Welcher Karstadt in Nürnberg wird geschlossen?

Galeria Nürnberg: Welcher Standort betroffen?

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Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hat zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre Insolvenz angemeldet. Diese erneute Hiobsbotschaft wirkt sich auch auf die Standorte in Deutschland aus, darunter die Stadt Nürnberg. Viele Bürger fragen sich nun, welcher der ehemaligen oder aktuellen Nürnberger Warenhäuser von dieser Entwicklung betroffen ist und ob eine Schließung droht.

Wem gehört Karstadt Nürnberg?
Seit dem 25. März 2019 traten Kaufhof und Karstadt unter dem gemeinsamen Namen Galeria Karstadt Kaufhof auf. Am 10. Juni 2019 gab die HBC bekannt, ihren Minderheitsanteil am Gemeinschaftsunternehmen für 1,5 Milliarden Dollar an die Signa Holding zu veräußern, die damit Alleineigentümer wurde.

Die Situation der Warenhäuser in Nürnberg war in den letzten Jahren ohnehin schon dynamisch und für Außenstehende teils verworren. Es gab mehrere Standorte mit unterschiedlichen Geschichten und Zugehörigkeiten. Um die aktuelle Lage richtig einzuordnen, ist es wichtig, die Historie der Galeria-, Karstadt- und Kaufhof-Filialen in der Frankenmetropole zu betrachten.

Die aktuelle Situation in Nürnberg

Die jüngste Nachricht über den Insolvenzantrag kam für Insider in Nürnberg nicht gänzlich unerwartet. Schon im Vorfeld hatte es Anzeichen gegeben, dass dieser Schritt bevorstehen könnte. Thomas Vieweg, der Betriebsratsvorsitzende bei Galeria an der Lorenzkirche in Nürnberg, äußerte sich gegenüber dem Bayerischen Rundfunk zu der Entwicklung. Er bezeichnete den Insolvenzantrag im ersten Augenblick als Rückschlag. Gleichzeitig sieht er darin aber auch eine potenzielle Chance für das Unternehmen, sich von den bisherigen Strukturen unter dem Eigentümer Signa und den damit verbundenen, oft als teuer empfundenen Mieten zu lösen.

Trotz der schwierigen Nachricht spürt Vieweg nach eigenen Angaben keine große Unruhe unter den Mitarbeitenden der Nürnberger Filiale. Als ehemaliges Karstadt-Haus sei man bereits erfahren im Umgang mit drohenden Insolvenzen. Diese Erfahrung scheint den Mitarbeitern eine gewisse Gelassenheit im Angesicht der aktuellen Krise zu geben.

Auch die Stadt Nürnberg hat sich zu der Situation geäußert. Wirtschaftsreferentin Andrea Heilmaier nannte den erneuten Insolvenzantrag "keine schöne Nachricht". Spekulationen über die Zukunft der Filiale wollte sie sich zwar nicht anschließen, betonte aber klar die Haltung der Stadt: „Wir glauben fest an diesen Standort und werden dafür kämpfen.“ Sie hob hervor, dass das Kaufhaus ein wichtiger Magnet für die Innenstadt sei, was sich auch im Weihnachtsgeschäft gezeigt habe. Die Stadt prüft nun, ob sie in diesem Insolvenzverfahren ebenfalls zu den Gläubigern zählt.

Welcher Galeria-Standort ist in Nürnberg betroffen?

Genau hier liegt oft die Verwirrung. In der Vergangenheit gab es in Nürnberg mehrere Warenhäuser, die unter den Namen Karstadt, Kaufhof oder später Galeria firmierten. Die aktuelle Situation betrifft den einzig verbliebenen Standort in der Innenstadt:

