Wie heißt die Frau auf der Rothaus-Flasche?

Rothaus Biergit: Tradition trifft Moderne

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Auf den ersten Blick könnte es ein modernes Kunstwerk sein: eine kubistisch anmutende Frauenfigur, die lachend zwei Biergläser entgegenhält, umgeben von geometrischen Formen in knallbunten Farben auf schwarzem Hintergrund. Doch dieses Design ziert tatsächlich etwas ganz Konkretes – ein Party-Bierfass. Genauer gesagt, eines der vier neuen Minikegs der bekannten Badischen Staatsbrauerei Rothaus. Was hier so auffällig präsentiert wird, ist niemand Geringeres als das charakteristische Schwarzwaldmädel, jene Figur, die bereits seit einem halben Jahrhundert, also seit 50 Jahren, als Marken-Logo die Produkte dieser Traditionsbrauerei schmückt. Das Besondere an dieser aktuellen Entwicklung ist, dass Rothaus mit dieser limitierten Sonderkollektion sein über die Jahre etabliertes und liebgewonnenes Traditionsdesign komplett neu interpretiert hat und damit einen spannenden Spagat zwischen Beständigkeit und kreativer Weiterentwicklung wagt.

Wer braut die Tannenzäpfle?
Mit dem Tannenzäpfle Alkoholfrei und dem Weizenzäpfle Alkoholfrei brachte die Brauerei Rothaus im Jahr 2009 ihre ersten beiden alkoholfreien Biere auf den Markt.

Die fröhliche Dame, deren Konterfei auf Flaschen und nun auch auf diesen speziellen Fässchen zu sehen ist, trägt einen Namen: Biergit Kraft. Sie ist als eine waschechte Hochschwarzwälderin konzipiert und präsentiert sich in der typischen Backenhaubentracht, die symbolisch für die Region steht. Interessant ist die Entstehung ihres Namens: Er ist nicht von der Brauerei selbst kreiert, sondern wurde ihr in den 1990er Jahren von den treuen Rothaus-Biertrinkern gegeben. Der Name „Biergit Kraft“ spielt humorvoll auf den bekannten Ausspruch „Bier gibt Kraft“ an und zeigt die enge Verbindung und Zuneigung, die zwischen der Marke und ihren Konsumenten besteht. Heute ist „Biergit“ weit mehr als nur ein Bild auf einem Bieretikett. Ihre Figur ziert eine Vielzahl von Merchandising-Produkten, von Rucksäcken und Taschenmessern bis hin zu Schlüsselanhängern. Ihre Präsenz ist sogar in der digitalen Welt spürbar, da sie über einen eigenen Twitter-Account verfügt. Angesichts dieser Omnipräsenz und der kreativen Art, wie die Figur gepflegt wird, ist es kaum verwunderlich, dass ihre Fangemeinde stetig wächst und längst nicht mehr nur auf den Schwarzwald beschränkt ist.

50 Jahre Tradition, neu gedacht: Die Sonderedition der Minikegs

Die Geschichte des Schwarzwaldmädels als Werbefigur der Badischen Staatsbrauerei Rothaus reicht weit zurück, bis in die 1950er Jahre. Damals wurde sie noch als fotorealistische Illustration dargestellt. Seit 1972 jedoch ziert ihr grafisch-stilisiertes Konterfei die Etiketten des wohl bekanntesten Produkts der Brauerei: des beliebten Rothaus-„Zäpfle“. In einer Zeit, in der viele Marken alles daran setzen, ihren Produkten durch häufige Redesigns und Relaunches einen modernen und stets wechselnden Touch zu verleihen, verfolgt man im Schwarzwald einen anderen, bemerkenswerten Weg. Seit nunmehr 50 Jahren hält Rothaus unverändert an seinem traditionellen Logo fest. Ein umfassender Markenrelaunch, wie er in der Branche üblich ist, scheint für Rothaus undenkbar zu sein. Stattdessen gelingt der Brauerei etwas, woran viele andere Unternehmen scheitern: Mit einer Mischung aus Mut und Fingerspitzengefühl schafft es Rothaus, sein über Jahrzehnte etabliertes Traditionsdesign immer wieder aufs Neue zu interpretieren und so relevant und frisch zu halten, ohne seine Wurzeln zu verleugnen.

