Der Name Burg Wilhelmstein lässt viele sofort an die historische Inselfestung im Steinhuder Meer denken. Doch es gibt auch einen weiteren bekannten Ort dieses Namens, eine beliebte Freilichtbühne. Beide Orte haben ihre eigene reiche Geschichte und Bedeutung. Beginnen wir mit der berühmten Festung, die einst als uneinnehmbares Bollwerk galt und heute ein faszinierendes Museum ist.

Die Geschichte der Inselfestung im Steinhuder Meer ist eng mit ihrem Erbauer, Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe, verbunden. Zwischen 1761 und 1767 ließ dieser militärbegeisterte Herrscher die einzigartige Anlage auf einer eigens dafür aufgeschütteten Insel errichten. Der ursprüngliche Plan sah eine zentrale Festungsinsel mit 16 umliegenden Außenwerken vor. Graf Wilhelm, der als Artillerist im Siebenjährigen Krieg und Heerführer in Portugal wertvolle militärische Erfahrungen gesammelt hatte, verfolgte mit dem Bau ein klares Ziel: Er wollte seine kleine Grafschaft, die zu dieser Zeit nur etwa 17.000 Untertanen zählte, vor den Expansionsgelüsten größerer Mächte schützen. Die Festung sollte ein sicherer Rückzugsort werden, der einen Angreifer davon abhielt, die Grafschaft zu annektieren.
Die Grundsteinlegung erfolgte 1761 im südwestlichen Bereich des Steinhuder Meeres, etwa 1,4 Kilometer vom Ufer entfernt. Das Bauprojekt trug zunächst den Namen „Wilhelms Insuln“, da es sich um die Hauptinsel, den Wilhelmstein, und 16 kleinere Nebeninseln handelte. Die Aufschüttung der Hauptinsel, auf der die Festung entstehen sollte, dauerte von 1761 bis 1765. Dies war ein gewaltiges Unterfangen: Fünf Jahre lang brachten die Bewohner der Grafschaft an jedem Werktag rund 30 Kubikmeter Schüttmaterial – Sand, Kies und Steine – zur Baustelle. Im Sommer übernahmen Fischer den Transport mit ihren Booten, im Winter halfen Bauern mit Schlitten über das Eis. Eigens für die Materialanlieferung wurde der 1,2 Kilometer lange Hagenburger Kanal ausgehoben, der das Schloss Hagenburg mit dem Steinhuder Meer verband. Obwohl Graf Wilhelm eigentlich Frondienste hätte verlangen können, entschied er sich, die Arbeitskräfte für ihre harte Arbeit zu entlohnen.
Auf der damals noch kleineren Insel entstand zwischen 1765 und 1767 die sternförmige Schanze. Sie bestand aus vier Bastionen, einer Zitadelle und zangenförmigen Tenaillen. Die Außenmauern wurden aus robusten Steinblöcken errichtet, während im Inneren Backstein zum Einsatz kam. In den sogenannten Kasematten, den bombensicheren Gewölben im Inneren der Festung, waren die Soldaten untergebracht. Diese Räume dienten auch zur Lagerung von Munition und Verpflegung. Über den Kasematten wurde ein kleines Schlösschen gebaut. Es diente als Wohnraum für den Festungskommandanten und die Offiziere und besaß einen Turm, der ab 1774 sogar eine Sternwarte beherbergte. Für die Patrouillengänge der Wachen gab es in Wasserhöhe eine schmale Berme rund um die Festung sowie einen Weg oberhalb auf der Festung, der das Schlösschen umrundete.
