Königsbrunn – ein Name, der Neugier weckt. Warum trägt diese Stadt gerade diesen Namen? Die Antwort liegt in ihrer relativ jungen Geschichte und einem entscheidenden Ereignis, das eng mit dem bayerischen Königshaus verbunden ist. Königsbrunn ist im Vergleich zu vielen umliegenden Orten eine sehr junge Siedlung, deren Ursprünge im 19. Jahrhundert liegen. Doch bevor wir zum Namensursprung kommen, lohnt sich ein Blick auf die lange und wechselvolle Geschichte des Bodens, auf dem Königsbrunn heute steht.

Ein Boden mit tiefer Geschichte: Von der Urzeit bis zu den Römern
Obwohl Königsbrunn als Siedlung jung ist, blickt der Boden auf dem Lechfeld, auf dem es liegt, auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurück. Archäologische Funde zeugen von menschlicher Präsenz bereits in der Jungsteinzeit, etwa 3000 vor Christus. Die Glockenbecherkultur hinterließ ebenso ihre Spuren wie die frühe Bronzezeit. Ein besonders aufsehenerregender Fund war eine vollständig erhaltene Steinkiste aus Kalktuff, die 1917 auf einem Acker entdeckt wurde – ein beeindruckendes Zeugnis der Bestattungskultur vor über 4000 Jahren.
In der späten Hallstattzeit, um 500 bis 400 vor Christus, siedelten Kelten auf dem Gebiet. Ausgrabungen haben rund 50 Häuser ihres Dorfes freigelegt, was auf eine beachtliche Siedlungsgröße für die damalige Zeit schließen lässt. Diese Kelten gehörten zu den Vindelikern, einer Stämmegruppe, die von den Römern in diesem Teil Rätiens vorgefunden wurde.
Das Jahr 15 vor Christus markierte einen Wendepunkt: Die Römer übernahmen die Herrschaft. Nördlich des heutigen Königsbrunn entstand ein Legionslager, das zur Keimzelle von Augusta Vindelicum, dem heutigen Augsburg, wurde. Auch in Königsbrunn selbst gab es römisches Leben, belegt durch Funde wie ein Mithräum (ein Heiligtum des Gottes Mithras) und mehrere römische Gutshöfe, sogenannte villae rusticae. Von herausragender Bedeutung war die Via Claudia Augusta, eine der wichtigsten Römerstraßen nördlich der Alpen, die im Jahr 46 ausgebaut wurde. Sie führte direkt durch das heutige Königsbrunner Gebiet nach Augsburg. Ihre Trasse ist vielerorts heute noch erkennbar und bildet die Grundlage für den modernen Fernradweg, der denselben Namen trägt und Radfahrer auf historische Pfade führt.
Das Mittelalter – Eine Zäsur?
Mit dem Ende der römischen Herrschaft scheint die Besiedelung auf dem Königsbrunner Gebiet vorerst geendet zu haben. Die römischen Bauten verfielen und gerieten in Vergessenheit. Das Mittelalter hinterließ, soweit die heutige Archäologie weiß, keine durchgehenden Siedlungsspuren an diesem Ort. Ein epochales Ereignis, das jedoch zumindest teilweise auf dem Königsbrunner Gebiet stattgefunden haben könnte, war die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955. Hier besiegten König Otto und Bischof Ulrich von Augsburg die Ungarn, ein Sieg von europäischer Tragweite. Eindeutige archäologische Beweise, die den genauen Ort der Schlacht in Königsbrunn lokalisieren, stehen jedoch noch aus.
Auch wenn die römischen Siedlungen verschwanden, blieb die Trasse der Via Claudia Augusta als wichtige Verbindung erhalten. Ihre Bedeutung nahm ab dem 17. Jahrhundert wieder zu, insbesondere für Reisende und Wallfahrer zwischen Augsburg und dem südlich gelegenen, immer populärer werdenden Wallfahrtsort Klosterlechfeld.
Die Geburt des Namens: Die Königsbrunnen
Der entscheidende Schritt zur Entstehung Königsbrunns und zur Namensgebung erfolgte im 19. Jahrhundert. Zunächst wurde 1688 im Süden des heutigen Stadtgebiets ein Zollhaus, das "Neuhaus", errichtet. Hier zweigte eine neu gebaute Straße ab, die jedoch mautpflichtig war und daher weniger frequentiert wurde als die alte römische Trasse. Im Zollhaus befand sich auch das Gasthaus "Zum Lechfeldwirt", eine wichtige Raststation auf der langen Strecke. Der Wirt besaß umfangreiche Rechte und konnte 1734 die Nepomukkapelle gegenüber erbauen, die heute noch steht und genutzt wird.
Die eigentliche Geburtsstunde des Namens schlug im Jahr 1833. König Ludwig I. von Bayern ließ entlang der frequentierten Straße zwischen Augsburg und Klosterlechfeld drei Brunnen graben. Diese Brunnen sollten Fuhrleuten, Händlern und vor allem den zahlreichen Wallfahrern auf ihrem Weg Wasser und Erfrischung spenden. Aufgrund ihrer königlichen Herkunft und ihres Zwecks erhielten diese Brunnen schnell den Namen "Königsbrunnen" – die Brunnen des Königs.