Diese Herangehensweise zeigt sich eindrucksvoll in der neuen Sonderedition der Minikegs. Daniel Weishaar, Teamleiter für den Vertriebsinnendienst/Export bei Rothaus, beschreibt die vier neuen Fässchen als durchaus „mutig“. Der Grund dafür liegt in der Art und Weise, wie das Thema „Biergit“ hier aufgegriffen wird. Im Vergleich zu früheren Designs ist die Darstellung deutlich versteckter und spielerischer. Manchmal wird nur ein überdimensionaler Ausschnitt des charakteristischen Frauen-Logos gezeigt, ein andermal ist die komplette „Biergit“ lediglich als feine Umrisszeichnung zu sehen. Was diese Designs besonders macht, sind die leuchtenden Farben und prägnanten Kontraste, die dem traditionellen Motiv einen unverkennbar modernen Look verleihen. Bei manchen Designs der Minikegs wurde sogar komplett auf den Rothaus-Schriftzug verzichtet – ein weiterer mutiger Schritt, der das Vertrauen in die Wiedererkennbarkeit der Marke durch das reine Bildzeichen unterstreicht. Daniel Weishaar ist sich trotz dieser Abweichungen vom Gewohnten sicher: „Wer die Marke kennt, wird auch erkennen, dass es sich um Rothaus-Fässchen handelt.“ Eines steht für ihn und das Team fest: Diese neuen Fässchen fallen im Getränkeregal sofort ins Auge und sorgen für Aufmerksamkeit.

Mehr als nur ein Logo: Das Erfolgsrezept von Rothaus

Die Brauerei Rothaus ist weit über die Grenzen des Schwarzwaldes hinaus bekannt, insbesondere für ihr „Tannenzäpfle“. Dieses würzig-frische Pils ist der unangefochtene Klassiker unter den Rothaus-Bieren und hat der gesamten „Zäpfle-Familie“ ihren Namen gegeben. Die Stärke der Marke „Tannenzäpfle“ zeigt sich in beeindruckenden Zahlen: Seit mehreren Jahren ist es laut Erhebungen Deutschlands stärkste Biermarke. Es positioniert sich damit noch vor bekannten „Fernseh-Bieren“ wie Krombacher oder Erdinger, die durch massive Werbekampagnen eine hohe Bekanntheit genießen. Dieses Ergebnis wurde unter anderem im „Brand Index 2021“ des Marktforschers Yougov in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt festgestellt, basierend auf einer Onlinebefragung von 900.000 Verbrauchern. Bemerkenswert ist auch die Beliebtheit des „Tannenzäpfle“ bei jungen Leuten, obwohl es im Vergleich zu vielen Konkurrenzprodukten als relativ teuer gilt. In vielen Großstädten hat sich das „Tannenzäpfle“ längst zu einem Kultgetränk entwickelt, was seine besondere Stellung im Biermarkt unterstreicht.

Woran liegt dieser Erfolg, gerade auch bei jüngeren Zielgruppen und trotz eines höheren Preispunktes? Zum einen natürlich an der Qualität des Bieres selbst, aber maßgeblich auch an dem, wofür die Marke Rothaus steht. Daniel Weishaar betont die Bedeutung der Markenwerte: „Werte wie Heimat, Tradition, Beständigkeit und Ruhe haben gerade in unserer sehr bewegten und schnelllebigen Welt einen hohen Stellenwert bei unseren Verbraucherinnen und Verbrauchern.“ Diesen Werten fühlt man sich bei Rothaus als Staatsbrauerei natürlich in besonderem Maße verpflichtet. Diese Authentizität und Verwurzelung scheinen bei den Konsumenten gut anzukommen.

Wem gehört der Tannenzäpfle?
Statistiker zählen hierzulande mehr als 1500 Brauereien. Darunter sind jedoch drei besondere Bierhersteller – sie befinden sich zu 100 Prozent in Staatsbesitz: die Badische Staatsbrauerei Rothaus AG mit der Pilsmarke „Tannenzäpfle“ sowie die beiden bayerischen Brauereien Weihenstephan und Hofbräu München.

