Was gehört alles zu Ehrenkirchen?

Ehrenkirchen: Mehr als nur eine Gemeinde

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Ehrenkirchen, eine lebendige Gemeinde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, liegt malerisch eingebettet rund 13 Kilometer südlich der Universitätsstadt Freiburg im Breisgau und am Rande des sonnenverwöhnten Markgräflerlandes. Was heute als eine Einheit wahrgenommen wird, ist das Ergebnis einer faszinierenden Entwicklung und Zusammenführung verschiedener historisch gewachsener Orte. Ehrenkirchen ist nicht einfach nur eine Gemeinde; es ist ein Mosaik aus fünf einzigartigen Dörfern und ihren zugehörigen Weilern und Wohnplätzen, die gemeinsam eine reiche Geschichte und eine vielfältige Landschaft prägen.

Was gehört alles zu Ehrenkirchen?
KULTUR UND SEHENSWÜRDIGKEITENPfarrkirche St.Georg in Ehrenstetten.Barocke Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt in Kirchhofen.Barocke Pfarrkirche Heilig Kreuz aus dem 18. ...Kirche St.-Michael in Scherzingen.St.-Gallus-Kirche in Norsingen.Wasserschloss Kirchhofen.Hohebannstein.Alemannengräber bei Ehrenstetten.

Die Entstehung der heutigen Gemeinde Ehrenkirchen ist eng mit der Gemeindereform in Baden-Württemberg verbunden. Der Grundstein wurde am 1. April 1973 gelegt, als sich die ehemals selbstständigen Gemeinden Ehrenstetten und Kirchhofen zusammenschlossen. In den folgenden Jahren wuchs die Gemeinde weiter: Am 1. Januar 1974 kam Offnadingen hinzu, gefolgt von Scherzingen am 1. April 1974 und schließlich Norsingen am 1. Oktober 1974. Diese schrittweise Eingemeindung formte die Gesamtgemeinde, wie wir sie heute kennen, und brachte unterschiedliche Traditionen und Geschichten unter einem Dach zusammen.

Die Ortsteile von Ehrenkirchen

Jeder Ortsteil bringt seine eigene Identität und Geschichte in die Gemeinde Ehrenkirchen ein:

Ehrenstetten

Der Ortsteil Ehrenstetten, der zusammen mit Kirchhofen den Anfang der Gesamtgemeinde machte, umfasst neben dem Kerndorf auch den Weiler Gütighofen (dessen Teil auch zu Bollschweil gehört), die Höfe Felsenmühle, Kohlerhöfe und Lettenhof sowie den Wohnplatz Hintere Hattenmühle. In der Gemarkung Ehrenstetten finden sich auch Spuren längst vergangener Siedlungen, die abgegangenen Ortschaften Hartberg und Wolfsberg zeugen von einer noch älteren Besiedlungsgeschichte in diesem Bereich.

Kirchhofen

Kirchhofen, der andere Gründungsteil von Ehrenkirchen, besteht aus dem Dorf Kirchhofen und den Weilern Oberambringen und Unterambringen. Interessanterweise kam zu Beginn des 21. Jahrhunderts westlich von Unterambringen das Gewerbegebiet Niedermatten als neuer Ortsteil hinzu, was die dynamische Entwicklung der Gemeinde unterstreicht. Wie in Ehrenstetten gab es auch in der Gemarkung Kirchhofen abgegangene Ortschaften wie Edighofen (möglicherweise identisch mit Egishofen), Seringen und Zeringgraben.

Offnadingen

Zu Offnadingen gehört im Wesentlichen das gleichnamige Dorf. Auch hier deuten archäologische Funde, wie Gräber aus der Merowingerzeit, auf eine frühe und möglicherweise auch auf eine später wieder aufgegebene Besiedlung hin.

Scherzingen

Scherzingen besteht ebenfalls nur aus dem gleichnamigen Dorf. Dieser Ortsteil hat eine besondere Struktur, da er durch die durchlaufende Bahnlinie in ein Unter- und ein Oberdorf geteilt wird. Der ältere Teil ist das Unterdorf, wo auch die Kirche St. Michael mit ihrem Friedhof zu finden ist. Scherzingen ist mit ungefähr 250 Einwohnern eher klein und hat eine interessante Bauweise, die teilweise auf französische Flüchtlinge nach der französischen Revolution zurückgeführt wird.

