Wie viele China-Restaurants gibt es in Deutschland?

Chinaschiff Bonn & Geschichte Chinarestaurants

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Das Chinaschiff in Bonn, ein fast 100 Jahre altes schwimmendes Restaurant, ist ein Wahrzeichen der Stadt und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Kürzlich sorgte es für Aufsehen, als es seinen angestammten Platz verließ. Doch das Chinaschiff ist nur ein kleiner Teil einer viel größeren kulinarischen Geschichte: der Geschichte der chinesischen Restaurants in Deutschland, die eine erstaunliche Entwicklung genommen hat und Millionen Menschen begeistert.

Was ist mit dem Chinaschiff in Bonn passiert?
Bonn-Beuel: China-Schiff wird repariert. Ein Bonner Wahrzeichen muss in die Werkstatt. Das China Schiff vom Beueler Rheinufer ist zur Reperatur in eine Kölner Werft transportiert worden. Gestern wurde das fast 100 Jahre alte Schiff nach Deutz geschleppt.

Das fast ein Jahrhundert alte Schiff wurde kürzlich nach Deutz geschleppt. Der Grund für diese vorübergehende Reise ist eine notwendige Renovierung, insbesondere am Boden des Schiffes, wie von der zuständigen Werft mitgeteilt wurde. Diese Arbeiten sind Teil der Vorbereitung für einen bevorstehenden Verkauf. Der zukünftige, derzeit noch unbekannte Käufer des Chinaschiffs plant, das schwimmende Restaurant nach der Übernahme noch weiter zu erneuern und umfassend zu modernisieren. Die Werft versicherte jedoch, dass die Arbeiten zügig erledigt werden sollen. Die Rückkehr des Chinaschiffs an seinen Liegeplatz in Beuel ist bereits für Freitag oder spätestens Dienstag geplant, sodass seine Abwesenheit nur von kurzer Dauer sein wird. Dieses Ereignis wirft ein Schlaglicht auf die lange und oft unterschätzte Geschichte der chinesischen Gastronomie in Deutschland.

Eine kulinarische Zeitreise: Die Anfänge chinesischer Restaurants in Deutschland

Man mag es kaum glauben, aber die Geschichte chinesischer Restaurants in Deutschland reicht weit zurück. In den 1930er Jahren gab es in ganz Deutschland lediglich ein einziges bekanntes chinesisches Restaurant, das sich in Berlin im Stadtteil Charlottenburg, genauer gesagt in der Kantstraße 130b, befand. Dieses Restaurant namens „Tientsin“ (benannt nach der nordchinesischen Stadt Tianjin) wurde bereits im Jahr 1923 eröffnet. Es gilt als das erste chinesische Restaurant in Deutschland, das sich bewusst an ein deutsches Publikum richtete. Betrieben wurde es vom ehemaligen Koch der chinesischen Gesandtschaft, was auf eine gewisse Authentizität hoffen ließ und es für Intellektuelle und Bohemians attraktiv machte.

Obwohl es auch in Hamburg in den 1920er Jahren chinesische Lokale gab, handelte es sich dabei primär nicht um Speiserestaurants im heutigen Sinne, sondern eher um Hafenbars, die sich an chinesische Seeleute und Hafenarbeiter richteten. Die Kantstraße in Berlin entwickelte sich hingegen schon früh zu einer Art „Asia-“ oder „Chinatown“ der Hauptstadt, wenn auch nicht vergleichbar mit den großen Chinatowns in den USA.

Vom Exoten zum Trend: Wachstum nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm die Etablierung asiatischer Spezialitätenrestaurants in Deutschland eine rasante Entwicklung. Ab den 1960er Jahren siedelten sich insbesondere in den westdeutschen Großstädten immer mehr asiatische Restaurants an. Städte wie Hamburg (mit 14), West-Berlin (10) und Düsseldorf (12) zählten bereits eine beachtliche Anzahl. Selbst in mittelgroßen Städten wie Bonn gab es zu dieser Zeit bereits China-Restaurants. Parallel dazu begann sich auch die japanische Küche allmählich in der Bundesrepublik zu etablieren.

Die Vielfalt der asiatischen Küche, die über reine Reis- und Nudelgerichte hinausging, eroberte in den 1970er Jahren in rasantem Tempo den Gastronomiemarkt. Das Geschäft boomte in der gesamten Bundesrepublik. Dies fiel zusammen mit einem Wandel in der deutschen Esskultur. Die „Fresswelle“ der Nachkriegszeit ebbte ab, und die Menschen besannen sich auf eine gesündere Ernährungsweise. Die aufstrebende Reisewelle der Deutschen, die ferne Länder bereisten, inspirierte die neue, modernere Ernährungskultur. Feinkostläden boten ein immer breiteres Sortiment an asiatischen Lebensmitteln an und bauten symbolisch Brücken zur Esskultur Asiens. Nicht nur die kulinarischen Spezialitäten Chinas, sondern auch die Thailands, Vietnams und anderer asiatischer Länder wurden zunehmend beliebter.

