Wieso geht olympisches Feuer nicht aus?

Das Geheimnis der Pariser Olympia-Flamme

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Die Olympischen Spiele sind nicht nur ein Fest des Sports, sondern auch reich an Symbolen und Traditionen. Das Olympische Feuer gehört zweifellos zu den eindrucksvollsten davon. Für die Spiele 2024 in Paris hat dieses Symbol jedoch eine überraschende und moderne Wendung genommen, die derzeit Tausende von Besuchern in ihren Bann zieht. Aktuell pilgern Neugierige und Olympia-Begeisterte in die berühmten Tuilerien-Gärten im Herzen von Paris, um einen Blick auf die legendäre Flamme zu erhaschen. Doch was sie dort sehen, ist anders als erwartet: eine faszinierende Illusion statt echten Feuers.

Wie lange dauert ein olympisches Feuer?
Fast drei Monate lang, vom 8. Mai bis 26. Juli 2024, werden etwa 10.000 Olympische Fackelträger die französische Bevölkerung treffen, um ihre Leidenschaft wiederzubeleben und die Rückkehr der Olympischen Spiele nach 100 Jahren anzukündigen.

An lauen Sommerabenden versammeln sich Hunderte von Menschen vor den Toren der Tuilerien-Gärten. Sie zücken ihre Smartphones, bereit, einen besonderen Moment festzuhalten. Wenn die Sonne am Horizont versinkt, steigt ein riesiger Heißluftballon in den Abendhimmel auf. 60 Meter über dem Boden leuchtet, was aus der Ferne wie die Olympische Flamme aussieht. Die Menge jubelt und applaudiert. Seit Beginn der Spiele hat sich diese Installation schnell zu einem unerwarteten Publikumsmagneten entwickelt. Touristen und Einheimische sind gleichermaßen beeindruckt von der schieren Größe des Ballons und der Nähe, aus der sie dieses Spektakel erleben können.

Wo genau brennt die Olympia-Flamme 2024 in Paris?

Der aktuelle Standort der Olympischen Flamme – oder besser gesagt, ihrer Darstellung – ist in den Tuilerien-Gärten in Paris. Diese historischen Gärten, gelegen zwischen dem Louvre und dem Place de la Concorde, bieten eine malerische Kulisse für die Installation. Der riesige Ballon mit der leuchtenden Flamme ist ein unübersehbares Zeichen am Pariser Himmel. Um die Installation aus der Nähe zu betrachten, ist es erforderlich, ein kostenloses Zeitfenster online zu buchen. Dies hilft, den Besucherstrom zu regulieren und allen Interessierten die Möglichkeit zu geben, dieses einzigartige Schauspiel zu erleben.

Die Flamme von Paris 2024: Eine nachhaltige Illusion

Die größte Überraschung für viele Besucher ist die Erkenntnis, dass die Flamme über den Tuilerien kein echtes Feuer ist. Stattdessen handelt es sich um eine raffinierte Illusion. Diese Entscheidung ist keineswegs zufällig, sondern reiht sich nahtlos in das moderne und progressive Image ein, das Frankreich und die Spiele von Paris 2024 präsentieren möchten. Die Installation, die das olympische Symbol beherbergt, ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt.

Wie funktioniert diese Illusion? Sie wird durch 200 Hochdrucknebeldüsen erzeugt, die Wasserdampf ausstoßen. Dieser Wasserdampf wird dann von 40 LED-Scheinwerfern beleuchtet. Das Ergebnis ist eine leuchtende Darstellung, die wie eine Flamme aussieht, aber gänzlich ohne fossile Brennstoffe auskommt. Dies markiert einen bedeutenden Schritt: Erstmals kommt das olympische Feuer in seiner Hauptdarstellung ohne herkömmliches Gas oder Öl aus.