Die 16 Außenwerke, die die Festungsinsel umgaben, wurden zunächst auf Holzpfählen und Balken errichtet. Sie bildeten vier äußere Bastionen, vier mittlere Ravelins und acht kleinere Kurtinen und waren durch Zugbrücken miteinander und mit der Hauptinsel verbunden. Auf diesen Nebeninseln befanden sich nicht nur Kanonenstellungen, sondern auch feste Häuser mit Werkstätten, Magazinen, einem Lazarett, Studienräumen und sogar einer Windmühle. Im Südwesten wurde ein kleiner Hafen angelegt, der noch heute genutzt wird und damals fünf kleine Kanonenboote beherbergte. Auf einem der Außenwerke ließ der Graf sogar einen Versuchsgarten anlegen. Die Außenwerke waren jedoch anfällig für die Naturgewalten des Sees. Wellen und Eis verursachten Schäden, und die Holzpfähle verrotteten schnell. Bereits 1772 erhielten die Außenwerke daher einen festeren Untergrund durch Aufschüttung von Sand und Steinen. Ihre ursprüngliche Form existiert heute nicht mehr. Um 1810 wurden die Zwischenräume zwischen den Inseln verfüllt, wodurch die Anlage ihre heutige, fast quadratische Form mit etwa 100 Metern Seitenlänge erhielt. Von den ursprünglich 16 Häusern auf den Außenwerken sind heute noch neun erhalten. Sie dienten einst als Unterkunft für Matrosen, Sergeanten, Bedienstete, als Kaserne, Schmiede, Krankenstation, Pulverhaus oder Viehhaus. Die meisten dieser Gebäude sind jedoch keine Originalbauten von 1767, sondern steinerne Nachbauten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die Bewaffnung der Festung war für die damalige Zeit hochmodern. Im Jahr 1777 zählte man 166 Kanonen, darunter Drei-, Sechs- und Zwölfpfünder sowie Mörser. Um 1850 war die Zahl auf etwa 100 Geschütze reduziert, da einige verkauft worden waren. In den Festungsmauern sind noch heute vier lange Schießscharten für Kanonen zu sehen. Für den Kriegsfall war eine Besatzung von 800 Soldaten geplant, die sich auf die Festung und die Außenwerke verteilen sollten. In Friedenszeiten betrug die reguläre Stärke zunächst 250 Soldaten, später rund 150 Mann. Aus Kostengründen wurde die Besatzung 1782 sogar auf nur 22 Mann reduziert. Der Dienst auf der Insel war aufgrund der ständigen Feuchtigkeit gesundheitlich belastend und führte oft zu Erkältungen und Rheuma. Daher versahen die Soldaten in Friedenszeiten maximal zehn Tage Dienst auf der Insel und waren an Land in Hagenburg und Steinhude untergebracht. Einzelne Soldatenehefrauen lebten ebenfalls auf der Insel und übernahmen Hausarbeiten wie das Waschen für die Besatzung. Im Winter konnte die Insel zeitweise vom Festland abgeschnitten sein, wenn das Eis weder trug noch Boote fahren konnten. Deshalb wurden größere Mengen an Lebensmitteln und Brennmaterial eingelagert. Die Besatzung musste im Winter die Inseln mit langen Sägen eisfrei halten.

Im Jahr 1772 entstand am vermoorten Südwestufer des Steinhuder Meeres das Wilhelmsteiner Feld. Es diente als Anlegeplatz für die Bootsflotte des Wilhelmsteins. Unter der Aufsicht von Ernst Carl von Colson, einem Premier Lieutenant des Artillerie-Corps, wurden dort auch Entwässerungsarbeiten durchgeführt, Schanzen und andere Befestigungs- sowie Übungsanlagen errichtet. Das Gebiet wurde auch landwirtschaftlich genutzt, um die Inselfestung im Kriegsfall mit Lebensmitteln zu versorgen. Verdienten Soldaten wurden Hofstellen im Wilhelmsteiner Feld zugewiesen. Nach dem Tod Graf Wilhelms im Jahr 1777 wurden die militärischen und zivilen Anlagen jedoch verkauft, und die Flächen entwickelten sich wieder zu Moorflächen.
Die Inselfestung wurde lange Zeit eher als exzentrischer Einfall eines Kanonengrafen betrachtet. Doch ihre militärische Bedeutung zeigte sich tatsächlich im Jahr 1787. Nach dem Tod von Graf Wilhelm 1777 und seinem Nachfolger Philipp Ernst 1787 erhob die Landgrafschaft Hessen-Kassel Anspruch auf die Grafschaft Schaumburg-Lippe. Hessische Truppen besetzten im Februar 1787 die Grafschaft ohne Widerstand, nur auf dem Wilhelmstein verschanzten sich etwa 150 Mann. Die Hessen begannen mit rund 2.800 Mann die Belagerung der Festungsinsel. Ein direkter Beschuss mit Kanonen scheiterte, da das morastige Ufer des Steinhuder Meeres verhinderte, dass die Geschütze nah genug aufgestellt werden konnten. Auch die Taktik des Aushungerns der Besatzung schlug fehl, da der Wilhelmstein Unterstützung vom Kurfürstentum Hannover erhielt, dessen Gebiet das Nordufer des Sees umfasste. Die kaiserliche Reichsführung erteilte Preußen und Hannover ein Mandat, die Grafschaft notfalls militärisch zu befreien. Angesichts der Koalition und der Zusammenziehung mehrerer tausend Soldaten traten die Hessen schließlich den Rückzug an. Die Festung hatte ihren Zweck erfüllt.
