Das Gasthaus Pöschl in der Wiener Weihburggasse ist weit mehr als nur ein Restaurant; es ist eine Institution, ein Ort, an dem die Zeit ein wenig langsamer zu ticken scheint und die altösterreichische Küche in ihrer reinsten Form zelebriert wird. Lange Jahre stand dieses kulinarische Kleinod unter der Ägide von zwei schillernden Persönlichkeiten der Wiener Szene: dem Schauspieler Hanno Pöschl und der renommierten Kochhistorikerin Andrea Karrer. Ihre gemeinsame Vision prägte das Lokal und machte es zu einem beliebten Treffpunkt für Liebhaber traditioneller Gerichte. Doch wie bei vielen etablierten Orten gab es auch hier einen bedeutenden Wandel, der die Zukunft dieses besonderen Gasthauses neu gestaltet hat.

Über viele Jahre hinweg waren Hanno Pöschl und Andrea Karrer die treibenden Kräfte hinter dem Gasthaus Pöschl. Sie führten das Lokal mit Leidenschaft und einem tiefen Verständnis für die österreichische Kulinarik. Andrea Karrer, bekannt als großartige Köchin, Kochhistorikerin und Autorin zahlreicher Bücher, brachte ihr immenses Wissen und ihre Expertise direkt in die Küche des Gasthauses ein. Ihr Anspruch war es, fast vergessene Gerichte der altösterreichischen Küche wieder auf die Speisekarte zu holen und ihnen zu neuem Glanz zu verhelfen. So fanden sich auf der Karte Spezialitäten wie Reisfleisch, Bruckfleisch, Vanillerostbraten oder auch ein klassischer Reisauflauf – Gerichte, die in vielen modernen Restaurants kaum noch zu finden sind. Andrea Karrer konnte, ähnlich wie ihr Mann über Architektur, stundenlang über die perfekte Konsistenz von Semmelbröseln oder die feinen Nuancen traditioneller Rezepte referieren. Diese Hingabe zur Authentizität und Qualität war das Herzstück des kulinarischen Angebots im Gasthaus Pöschl unter ihrer Leitung. Die Atmosphäre des Lokals, das einst den Namen „Immervoll“ trug, wurde durch die Persönlichkeiten seiner Betreiber geprägt – eine Mischung aus Wiener Charme, kulturellem Flair und unprätentiöser Gemütlichkeit.
Hanno Pöschl: Vom Filmset an den Herd (und zurück)
Hanno Pöschl ist eine jener vielseitigen Persönlichkeiten, die das kulturelle Leben Wiens prägen. Bevor er sich dem Gastgewerbe zuwandte, durchlief er eine bemerkenswerte Karriere als Schauspieler. Seine Vita liest sich wie das Drehbuch zu einem spannenden Film: Nach einer abgeschlossenen Konditorlehre arbeitete er unter anderem als Wagenwäscher, Automechaniker, Vertreter, Asphaltierer, Kerzenerzeuger oder auch Chauffeur. Diese frühen, bodenständigen Erfahrungen mögen überraschen, zeigen aber die Vielschichtigkeit eines Mannes, der stets neue Wege ging.
Der Weg zur Schauspielerei führte ihn über die Schauspielschule Lamert-Offer und eine Zeit als Regieassistent und sogar Artist beim Circus Roncalli. Sein schauspielerisches Talent zeigte sich bald auf den Bühnen Wiens, darunter am Ensemble Theater Wien, Akademietheater Wien und am Schauspielhaus Wien. Ab 1992 gehörte er dem renommierten Wiener Burgtheater an, wo er mit namhaften Regisseuren zusammenarbeitete und in Stücken von Molnár, Nestroy und Brecht auftrat. Parallel dazu entwickelte sich seine Film- und Fernsehkarriere. Seine erste große Filmrolle hatte er bereits 1979 in Maximilian Schells „Geschichten aus dem Wienerwald“. In den 1980er Jahren wurde er zu einem gefragten Darsteller in deutschen Fernsehproduktionen, oft in Rollen, die Figuren der Halbwelt verkörperten – ein Beweis für seine Wandlungsfähigkeit und Präsenz. Internationale Bekanntheit erlangte er durch Auftritte in Filmen wie dem James Bond Streifen „Der Hauch des Todes“ (1987) oder dem US-Film „Before Sunrise“ (1995). Über viele Jahre hinweg prägte er auch das Bild des sympathischen Mechanikers Max in der beliebten RTL-Serie „Medicopter 117“, wo er von 1997 bis 2006 eine feste Größe war. Auch in Krimiserien wie „Der Bulle von Tölz“ bewies er sein Können. Eine wichtige Nebenrolle übernahm er 2008 in Götz Spielmanns Oscar-nominiertem Film „Revanche“. Hanno Pöschl hat sich inzwischen weitestgehend von der aktiven Schauspielerei zurückgezogen.