Der Erfinder dieser innovativen Idee ist der Designer Mathieu Lehanneur. Er erklärte, dass es technisch sehr schwierig gewesen wäre, eine echte, gasbetriebene Flamme in 60 Metern Höhe sicher brennen zu lassen. Zudem war es ihm und den Organisatoren wichtig, eine nachhaltige Lösung zu schaffen, die zu den Werten der Spiele von Paris 2024 passt. Die Umsetzung kommt bei den Besuchern gut an. Viele berichten, dass sie ohne expliziten Hinweis nicht bemerkt hätten, dass die Flamme elektrisch bzw. durch Wasserdampf betrieben wird.

Eine historische Anspielung in den Tuilerien

Die Wahl eines Ballons für die Darstellung der olympischen Flamme ist nicht nur eine technische oder ökologische Entscheidung, sondern auch eine bewusste historische Anspielung. Sie erinnert an den ersten bemannten Flug der Menschheit. Am 21. November 1783 stieg der erste Heißluftballon der Gebrüder Montgolfier in Paris in die Luft, ein wissenschaftlicher Quantensprung. Nur wenige Wochen später, im Dezember 1783, entwickelte der Physiker Jacques Charles den ersten Prototyp eines Wasserstoffballons. Dieser hob vor Hunderttausenden von Menschen ab – ausgerechnet in den Tuilerien. Die aktuelle Installation ehrt somit nicht nur das olympische Symbol, sondern auch die reiche Geschichte der Luftfahrt und Innovation, die eng mit Paris und den Tuilerien verbunden ist.

Die Reise der Flamme nach Paris

Bevor die Flamme in den Tuilerien symbolisch über Paris leuchtete, legte sie eine lange Reise zurück. Traditionell wird das olympische Feuer im antiken Olympia in Griechenland entzündet. Dies geschieht auch heute noch mithilfe eines Parabolspiegels und der Sonnenstrahlen, eine Methode, die die Reinheit und die historischen Wurzeln des Feuers betont und an die Rituale der alten Olympischen Spiele erinnert.

Nach der Entzündung in Olympia begibt sich die Flamme auf den Fackellauf zum Austragungsort. Für Paris 2024 begann die Reise in Griechenland und führte dann über das Mittelmeer an Bord des historischen Dreimaster-Segelschiffs Belem. Am 8. Mai traf die Flamme in einer feierlichen Zeremonie im Alten Hafen von Marseille ein. Dies markierte den Beginn ihrer 69-tägigen Reise durch ganz Frankreich. Rund 10.000 Fackelträger tragen die Flamme abwechselnd durch das französische Festland und die Überseegebiete. Diese weite Reise dient dazu, die olympischen Werte zu verbreiten und die Menschen im ganzen Land auf die bevorstehenden Spiele einzustimmen. Der Fackellauf endet am 26. Juli in Paris, wo die Flamme den feierlichen Höhepunkt der Eröffnungszeremonie bildet.

Wo steht olympisches Feuer?
Vor den Toren der Tuilerien-Gärten in Paris zücken sie ihre Smartphones. Als die Sonne am Horizont verschwindet, steigt der Heißluftballon mit der olympischen Flamme in den Abendhimmel auf, 60 Meter über dem Boden.

Die tiefere Bedeutung des Olympischen Feuers

Das Olympische Feuer ist weit mehr als nur ein zeremonielles Element. Es ist ein zentrales Symbol der Olympischen Bewegung und verkörpert wichtige Werte:

  • Verbindung zur Antike: Es schlägt eine Brücke zwischen den modernen Spielen und ihren Ursprüngen im antiken Griechenland.
  • Frieden und Freundschaft: In der Antike riefen Boten den Olympischen Frieden (Ekecheiria) aus, damit Athleten und Zuschauer sicher nach Olympia reisen konnten. Die Flamme steht auch heute noch für den Wunsch nach friedlichem Miteinander der Völker.
  • Reinheit: Das Feuer selbst und die traditionelle Entzündungsmethode symbolisieren Reinheit.
  • Zusammenhalt: Der Fackellauf, bei dem Tausende von Menschen die Flamme tragen, symbolisiert den Zusammenhalt und die universellen Werte der Menschheit.

Die Tradition besagt, dass während der Zeit, in der die Fackel brennt, alle Streitigkeiten zwischen den Völkern ruhen sollen, um den Fokus auf die friedliche Durchführung der sportlichen Wettkämpfe zu legen.