Die Besitzverhältnisse der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer sind heute klar geregelt. Die Insel gehört weiterhin der Adelsfamilie Schaumburg-Lippe. Mit diesem Besitzrecht ist auch das exklusive Recht verbunden, die ansonsten für Motorboote gesperrte Insel mit einem Motorboot anzufahren. Im Jahr 2021 verpachtete die fürstliche Hofkammer in Bückeburg die Insel für 15 Jahre an die Steinhuder Meer Tourismus GmbH. Zuvor wurde sie vom Inselvogt der Hofkammer verwaltet. Interessant ist auch die Geschichte des Steinhuder Meeres selbst, das ursprünglich ebenfalls zum Fürstentum Schaumburg-Lippe gehörte. Fürst Adolf trat nach der Novemberrevolution 1918/19 die Hälfte des Sees an den Staat ab, um einer Enteignung zuvorzukommen. Die restliche Hälfte wurde 1973 von Philipp Ernst Fürst zu Schaumburg-Lippe für 7,5 Millionen DM an das Land Niedersachsen verkauft.
Heute ist die Insel Wilhelmstein ein beliebtes Ausflugsziel. Die restaurierten Gebäude beherbergen ein Café, einen Souvenirladen, Seminarräume und sogar Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen. In einem der Inselhäuschen befindet sich eine kleine Ausstellung über den Naturpark Steinhuder Meer. Jährlich besuchen etwa 80.000 Tagesgäste die Insel, die mit den traditionellen Auswandererbooten oder Fahrgastschiffen anreisen. Eine Anlegegebühr für Segelboote wird seit etwa 2021 nicht mehr erhoben. Die gesamte Festung ist heute ein Museum, das gegen Eintritt besichtigt werden kann. Hier sind Kartenmaterial, verschiedene Waffen wie Mörser, Kanonenrohre, Kanonenkugeln und Gewehre sowie andere historische Gegenstände ausgestellt. Auch frühere Wohn- und Arrestzellen wurden nachgebildet. Seit 2005 gibt es zudem wieder die Möglichkeit, sich im ehemaligen Zimmer des Inselkommandanten standesamtlich trauen zu lassen. Inseltrauungen wurden bereits um 1900 durchgeführt und waren sehr gefragt, verloren aber nach dem Zweiten Weltkrieg an Beliebtheit.
Neben der historischen Festung finden auf der Insel auch regelmäßig Ausstellungen statt. Der Kunstverein Meerkunstraum e.V. präsentiert seit 2003 Freiluft-Ausstellungen unter dem Titel „Durch-Blick“. Im Jahr 2013 zeigte der Künstler Timm Ulrichs in seiner Ausstellung „Im Glashaus“ fünf Installationen zum Motto „Wer im Glashaus sitzt...“.
Die Insel Wilhelmstein hat auch einige bemerkenswerte historische Fakten zu bieten. Im Jahr 1772 wurde von der Insel aus das erste Unterseeboot Deutschlands, der „Steinhuder Hecht“, zu Wasser gelassen. Zudem diente die Festung als Vorbild für das Fort Nossa Senhora da Graça in Elvas, Portugal. Graf Wilhelm ließ dieses Fort im 18. Jahrhundert im Stil Vaubans errichten. Der portugiesische König benannte das Fort anfangs zu Ehren des Grafen „Fort de Lippe“. Es diente der Verteidigung gegen die Spanier.

| Fakt | Details zur Inselfestung |
|---|---|
| Erbauer | Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe |
| Bauzeit | 1761 - 1767 |
| Lage | Steinhuder Meer |
| Aktueller Besitzer | Adelsfamilie Schaumburg-Lippe |
| Pächter (seit 2021) | Steinhuder Meer Tourismus GmbH |
| Heutige Nutzung | Museum, Café, Unterkunft, Veranstaltungen |
| Belagerung | 1787 (erfolgreich verteidigt) |
Neben der Inselfestung im Steinhuder Meer gibt es, wie eingangs erwähnt, einen weiteren bekannten Ort, der den Namen Burg Wilhelmstein trägt: die Freilichtbühne in Würselen. Es handelt sich hierbei um die Ruine einer Burg aus dem 13. Jahrhundert, die zu einer beliebten Veranstaltungsstätte umfunktioniert wurde. Bereits seit einem Jahrhundert wird in dieser historischen Ruine Theater gespielt. Veranstaltungen in einem professionellen Rahmen finden dort seit 1986 statt. Seitdem hat sich die Freilichtbühne Burg Wilhelmstein in der Region als Begriff für ein sommerliches Open-Air-Festival etabliert.
