Wann ist die Seebrücke in Ahlbeck abgebrannt?

Filmische Reise durch Mecklenburg-Vorpommern

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Mecklenburg-Vorpommern, das „Land zum Leben”, ist längst nicht mehr nur für seine malerischen Küsten, idyllischen Seenlandschaften und historischen Hansestädte bekannt. Die Region hat sich über die Jahre zu einem beliebten und vielseitigen Drehort für Film- und Fernsehproduktionen entwickelt. Von klassischen Stummfilmen bis hin zu modernen Krimiserien und internationalen Produktionen – die einzigartige Atmosphäre und die vielfältigen Kulissen ziehen Filmemacher aus aller Welt an.

Wie heißt das Panoramarestaurant im Strandhotel Ahlbeck?
Das 30 Meter über dem Meeresspiegel und somit höchst gelegene Restaurant der Insel „Prime“ mit seiner einzigartigen Bar, bietet unseren Gästen ein ganz besonderes Highlight. Vor einem atemberaubenden Blick auf das Meer und die drei Kaiserbäder, verwöhnen wir hier unsere Gäste mit kulinarischen Köstlichkeiten.

Die Frage, auf welcher Seebrücke Loriots berühmter Film „Pappa ante portas” spielt, ist dabei nur eine von vielen, die das Interesse an den Drehorten in MV weckt. Die Antwort ist klar und unzweideutig: Loriot, bürgerlich Vicco von Bülow, wählte für die unvergesslichen Szenen seines Films die Seebrücke in Ahlbeck auf der Insel Usedom. Diese Seebrücke, eine der ältesten in Deutschland, bietet mit ihrer markanten Architektur und der Weite des Meeres im Hintergrund eine perfekte Kulisse für die humorvollen und zugleich tiefgründigen Momente des Films, die vielen Zuschauern bis heute im Gedächtnis geblieben sind. Die Seebäderarchitektur und das Flair der Insel Usedom passten hervorragend zum Stil Loriots und trugen maßgeblich zum Charme des Films bei.

Die Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns als Filmland reicht weit zurück. Bereits vor über 100 Jahren erkannte man das Potenzial der Region. Ein frühes und bedeutendes Beispiel ist der Horrorfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens” von Friedrich Wilhelm Murnau aus den 1920er Jahren. Dieser Stummfilmklassiker, der das Publikum seinerzeit in Angst und Schrecken versetzte, wurde unter anderem in der historischen Altstadt von Wismar gedreht. Die mittelalterliche Architektur und die verwinkelten Gassen Wismars boten eine ideale, atmosphärische Kulisse für die düstere Vampirgeschichte und bewiesen schon früh, dass MV auch für anspruchsvolle und künstlerisch wertvolle Produktionen geeignet ist.

Spannung und Verbrechen: Mecklenburg-Vorpommern als Krimi-Kulisse

Besonders populär hat sich Mecklenburg-Vorpommern in den letzten Jahren als Schauplatz für Kriminalserien etabliert. Die einzigartige Mischung aus maritimer Atmosphäre, historischen Städten und ländlicher Idylle bietet den perfekten Hintergrund für spannende Ermittlungen. Mehrere erfolgreiche Krimiformate nutzen die Region als Hauptdrehort:

  • Stralsund: Die Hansestadt Stralsund selbst mit ihrer beeindruckenden Backsteingotik und der Nähe zum Meer dient als Kulisse für die gleichnamige Krimireihe.
  • Polizeiruf 110: Diese traditionsreiche Krimiserie ist regelmäßig in Rostock und anderen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns zu Gast und nutzt die Vielfalt der Region für ihre Fälle.
  • Usedom-Krimi: Die Insel Usedom, bereits durch „Pappa ante portas” filmhistorisch bedeutsam, ist Schauplatz einer weiteren sehr beliebten Krimireihe. Die Kontraste zwischen idyllischer Küste und den dunklen Geheimnissen der Inselbewohner sorgen für besondere Spannung.
  • SOKO Wismar: Seit 2004 ermittelt die „SOKO Wismar” in und um die Hansestadt Wismar. Die Serie nutzt die maritimen und historischen Schauplätze der Stadt und des Umlands für ihre Kriminalfälle und hat so maßgeblich zur Bekanntheit Wismars als Drehort beigetragen.

Auch für spezielle Event-Formate wird MV gerne gewählt. Die Eventserie „Die Toten von Marnow” führte das Schweriner Ermittlerduo auf einen Campingplatz in der Mecklenburgischen Seenplatte, um einen vermeintlichen Serienmord aufzuklären. Die Seenplatte bot hierfür eine andere Art von Kulisse als die Küstenstädte – eher ländlich, weitläufig und mit einer ganz eigenen, oft unterschätzten Atmosphäre, die sich hervorragend für das Genre eignet.

Menschliche Schicksale vor maritimer Kulisse

Neben Krimis sind es oft Produktionen, die sich menschlichen Schicksalen widmen, die ihren Weg nach Mecklenburg-Vorpommern finden. Tragische oder glückselige, intrigante oder romantische Geschichten – sie alle finden hier eine passende Bühne und tragen das Label „Made in MV”.