  • Ehemaliger Karstadt Langwasser: Dieser Standort im Stadtteil Langwasser war früher ein Karstadt-Warenhaus. Er wurde allerdings zuletzt von der Modekette Aachener übernommen und betrieben und gehört somit nicht mehr zum Galeria-Konzern.
  • Ehemalige Galeria Königstraße: Diese Filiale in der Nürnberger Königstraße war eine Galeria-Dependance. Sie wurde bereits Mitte Juni 2023 geschlossen und ist somit von der aktuellen, dritten Insolvenz nicht mehr direkt betroffen, da sie bereits nicht mehr existiert.
  • Aktueller Galeria Lorenzkirche: Dies ist die einzige verbliebene Galeria-Filiale in Nürnberg. Sie befindet sich, wie der Name schon sagt, in der Nähe der Lorenzkirche. Hier sind laut Informationen etwa 230 Mitarbeitende beschäftigt. Es ist dieser Standort, der von der aktuellen Insolvenz des Galeria-Konzerns betroffen ist, für den die Stadt Nürnberg kämpft und dessen Zukunft derzeit ungewiss ist, auch wenn es noch keine offizielle Schließungsankündigung dafür gibt.
  • Ehemaliger Horten/Kaufhof Aufseßplatz: Ein weiterer historischer Warenhausstandort in Nürnberg war der ehemalige Horten am Aufseßplatz (früher auch Schocken, Merkur). Dieser wurde bereits im Zuge einer früheren Konsolidierungswelle zum 30. Juni 2012 geschlossen und hat ebenfalls nichts mit der aktuellen Situation zu tun.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Von der dritten Insolvenz des Galeria-Konzerns ist in Nürnberg einzig der aktuell noch geöffnete Standort an der Lorenzkirche betroffen. Die anderen ehemaligen Warenhäuser sind entweder bereits geschlossen oder gehören nicht mehr zum Konzern.

Hintergrund: Die dritte Insolvenz von Galeria

Der nun gestellte Insolvenzantrag beim Amtsgericht Essen ist bereits der dritte innerhalb weniger Jahre für das Nachfolgeunternehmen von Karstadt und Kaufhof. Das Unternehmen, das unter dem Dach der Signa Holding des österreichischen Unternehmers René Benko vereint wurde, kämpft seit Langem mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die durch die Corona-Pandemie, den Strukturwandel im Einzelhandel und zuletzt die finanzielle Schieflage der Signa-Gruppe verschärft wurden.

Laut Geschäftsleitung sollen alle Filialen und der Onlinehandel deutschlandweit vorerst weiterlaufen. Eine Zerschlagung der Warenhausgruppe soll demnach nicht geplant sein. Die Zukunft des Unternehmens und seiner rund 15.000 Mitarbeitenden in Deutschland hängt nun maßgeblich davon ab, ob und wie schnell ein neuer Investor gefunden werden kann, der bereit ist, in die Sanierung und Neuausrichtung des Konzerns zu investieren.

Eine lange Geschichte voller Wandel: Von Tietz zu Galeria Karstadt Kaufhof

Die Geschichte der deutschen Warenhäuser, aus denen Galeria Karstadt Kaufhof hervorging, ist lang und komplex, geprägt von Expansion, Krisen, Eigentümerwechseln und Fusionen. Das Verständnis dieser Historie hilft, die heutige Situation einzuordnen.

Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1879 zurück, als Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Geschäft für Garne, Knöpfe und Stoffe eröffnete. Seine modernen Geschäftsprinzipien wie Festpreise und Rückgaberecht waren damals revolutionär. Tietz expandierte rasch und gründete 1905 die Aktiengesellschaft Leonhard Tietz AG. Nach seinem Tod übernahm der Sohn Alfred Leonhard Tietz die Leitung.

Eine dunkle Zäsur war die Zeit des Nationalsozialismus. Ab 1933 war das Unternehmen vom Judenboykott betroffen. Alfred Leonhard Tietz wurde zum Rücktritt gezwungen, die Familie enteignet und das Unternehmen unter dem Druck des NS-Regimes "arisiert". Es wurde 1933 in Westdeutsche Kaufhof AG umbenannt, um den Namen des jüdischen Gründers zu tilgen, und unter Marktwert an Banken verkauft. Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Filialen zerstört.