Neben dem Gasthaus Pöschl betrieb Hanno Pöschl seit 1976 erfolgreich das legendäre „Kleine Café“ am Franziskanerplatz, ein architektonisches Juwel, das vom berühmten Architekten Hermann Czech gestaltet wurde. Pöschl selbst ist ein profunder Kenner von Czechs Werk und konnte, wie es heißt, stundenlang über dessen subtile architektonische Details dozieren. Das Kleine Café ist bis heute ein beliebter Treffpunkt und spiegelt Pöschls Gespür für besondere Orte wider. Diese Erfahrung im Gastgewerbe, kombiniert mit seiner künstlerischen Seele, brachte eine einzigartige Note in das Gasthaus Pöschl ein.

Andrea Karrer: Leidenschaft für die österreichische Tafelkultur
Die kulinarische Identität des Gasthauses Pöschl unter der früheren Führung ist untrennbar mit dem Namen Andrea Karrer verbunden. Ihre Expertise ging weit über das reine Kochen hinaus. Als ausgewiesene Kochhistorikerin erforschte sie die Ursprünge und Entwicklungen traditioneller österreichischer Gerichte und brachte dieses Wissen zurück in die Praxis. Sie war eine Verfechterin der Verwendung hochwertiger, regionaler Zutaten und legte großen Wert auf die handwerkliche Zubereitung nach überlieferten Rezepten. Ihre Fähigkeit, selbst einfache Gerichte wie Reisfleisch oder Bruckfleisch zu wahren Gaumenfreuden zu erheben, basierte auf einem tiefen Verständnis für Aromen, Texturen und die Geschichte hinter jedem Gericht. Andrea Karrer ist auch eine erfolgreiche Autorin von Kochbüchern, in denen sie ihr Wissen und ihre Leidenschaft teilt. Die Speisekarte im Gasthaus Pöschl war somit nicht einfach eine Liste von Gerichten, sondern eine kulinarische Zeitreise durch die österreichische Küche, kuratiert von einer Expertin. Ihre Präsenz und ihr Engagement in der Küche und im Lokal sorgten dafür, dass die Gäste authentische und liebevoll zubereitete Speisen genießen konnten, die oft Erinnerungen an Großmutters Küche weckten. Ihr möglicherweise zukünftiges gelegentliches Engagement im Kleinen Café lässt hoffen, dass ihre Kochkünste auch weiterhin in Wien erlebbar bleiben.
Ein neues Kapitel: Der Übergang
Nach vielen erfolgreichen Jahren haben sich Hanno Pöschl und Andrea Karrer entschieden, das Gasthaus Pöschl zu verkaufen. Diese Entscheidung markierte das Ende einer Ära für das Lokal. Die gute Nachricht für alle Liebhaber des Gasthauses ist jedoch, dass es in vertrauensvolle Hände übergegangen ist. Der neue Inhaber ist Zbigniew Stoch, ein langjähriger Mitarbeiter des Hauses. Diese Übergabe an jemanden, der das Lokal und seine Werte aus dem Effeff kennt, weckt große Hoffnungen. Ein langjähriger Mitarbeiter weiß in der Regel am besten, was ein solches „Juwel“ ausmacht und wie wichtig es ist, dessen Charakter und Traditionen zu bewahren. Die Kontinuität durch die Übernahme durch einen erfahrenen Mitarbeiter ist oft der beste Weg, um sicherzustellen, dass die Seele eines Ortes erhalten bleibt. Es ist zu hoffen, dass Zbigniew Stoch die kulinarische Philosophie, die das Gasthaus Pöschl unter Hanno Pöschl und Andrea Karrer so besonders gemacht hat – die Pflege der altösterreichische Gerichte und die Wertschätzung für Qualität und Authentizität – fortführen wird. Der Verkauf erfolgte, wie aus den Informationen hervorgeht, um das Jahr 2019, und seitdem liegt die Verantwortung für das Fortbestehen dieses traditionsreichen Ortes in den Händen des neuen Inhabers.