Serien wie „Praxis mit Meerblick” und „Käthe und ich” spielen an der Ostseeküste und erzählen von den Herausforderungen und Freuden im Leben ihrer Protagonisten. Die Nähe zum Meer, die Weite der Landschaft und das besondere Licht der Küste verleihen diesen Serien eine unverwechselbare Atmosphäre.

Die Figur „Ella Schön”, gespielt von Annette Frier, findet ebenfalls an der Ostsee eine neue Heimat, nachdem ihr verstorbener Mann ihr ein Haus und eine zweite Familie hinterlassen hat. Szenen für diese Serie wurden unter anderem im Hafen von Dierhagen auf dem Fischland-Darß-Zingst gedreht. Selbst der anfänglich versteinerte Ausdruck von Ella Schön soll hier gelegentlich einem Lächeln gewichen sein – ein Beleg dafür, wie die positive Atmosphäre der Drehorte die Stimmung beeinflussen kann.

Auch historische Dramen nutzen die vorhandenen, gut erhaltenen Anwesen und Schlösser der Region. Substanzielle Szenen aus dem zweiteiligen ARD-Geschichtsdrama „Die Flucht” mit Maria Furtwängler, das die Flucht aus Ostpreußen thematisiert, wurden auf dem historischen Anwesen Schloss Bothmer bei Klütz gedreht. Dieses beeindruckende Barockschloss bot eine authentische Kulisse für die dramatischen Ereignisse der späten Kriegsjahre und der Nachkriegszeit.

Mecklenburg-Vorpommern international gefragt

Die Schönheit und Vielfalt der Drehorte in Mecklenburg-Vorpommern bleiben auch ausländischen Produktionen nicht verborgen. Immer häufiger werden Locations in MV für internationale Filme und Serien ausgewählt.

  • Für die internationale Koproduktion „Last Song for Stella” standen namhafte Schauspieler wie Paula Beer und Katja Riemann in Ludwigslust vor der Kamera. Die Stadt und ihre Umgebung boten die notwendigen Settings für die Filmhandlung.
  • Das Schweriner Schloss, eines der Wahrzeichen Mecklenburg-Vorpommerns, hatte einen besonderen Auftritt im ersten Teil von „Kingsman: The Secret Service”. Es „spielte” in dem Agentenfilm den Schwedischen Königspalast und zeigte einmal mehr, dass historische Gebäude in MV auch als Kulisse für europäische Königshäuser dienen können.
  • Ein besonders interessantes Beispiel ist Roman Polanskis Politthriller „Der Ghostwriter”. Obwohl die Filmhandlung auf der Insel Martha’s Vineyard vor der Südküste von Massachusetts, USA, angesiedelt ist, wurde die Fassade einer Luxusvilla mit Tennisplatz extra für den Film am Strand von Peenemünde auf der Insel Usedom aufgebaut. Dies zeigt die Flexibilität und den Gestaltungswillen, den Filmemacher in MV finden.

Noch berühmter durch eine Netflix-Serie wurde das Schloss Mirow. Hier lebte Prinzessin Charlotte, bevor sie am 17. August 1761 Königin von Großbritannien und Irland wurde. Die Netflix-Produktion „Queen Charlotte: Eine Bridgerton-Geschichte” inszeniert den Aufstieg der fiktiven dunkelhäutigen Königin Charlotte an der Seite von George III. Obwohl die Serie fiktive Elemente enthält und nicht alle Szenen authentisch am historischen Ort gedreht wurden, rückte sie das Schloss Mirow und die historische Figur Prinzessin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz international ins Bewusstsein.

Regionale Geschichten, regional gedreht

Neben den großen nationalen und internationalen Produktionen gibt es auch Filme, die ganz bewusst regionale Geschichten erzählen und diese auch in Mecklenburg-Vorpommern drehen. Zwei der bekanntesten Beispiele sind Dokumentarfilme:

  • „Dann gehste eben nach Parchim” von Dieter Schumann begleitet drei junge Schauspieler an einem Theater in der mecklenburgischen Provinz und gibt Einblicke in das Leben und die Herausforderungen abseits der großen Metropolen.
  • Jörg Herrmanns „Vom Keltern – Das Leben der Helga Schubert” porträtiert eine der bedeutendsten Autorinnen Mecklenburg-Vorpommerns und zeigt ihr Leben und Schaffen in ihrer Heimatregion.

Diese Filme dokumentieren nicht nur das Leben in MV, sondern nutzen auch die authentischen Schauplätze, um ihre Geschichten zu erzählen.

Mecklenburg-Vorpommern im Musikvideo

Nicht nur Film und Fernsehen, auch die Musikbranche entdeckt Mecklenburg-Vorpommern als attraktiven Drehort. Der besondere Spirit des Landes elektrisiert auch Popstars, die hier die passende Kulisse für ihre Musikvideos finden.

