Was sollte man in Weimar gegessen haben?

Weimars Kulinarische Reise: Goethe & Kloß

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Weimar, die Stadt der Dichter und Denker, ist weltbekannt für ihr reiches kulturelles Erbe, das untrennbar mit Namen wie Goethe und Schiller verbunden ist. Doch neben Literatur und Geschichte birgt Weimar auch eine faszinierende kulinarische Welt, die weit mehr zu bieten hat als nur traditionelle Thüringer Küche. Wer sich fragt: 'Was sollte man in Weimar gegessen haben?', begibt sich auf eine spannende Entdeckungsreise zwischen deftiger Tradition, historischem Genuss und modernen Interpretationen.

Wo hat Goethe in Weimar gegessen?
Essen wie Goethe im Erbenhof.

Die kulinarische Szene Weimars spiegelt die Vielschichtigkeit der Stadt wider. Sie ehrt ihre Wurzeln in der bodenständigen Thüringer Küche, wagt aber gleichzeitig den Blick über den Tellerrand hinaus. Es ist eine Mischung, die sowohl Liebhaber regionaler Spezialitäten als auch Entdecker auf ihre Kosten kommen lässt.

Das Herzstück der Thüringer Küche: Kloß und Bratwurst

Kein Besuch in Thüringen, und damit auch nicht in Weimar, ist komplett ohne die Begegnung mit zwei absoluten Ikonen: dem Thüringer Kloß und der Thüringer Bratwurst. Diese beiden Gerichte sind mehr als nur Essen; sie sind Teil der regionalen Identität, ein Ausdruck von Tradition und Geselligkeit. Der Thüringer Kloß, oft liebevoll als 'Grüner Kloß' bezeichnet, wird aus rohen und gekochten Kartoffeln hergestellt und zeichnet sich durch seine einzigartige Konsistenz aus. Er ist der perfekte Begleiter zu deftigen Fleischgerichten mit viel Soße, die er bereitwillig aufsaugt.

Der 'Kloßkult' in Thüringen ist tief verwurzelt. Die Zubereitung des perfekten Kloßes wird oft als Kunstform betrachtet und von Generation zu Generation weitergegeben. Ein guter Kloß ist gleichzeitig fest und doch zart, glatt in der Oberfläche und geschmacksintensiv, auch wenn er hauptsächlich aus Kartoffeln besteht. Er ist ein Sättigungsbeilagengenie und ein Muss auf jeder traditionellen Speisekarte.

Ebenso unverzichtbar ist die Thüringer Bratwurst. Sie ist geographisch geschützt und muss bestimmte Kriterien erfüllen: mindestens 51 Prozent grob entfettetes Schweinefleisch, gewürzt mit Kümmel, Majoran und Knoblauch, und in einen Naturdarm gefüllt. Traditionell wird sie über Holzkohle gegrillt, was ihr das unverwechselbare Aroma verleiht. Serviert wird sie meist im Brötchen oder mit Senf und Brot. Der Duft frisch gegrillter Thüringer Bratwurst gehört zum Stadtbild Weimars wie die historischen Gebäude.

Diese beiden Klassiker repräsentieren die bodenständige, ehrliche Seite der Weimarer Gastronomie. Sie sind in zahlreichen Gasthöfen und auf Märkten zu finden und bieten einen authentischen Einblick in die regionale Esskultur. Doch Weimar hat auch eine historische Tiefe, die sich auf dem Teller wiederfindet.

Auf Goethes Spuren: Eine Zeitreise für den Gaumen

Ein besonders faszinierender Aspekt der Weimarer Kulinarik ist die Möglichkeit, sich von den Essgewohnheiten vergangener Zeiten inspirieren zu lassen, insbesondere von denen des berühmtesten Bewohners der Stadt: Johann Wolfgang von Goethe. Auch wenn wir nicht genau wissen, was jeden Tag auf seinem Tisch stand, geben überlieferte Rezepte und Berichte spannende Einblicke. Einige Restaurants in Weimar haben sich dieser kulinarischen Geschichte angenommen und interpretieren historische Gerichte neu.

Eine solche Zeitreise könnte beispielsweise mit einem Gericht beginnen, das angeblich eine Leibspeise Goethes war: die sogenannten 'Geheimratsecken'. Dieser Name, der an die Frisur des Dichters erinnert, bezeichnete einen Salat, der aus Zutaten wie Sardellen, Ei, Pellkartoffeln und Rote Bete zubereitet wurde. Es wird berichtet, dass Goethe sich diesen Salat sogar in seine Loge im Weimarer Hoftheater liefern ließ. Die Kombination mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, doch die salzige Note des Fisches wird durch das Ei, die Kartoffeln und die Süße der Roten Bete harmonisch abgemildert. Oft auf geröstetem Graubrot angerichtet, bietet diese Vorspeise einen geschmacklichen Brückenschlag ins frühe 19. Jahrhundert.