Was ist China Bonn?
Botschaft der Volksrepublik China (Bonn) Die Botschaft der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland hatte von 1984 bis 1999 ihren Sitz im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg.

Exotische Gaumenfreuden in der DDR

In der Deutschen Demokratischen Republik war die Entwicklung der asiatischen Gastronomie ganz anders. Asia-Restaurants waren bis Mitte der 1960er Jahre weitgehend unbekannt, was nicht zuletzt an der fehlenden Verfügbarkeit der notwendigen Rohstoffe lag. Erst 1966 präsentierte das HO-Restaurant „Waffenschmied“ im thüringischen Suhl unter der Regie von Rolf Anschütz erstmals japanische Spezialitäten und brach damit eine Lanze für die exotische Küche.

Ab 1978 bot Thomas Schaufuß in der Speisegaststätte „Goldener Stern“ bei Oederan in Sachsen einen Querschnitt der ostasiatischen Küche an. Hier zeigte sich der Erfindungsreichtum: Landestypische Lebensmittel wurden aus dem DDR-Delikatesshandel bezogen, Essstäbchen von einer erzgebirgischen Pinselfabrik hergestellt, und private Züchter lieferten japanische Wachteln sowie frische Kräuter. Das Servicepersonal trug asiatische Seidenkostüme, um das Erlebnis abzurunden. Diese kulinarischen Abende waren extrem beliebt und oft zwölf Monate im Voraus ausgebucht. Die Attraktion lag nicht nur im exotischen Essen, sondern auch in der Sehnsucht vieler DDR-Bürger nach fremdländischer Lebenskultur.

Auch gehobene Hotels in der DDR folgten dem Trend. 1979 eröffnete das Restaurant „Jade“ in Berlin, und 1981 nahm das japanische Restaurant „Sakura“ im Interhotel Merkur in Leipzig den Betrieb auf. Weitere asiatische Restaurants gab es in Warnemünde, im Interhotel Bellevue in Dresden („Buri-Buri“, eröffnet 1985) und eine vietnamesische Gaststätte in Leipzig. In Ost-Berlin eröffnete an der Leipziger Ecke Friedrichstraße das China-Restaurant „Peking“, dessen Köche sogar vom chinesischen Botschaftskoch geschult wurden, was eine besondere Qualität versprach.

Nach der Wende: Eine neue Ära der Vielfalt

Seit der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten im Jahr 1990 kam es zu einer erheblichen und schnellen Expansion der asiatischen Esskultur, insbesondere in den neuen Bundesländern. Die Anzahl der vietnamesischen und chinesischen Restaurants nahm rapide zu und machte diese Küchen einem noch breiteren Publikum zugänglich. Was einst ein seltener Luxus war, wurde zu einem alltäglichen und beliebten Angebot in Städten und Gemeinden im ganzen Land.

Chinesische Restaurants heute: Beliebtheit, Klischees und Tradition

Heute ist die chinesische Küche aus der deutschen Gastronomielandschaft nicht mehr wegzudenken. Laut repräsentativen Umfragen liegt sie bei den Erwachsenen in Deutschland auf Platz drei der beliebtesten ausländischen Küchen, direkt hinter Italienisch und Griechisch. Diese hohe Beliebtheit spricht für sich.

Was ist mit dem Chinaschiff in Bonn passiert?
Bonn-Beuel: China-Schiff wird repariert. Ein Bonner Wahrzeichen muss in die Werkstatt. Das China Schiff vom Beueler Rheinufer ist zur Reperatur in eine Kölner Werft transportiert worden. Gestern wurde das fast 100 Jahre alte Schiff nach Deutz geschleppt.

Trotz der langen Geschichte und weiten Verbreitung halten sich bis heute einige Klischees über chinesische Restaurants. Dazu gehören die Bestellung der Gerichte per Nummer („Einmal die 43, bitte“) und die oft laminierten Speisekarten. Klassiker wie „Süß-Sauer“ mit verschiedenen Fleischsorten oder gebratene Nudeln stehen nach wie vor hoch im Kurs. Auch das Thema Glutamat und das sogenannte „Chinarestaurant-Syndrom“ werden oft diskutiert, auch wenn die wissenschaftliche Grundlage dafür umstritten ist.