Die Geschichte des modernen Fackellaufs

Während das Entzünden eines Feuers zu Ehren von Göttern oder für Rituale eine alte Tradition ist (in Griechenland z.B. für Hestia), ist der moderne olympische Fackellauf eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Ein olympisches Feuer wurde erstmals bei den Sommerspielen 1928 in Amsterdam entzündet, allerdings ohne einen Fackellauf, der es dorthin brachte. Der erste organisierte Fackellauf fand anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin statt.

Diese Einführung war eng mit den politischen Umständen der Zeit verbunden und wurde von den Nationalsozialisten für Propagandazwecke genutzt. Der deutsche Sportfunktionär Carl Diem gilt oft als Initiator, obwohl die Idee ursprünglich vom jüdischen Archäologen Alfred Schiff stammte. Die Fackel wurde über 3187 Kilometer von 3331 Läufern von Olympia nach Berlin getragen. Dieser erste Fackellauf war nicht ohne Kontroversen und Proteste, insbesondere in Ländern, die von der Route berührt wurden.

Für die Winterspiele wurde das Feuer erstmals 1936 in Garmisch-Partenkirchen entzündet, der erste Fackellauf für Winterspiele fand 1952 in Oslo statt. Manchmal startete der Lauf dabei nicht in Olympia, sondern an Orten mit historischer Bedeutung für den Wintersport.

Nach den Protesten im Vorfeld der Spiele 2008 in Peking, bei denen die Fackel auf ihrer weltweiten Reise auf erhebliche Widerstände stieß, beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2009, die Fackelläufe zukünftig weitgehend auf das Gastgeberland zu beschränken. Die Route für Paris 2024, die auch einige französische Überseegebiete einschloss, stellte eine Ausnahme dar, wobei eine geplante Station in Neukaledonien aufgrund lokaler Unruhen abgesagt werden musste.

Warum darf die Olympische Fackel nicht ausgehen?

Die Tradition und die symbolische Reinheit des Olympischen Feuers verlangen, dass die Flamme, die in Olympia entzündet wurde, ununterbrochen bis zum Ziel brennt. Sie darf ihren Ursprung nur in Olympia haben und nicht durch andere Feuer ersetzt werden. Sollte die Fackel während des Laufs aus irgendeinem Grund erlöschen – was durchaus vorkommen kann –, wird sie nicht einfach neu angezündet. Stattdessen wird sie mithilfe einer sogenannten Mutterflamme, die in einer windgeschützten Laterne mitgeführt wird, wieder entfacht. Diese Mutterflamme stammt direkt aus der ursprünglichen Entzündung in Olympia und stellt sicher, dass die Kontinuität und die Reinheit des Feuers gewahrt bleiben, ohne dass der Weg zurück nach Griechenland nötig wäre.

Der Höhepunkt: Die Entzündung des Olympischen Kessels

Der absolute Höhepunkt des Fackellaufs ist die Ankunft der Flamme im Stadion des Austragungsortes während der Eröffnungsfeier. Der letzte Läufer, dessen Identität traditionell bis zum letzten Moment geheim gehalten wird, hat die große Ehre, mit der Fackel den Olympischen Kessel im Stadion zu entzünden. Dieser Kessel brennt dann während der gesamten Dauer der Olympischen Spiele als sichtbares Symbol der laufenden Wettkämpfe und der olympischen Werte.

Für die Spiele in Paris 2024 wird mit Spannung erwartet, wer diese ehrenvolle Aufgabe übernehmen wird. Es gibt verschiedene Spekulationen und Kandidaten aus der Welt des französischen Sports, darunter berühmte Namen wie Zinédine Zidane, Kylian Mbappé, Marie-José Pérec und Teddy Riner.

Was passiert, wenn die Spiele enden?

Das Olympische Feuer brennt ununterbrochen von der Eröffnungs- bis zur Abschlussfeier. Im Rahmen der Abschlusszeremonie wird das Feuer dann feierlich gelöscht. Dies markiert das offizielle Ende der Olympischen Spiele.