Norsingen

Auch Norsingen umfasst nur das gleichnamige Dorf. Dieser Ortsteil, am Batzenberg gelegen, blickt auf eine lange Geschichte mit wechselnden Herrschaftsverhältnissen zurück.

Eine Reise durch die Geschichte Ehrenkirchens

Die Wurzeln der Besiedlung im Gebiet des heutigen Ehrenkirchen reichen weit zurück. Bereits in der älteren Steinzeit lebten Menschen in den Höhlen bei Gütighofen, die als „Teufelsküche“ bekannt sind und als Fundorte von Rentierjägern dienen. Auch alemannische Gräberfunde am Gebirgsrand des Schwarzwaldes sowie am Batzenberg belegen eine frühe Besiedlung durch die Alemannen.

Die erste urkundliche Erwähnung einzelner Orte datiert ins Mittelalter. Ambringen wird bereits 855 oder 861 genannt. Ehrenstetten findet erstmals 1139 Erwähnung, im selben Jahr wie „Ofmanningen“, das heutige Offnadingen. Kirchhofen wird erstmals 1087 urkundlich erwähnt und entwickelte sich im Mittelalter zu einem bedeutenden Zentrum.

Unter der Vogtei Kirchhofen bildeten Ehrenstetten, Kirchhofen sowie Ober- und Unterambringen bis zur Trennung im Jahr 1843 eine Einheit. Kirchhofen war im Mittelalter ein wichtiger Wallfahrtsort und Sitz verschiedener Adelsgeschlechter, die als Lehnsherren fungierten. Dies zeigt sich auch in der relativ großen Ausdehnung der Kirchhofer Gemarkung, die weit über die Grenzen des Dorfes hinausreicht und sogar zwei große Exklaven im Schwarzwald umfasst. Der Hohfirst beispielsweise gehört zum Kirchhofer Bann bis zum Hohebannstein.

Ein dunkles Kapitel der Geschichte ereignete sich während des Dreißigjährigen Krieges. Im Juni 1633 massakrierten badisch-schwedische Truppen unter Rheingraf Otto Ludwig rund 300 Bauern aus Kirchhofen, Ehrenstetten und Pfaffenweiler, da sie diese als Rebellen ansahen.

Das historische Schloss Kirchhofen zeugt ebenfalls von der Bedeutung des Ortes. Hier verstarb 1583 Lazarus von Schwendi, ein bekannter General und kaiserlicher Berater. Heute beherbergt das Schloss neben Schulräumen und Wohnungen auch ein kleines Museum, das an Schwendi erinnert und vom Schlossverein betreut wird.

Auch die Geschichte der anderen Ortsteile ist reich an Details. Norsingen gehörte ursprünglich zum Kloster St. Gallen und erlebte verschiedene Herrschaftswechsel, bevor es Anfang des 19. Jahrhunderts an das Großherzogtum Baden fiel. Offnadingen war im Mittelalter ein Tagungsort des gräflichen Landgerichts im Breisgau. Scherzingen, das ebenfalls auf alemannische Gräberfunde zurückgeht, gehörte lange zur Herrschaft Staufen und später auch zu Pfaffenweiler, bevor es ein eigenständiger Ortsteil wurde. Die Geschichte jedes einzelnen Dorfes wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Gesamtgemeinde im Jahr 2023 in einer Ortschronik dokumentiert.

Geografie und Landschaft

Geografisch liegt Ehrenkirchen in der Oberrheinischen Tiefebene, wobei die Höhenunterschiede innerhalb der Gemarkung beträchtlich sind und von 215 bis 916 Metern reichen. Die Gemeinde erstreckt sich über abwechslungsreiches Gelände. Dazu gehören die südlichen Bereiche markanter Erhebungen wie des Batzenbergs, der für seinen Weinbau bekannt ist, sowie Teile des Schneckentals, des Hohfirsts und des Hexentals. Die östlichen Teile der Gemarkung sind stark bewaldet und gehören bereits zum Schwarzwald, was Ehrenkirchen eine reizvolle Lage am Übergang zweier unterschiedlicher Naturräume verleiht.