  • Axel Bosse drehte das Musikvideo zu seinem Hit „Steine” an einer der ersten Adressen der mecklenburgischen Ostseeküste: dem Grand Hotel Heiligendamm. Die eindrucksvolle Architektur und die Lage direkt am Meer boten eine stimmungsvolle Kulisse für den Song.
  • Die norwegische Singer-Songwriterin Marit Larsen wählte die Insel Hiddensee als Kulisse für ihr Musikvideo zum Titel „Don’t Save Me”. Das Video zeigt sie auf einer sommerlichen Fahrradtour zum Leuchtturm Dornbusch und fängt die idyllische und naturbelassene Schönheit der autofreien Insel ein.

Aktuelle Produktionen und Ausblick

Mecklenburg-Vorpommern bleibt ein aktiver Drehort. Aktuell werden weiterhin neue Projekte realisiert.

Die Vorabendserie „Hotel Mondial”, die im Februar 2023 im ZDF startete, wählte Schwerin als Hauptschauplatz. Die Filmkulisse für die Außenaufnahmen des fiktiven Spitzenhotels ist das Gebäude der Kückenstiftung direkt am Pfaffenteich in Schwerin. Im „richtigen Leben” beherbergt dieses Gebäude ein Restaurant und das ZDF-Landesstudio, was die Verbindung von Realität und Fiktion auf interessante Weise zeigt. Die Dreharbeiten zur zweiten Staffel liefen bereits im Februar 2023, was die fortlaufende Bedeutung Schwerins als Drehort unterstreicht.

Ein weiterer spannender Film, der in MV gedreht wurde, ist „Die Herrlichkeit des Lebens”. Das Historiendrama, das zum 100. Todestag von Franz Kafka am 21. März 2024 in die Kinos kam, erzählt die Liebesgeschichte zwischen Franz Kafka und Dora Diamant. Als Drehorte in MV dienten unter anderem die Halbinsel Wustrow und das Gut Berlitz nahe der Hansestadt Rostock. Diese Orte boten die passende historische Atmosphäre für die Verfilmung dieser literarischen Liebesgeschichte.

Filmkunstfest MV und Förderung

Die Bedeutung Mecklenburg-Vorpommerns als Filmland wird auch durch Veranstaltungen und Förderstrukturen unterstrichen. Jedes Jahr im Mai findet in Schwerin das Filmkunstfest MV statt. Bei diesem Festival werden die besten deutschsprachigen Filme aus vier Wettbewerbskategorien gekürt. Eine besondere Kategorie ist „Gedreht in MV”, bei der eine Jury Filme vorstellt und auszeichnet, die in Mecklenburg-Vorpommern entstanden sind. Das Festival zieht fast 18.000 Besucher pro Jahr an und ist ein wichtiger Treffpunkt für die Branche und Filminteressierte.

Initiatorin des Festivals und eine zentrale Akteurin für die Filmförderung in der Region ist die Filmland MV gGmbH. Diese Gesellschaft, die 2006 gegründet wurde und ihren Sitz ebenfalls in Schwerin hat, zeichnet sich neben dem Filmkunstfest auch für die SchulKinoWoche MV und die strategische Kinoplanung im Land verantwortlich. Sie unterstützt junge Filmemacherinnen und Filmemacher und trägt maßgeblich dazu bei, Mecklenburg-Vorpommern als attraktiven Filmstandort zu stärken und weiterzuentwickeln.

Häufig gestellte Fragen zu Drehorten in MV

Wo wurde Loriots „Pappa ante portas” gedreht?
Szenen des Films „Pappa ante portas” mit Loriot wurden auf der Seebrücke in Ahlbeck auf der Insel Usedom gedreht.

Welcher berühmte Stummfilm wurde in Wismar gedreht?
Der Horrorfilmklassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens” von F.W. Murnau aus den 1920er Jahren hatte Drehorte in der Altstadt von Wismar.

Welche bekannten Krimiserien spielen in Mecklenburg-Vorpommern?
Zu den bekannten Krimiserien, die in MV gedreht werden, gehören „Stralsund”, „Polizeiruf 110” (teilweise), der „Usedom-Krimi” und die „SOKO Wismar”.

Wurde das Schweriner Schloss schon einmal für einen internationalen Film genutzt?
Ja, das Schweriner Schloss „spielte” im ersten Teil von „Kingsman: The Secret Service” den Schwedischen Königspalast.

Gibt es in MV ein Filmfestival?
Ja, das Filmkunstfest MV findet jährlich in Schwerin statt und präsentiert und prämiert deutschsprachige Filme, darunter auch eine Kategorie speziell für in MV gedrehte Produktionen.

Mecklenburg-Vorpommern bietet eine beeindruckende Vielfalt an Drehorten und hat sich fest in der deutschen und auch internationalen Film- und Fernsehlandschaft etabliert. Die Mischung aus Küste, Seen, historischen Städten und ländlichen Gebieten bietet für nahezu jedes Genre die passende Kulisse. Unterstützt durch Initiativen wie das Filmkunstfest und die Filmland MV gGmbH, wird die Region auch in Zukunft eine wichtige Rolle als „Filmland” spielen.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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