Der Düsseldorfer Rheinturm ist nicht nur wegen seiner imposanten Höhe und der Aussichtsplattform ein Wahrzeichen der Stadt, sondern auch wegen einer ganz besonderen Installation an seiner Fassade: dem sogenannten Lichtzeitpegel. Diese Uhrenlichtskulptur, ein Werk des Künstlers Horst H. Baumann, ist weit mehr als nur eine einfache Uhr. Sie ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Kunst, Technologie und Zeitmessung, das die Blicke auf sich zieht und eine einzigartige Weise bietet, die Stunden, Minuten und Sekunden zu erleben.

Die Entstehung des Lichtzeitpegels
Die Geschichte des Lichtzeitpegels beginnt nicht direkt am Rheinturm. Der Künstler Horst H. Baumann beschäftigte sich bereits in den 1970er Jahren intensiv mit der Darstellung von Zeit. Eine entscheidende Inspiration war die Erkenntnis, dass das Signal des deutschen Zeitzeichens DCF77 der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) BCD-kodiert übertragen wurde. Baumann entwickelte daraus die Idee, die Zeit ebenfalls in einer BCD-kodierten Form visuell darzustellen.
Ursprünglich war geplant, dieses Konzept auf dem Brückenpylon der Oberkasseler Rheinbrücke in Düsseldorf umzusetzen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch in den Jahren 1974/75. Der vorgesehene Pylon bot lediglich Platz für 21 Leuchten. Hinzu kam, dass die dort verwendeten Natriumdampflampen aufgrund ihrer Trägheit nicht schnell genug im Sekundenrhythmus geschaltet werden konnten, was für die geplante Zeitanzeige jedoch notwendig gewesen wäre. Die Suche nach einem geeigneten Standort für seine innovative Zeitdarstellung musste also weitergehen.
Die Lösung fand sich schließlich im Zusammenhang mit den Planungen für den neuen Rheinturm, der von Harald Deilmann entworfen wurde. Der Turm sollte insgesamt 62 Bullaugen erhalten. Baumann erkannte, dass diese Struktur ideal für sein Vorhaben war. Insbesondere die Tatsache, dass die für die Flugsicherheit vorgeschriebenen Flugbefeuerungen in etwa 80 und 120 Metern Höhe angebracht werden sollten und der Abstand zwischen den einzelnen Bullaugen jeweils 2,5 Meter betrug, war entscheidend. Diese Gegebenheiten führten dazu, dass die mittlere Gruppe der Bullaugen perfekt geeignet war, um die dezimalen Minuten darzustellen – mit der benötigten Anzahl von Lichtern für neun Einer, einer Trennung und fünf Zehner.
Nachdem der passende Ort gefunden war, konnte die Realisierung des Lichtzeitpegels am Rheinturm erfolgen. Die Installation wurde schließlich am 24. November 1981 in Betrieb genommen und ist seitdem ein fester Bestandteil der Düsseldorfer Skyline.
Wie die Uhr funktioniert: Das Prinzip der Unärdarstellung
Obwohl der Lichtzeitpegel manchmal als Dezimaluhr bezeichnet wird, zeigt er die klassische 24-Stunden-Uhrzeit an. Die Besonderheit liegt in der Art der Darstellung der Ziffern: Sie werden im Unärsystem dargestellt. Das bedeutet, jede Ziffer wird durch eine entsprechende Anzahl von leuchtenden Bullaugen repräsentiert. Beispielsweise steht ein leuchtendes Bullauge für die Ziffer Eins, zwei leuchtende Bullaugen für die Ziffer Zwei und so weiter.
Die 62 Bullaugen des Rheinturms werden in verschiedene Gruppen unterteilt, die jeweils die Stunden, Minuten und Sekunden anzeigen. Diese Gruppen sind vertikal angeordnet und werden durch spezielle Trennleuchten voneinander abgegrenzt.
Die unterste Gruppe der leuchtenden Bullaugen ist für die Sekunden zuständig. Sie besteht aus Lichtern für die Einersekunden (neun Bullaugen) und die Zehnersekunden (fünf Bullaugen), getrennt durch eine Trennleuchte. Der pulsähnliche Schaltrhythmus dieser Sekundenanzeige signalisiert das Prinzip der dezimalen Zeitanzeige besonders deutlich.
Darüber befindet sich die Gruppe für die Minuten. Ähnlich wie bei den Sekunden gibt es hier Lichter für die Einerminuten (neun Bullaugen) und die Zehnerminuten (fünf Bullaugen), ebenfalls durch eine Trennleuchte getrennt. Diese Gruppe ändert sich im Minutentakt.
Die oberste Gruppe, die Stundenanzeige, folgt dem gleichen Prinzip. Sie zeigt die Einerstunden (neun Bullaugen) und die Zehnerstunden (nur zwei Bullaugen, da die Stunden nur bis 23 gehen), getrennt durch eine Trennleuchte. Diese Gruppe wechselt natürlich im Stundenrhythmus.
