Ist Essen gehen in Straßburg teuer?

Straßburg: Europastadt mit reicher Geschichte

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Straßburg ist weit mehr als nur eine Stadt. Es ist ein lebendiges Mosaik europäischer Geschichte, ein Schmelztiegel der Kulturen und ein bedeutendes politisches Zentrum. Gelegen am Fluss Ill, der sich malerisch durch die Stadt schlängelt, und unweit des Rheins, der hier die Grenze zu Deutschland markiert, verkörpert Straßburg eine einzigartige Verbindung von französischem Savoir-vivre und deutscher Gründlichkeit. Doch was macht diese Stadt, die mit fast 300.000 Einwohnern im Kern und rund 790.000 in der Agglomeration die größte im Grand Est ist, so besonders? Ihre Geschichte, die sich über Jahrtausende erstreckt und von ständigen Wechseln und Wandlungen geprägt ist, liefert die faszinierendste Antwort.

Was ist das Hauptgericht in Straßburg?
Baeckeoffa ist ein traditionelles Gericht der elsässischen Küche. Es wird aus Rind-, Hammel- und Schweinefleisch hergestellt, das mit Zwiebeln, Karotten, Kartoffeln und Kräutern mariniert und langsam in einem Tontopf gegart wird. Es wird meist mit einem grünen Salat serviert.

Der Name Straßburg selbst erzählt bereits einen Teil dieser Geschichte. Erstmals im Jahr 589 bezeugt, leitet er sich vom althochdeutschen „strāʒe“ (Heeresstraße) und „burg“ (befestigte Stadt) ab. Er bezeichnete also einen befestigten Ort an einer wichtigen Militärstraße aus dem Inneren Galliens. Die römische Vorgängersiedlung, die aus einer keltischen Siedlung hervorging, trug den Namen Argentorate, was wahrscheinlich „Befestigung am Silberfluss“ bedeutet. Diese frühen Namen verweisen auf die strategische Bedeutung der Stadt, die sie über Jahrhunderte hinweg behalten sollte.

Ein Streifzug durch die Geschichte: Von Argentoratum zur Europastadt

Die Wurzeln Straßburgs reichen weit zurück. Das Straßburger Becken war bereits um 1300 v. Chr. besiedelt. Im Jahr 12 v. Chr. gründete der römische Feldherr Drusus hier einen militärischen Außenposten namens Argentoratum. Dieser entwickelte sich zu einer bedeutenden Garnison und einem wichtigen Ort in der römischen Provinz Germania superior. Nach einem Brand im Jahr 97 erreichte Argentoratum seine größte Ausdehnung und Befestigung. Schon im 4. Jahrhundert war Straßburg wahrscheinlich Bischofssitz, wie Ausgrabungen unter der heutigen Église Saint-Étienne zeigen. Die Region war Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen, wie der Schlacht von Argentoratum im Jahr 357. Im 5. Jahrhundert wurde die Stadt von verschiedenen germanischen Stämmen erobert.

Ein herausragendes historisches Dokument, das eng mit Straßburg verbunden ist, sind die Straßburger Eide aus dem Jahr 842. Diese Eide, die zwischen Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen geschworen wurden, sind nicht nur politisch bedeutsam, sondern auch sprachgeschichtlich von unschätzbarem Wert. Sie wurden neben Latein auch in Althochdeutsch und Altfranzösisch abgefasst und stellen somit das älteste erhaltene Dokument in einer frühen französischen Sprache dar. Dies unterstreicht die frühe Mittlerrolle Straßburgs zwischen den Sprachräumen.

Vom Mittelalter bis ins späte 17. Jahrhundert war Straßburg Teil des Heiligen Römischen Reiches. Diese Periode war geprägt von internen Machtkämpfen, insbesondere zwischen den bedeutenden Patrizierfamilien Müllenheim und Zorn. Ihre Rivalität wurde sogar in Straßenschlachten ausgetragen, und das Rathaus soll zeitweise zwei getrennte Eingänge für die Familien gehabt haben. Die Ufer der Ill tragen noch heute ihre Namen: Quai Müllenheim und Quai Zorn. Trotz dieser Rivalitäten entwickelte sich Straßburg zu einem wichtigen Wirtschaftszentrum.