Das Kulturbüro der Stadtentwicklung Würselen GmbH & Co KG organisiert in den Sommermonaten ein überregional bekanntes und beliebtes Open-Air-Programm. Konzerte, Kabarett, Lesungen, Theateraufführungen und Kinovorstellungen ziehen regelmäßig Hunderte von Menschen in die Arena im Schatten der alten Burgmauern. Die Freilichtbühne bietet eine besondere Atmosphäre für kulturelle Erlebnisse unter freiem Himmel.
Für Besucher der Freilichtbühne gelten einige spezifische Regelungen. Das Mitbringen von eigenen Getränken und Speisen ist grundsätzlich nicht gestattet. Eine Ausnahme bildet das Open-Air-Kino, bei dem ein Picknick in angemessenem Rahmen erlaubt ist. Der Ausschank im Theater wird von einem externen Restaurantbetreiber übernommen, der kalte und warme Getränke sowie Imbisse wie Bock-, Brat- und Currywurst sowie Pommes Frites zu zivilen Preisen anbietet. Mitgebrachte Speisen und Getränke, insbesondere in größeren Behältnissen wie Kühltaschen oder Körben, werden am Einlass eingesammelt und verbleiben dort auf eigenes Risiko. Es wird empfohlen, solche Dinge gar nicht erst mitzubringen.
Die Freilichtbühne verfügt normalerweise über eine Kapazität von etwa 650 Sitzplätzen und 950 Plätzen insgesamt. Ein Großteil der Plätze, circa 400 bis 800 je nach Angabe und Konfiguration, ist wettersicher überdacht. Die genaue Anzahl der Plätze kann jedoch je nach geltender Corona-Schutzverordnung reduziert sein. Veranstaltungen finden grundsätzlich auch bei ungünstiger Witterung statt. Es gibt keinen garantierten Anspruch auf Sitzplätze, obwohl bei Bedarf versucht wird, ausreichend Sitzplätze zur Verfügung zu stellen. Bei unsicherem Wetter empfiehlt es sich, Regenschutz mitzubringen. Beim Verlassen des Geländes verliert das Ticket seine Gültigkeit. Für Gäste im Rollstuhl stehen drei spezielle Plätze zur Verfügung. Diese müssen frühzeitig vor dem Ticketkauf über den Dienstleister „Das Kartenhaus“ in Würselen angemeldet werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Name Burg Wilhelmstein für zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen interessante Orte steht: die historische Inselfestung im Steinhuder Meer und die beliebte Freilichtbühne in Würselen. Beide Orte bereichern das kulturelle und historische Erbe ihrer Regionen und ziehen jedes Jahr zahlreiche Besucher an.
Häufig gestellte Fragen:
Wem gehört die Inselfestung Burg Wilhelmstein im Steinhuder Meer?
Die Insel gehört der Adelsfamilie Schaumburg-Lippe. Sie ist jedoch seit 2021 für 15 Jahre an die Steinhuder Meer Tourismus GmbH verpachtet.

Wann wurde die Inselfestung im Steinhuder Meer gebaut?
Die Festung wurde zwischen 1761 und 1767 unter Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe errichtet.
Gab es jemals eine Belagerung der Festung im Steinhuder Meer?
Ja, im Jahr 1787 wurde die Festung von hessischen Truppen belagert, konnte aber erfolgreich verteidigt werden, unter anderem dank Unterstützung aus Hannover.
Wie viele Zuschauerplätze hat die Freilichtbühne Burg Wilhelmstein?
Die Kapazität beträgt normalerweise etwa 650 Sitzplätze und 950 Plätze insgesamt. Ein großer Teil der Plätze ist überdacht (ca. 400 bis 800, je nach Quelle und Konfiguration).
Darf man Speisen und Getränke zur Freilichtbühne mitbringen?
Grundsätzlich ist das Mitbringen von Speisen und Getränken nicht gestattet, außer bei Open-Air-Kinoveranstaltungen, wo ein Picknick erlaubt ist.
Sind die Plätze auf der Freilichtbühne überdacht?
Ja, ein Großteil der Plätze (ca. 400 bis 800, je nach Konfiguration) ist wettersicher überdacht.
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