Insgesamt werden von den 62 Bullaugen nur 39 Lichter tatsächlich für die Anzeige der Zeit benötigt (die weißen Lichter). Die verbleibenden 23 Lichter haben andere Funktionen, wie die Trennung der Gruppen oder die Komplettierung der Gesamtzahl der Leuchten am Turm.
Die Farben und ihre Bedeutung
Die Lichter des Lichtzeitpegels verwenden unterschiedliche Farben, um ihre Funktion zu kennzeichnen. Die Lichter, die direkt die Zeit anzeigen – also die Stunden-, Minuten- und Sekunden-Einer und -Zehner – strahlen in Weiß. Diese Farbwahl erfolgte auch aus Gründen der Konformität mit dem Erscheinungsbild der Düsseldorfer Brückenfamilie, die ebenfalls durch weiße Beleuchtung geprägt ist.
Die Bullaugen, die zur Trennung der einzelnen Zeitgruppen dienen (Stunden/Minuten, Minuten/Sekunden), sowie die internen Trennungen innerhalb der Einer- und Zehnergruppen, leuchten in Gelb-Orange. Diese Trennleuchten sind entscheidend für das Verständnis der Anzeige, da sie die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Zeitwerten visuell hervorheben.
Zusätzlich gibt es am Turm auch rote Lichter. Diese sind nicht Teil der Zeitanzeige selbst, sondern dienen als rotes Funkfeuer für die Flugsicherheit. Sie sind in die Struktur der Bullaugen integriert, aber ihre Funktion ist unabhängig von der Uhr.
Besondere Merkmale und Vergleiche
Ein interessantes Detail des Lichtzeitpegels ist das Verhalten der Trennleuchten. Anders als bei manch anderer Linear- oder Dezimaluhr, wie beispielsweise der Linear-Uhr von Peter Hertha, werden die Trennleuchten des Lichtzeitpegels zur Akzentuierung bestimmter Zeitpunkte geschaltet.
Wenn eine volle Minute erreicht wird, leuchten die entsprechenden Trennleuchten für die Dauer einer Sekunde auf. Dies signalisiert den Übergang zur nächsten Minute und dient als visuelle Hervorhebung.
Noch markanter ist das Signal bei einer vollen Stunde. In diesem Fall bleiben die Trennleuchten für die gesamte Dauer einer Minute eingeschaltet. Dies markiert den Stundenwechsel auf eine besonders deutliche und langanhaltende Weise.
Die einzigartige Darstellung der Zeit am Rheinturm hat dem Lichtzeitpegel internationale Anerkennung eingebracht. Gemäß dem Guinness-Buch der Rekorde ist er die größte dezimale 'Zeitskala' der Welt. Dieser Rekord unterstreicht die Bedeutung und die technische Besonderheit dieser Installation.
Die Bullaugen im Detail: Eine Übersicht
Die 62 Bullaugen sind nicht alle gleichermaßen an der Zeitanzeige beteiligt. Hier ist eine Aufschlüsselung ihrer Funktion und Farbe, basierend auf ihrer Nummerierung (vermutlich von unten nach oben, obwohl die genaue Zählrichtung im Text nicht explizit genannt ist, die Beschreibung passt jedoch zu einer Zählung von unten):
| Bullaugen-Nummern | Farbe | Funktion |
|---|---|---|
| 1 – 11 | Gelb | Ohne Funktion (Vervollständigung) |
| 12 – 20 | Weiß | Einersekunden (9 Lichter) |
| 21 | Gelb | Trennung Einer-/Zehnersekunden |
| 22 – 26 | Weiß | Zehnersekunden (5 Lichter) |
| 27 – 28 | Gelb | Trennung Sekunden/Minuten (+ Rotes Funkfeuer, falls an dieser Position) |
| 29 – 37 | Weiß | Einerminuten (9 Lichter) |
| 38 | Gelb | Trennung Einer-/Zehnerminuten |
| 39 – 43 | Weiß | Zehnerminuten (5 Lichter) |
| 44 – 45 | Gelb | Trennung Minuten/Stunden (+ Rotes Funkfeuer, falls an dieser Position) |
| 46 – 54 | Weiß | Einerstunden (9 Lichter) |
| 55 | Gelb | Trennung Einer-/Zehnerstunden |
| 56 – 57 | Weiß | Zehnerstunden (2 Lichter) |
| 58 – 62 | Gelb | Ohne Funktion (Vervollständigung) |
Diese detaillierte Aufteilung zeigt, wie präzise die Bullaugen für die Darstellung der Zeit im Unärsystem genutzt werden, wobei die gelben Lichter als wichtige visuelle Marker für die Strukturierung dienen.
Das Weltzeitfoyer als Ergänzung
Die Außenanzeige des Lichtzeitpegels am Turm stellt die lokale Zeit dar. Im Foyer des Rheinturms, dem sogenannten Weltzeitfoyer, wird diese lokale Perspektive um eine globale ergänzt. Auch diese Installation wurde von Horst H. Baumann gestaltet.