Die Existenz dieser zuverlässigen Wasserquellen war die entscheidende Voraussetzung für die nachfolgende Besiedlung. Nur drei Jahre später, im Jahr 1836, begannen die ersten Siedler, ihre Häuser in der Nähe dieser Königsbrunnen zu bauen. Dieses Gebiet gehörte damals noch zur Flur der Gemeinde Bobingen. Die Siedlung wuchs schnell und wurde bald zu einer Kolonie.
Vom Straßendorf zur Stadt: Wachstum und Entwicklung
Auf Antrag der rasch wachsenden Siedlung wurde Königsbrunn am 7. Januar 1842 zur eigenständigen Gemeinde erhoben. Zu diesem Zeitpunkt zählte der Ort bereits 431 Einwohner, darunter 237 Kinder – ein deutliches Zeichen für die junge Struktur der Bevölkerung. Die ersten Siedler stammten oft als Zweit- oder Drittsöhne von Bauern aus anderen Regionen wie Württemberg, Hessen, dem Ries oder dem Donaumoos. Sie suchten hier günstigen Grund und Boden, auch wenn dieser karg und steinig war.
Diese Herkunft führte zu einer Besonderheit Königsbrunns: Im Gegensatz zum überwiegend katholischen Umland hatte die junge Gemeinde von Anfang an eine fast ausgeglichene konfessionelle Struktur. Dies spiegelte sich in der Infrastruktur wider: Wichtige Einrichtungen wurden oft doppelt angelegt. So entstanden 1846 die erste katholische und die erste evangelische Schule. Es folgten getrennte Friedhöfe (protestantisch 1848, katholisch 1850) und schließlich die beiden großen Kirchen, St. Ulrich (katholisch, 1855–1858) und St. Johannes (evangelisch-lutherisch, 1859–1861). Beide Kirchen wurden vom selben Architekten entworfen, sind äußerlich sehr ähnlich und stehen an der alten Hauptstraße, aber auf gegenüberliegenden Seiten und etwa einen Kilometer voneinander entfernt – ein sichtbares Symbol der konfessionellen Parität.
Über lange Zeit entwickelte sich Königsbrunn primär entlang der Hauptstraße und wurde zum längsten Straßendorf Bayerns, das sich über rund sieben Kilometer erstreckte. Die Bebauung in die Breite begann erst später. Die Bevölkerung lebte zunächst vorrangig von der Landwirtschaft auf dem schwierigen Boden.
Bis 1939 wuchs die Einwohnerzahl auf etwa 3000 an. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Königsbrunn einen dramatischen Bevölkerungszuwachs durch die Zuweisung von Heimatvertriebenen. Diese Veränderung stellte die Gemeinde vor große Herausforderungen, bot aber auch Chancen. Ein Mann, der diese Chancen erkannte und die Entwicklung maßgeblich prägte, war Fritz Wohlfarth. 1948 wurde er im Alter von nur 24 Jahren zum 1. Bürgermeister gewählt und war damit der jüngste Bürgermeister Bayerns. Seine Amtszeit war geprägt von intensivem Engagement für den Aufbau des Ortes.
Wohlfarth forcierte den Wohnungsbau, um der Wohnungsnot der Vertriebenen zu begegnen, und trieb den Bau notwendiger Infrastruktur, insbesondere Schulen, voran. Es entstanden die König-Ludwig-Schule (1954), die König-Otto-Schule (1960), die Staatliche Mittelschule (heute Via-Claudia-Realschule, ab 1964 mit eigenem Bau 1965/66) und ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium (ab 1966, eigenes Gebäude 1971). Diese Investitionen in Bildung legten einen wichtigen Grundstein für die Zukunft des Ortes. Parallel dazu förderte Wohlfarth die Ansiedelung von Gewerbebetrieben, um Arbeitsplätze zu schaffen und die wirtschaftliche Basis zu verbreitern.
Diese dynamische Entwicklung führte dazu, dass Königsbrunn am 1. Juli 1967 zur Stadt erhoben wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Einwohnerzahl seit 1939 bereits vervierfacht und lag bei rund 11.000 Bürgern.

Königsbrunn als moderne Stadt: Infrastruktur und Freizeit
Auch nach der Stadterhebung setzte sich das Wachstum und die Entwicklung fort. Spezielle Einrichtungen wie eine Schule für Lernbehinderte (1967) und ein großes Behindertenschulzentrum mit Sportanlagen wurden gebaut. In den 1980er und 90er Jahren entstanden wichtige Freizeiteinrichtungen, die Königsbrunn auch überregional bekannt machten, darunter das Freizeitbad "Königstherme" (inzwischen abgerissen) und die benachbarte Eishalle (1985). Später folgte ein Multiplex-Kino (2001).