Nach 1945 wuchs das Unternehmen, nun nur noch Kaufhof genannt, wieder stark und fusionierte 1996 mit der Metro Cash & Carry zur Metro Holding. 2008 wurde die Kaufhof Warenhaus AG in die Galeria Kaufhof GmbH umgewandelt. In den 90er Jahren versuchte Kaufhof, sein Image zu modernisieren, unter anderem mit Konzepten wie „Lust for Life“.

Die Kaufhof-Holding umfasste vor der Fusion mit Metro eine Vielzahl von Marken, was die Diversifizierung des Konzerns zeigte:

  • Kaufhof (Warenhäuser)
  • Horten (Warenhäuser, später in Kaufhof integriert)
  • Kaufhalle (Warenhäuser)
  • Multistore (Warenhäuser)
  • Media Markt (Elektrofachmärkte)
  • Saturn (Elektrofachmärkte)
  • Vobis (Computerfachmärkte)
  • Gemini (Medien-Märkte)
  • Völkner (Versand und Fachmärkte für Elektronik)
  • Reno (Schuhfachmärkte)
  • Mac Fash (Textilfachmärkte)
  • Oppermann (Versand von Werbeartikeln)
  • Hawesko (Hanseatisches Wein- und Sektkontor)
  • Jacques’ Wein-Depot (Weineinzelhandel)
  • Kaufhaus Kerber
  • Rungis Express
  • FSG Zentra Finanz-Service
  • Zentra Grundstücksgesellschaft
  • Werbehaus

Ab dem Jahr 2000 begann eine Phase der Konsolidierung und Schließungen. Im Jahr 2011 bekundeten unter anderem der Reeder George Economou und Nicolas Berggruen, der damalige Eigentümer von Karstadt, Interesse an Kaufhof.

2015 wurde Galeria Kaufhof von der Hudson’s Bay Company (HBC) übernommen. HBC versuchte, das Geschäft durch Investitionen in Renovierungen und neue Konzepte wie Saks Off 5th in Deutschland zu beleben, was jedoch nicht erfolgreich war und zu weiteren Verlusten führte.

Welcher Karstadt in Nürnberg wird geschlossen?
Die Galeria-Karstadt-Kaufhof-Situation in Nürnberg ist etwas verworren: In Nürnberg-Langwasser gab es einst einen Karstadt, den zuletzt die Modekette Aachener wiedereröffnet hat. In der Innenstadt hat seit Mitte Juni 2023 die ehemalige Galeria-Filiale in der Nürnberger Königstraße geschlossen.

Im Jahr 2018 übernahm die Signa Holding, der bereits Karstadt gehörte, die Mehrheit an Galeria Kaufhof. Im September 2018 wurden die Fusionspläne von Karstadt und Kaufhof bekannt gegeben. Die Vereinigung der beiden traditionsreichen Rivalen unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof erfolgte rechtlich zum 7. Januar 2020. Unter dem Dach der Signa Retail entstand so der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas.

Diese Fusion war jedoch nicht das Ende der Probleme. Bereits am 1. Juli 2020 musste Galeria Karstadt Kaufhof das erste Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen, das im September 2020 erfolgreich abgeschlossen wurde. Der Staat unterstützte das Unternehmen mit Millionenhilfen.

Im März 2023 folgte die Ankündigung einer umfassenden Schließungswelle, bei der 52 der damals noch 129 Filialen in Deutschland aufgegeben werden sollten, gestaffelt zum 30. Juli 2023 und 31. Januar 2024. Auf dieser Liste standen viele bekannte Standorte in ganz Deutschland, jedoch nicht die Filiale in Nürnberg an der Lorenzkirche. Wie oben erwähnt, wurde die Nürnberger Filiale in der Königstraße unabhängig davon oder im Zuge dieser Konsolidierungsphase Mitte Juni 2023 geschlossen.

Die nun erfolgte dritte Insolvenz ist eine direkte Folge der anhaltenden Schwierigkeiten des Unternehmens und der finanziellen Probleme des Haupteigentümers Signa.