Was sollte man in Weimar gegessen haben?
Tradionell: Bratwurst, Klöße und Co Thüringens Nationalgerichte muss man probiert haben: Klöße, Bratwurst und den Thüringer Blechkuchen.

Weiter könnte ein historisch inspirierter Gang eine wärmende 'Brühe vom Kalb mit kleinen Pastetlein' sein. Eine klare, kräftige Brühe, die den Körper wärmt und den Gaumen auf weitere Genüsse vorbereitet. In modernen Interpretationen finden sich oft pilzgefüllte Teigtaschen als 'Pastetlein', die der Brühe eine zusätzliche Textur und ein erdiges Aroma verleihen. Solche Gerichte spiegeln die Bedeutung von Suppen und Brühen in der Küche dieser Zeit wider, die oft als stärkende Grundlage dienten.

Der Höhepunkt eines solchen historischen Menüs könnte ein Hauptgang sein, dessen Rezept aus dem Kochbuch von Goethes Großmutter stammen soll: 'Gut Wildbret mit Morchelsoße an Franken Knöpflein'. Zartes Wild, auf der Zunge schmelzend, begleitet von einer feinen Morchelsoße, die dem Gericht eine luxuriöse, waldige Note verleiht. Die 'Franken Knöpflein' sind, wie der Name schon andeutet, im Grunde Semmelknödel. Sie nehmen die köstliche Soße wunderbar auf und runden das Gericht ab. Dieses Gericht zeugt von der Wertschätzung für Wild in der damaligen Zeit und der Kunst, einfache Beilagen perfekt in Szene zu setzen. Interessanterweise soll es in dem Kochbuch von Goethes Großmutter laut Überlieferung nur ein einziges Gemüsegericht gegeben haben: gefüllte Weinblätter. Dies unterstreicht die fleischlastige Ernährung der damaligen Zeit.

Zum Abschluss einer solchen historischen Mahlzeit darf das Dessert nicht fehlen. Ein überliefertes Rezept aus Goethes Familie sind die 'Nonnenfürtz' an Weinschaum und Apfelcréme, dazu Welsche Nüsse (schwarze Nüsse). Der Name 'Nonnenfürtz' mag heute komisch klingen, soll sich aber vom Wort 'Nonnekenfurt' ableiten, was so viel wie 'was Nonnen am besten können' bedeutet. Dieses Dessert wurde traditionell aus übrig gebliebenen Lebkuchenresten von Weihnachten zubereitet. In Kombination mit luftigem Weinschaum, erfrischender Apfelcreme und dem intensiven Geschmack fermentierter schwarzer Nüsse wird aus diesem einfachen Gericht etwas Besonderes. Diese Kombination zeigt das Savoir-vivre in Weimar – die Fähigkeit, auch aus bescheidenen Zutaten etwas Harmonisches und Verzauberndes zu schaffen.

Die Möglichkeit, Gerichte zu probieren, die von Goethes mutmaßlichen Vorlieben oder Familienrezepten inspiriert sind, bietet eine einzigartige Perspektive auf die Geschichte Weimars durch den Gaumen. Es ist eine kulinarische Geschichtsstunde, die Literatur, Kultur und Essen auf köstliche Weise verbindet.

GangGerichtHauptzutatenBesonderheit/Historie
Erster Gang'Geheimratsecken'Sardellen, Ei, Pellkartoffeln, Rote BeteAngeblich Goethes Leibspeise, ließ sie sich ins Theater liefern
Zweiter GangKalbsbrühe mit PastetleinKlare Kalbsbrühe, Teigtaschen (oft mit Pilzen)Wärmend, klassische Suppe zur Vorbereitung auf den Hauptgang
HauptgangWildbret mit Morchelsoße und Franken KnöpfleinZartes Wild, Morcheln, SemmelknödelRezept aus Goethes Großmutters Kochbuch, deftig und aromatisch
Dessert'Nonnenfürtz' an WeinschaumLebkuchenreste, Weinschaum, Apfelcréme, schwarze NüsseHistorisches Familienrezept, Name leitet sich von 'Nonnekenfurt' ab

Mehr als nur Geschichte: Moderne Gaumenfreuden und Erlebnisse

Neben den traditionellen Gasthöfen und Restaurants, die Thüringer Klassiker servieren, und den Adressen, die sich der historischen Küche widmen, bietet Weimar auch eine lebendige moderne Gastronomieszene. Cafés mit internationalem Flair, Restaurants mit kreativer Küche und Lokale, die auf regionale Produkte mit modernem Twist setzen, bereichern das Angebot.