Ein Pionier in Sachen Nachhaltigkeit

Neben der Pflege von Tradition und der Qualität der Produkte engagiert sich Rothaus auch in zukunftsweisenden Bereichen. Nicht umsonst übernimmt die Brauerei auch beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle in der Branche. Schon heute zählt die Brauerei beim Energieverbrauch zu den Top 10 in ganz Europa. Doch die Ambitionen gehen weiter: Bis zum Jahr 2030 hat sich Rothaus das Ziel gesetzt, sogar „klimapositiv“ zu produzieren, was bedeutet, dass mehr CO2 kompensiert werden soll als bei der Produktion verursacht wird. Dieses Engagement für Nachhaltigkeit passt gut zu den Werten wie Heimat und Beständigkeit und stärkt das positive Image der Marke bei umweltbewussten Konsumenten.

Das Minikeg im Marketing-Mix

Auch in Sachen Marketing zeigt Rothaus, wie man eine etablierte Marke erfolgreich führt und weiterentwickelt. Via Social Media werden gezielt neue Zielgruppen erschlossen, was zeigt, dass Tradition und moderne Kommunikation Hand in Hand gehen können. Die etablierte Marke „Tannenzäpfle“ bildet die solide Basis des Geschäfts, aber das Traditionsdesign wird, wie die neuen Minikegs zeigen, immer wieder neu interpretiert, um relevant zu bleiben. Man ist stark in der Region verwurzelt, denkt aber gleichzeitig über den Tellerrand hinaus. Mit diesem durchdachten Erfolgsrezept hat Rothaus über Jahrzehnte hinweg sein Markenimage gefestigt und insbesondere im hochpreisigen Marktsegment erfolgreich Boden gut gemacht.

Innerhalb dieses Marketingkonzepts spielt das 5-Liter-Fässchen, wie es beispielsweise von Envases produziert wird, eine wichtige Rolle, obwohl das „Tannenzäpfle“ traditionell eng mit der 0,33l-Flasche verbunden ist. Daniel Weishaar erklärt die Funktion des Minikegs im Produktportfolio: „Das ist einfach ein Produkt für die Gruppe, für gemeinsame Unternehmungen im Freien.“ Die Vorteile liegen auf der Hand: „Damit lassen sich unkompliziert große Mengen transportieren – zum Beispiel beim Ausflug oder Grillen mit Freunden. Und man hat immer den Charme eines frisch gezapften Bieres.“ Diese spezifischen Vorzüge des Minikegs wissen gerade die jüngere Zielgruppe sehr zu schätzen, eine Gruppe, die Rothaus gezielt auch mit den neuen farbenfrohen Minikeg-Sonderdesigns ansprechen möchte. Ähnlich wie andere erfolgreiche Brauereien setzt Rothaus hierbei auf einen crossmedialen Marketingansatz, der sowohl klassische Elemente wie Aufsteller in Supermärkten im Kernmarkt Baden-Württemberg umfasst als auch moderne Social Media-Kampagnen einschließt.

Bei den Sonder-Editionen der Minikegs spielt die limitierte Auflage eine entscheidende Rolle, wie Daniel Weishaar weiß. Deshalb wurden bei der aktuellen Kollektion von jedem der vier verschiedenen Motive auch nur jeweils 1500 Stück produziert. Die Zusammenarbeit mit Partnern wie Envases macht solche limitierten Auflagen erfreulicherweise unkompliziert umsetzbar. Durch diese Limitierung avancieren die Sondereditionen regelmäßig zu begehrten Sammlerobjekten unter den Fans der Marke. Daniel Weishaar spekuliert, dass dieser Sammlertrieb dazu führen könnte, dass „der Kunde unbedingt gleich alle vier Designs für seine Sammlung haben“ will. Er ist sich jedenfalls sicher, dass die vier neuen Sonderdesigns, die Ende Mai auf den Markt kamen, wie gewohnt großen Absatz finden werden. Und er gibt auch schon einen kleinen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen: Die nächsten Minikeg-Ideen stehen bereits in den Startlöchern. Da „Biergit“ im Jahr 2022 ihren 50. Geburtstag feiert und somit auf fünf Jahrzehnte als Logo zurückblickt, könnte es im Laufe des Jahres eventuell sogar noch ein weiteres, besonderes Sonderdesign geben. Die Minikeg-Freunde von Rothaus dürfen also gespannt sein, welche kreativen Interpretationen des ikonischen Schwarzwaldmädels als Nächstes erscheinen werden.