Die Ortsteile im Überblick

Um einen besseren Überblick über die Zusammensetzung Ehrenkirchens zu geben, hier eine Zusammenfassung der Hauptortsteile und ihrer wichtigsten zugehörigen Bereiche:

OrtsteilZugehörige Weiler/Höfe/WohnplätzeEingemeindung nach EhrenkirchenBesonderheiten (aus Text)
EhrenstettenGütighofen (tw.), Felsenmühle, Kohlerhöfe, Lettenhof, Hintere Hattenmühle1. April 1973 (Vereinigung mit Kirchhofen)Jahrmarktsrecht 1418, unabhängige Gemeinde 1842
KirchhofenOberambringen, Unterambringen, Gewerbegebiet Niedermatten1. April 1973 (Vereinigung mit Ehrenstetten)Wallfahrtsort & Herrschaftssitz im Mittelalter, Schloss Kirchhofen, große Gemarkung
Offnadingen(keine weiteren im Text genannt)1. Januar 1974Tagungsort gräfliches Landgericht im Mittelalter
Scherzingen(keine weiteren im Text genannt)1. April 1974Geteilt durch Bahnlinie (Unter-/Oberdorf), Kirche St. Michael, ca. 250 Einwohner
Norsingen(keine weiteren im Text genannt)1. Oktober 1974Ursprünglich zu Kloster St. Gallen gehörig, am Batzenberg gelegen

Verlorene Siedlungen

Die Geschichte Ehrenkirchens umfasst auch Orte, die heute nicht mehr existieren. In der Gemarkung Ehrenstetten waren dies Hartberg und Wolfsberg. Kirchhofen verzeichnete die abgegangenen Ortschaften Edighofen (möglicherweise auch Egishofen), Seringen und Zeringgraben. Auch in Offnadingen deuten Gräberfunde auf eine abgegangene Siedlung hin.

Häufig gestellte Fragen zu Ehrenkirchen

Aus welchen Ortsteilen besteht Ehrenkirchen?

Die Gemeinde Ehrenkirchen besteht aus den fünf Hauptortsteilen Ehrenstetten, Kirchhofen, Offnadingen, Scherzingen und Norsingen. Hinzu kommen kleinere zugehörige Siedlungen wie die Weiler Gütighofen, Oberambringen und Unterambringen sowie Höfe und Wohnplätze.

Wann wurde Ehrenkirchen als Gesamtgemeinde gegründet?

Die heutige Gesamtgemeinde Ehrenkirchen entstand schrittweise im Rahmen der baden-württembergischen Gemeindereform. Die Vereinigung von Ehrenstetten und Kirchhofen zur Gemeinde Ehrenkirchen erfolgte am 1. April 1973. Offnadingen, Scherzingen und Norsingen wurden in den Jahren 1974 eingemeindet, wodurch die heutige Struktur geschaffen wurde.

Welche historische Bedeutung hatte Kirchhofen?

Kirchhofen war im Mittelalter von besonderer regionaler Bedeutung. Es war ein bekannter Wallfahrtsort und diente als Sitz verschiedener Adelsgeschlechter, die als Lehnsherren fungierten. Das Schloss Kirchhofen war ein historischer Herrensitz, und die Gemarkung Kirchhofen war deutlich größer als die der Nachbarorte, was seine frühere Vormachtstellung unterstreicht.

Gibt es in Ehrenkirchen alte Siedlungsspuren?

Ja, das Gebiet des heutigen Ehrenkirchen weist sehr alte Siedlungsspuren auf. Dazu gehören Höhlen bei Gütighofen („Teufelsküche“) mit Funden aus der älteren Steinzeit (Rentierjäger) sowie zahlreiche Alemannengräber am Gebirgsrand und am Batzenberg, die auf eine Besiedlung in der frühen Geschichte hinweisen.

Wo liegt Ehrenkirchen geografisch?

Ehrenkirchen liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, etwa 13 Kilometer südlich von Freiburg im Breisgau. Die Gemeinde erstreckt sich landschaftlich vielfältig vom Rande des Markgräflerlandes über Teile des Batzenbergs, Schneckentals, Hohfirsts und Hexentals bis in die westlichen Ausläufer des Schwarzwaldes im Osten der Gemarkung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ehrenkirchen eine Gemeinde mit vielen Facetten ist. Ihre fünf Ortsteile bringen jeweils eine eigene, lange Geschichte mit, die von frühen Siedlern über mittelalterliche Bedeutung bis hin zu den Ereignissen der Neuzeit reicht. Eingebettet in eine reizvolle Landschaft am Übergang von Rheinebene und Schwarzwald, bietet Ehrenkirchen eine interessante Mischung aus historischem Erbe und modernem Leben, geprägt durch die Zusammenführung der ehemals eigenständigen Dörfer zu einer starken Gemeinschaft.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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