Ein entscheidender Wendepunkt war das Jahr 1262, als die Bürger den Bischof Walter von Geroldseck in der Schlacht von Hausbergen besiegten. Dies führte zur Unabhängigkeit vom Hochstift Straßburg, und die Stadt entwickelte sich zu einer Freien Reichsstadt. Dieses Privileg wurde 1358 von Kaiser Karl IV. bestätigt. Die Bauverwaltung des berühmten Straßburger Münsters ging zu dieser Zeit in die Verantwortung der Stadt und der Zünfte über, was untypisch für Kathedralbauten war.

Die Zünfte gewannen im 14. Jahrhundert zunehmend an Einfluss, insbesondere nach dem „Geschell der Müllenheim und Zorn“ im Jahr 1332. Straßburg wurde zu einer der ersten kleinen Republiken im Heiligen Römischen Reich, in der Handwerker und Gewerbetreibende maßgeblich an der Regierung beteiligt waren. Eine neue Verfassung von 1482, die bis zur Französischen Revolution gültig war, sicherte den Zünften zwei Drittel der Ratssitze.

Reformation, Buchdruck und religiöse Vielfalt

Straßburg spielte eine zentrale Rolle in der europäischen Reformation. Dank seiner relativen religiösen Toleranz wurde es zu einem frühen Zentrum des Buchdrucks und der Verbreitung reformatorischer Ideen. Schriften von Martin Luther und anderen Reformatoren konnten hier gedruckt werden. Die Stadt zog reformatorische Persönlichkeiten wie Martin Bucer, Wolfgang Capito und zeitweise auch Johannes Calvin an. Obwohl Straßburg sich 1530 mit der Confessio Tetrapolitana zunächst einem eigenen Bekenntnis anschloss, näherte es sich später dem Luthertum an. Die Stadt gewährte Verfolgten Zuflucht, darunter auch Hugenotten und verschiedene Täufergruppen, was zu einem bemerkenswerten protestantischen Pluralismus führte, der jedoch später der lutherischen Orthodoxie weichen musste.

Ein dunkles Kapitel dieser Zeit war das Pogrom gegen die jüdische Gemeinde am Valentinstag 1349 im Zuge der europäischen Pestepidemie, bei dem hunderte, möglicherweise bis zu 3000, Juden getötet wurden. Juden war es anschließend über Jahrhunderte hinweg untersagt, nach Einbruch der Dunkelheit in der Stadt zu verweilen.

Straßburg war auch ein Zentrum der Nachrichtenverbreitung. Im Jahr 1605 gab Johann Carolus hier das Nachrichtenblatt Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien heraus, das als erste gedruckte Zeitung der Welt gilt.

Französische Herrschaft und deutsche Kultur

Nach dem Dreißigjährigen Krieg strebte Frankreich unter Ludwig XIV. den Rhein als natürliche Grenze an. Im Jahr 1681 wurde Straßburg, mitten im Frieden, von französischen Truppen besetzt. Diese Annexion wurde im Frieden von Rijswijk 1697 bestätigt. Obwohl die lutherische, deutsch geprägte Universität bestehen blieb und das Elsass durch eine Zollgrenze vom restlichen Frankreich getrennt war, begann eine Phase der Rekatholisierung, und Protestanten wurden zeitweise von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Kulturell und sprachlich blieb die Region jedoch lange Zeit deutsch geprägt.

Diese besondere Situation zog berühmte Persönlichkeiten an. Voltaire und Jean-Jacques Rousseau verbrachten Zeit in Straßburg. In den Jahren 1770/71 studierte Johann Wolfgang Goethe hier, und die Stadt wurde zu einem wichtigen Treffpunkt für die literarische Bewegung des Sturm und Drang, mit Figuren wie Jakob Michael Reinhold Lenz und Johann Gottfried Herder.

Während der Französischen Revolution wurde Straßburg zu einem Anziehungspunkt für deutsche Republikaner. Die Stadt spielte eine Rolle in revolutionären Ereignissen, und die berühmte Marseillaise wurde 1792 hier komponiert. Straßburg wurde Sitz der Präfektur des Départements Bas-Rhin.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde Straßburg belagert und schwer beschossen, wobei wertvolle Kulturgüter wie das städtische Kunstmuseum und die Stadtbibliothek zerstört wurden. Am 28. September 1870 kapitulierte die Stadt und wurde nach dem Frieden von Frankfurt Teil des neu gegründeten Deutschen Reiches.