Im Weltzeitfoyer finden sich zweimal 24 gläserne Zeitfacetten und eine Datumslinie, die lokale Zeitzonen-Anzeigen integrieren. Diese Installation dient dazu, die lokale und globale Zeit in Beziehung zu setzen und ihre Relativität zu verdeutlichen. Sie erinnert den Besucher daran, dass Zeitmessung heute eine universelle Präzision erreicht hat, die sprichwörtlich das Maß aller Dinge geworden ist.
Technische Entwicklung: Der Umstieg auf LED
Wie viele ältere Lichtinstallationen wurde auch der Lichtzeitpegel im Laufe der Zeit modernisiert, um Energie zu sparen und die Technologie auf den neuesten Stand zu bringen. Ursprünglich wurden die Lichter mit 100-Watt-Ampel-Glühbirnen betrieben, was einen erheblichen Energieverbrauch bedeutete.
Im Jahr 2003 erfolgte eine wichtige Umrüstung. Die alten Glühlampen wurden durch moderne 12-Watt RGB-LED-Arrays ersetzt. Dieser Schritt führte zu einer beeindruckenden Energieersparnis von 88%. Die Umstellung auf LED-Technologie brachte nicht nur ökologische Vorteile, sondern erhöhte auch die Langlebigkeit und Wartungsfreundlichkeit der Beleuchtung.
Im Jahr 2010 wurde die Technologie weiter verfeinert, indem die 12-Watt RGB-LED-Arrays durch noch effizientere 9-Watt RGB-LED-Arrays ausgetauscht wurden. Diese kontinuierliche Optimierung zielt darauf ab, den Energieverbrauch weiter zu minimieren.
Die enorme Energieeinsparung durch die LED-Umrüstung eröffnet auch zukünftige Möglichkeiten. Es wird erwogen, den gesamten Lichtzeitpegel über einige Quadratmeter Photovoltaik komplett autonom mit Strom zu versorgen. Dies wäre ein weiterer bedeutender Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit der Installation.
Häufig gestellte Fragen zum Lichtzeitpegel
Frage: Wie lautet der offizielle Name der Uhr am Rheinturm?
Antwort: Der offizielle Name der Uhrenlichtskulptur ist Lichtzeitpegel. Sie wird aber auch oft Rheinturm-Uhr oder Dezimaluhr genannt.
Frage: Wer hat den Lichtzeitpegel entworfen?
Antwort: Die Uhrenlichtskulptur ist ein Werk des Künstlers Horst H. Baumann.
Frage: Wann wurde der Lichtzeitpegel in Betrieb genommen?
Antwort: Die Inbetriebnahme erfolgte am 24. November 1981.
Frage: Was macht den Lichtzeitpegel besonders?
Antwort: Gemäß dem Guinness-Buch der Rekorde ist er die größte dezimale 'Zeitskala' der Welt. Zudem zeigt er die Zeit im Unärsystem an und nutzt die Bullaugenstruktur des Turms auf einzigartige Weise.
Frage: Zeigt die Uhr Dezimalzeit an?
Antwort: Nein, der Lichtzeitpegel zeigt die klassische 24-Stunden-Uhrzeit an. Die Ziffern werden jedoch im Unärsystem dargestellt, was manchmal zur Bezeichnung als Dezimaluhr führt, obwohl dies technisch nicht ganz korrekt ist im Sinne der Dezimalzeit.
Frage: Wie viele Lichter werden für die Zeitanzeige genutzt?
Antwort: Von den insgesamt 62 Bullaugen werden 39 Lichter (die weißen) für die eigentliche Zeitanzeige verwendet.
Frage: Welche Bedeutung haben die Farben der Lichter?
Antwort: Weiße Lichter zeigen die Zeit an (Stunden, Minuten, Sekunden). Gelb-orange Lichter dienen als Trennung zwischen den Zeitgruppen und internen Einheiten. Rote Lichter sind Teil der Flugsicherung und gehören nicht zur Uhrfunktion.
Frage: Wann wurden die Lichter auf LED umgerüstet?
Antwort: Eine erste Umrüstung von Glühlampen auf 12-Watt RGB-LEDs fand 2003 statt. 2010 wurden diese durch 9-Watt RGB-LEDs ersetzt.
Frage: Gibt es eine Ergänzung zur Anzeige am Turm?
Antwort: Ja, im Foyer des Rheinturms befindet sich das Weltzeitfoyer, ebenfalls von Horst H. Baumann gestaltet, das die lokale Zeitanzeige am Turm mit globalen Zeitzonen-Informationen ergänzt.
Der Lichtzeitpegel am Düsseldorfer Rheinturm ist somit ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Technik und Kunst verschmelzen können, um ein funktionales Objekt wie eine Uhr in ein fesselndes öffentliches Kunstwerk zu verwandeln. Seine Geschichte, sein einzigartiges Funktionsprinzip und seine technologische Entwicklung machen ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Düsseldorfer Identität und zu einem Anziehungspunkt für Besucher.
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