Was macht das Gasthaus Pöschl zu einem einzigartigen Ort?
Das Gasthaus Pöschl unterscheidet sich von vielen anderen Restaurants in Wien durch mehrere Faktoren. Erstens ist es die unerschrockene Konzentration auf die altösterreichische Gerichte, die andernorts kaum noch angeboten werden. Hier findet man keine experimentelle Fusionsküche, sondern ehrliche, bodenständige Speisen, die auf alten Rezepten basieren und mit Sorgfalt zubereitet werden. Diese Bewahrung der kulinarischen Geschichte Österreichs ist ein wichtiger Beitrag zur Wiener Esskultur. Zweitens ist es die Geschichte des Lokals, die eng mit den Persönlichkeiten von Hanno Pöschl und Andrea Karrer verbunden ist. Ihre Hintergründe – seine als Schauspieler und Betreiber des Kleines Café, ihre als Kochhistorikerin – verliehen dem Ort eine besondere Aura. Man spürte die Liebe zur Kultur und zur Tradition in jedem Detail. Drittens ist es die Lage in der Weihburggasse, mitten im Herzen Wiens, die es zu einem leicht erreichbaren Ziel für Einheimische und Touristen gleichermaßen macht, die das authentische Wien erleben möchten. Die Kombination aus historischem Ambiente, exzellenter traditioneller Küche und einer Geschichte, die mit prominenten Wienern verknüpft ist, macht das Gasthaus Pöschl zu einem wahren Schatz.
Häufig gestellte Fragen zum Gasthaus Pöschl
- Wem gehört das Gasthaus Pöschl aktuell?
- Das Gasthaus Pöschl gehört aktuell Zbigniew Stoch, einem langjährigen Mitarbeiter des Lokals, der es von Hanno Pöschl und Andrea Karrer übernommen hat.
- Wer waren die früheren Besitzer?
- Das Gasthaus wurde lange Zeit von dem Schauspieler Hanno Pöschl und seiner Frau, der Kochhistorikerin und Autorin Andrea Karrer, geführt.
- Welche Art von Küche wird im Gasthaus Pöschl angeboten?
- Das Gasthaus Pöschl ist bekannt für die Zubereitung fast vergessener altösterreichischer Gerichte nach traditionellen Rezepten, wie Reisfleisch, Bruckfleisch oder Vanillerostbraten.
- Ist Hanno Pöschl noch im Gasthaus tätig?
- Nein, Hanno Pöschl hat das Gasthaus Pöschl verkauft und sich weitestgehend aus dem Gastgewerbe zurückgezogen, abgesehen vom Kleines Café, das er weiterhin betreibt.
- Kocht Andrea Karrer noch im Gasthaus Pöschl?
- Nach dem Verkauf ist Andrea Karrer nicht mehr regelmäßig im Gasthaus Pöschl tätig. Es wird jedoch erwähnt, dass sie eventuell gelegentlich im Kleines Café kochen könnte.
- Wo befindet sich das Gasthaus Pöschl?
- Das Gasthaus Pöschl liegt in der Weihburggasse 17, im 1010 Wien.
Die Übergabe an einen langjährigen Mitarbeiter wie Zbigniew Stoch ist ein positives Zeichen dafür, dass die Tradition und die Qualität des Gasthauses Pöschl auch in Zukunft bewahrt bleiben könnten. Solche Orte sind von unschätzbarem Wert für die kulinarische Landschaft einer Stadt und es bleibt zu hoffen, dass das Gasthaus Pöschl weiterhin ein Leuchtturm der altösterreichischen Gerichte in Wien bleibt und seine Gäste mit authentischen Speisen und Wiener Gastlichkeit begeistert. Die Geschichte von Hanno Pöschl, Andrea Karrer und nun Zbigniew Stoch ist ein spannendes Kapitel in der Chronik dieses besonderen Wiener Gasthauses.
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