Ein interessanter Aspekt ist, dass insbesondere in Ostdeutschland viele „chinesische“ Restaurants tatsächlich von vietnamesischen Betreibern geführt werden. Diese Menschen kamen oft als ehemalige Vertragsarbeiter in die DDR und bauten sich nach der Wende neue Lebensgrundlagen in der Gastronomie auf.

Abseits der Klischees gibt es auch die reiche Tradition der chinesischen Esskultur. Betreiber authentischerer Lokale betonen oft, dass in China meist an runden Tischen gegessen wird, wobei die Gerichte auf einer drehbaren Platte in der Tischmitte stehen, damit jeder leicht zugreifen kann. Ein wichtiger kultureller Aspekt ist die Gastfreundschaft: Gastgeber sind stets bemüht, mehr anzubieten, als die Gäste essen können. Würden die Gäste die gesamten Speisen aufessen, könnte dies als Zeichen gedeutet werden, dass der Gastgeber zu wenig Essen aufgetischt hat, was als Gesichtsverlust gelten würde.

Historische Adressen: Wo die Geschichte lebt

Neben dem berühmten Chinaschiff in Bonn gibt es weitere historische und langlebige chinesische Restaurants in Deutschland. In Hamburg existiert seit 1964 am Hauptbahnhof das „Dim sum Haus“, das nach eigenen Angaben das älteste chinesische Restaurant der Stadt ist und bereits in dritter Generation geführt wird. In München gab es in Schwabing 65 Jahre lang (bis 2018) das „Hong Kong“. Und in Berlin nennt sich das seit 1969 existierende „Lon Men“ in Schöneberg die älteste chinesische Gaststätte der Hauptstadt. Diese Orte sind lebende Zeugnisse der langen und faszinierenden Geschichte der chinesischen Gastronomie in Deutschland.

Wichtige Stationen der chinesischen Gastronomie in Deutschland

Jahr(e)Ereignis
1923Eröffnung des ersten bekannten chinesischen Restaurants für das deutsche Publikum („Tientsin“, Berlin)
1910er/1920erEntstehung erster Lokale für chinesische Seeleute in Hamburg
1960er Jahre (BRD)Zunahme asiatischer Restaurants in westdeutschen Großstädten, erste in Bonn
1966 (DDR)Erstes bekanntes asiatisches Restaurant in der DDR (Japanisch, Suhl)
1970er Jahre (BRD)Rasanter Boom und Verbreitung chinesischer und anderer asiatischer Küchen
Ab 1978 (DDR)Entwicklung asiatischer Gastronomie in ausgewählten Orten und Hotels
1990er JahreErhebliche Expansion in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist mit dem Chinaschiff in Bonn passiert?

Das fast 100 Jahre alte Schiff wurde zur Reparatur, insbesondere des Bodens, nach Deutz geschleppt. Es wird für einen bevorstehenden Verkauf vorbereitet und soll danach weiter modernisiert werden. Die Rückkehr nach Beuel ist für Freitag oder spätestens Dienstag geplant.

Wann eröffnete das erste China Restaurant in Deutschland?
„Das Berliner "Tientsin" ab 1923 war wohl das erste Chinarestaurant in Deutschland, das sich auch an die deutsche Bevölkerung richtete und zum Beispiel junge Intellektuelle und Bohemians anzog.

Wann eröffnete das erste chinesische Restaurant in Deutschland?

Als erstes chinesisches Restaurant, das sich auch an die deutsche Öffentlichkeit richtete, gilt das „Tientsin“ in Berlin, das 1923 eröffnete. Es gab zuvor schon Lokale in Hamburg, die sich aber primär an chinesische Seeleute richteten.

Gab es chinesische Restaurants auch in der DDR?

Ja, aber erst später als in der BRD. Ab Mitte der 1960er Jahre gab es erste asiatische Angebote, zunächst oft japanische oder ostasiatische Spezialitäten in Hotels und ausgewählten Restaurants. Die Verbreitung war jedoch deutlich geringer als im Westen.

Sind alle chinesischen Restaurants in Deutschland authentisch chinesisch?

Die asiatische Gastronomie in Deutschland ist sehr vielfältig. Viele Restaurants bieten eine Mischung aus verschiedenen asiatischen Küchen an, um den deutschen Geschmack zu treffen. Insbesondere in Ostdeutschland werden viele „chinesische“ Restaurants von vietnamesischen Betreibern geführt.

Warum sind chinesische Restaurants so beliebt?

Die chinesische Küche bietet eine große Vielfalt an Geschmacksrichtungen und Zubereitungsarten. Sie gilt oft als exotisch und spannend und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Symbol für die weite Welt. Zudem bieten viele Restaurants ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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