Eine der prägendsten und zugleich umstrittensten Maßnahmen war der Ausbau der alten Hauptstraße. In den 1960er und 70er Jahren wurde die frühere Dorfstraße, die Teil der Bundesstraße 17 war, vierspurig ausgebaut. Für diese Verbreiterung mussten hunderte alte Alleelinden weichen, was das ursprüngliche Bild des Straßendorfs stark veränderte. Die ausgebaute Straße zerschnitt den Ort fortan ähnlich einer Stadtautobahn.
Zur Entlastung der Innenstadt wurde 1977 eine neue, autobahnähnliche Trasse der B 17 westlich der Stadt in Betrieb genommen. Die alte Hauptstraße wurde fortan zur Unterscheidung "alte B 17" genannt. Um den Verkehr im Zentrum weiter zu beruhigen, wurden Umgehungsstraßen westlich und östlich der Stadt gebaut und verkehrsreiche Ampelkreuzungen durch Kreisverkehre ersetzt. Der zentrale Abschnitt der Hauptstraße wurde in Bgm.-Wohlfarth-Straße umbenannt. Im Jahr 2003 erfolgte eine weitere Umgestaltung im Bereich zwischen den beiden Kirchen: Die Straße wurde von vier auf zwei Spuren zurückgebaut und neu gestaltet, um das Zentrum attraktiver zu machen.
Neben den Verkehrsprojekten entstanden weitere Sportanlagen und Freizeitmöglichkeiten, wie der Aussichts- und Rodelhügel "Ulrichshöhe", der aus Erdaushub geformt wurde und heute ein beliebter Treffpunkt ist.
Einwohnerentwicklung: Eine Stadt im Wachstum
Die dynamische Geschichte Königsbrunns spiegelt sich auch in seiner Einwohnerentwicklung wider. Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg und in den letzten Jahrzehnten hat die Stadt ein starkes Wachstum verzeichnet.
| Jahr | Einwohnerzahl |
|---|---|
| 1842 (Gründung Gemeinde) | 431 |
| 1939 | ca. 3.000 |
| 1967 (Stadterhebung) | ca. 11.000 |
| 1988 | 20.183 |
| 2018 | 28.076 |
Allein zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt um fast 8.000 Einwohner, was einem beeindruckenden Zuwachs von über 39 % entspricht. Dieses anhaltende Wachstum unterstreicht die Attraktivität Königsbrunns als Wohn- und Wirtschaftsstandort im Großraum Augsburg.
Häufig gestellte Fragen zur Geschichte Königsbrunns
Die Geschichte Königsbrunns wirft oft interessante Fragen auf. Hier sind Antworten auf einige davon:
Warum heißt Königsbrunn Königsbrunn?
Der Name leitet sich von den "Königsbrunnen" ab. Diese drei Brunnen wurden 1833 im Auftrag von König Ludwig I. von Bayern gegraben, um Reisende und Wallfahrer mit Wasser zu versorgen. Die erste Siedlung entstand ab 1836 in unmittelbarer Nähe dieser Brunnen und wurde nach ihnen benannt.
Wann wurde Königsbrunn zur Stadt erhoben?
Königsbrunn erhielt am 1. Juli 1967 das Stadtrecht.
Führte die Via Claudia Augusta durch Königsbrunn?
Ja, die antike römische Handels- und Militärstraße Via Claudia Augusta, die im Jahr 46 ausgebaut wurde, verlief direkt durch das heutige Stadtgebiet von Königsbrunn auf ihrem Weg nach Augsburg.
Fand die Schlacht auf dem Lechfeld in Königsbrunn statt?
Es wird vermutet, dass zumindest Teile der historischen Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955, bei der die Ungarn besiegt wurden, auf dem Gebiet des heutigen Königsbrunn stattfanden. Eindeutige archäologische Beweise zur genauen Lokalisierung fehlen jedoch noch.
Wer war Fritz Wohlfarth?
Fritz Wohlfarth war von 1948 bis 1972 der erste Bürgermeister von Königsbrunn nach dem Zweiten Weltkrieg. Er spielte eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau und der Entwicklung des Ortes nach dem Krieg, insbesondere beim Wohnungs- und Schulbau sowie der Ansiedelung von Gewerbe, was maßgeblich zur Erhebung zur Stadt beitrug.
War Königsbrunn früher ein Dorf?
Ja, Königsbrunn begann als Siedlung (Kolonie) im Jahr 1836, wurde 1842 zur Gemeinde und entwickelte sich zunächst als sogenanntes Straßendorf entlang der Hauptstraße. Erst später wuchs die Bebauung auch in die Breite.
Die Geschichte Königsbrunns ist eine Geschichte des Aufbaus, des Wachstums und der ständigen Veränderung. Von den prähistorischen Jägern und Sammlern über keltische Siedler, römische Reisende und mittelalterliche Krieger bis hin zu den mutigen Siedlern des 19. Jahrhunderts und den Vertriebenen des 20. Jahrhunderts – der Boden Königsbrunns hat viel erlebt. Doch der Name selbst erinnert an jene drei einfachen Brunnen, die unter einem bayerischen König gegraben wurden und den Anstoß für die Entstehung dieser dynamischen Stadt gaben.
Hat dich der Artikel Warum Königsbrunn seinen Namen trägt interessiert? Schau auch in die Kategorie Gastronomie rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