Straßburg im Deutschen Reich: Aufschwung und soziale Politik

Unter deutscher Herrschaft wurde Straßburg zur Hauptstadt des Reichslandes Elsaß-Lothringen ausgebaut. Die Stadt wurde zu einer der wichtigsten Festungen im Westen des Reiches erweitert, mit einem modernen Festungsgürtel und inneren Befestigungen. Reste wie das „Kriegstor“ zeugen noch heute davon.

Trotz anfänglicher Ablehnung der Eingliederung durch einen Großteil der Bevölkerung erlebte Straßburg einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Die Einwohnerzahl verdreifachte sich zur Zeit der Industrialisierung. Die Kaiser-Wilhelm-Universität wurde 1872 neu gegründet und entwickelte sich zu einer bedeutenden deutschen Hochschule. Auch das Stadtbild wurde durch repräsentative Neubauten und den neuen Bahnhof von 1883 geprägt.

Besonders hervorzuheben ist die fortschrittliche Kommunalpolitik in der Vor-Weltkriegszeit. Dank der 1895 erlassenen Gemeindeordnung und des allgemeinen gleichen Kommunalwahlrechts, das in den meisten anderen deutschen Staaten nicht existierte, hatten die Sozialdemokraten großen Einfluss. Unter Bürgermeister Rudolf Schwander wurden umfangreiche städtische Sanierungsprojekte durchgeführt, heruntergekommene Viertel erneuert und ein fortschrittliches System der Armenfürsorge und Gesundheitsvorsorge eingeführt, das Straßburger System mit regelmäßigen Schulzahnarzt- und -arztvisiten. Auch der Ausbau des Rheinhafens und die Elektrifizierung der Region unter städtischer Kontrolle trugen zum Aufschwung bei.

Die turbulenten Jahre des 20. Jahrhunderts

Nach dem Ersten Weltkrieg erklärte sich Elsaß-Lothringen kurzzeitig zur unabhängigen Republik, wurde aber schnell von französischen Truppen besetzt. Gemäß dem Versailler Vertrag 1919 wurde Straßburg ohne Volksabstimmung wieder Frankreich zugesprochen. 1920 wurde die Stadt Sitz der internationalen Zentralkommission für die Rheinschifffahrt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Straßburg erneut zum Spielball der Mächte. Die gesamte Stadt wurde 1939 evakuiert. Nach der französischen Kapitulation 1940 wurde das Elsass faktisch an das Deutsche Reich angeschlossen, und Straßburg erlebte eine strenge Germanisierungspolitik. Die jüdische Gemeinde wurde verfolgt, die Synagoge verbrannt. Allied bombings in den Jahren 1943/44 verursachten erhebliche Zerstörungen, auch am Münster und im historischen Zentrum. Die Stadt wurde im November 1944 von französischen und amerikanischen Truppen befreit.

Straßburg heute: Symbol der europäischen Einigung

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine neue Ära für Straßburg. Die Stadt wurde zum Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung und der europäischen Integration. Dies spiegelt sich in der Ansiedlung bedeutender europäischer Institutionen wider:

  • 1949: Sitz des Europarats
  • 1952: Hauptsitz des Europäischen Parlaments
  • 1992: Sitz des deutsch-französischen Kulturkanals Arte
  • 2005: Gründung des grenzüberschreitenden Eurodistrikts Straßburg-Ortenau

Das historische Zentrum, die von der Ill umschlossene Grande Île, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und zieht mit seinen Fachwerkhäusern und Kanälen, insbesondere im Viertel Petite France, Besucher aus aller Welt an. Das Straßburger Münster, das einst höchste Gebäude der Welt, dominiert weiterhin das Stadtbild und ist ein Meisterwerk gotischer Architektur.