MerkmalRothaus BrauereiTypische andere Marken (laut Text)
Umgang mit DesignTraditionsdesign neu interpretieren, kein Relaunch, am Logo festhaltenAlles daran setzen, modernen Touch zu verleihen, oft auf Modernisierung ausgerichtet
MarkenwerteHeimat, Tradition, Beständigkeit, Ruhe(Nicht explizit genannt, Fokus oft auf Modernität)

Häufig gestellte Fragen zu Rothaus und Biergit Kraft

Hier beantworten wir einige Fragen, die sich im Zusammenhang mit der Brauerei Rothaus und ihrem bekannten Logo ergeben:

Wie heißt die Frau auf der Rothaus-Flasche?

Die charakteristische Frauenfigur, die als Logo der Badischen Staatsbrauerei Rothaus dient, heißt Biergit Kraft. Dieser fiktive Name wurde ihr in den 1990er Jahren von den Biertrinkern gegeben und spielt auf den Ausspruch „Bier gibt Kraft“ an.

Wie heißt die Frau auf dem Rothaus Bier?
Biergit Kraft - Hüterin von Rothaus Das ist richtig. Doch seit fünfzig Jahren gibt es die Biergit Kraft in der stilisierten Comic-Darstellung.

Wer braut die Tannenzäpfle?

Das beliebte „Tannenzäpfle“ wird von der Badischen Staatsbrauerei Rothaus gebraut. Die Brauerei wurde im Jahre 1791 durch das Benediktinerkloster St. Blasien gegründet. Sie entstand bei der Gaststätte „Zum Rothen Haus“, die bereits seit 1681 aktenkundig ist. Der Standort war strategisch günstig gewählt und bot ausreichende Wasservorkommen sowie genug Holz zum Heizen. Zudem lag er an einer wichtigen Handelsstraße und auf halbem Wege zwischen dem Kloster St. Blasien und dessen neu erworbener Herrschaft Bonndorf. Im Zuge der Säkularisierung im Jahr 1806 fiel die Brauerei an das Großherzogtum Baden und erhielt den Namen „Großherzogliche Badische Staatsbrauerei Rothaus“. Schon 20 Jahre nach der Gründung gab es aufgrund der wachsenden Nachfrage die erste Erweiterung der Produktionsstätten.

Wem gehört der Tannenzäpfle?

Basierend auf der Geschichte der Brauerei, die im Zuge der Säkularisierung 1806 an das Großherzogtum Baden fiel und seitdem „Großherzogliche Badische Staatsbrauerei Rothaus“ heißt, gehört die Brauerei und somit auch das „Tannenzäpfle“ dem Land Baden-Württemberg.

Was ist das Tannenzäpfle?

Das „Tannenzäpfle“ ist das bekannteste Bier der Brauerei Rothaus. Es handelt sich um ein würzig-frisches Pils und gilt als der Klassiker innerhalb der „Zäpfle-Familie“. Es ist laut Marktforschung seit mehreren Jahren Deutschlands stärkste Biermarke und besonders bei jungen Leuten beliebt.

Warum sind die neuen Rothaus Minikegs besonders?

Die neuen Minikegs sind Teil einer limitierten Sonderkollektion, bei der das traditionelle Schwarzwaldmädel-Design komplett neu interpretiert wurde. Sie zeigen mutige, spielerische und oft abstrakte Darstellungen der „Biergit“ mit leuchtenden Farben und prägnanten Kontrasten. Von jedem der vier Motive wurden nur 1500 Stück produziert, was sie zu begehrten Sammlerobjekten macht. Sie sind zudem ideal für Gruppenaktivitäten im Freien und bieten den Charme eines frisch gezapften Bieres für unterwegs.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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