeit trug maßgeblich zur Verkündigung des Glaubens in dieser Zeit bei.

Auch während des Zweiten Weltkrieges spielte das Kloster eine besondere Rolle. Ab Oktober 1944 diente es als Lazarett für verwundete Soldaten. Als Folge dieser Nutzung wurde 1945 auf dem Klostergelände ein Soldatenfriedhof eingerichtet, der bis heute an die Opfer dieser Zeit erinnert.

Wem gehört das Nikolauskloster?
St. Nikolaus war seit 1403 Hauskloster und ist bis heute Grablege der Herren von den Dyck, den Grafen von Salm-Reifferscheid.

Neue Wege und heutige Nutzung

Nach dem Krieg passten sich die Oblaten den sich ändernden Bedürfnissen an. Im Jahr 1953 eröffneten sie im Nikolauskloster ein Studienheim für Spätberufene. Dieses bot Männern, die erst später im Leben ihren Weg zum Priestertum oder Ordensleben fanden, eine Möglichkeit zur Ausbildung. Aus diesem Studienheim ging 1976 die Blaskapelle „Die fidelen Trachtenmusikanten von St. Nikolaus“ hervor, die bis heute existiert, wenngleich sie inzwischen vom Kloster unabhängig ist.

Aufgrund mangelnder Resonanz wurde das Studienheim Ende der 2000er Jahre geschlossen. Die Oblatenpatres sind jedoch weiterhin im Kloster aktiv und haben ihre Arbeit neu ausgerichtet. Heute betreiben sie im Kloster ein Zentrum für Kinder- und Familienpastoral. Um dieser neuen Ausrichtung gerecht zu werden, wurde 2016 eine alte Turnhalle auf dem Gelände umgebaut und zur „Kinder- und Familienkirche“ umfunktioniert. Damit bleibt das Nikolauskloster ein lebendiger Ort des Glaubens und der Gemeinschaft, der sich den aktuellen pastoralen Herausforderungen stellt.

Der Nikolausmarkt: Vorfreude auf Weihnachten im Kloster

Neben seiner reichen Geschichte ist das Nikolauskloster heute auch bekannt für seinen stimmungsvollen Nikolausmarkt. Dieser Markt hat sich zu einem beliebten Treffpunkt in der Vorweihnachtszeit entwickelt und zieht Besucher aus nah und fern an.

Der Markt findet traditionell jedes Jahr am Wochenende vor dem 1. Advent statt. Dies fällt auf den Christkönigssonntag bzw. Volkstrauertag. An diesem Wochenende verwandelt sich das Klostergelände in ein festliches Ambiente, das auf die bevorstehende Weihnachtszeit einstimmt.

Besucher können sich auf ein vielfältiges Angebot freuen. Zahlreiche Aussteller präsentieren regionale Handwerkskunst sowie eine breite Palette an Produkten, die sich hervorragend als Weihnachtsgeschenke eignen oder einfach nur Freude bereiten. Die Atmosphäre ist geprägt von Gemütlichkeit und vorweihnachtlicher Stimmung.

Auch für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Typische Marktleckereien wie Reibekuchen und Grillwurst dürfen natürlich nicht fehlen. Dazu gibt es wärmenden Punsch und feine Köstlichkeiten aus der hauseigenen Klosterbäckerei. Diese süßen und herzhaften Genüsse runden den Besuch auf dem Markt perfekt ab.

Ein besonderes Highlight, vor allem für die jüngeren Besucher, ist der Besuch des Heiligen Nikolaus. An beiden Tagen des Marktes schaut der Nikolaus vorbei, um die Kinder zu besuchen und kleine Geschenke zu verteilen. Dies lässt Kinderaugen strahlen und trägt zur magischen Atmosphäre des Marktes bei.

Hier sind die Termine für die kommenden Jahre, damit Sie Ihren Besuch planen können:

JahrSamstagSonntag
202423.11.2024, 12:00 – 19:00 Uhr24.11.2024, 11:00 – 18:00 Uhr
202522.11.2025, 12:00 – 19:00 Uhr23.11.2025, 11:00 – 18:00 Uhr

Der Nikolausmarkt im Nikolauskloster ist somit mehr als nur ein Markt – er ist ein Erlebnis, das Geschichte, Handwerk, Genuss und vorweihnachtliche Freude auf einzigartige Weise verbindet.

Häufig gestellte Fragen zum Nikolauskloster

Wem gehört das Nikolauskloster heute?

Nachdem das Kloster im Laufe der Geschichte verschiedene Eigentümer hatte, darunter der französische Staat und die Familie Salm-Reifferscheidt-Dyck, wird es heute von den Missionaren Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria (Oblaten M.I.) betrieben, die dort ein Zentrum für Kinder- und Familienpastoral unterhalten.

Was ist die Hauptnutzung des Klosters heute?

Heute dient das Nikolauskloster als Zentrum für Kinder- und Familienpastoral der Oblaten M.I. Es gibt eine eigens dafür errichtete Kinder- und Familienkirche auf dem Gelände.

Wann findet der Nikolausmarkt statt?

Der Nikolausmarkt im Nikolauskloster findet jedes Jahr am Wochenende vor dem 1. Advent statt, typischerweise am Samstag und Sonntag.

Was kann man auf dem Nikolausmarkt finden?

Der Markt bietet regionale Handwerkskunst, Produkte verschiedener Aussteller, sowie Speisen und Getränke wie Reibekuchen, Grillwurst, Punsch und Leckereien aus der Klosterbäckerei. Der Heilige Nikolaus besucht den Markt ebenfalls.

Gibt es noch Spuren der früheren Nutzungen, wie der Ackerbauschule oder des Lazaretts?

Während die Ackerbauschule und das Lazarett frühere Nutzungen waren, die nicht mehr aktiv sind, erinnert der Soldatenfriedhof auf dem Klostergelände an die Zeit, als das Kloster als Lazarett diente.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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