Für Besucher, die die kulinarische Vielfalt Weimars strukturiert erkunden möchten, kann der 'Kulinarische Stadtplan' eine nützliche Hilfe sein. Er führt zu verschiedenen Orten des Genusses und gibt Orientierung in der Stadt. Darüber hinaus werden in Weimar auch spezifische kulinarische Erlebnisse angeboten, manchmal auch mit einem unterhaltsamen Teil, die es ermöglichen, die Stadt und ihre Spezialitäten auf besondere Weise kennenzulernen. Solche Touren oder Veranstaltungen können Themen wie 'Weimarer Kaffeehauskultur', 'Thüringer Tapas' oder 'Goethes Wein' behandeln und bieten oft die Gelegenheit, mit lokalen Produzenten oder Gastronomen ins Gespräch zu kommen.

Die Vielfalt reicht von gemütlichen Biergärten im Sommer bis hin zu stilvollen Restaurants für besondere Anlässe. Ob man auf der Suche nach einem schnellen Imbiss, einem ausgiebigen Mittagessen oder einem romantischen Abendessen ist, Weimar hält passende Optionen bereit. Die Stadt lädt dazu ein, sich treiben zu lassen und die kulinarischen Entdeckungen als Teil des Gesamterlebnisses Weimar zu sehen.

Ist das Restaurant-Café Divan in Weimar geschlossen?
Gut gefüllt war das Restaurant-Café Divan, als dort am Freitagabend Abschied gefeiert wurde. Abschied von der Pergola, die seit 2009 Schutz vor Regen und starker Sonneneinstrahlung gegeben hatte und nun auf Anordnung der Stadt bis zum 18. August abgebaut werden muss. Weimar.

Häufig gestellte Fragen zur Kulinarik in Weimar

Was muss man kulinarisch in Weimar unbedingt probieren?
Die absoluten Klassiker sind der Thüringer Kloß und die Thüringer Bratwurst. Darüber hinaus empfiehlt es sich, Gerichte zu probieren, die von der historischen Küche inspiriert sind, insbesondere solche, die mit Goethes Namen in Verbindung gebracht werden, wie die 'Geheimratsecken' oder das 'Nonnenfürtz'-Dessert.

Kann man in Weimar tatsächlich Gerichte essen, die schon Goethe kannte?
Ja, einige gastronomische Angebote in Weimar basieren auf überlieferten Rezepten oder historischen Beschreibungen von Essgewohnheiten aus Goethes Zeit, wie beispielsweise die erwähnten Gerichte aus dem Kochbuch seiner Großmutter oder seine vermeintliche Leibspeise, die 'Geheimratsecken'. Diese Gerichte werden oft interpretiert und neu zubereitet, um den heutigen Gaumen anzusprechen, bieten aber einen authentischen Einblick in die Vergangenheit.

Was genau sind 'Geheimratsecken'?
Das ist der Name eines Salats, der angeblich zu den Leibspeisen Goethes gehörte. Er besteht typischerweise aus Sardellen, gekochten Eiern, Pellkartoffeln und Roter Bete. Der Name spielt auf Goethes Frisur an.

Was verbirgt sich hinter dem ungewöhnlichen Namen 'Nonnenfürtz'?
Dies ist der Name eines historischen Desserts aus Goethes Familie. Es wird traditionell aus übrig gebliebenen Lebkuchenresten zubereitet. Der Name leitet sich laut Überlieferung vom Wort 'Nonnekenfurt' ab und bedeutet etwa 'was Nonnen gut können'. Serviert wird es oft mit Weinschaum und Apfelcreme.

Gibt es einen Plan oder eine Karte, die bei der kulinarischen Orientierung in Weimar hilft?
Ja, der 'Kulinarische Stadtplan' wird als nützliches Werkzeug erwähnt, um verschiedene gastronomische Adressen und kulinarische Hotspots in Weimar zu entdecken.

Fazit

Weimar ist nicht nur ein Fest für den Geist und die Augen, sondern auch für den Gaumen. Die Stadt bietet eine reizvolle Mischung aus traditioneller Thüringer Küche, die mit deftigen Klassikern wie Kloß und Bratwurst begeistert, und einer faszinierenden historischen Kulinarik, die es ermöglicht, auf den Spuren großer Persönlichkeiten wie Goethe zu wandeln. Ergänzt wird dies durch eine moderne, vielfältige Gastronomieszene und spezielle kulinarische Erlebnisse. Wer Weimar besucht, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diese Geschmackswelt zu erkunden. Ob in einem urigen Gasthof, einem historischen Restaurant oder einem modernen Café – die kulinarische Reise durch Weimar ist ein unvergesslicher Teil des Gesamterlebnisses.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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