Wann wird olympisches Feuer gelöscht?
Das olympische Feuer wird im Laufe der Abschlussfeier gelöscht. Fackeln wurden früher durch Pech oder Petroleum versorgt, moderne Fackeln werden mit Gaskartuschen betrieben.

Für Paris 2024 gibt es bereits Überlegungen, einige Symbole über die Spiele hinaus in der Stadt zu belassen. Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat den Wunsch geäußert, dass die Olympischen Ringe, die derzeit am Eiffelturm hängen, der Stadt erhalten bleiben könnten. Auch der Flammenkessel, der in Paris entzündet wird, soll möglicherweise als Andenken an diese zwei Wochen im Sommer 2024, in denen sich Paris als weltoffene und innovative Gastgeberin präsentiert, bestehen bleiben.

Häufig gestellte Fragen zur Olympischen Flamme

Hier beantworten wir einige der häufigsten Fragen rund um das Olympische Feuer:

Ist die Flamme in Paris echt?

Nein, die Hauptdarstellung der Flamme in den Tuilerien-Gärten ist eine Illusion aus Wasserdampf und Licht. Dies wurde aus Gründen der Nachhaltigkeit und technischen Machbarkeit in 60 Metern Höhe entschieden. Die Flamme, die im Fackellauf getragen wird und den Kessel entzündet, ist jedoch echt und wird traditionell in Olympia entzündet.

Wo genau kann ich die Flamme in Paris sehen?

Die spektakuläre Ball installation mit der Flammen-Illusion befindet sich in den Tuilerien-Gärten. Ein Besuch erfordert oft eine Online-Buchung eines kostenlosen Zeitfensters.

Warum wurde eine Illusion verwendet und kein echtes Feuer?

Die Entscheidung für eine Illusion wurde vom Designer Mathieu Lehanneur getroffen, um eine nachhaltigere Lösung zu schaffen, die keine fossilen Brennstoffe benötigt. Zudem wäre es technisch sehr anspruchsvoll und sicherheitstechnisch bedenklich gewesen, eine echte Gasflamme in 60 Metern Höhe über der Stadt brennen zu lassen.

Wie lange brennt das Olympische Feuer?

Das Feuer brennt ununterbrochen von der Entzündung des Kessels während der Eröffnungsfeier bis zum Löschen bei der Abschlussfeier der Spiele.

Was passiert, wenn die Fackel während des Laufs ausgeht?

Sollte die Fackel erlöschen, wird sie mithilfe einer eigens mitgeführten Mutterflamme, die direkt aus Olympia stammt, wieder entzündet. So wird die Kontinuität der ursprünglichen Flamme sichergestellt.

Wer ist der letzte Fackelträger?

Die Identität des letzten Fackelträgers, der die Ehre hat, den Olympischen Kessel zu entzünden, wird traditionell bis zum letzten Moment geheim gehalten. Es gibt meist Spekulationen, wer es sein könnte, oft ist es eine Sportlegende des Gastgeberlandes.

Woher stammt die Idee des Fackellaufs?

Während Feuerzeremonien antike Wurzeln haben, wurde der moderne olympische Fackellauf als Staffel 1936 für die Spiele in Berlin eingeführt. Die Idee dazu stammte von Alfred Schiff.

MerkmalOlympische Flamme Paris 2024 (Tuilerien)Traditionelle Olympische Flamme (Fackellauf/Kessel)
Art des FeuersIllusion (Wasserdampf & LED)Echtes Feuer (Verbrennung)
EnergiequelleElektrisch (für LEDs & Pumpen)Gas/Öl (für Fackel/Kessel)
Standort während der SpieleÜber den Tuilerien-Gärten (auf Ballon)Im Olympischen Stadion (Kessel)
ZweckSymbolische Darstellung, Attraktion, HommageSymbol der Spiele, zeremonieller Höhepunkt
NachhaltigkeitSehr hoch (keine fossilen Brennstoffe)Geringer als Illusion, aber traditionell

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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