Ein Blick in die Zukunft: Kampf um den Standort Lorenzkirche

Die Ungewissheit bleibt bestehen. Während der Geschäftsbetrieb vorerst weiterläuft, ist die langfristige Perspektive für die Filiale an der Lorenzkirche und ihre 230 Mitarbeitenden unklar. Die Suche nach einem neuen Investor ist entscheidend. Die Stadt Nürnberg hat signalisiert, dass sie sich weiterhin für den Erhalt des Standortes einsetzen wird. Die Bedeutung des Kaufhauses als Frequenzbringer für die Innenstadt wird von allen Beteiligten betont.

Es bleibt abzuwarten, wie das Insolvenzverfahren verläuft und ob eine tragfähige Lösung gefunden werden kann, die den Fortbestand zumindest eines Teils der Galeria-Warenhäuser, idealerweise auch des Nürnberger Standortes an der Lorenzkirche, sichert. Die Erfahrung aus früheren Insolvenzen zeigt, dass solche Prozesse oft mit weiteren Einschnitten verbunden sind.

Häufig gestellte Fragen zur Galeria-Situation in Nürnberg

Welcher Galeria-Standort ist aktuell in Nürnberg geöffnet?

Derzeit ist in Nürnberg nur noch die Galeria-Filiale an der Lorenzkirche geöffnet.

Wird der Galeria-Standort an der Lorenzkirche geschlossen?

Aktuell gibt es keine offizielle Ankündigung, dass dieser Standort geschlossen wird. Der Insolvenzantrag betrifft das Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof insgesamt. Die Zukunft der Filiale hängt nun vom weiteren Insolvenzverfahren und der Suche nach einem Investor ab. Die Stadt Nürnberg und die Mitarbeitenden kämpfen für den Erhalt dieser Filiale.

Was ist mit den anderen ehemaligen Karstadt/Kaufhof-Standorten in Nürnberg?

Der ehemalige Karstadt in Langwasser wurde von der Modekette Aachener übernommen. Die Galeria-Filiale in der Königstraße wurde bereits Mitte Juni 2023 geschlossen. Eine frühere Horten/Kaufhof-Filiale am Aufseßplatz wurde schon 2012 geschlossen.

Warum hat Galeria erneut Insolvenz angemeldet?

Der Insolvenzantrag ist der dritte für das Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof. Hauptgründe sind die anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die Belastung durch hohe Mieten und die finanzielle Schieflage des bisherigen Eigentümers Signa Holding.

Was passiert jetzt mit Galeria?

Der Geschäftsbetrieb soll nach Angaben der Geschäftsführung vorerst in allen Filialen und online weiterlaufen. Es wurde ein Insolvenzantrag gestellt, und es wird nach einem neuen Investor gesucht, um das Unternehmen zu sanieren und möglichst viele Standorte zu erhalten.

Chronologie wichtiger Ereignisse

Jahr/DatumEreignis
1879Gründung des ersten Geschäfts durch Leonhard Tietz
1905Gründung der Leonhard Tietz AG
1933"Arisierung" und Umbenennung in Westdeutsche Kaufhof AG
1996Fusion der Kaufhof-Holding mit Metro Cash & Carry
2008Umwandlung der Kaufhof Warenhaus AG in Galeria Kaufhof GmbH
2015Übernahme der Galeria Kaufhof GmbH durch Hudson’s Bay Company (HBC)
2018Mehrheitliche Übernahme von Galeria Kaufhof durch Signa Holding
2019Signa Holding wird Alleineigentümer von Galeria Kaufhof
Januar 2020Rechtliche Fusion von Karstadt und Kaufhof zu Galeria Karstadt Kaufhof GmbH
Juli 2020Erstes Insolvenzverfahren Galeria Karstadt Kaufhof (in Eigenverwaltung)
September 2020Erstes Insolvenzverfahren erfolgreich abgeschlossen
März 2023Ankündigung umfangreicher Filialschließungen (für Juli 2023 / Jan 2024)
Juni 2023Schließung der Galeria-Filiale Nürnberg Königstraße
Januar 2024Dritter Insolvenzantrag Galeria Karstadt Kaufhof

Die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland, und damit auch des Standortes Nürnberg Lorenzkirche, bleibt spannend und hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Entwicklung im Insolvenzverfahren und der Bereitschaft potenzieller Investoren.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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