Eine Stadt der tausend Kirchen und vielfältigen Glaubensrichtungen

Straßburg trägt den Beinamen „ville aux mille églises“ (Stadt der tausend Kirchen), was die historische und gegenwärtige religiöse Vielfalt widerspiegelt. Seit der Reformation war das Zusammenleben von Katholiken und Protestanten ein prägendes Element der Stadtgeschichte. Das Straßburger Münster ist eine katholische Kathedrale, aber es gibt zahlreiche historische protestantische Kirchen wie Saint-Thomas oder der Temple Neuf, die von der reformatorischen Vergangenheit zeugen. Die Kirche Saint-Pierre-le-Vieux ist sogar eine historische Simultankirche, die von beiden Konfessionen genutzt wird.

Die jüdische Gemeinde Straßburgs hat eine leidvolle Geschichte hinter sich, von Pogromen und Vertreibung im Mittelalter bis zur Verfolgung im Nationalsozialismus. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Gemeinde jedoch wieder gewachsen, insbesondere durch Zuwanderung aus Nordafrika, und verfügt heute über mehrere Synagogen und Institutionen.

Auch der Islam ist in Straßburg präsent. Die muslimische Gemeinde, die hauptsächlich aus Einwanderern aus Nordafrika und der Türkei besteht, verfügt über mehr als dreißig Moscheen und Gebetsräume, darunter eine der größten Moscheen Frankreichs, die 2012 eröffnet wurde. Straßburg besitzt zudem den ersten muslimischen Friedhof Frankreichs und eine private islamische Fakultät zur Imam-Ausbildung.

Schlüsselfakten zu Straßburg

AspektDetails
Einwohner (Kernstadt, 2021)291.313
Agglomeration (2021)ca. 790.000
LageAm Fluss Ill, nahe dem Rhein; Grande Île als Altstadt
Historische ZugehörigkeitHeiliges Römisches Reich (bis 1681), Königreich Frankreich / Französische Republik (seit 1681, mit Unterbrechungen)
Europäische RolleSitz des Europarats, Hauptsitz des Europäischen Parlaments, Sitz von Arte
Bedeutende BauwerkeStraßburger Münster, Petite France, Europäische Institutionen
Historische BesonderheitenStraßburger Eide, Freie Reichsstadt, Zentrum der Reformation, Erste gedruckte Zeitung, Progressive Kommunalpolitik (dt. Kaiserreich)

Häufig gestellte Fragen zu Straßburg

Hier finden Sie Antworten auf einige häufige Fragen:

  • Was bedeutet der Name Straßburg?
    Der Name leitet sich vom Althochdeutschen „strāʒe“ (Heeresstraße) und „burg“ (befestigte Stadt) ab und bedeutet „befestigter Ort an der Heeresstraße“.
  • Wann wurde Straßburg französisch?
    Straßburg wurde 1681 von Frankreich besetzt und die Zugehörigkeit im Frieden von Rijswijk 1697 bestätigt. Nach einer Periode im Deutschen Reich (1871-1918) wurde es 1919 wieder Frankreich zugesprochen.
  • Welche europäischen Institutionen haben ihren Sitz in Straßburg?
    Straßburg ist Sitz des Europarats, Hauptsitz des Europäischen Parlaments und Sitz des Kulturkanals Arte.
  • Welche Rolle spielte Straßburg in der Reformation?
    Straßburg war ein bedeutendes Zentrum der Reformation. Es gewährte vielen Reformatoren und verfolgten Gruppen Zuflucht und war wichtig für den Druck und die Verbreitung reformatorischer Schriften.
  • War Straßburg immer eine Stadt zwischen Deutschland und Frankreich?
    Ja, die Geschichte Straßburgs ist stark vom Einfluss beider Kulturräume geprägt. Es war lange Teil des Heiligen Römischen Reiches und später Frankreichs, was zu einer einzigartigen kulturellen Identität führte.

Straßburgs Besonderheit liegt in dieser faszinierenden Mischung. Die Stadt hat die Spuren ihrer wechselvollen Geschichte bewahrt, von römischen Fundamenten über mittelalterliche Gassen und prächtige Bauten aus der Zeit als Freie Reichsstadt und deutsche Hauptstadt bis hin zu den modernen Glaspalästen der europäischen Institutionen. Sie ist ein Ort, der die Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen verschiedenen Kulturen und Nationen schlägt. Diese einzigartige Identität macht Straßburg zu einem unvergleichlichen Ort in Europa.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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