Die Holsteinische Schweiz mag nicht mit den imposanten Gipfeln ferner Kontinente konkurrieren, doch ihre sanften Hügel und die unzähligen glitzernden Seen besitzen einen ganz eigenen, unverwechselbaren Reiz. Eingebettet in diese malerische Kulisse liegt Plön, eine Stadt, die das Herz dieser wasserreichen Region bildet. Hier verschmelzen herrschaftliche Geschichte, charmante Kleinstadtatmosphäre und unberührte Natur zu einem einzigartigen Erlebnis. Ein Besuch in Plön ist wie eine Reise in eine Welt, in der die Zeit etwas langsamer tickt und die Schönheit der Landschaft in jeder Ecke spürbar ist.

Die Stadt, malerisch auf einem schmalen Landstrich zwischen den Seen gelegen, umgibt einen sanften Hügel, auf dem das historische Schloss thront. Der Musikhistoriker Rochus von Liliencron beschrieb seinen Geburtsort Plön bereits 1902 in seinen „Jugenderinnerungen“ als eine Stadt, die „rings von Seen umgeben“ sei und von „alten Bäumen, Alleen und terrassenartig abfallenden Gärten umringt“ werde. Dieses Bild hat sich bis heute erhalten und macht Plön zu einem Ort von besonderer Anziehungskraft.
Die historische Altstadt: Twieten voller Geschichten
Plön ist auch heute noch die gemütliche Kleinstadt, die Liliencron einst beschrieb. Besonders bezaubernd sind die malerischen Gassen der Altstadt, die hier traditionell „Twieten“ genannt werden. In diesen engen, verwinkelten Wegen stehen viele historische Häuser, die von vergangenen Zeiten erzählen. Ein Spaziergang durch die Twieten ist wie eine kleine Zeitreise.
Wer tiefer in die Geschichte und die Geheimnisse der Altstadt eintauchen möchte, dem sei eine abendliche Führung empfohlen. Beim sogenannten „Latüchten-Rundgang“ führen kundige Stadtführer ihre Gäste mit Laternen durch die dunklen Gassen und berichten von der Stadtgeschichte, von alten Berufen und vom Ursprung so mancher Straßennamen. Warum heißt eine Gasse zum Beispiel Kusentrekkertwiete oder Kaaktwiete? Diese Führungen lüften die Geheimnisse und machen die Geschichte Plöns lebendig. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, die Altstadt auf eine ganz besondere Weise kennenzulernen und die einzigartige Atmosphäre dieser historischen Gassen zu erleben.
Der Große Plöner See: Wasserparadies vor der Haustür
Die unmittelbare Nähe zum Wasser ist es, die Plön so unvergleichlich attraktiv macht. Der Große Plöner See, der größte See Schleswig-Holsteins, liegt direkt vor der Tür und bietet unendliche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Eine kilometerlange „Strandpromenade“ lädt zum entspannten Bummeln entlang des Ufers ein. Hier kann man die Seele baumeln lassen, die Aussicht genießen oder einfach nur die frische Luft tanken.
Im Sommer verwandelt sich der See in ein wahres Paradies für Wasserratten und Sportbegeisterte. Mit insgesamt 13 offiziellen Badestellen rund um den See findet jeder seinen Lieblingsplatz zum Schwimmen, Sonnenbaden und Entspannen. Doch nicht nur Badegäste kommen auf ihre Kosten. Der See ist auch ein ideales Revier für Segler, Surfer, Kanufahrer und Stand-Up-Paddler. Zahlreiche Anbieter ermöglichen das Ausleihen von Equipment oder das Belegen von Kursen. Das breite Wassersportangebot macht den Großen Plöner See zu einem lebendigen Zentrum der Region.
Neben den sportlichen Aktivitäten locken auch Seerundfahrten. Eine beliebte Tour ist die Große Plöner See-Rundfahrt, die den westlichen Teil des Sees erschließt und herrliche Ausblicke bietet. Die Bosau-Fahrt führt durch den südlichen Teil und erlaubt ebenfalls schöne Perspektiven auf die Uferlandschaft und die kleinen Inseln.
Das Schloss Plön: Majestätisches Wahrzeichen über der Stadt
Unübersehbar und prägend für das Stadtbild ist das weiße Schloss, das auf einem Hügel über Plön thront. Dieses beeindruckende Bauwerk im Renaissance-Stil wurde um 1635 errichtet, an der Stelle einer bereits im 12. Jahrhundert bestehenden Burg. Es diente lange Zeit als Residenz der Herzöge zu Schleswig-Holstein-Plön. Während des Dreißigjährigen Krieges erbaut, war es bis zum Tod von Herzog Friedrich Karl im Jahr 1761 das Zentrum des Herzogtums. Danach wurde es noch einige Zeit als Witwensitz genutzt.
Die Geschichte des Schlosses ist bewegt und spiegelt die verschiedenen Epochen wider. Es diente unter anderem als Gelehrtenschule, bevor der dänische König Christian VIII. es ab 1840 als Sommerresidenz nutzte. Er war es auch, der dem Schloss seinen charakteristischen, strahlend weißen Putz verleihen ließ. Später beherbergte das Schloss eine preußische Kadettenanstalt und während der NS-Zeit eine sogenannte Napola (Nationalpolitische Erziehungsanstalt). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zu einem Internat umfunktioniert.
Heute birgt das Schloss Plön eine Bildungsstätte für das Augenoptiker-Handwerk. Auch wenn es nicht mehr öffentlich zugänglich wie früher, sind Führungen nach Voranmeldung möglich. Diese bieten eine faszinierende Gelegenheit, die prächtigen Räume zu besichtigen und mehr über die reiche Geschichte dieses bedeutenden Bauwerks zu erfahren, das die Jahrhunderte überdauert hat.

Das Prinzenhaus: Rokoko-Kleinod auf der Halbinsel
Ein weiteres architektonisches Juwel Plöns ist das Prinzenhaus. Dieses unscheinbar wirkende Gebäude auf einer Halbinsel wurde ursprünglich im Jahr 1744 als Gartenhaus für das Herzogspaar erbaut. Doch der Schein trügt: Von innen ist das Prinzenhaus reich und prachtvoll im Rokokostil ausgeschmückt. Stuckarbeiten, Gemälde und fein gearbeitete Details zeugen vom luxuriösen Geschmack jener Zeit.
Bekannt wurde das Prinzenhaus auch dadurch, dass hier ab 1896 die Kronprinzen Wilhelm und Eitel Friedrich als Kadetten ausgebildet wurden. Für ihre schulische Ausbildung wurden extra zwei Seitenflügel an das ursprüngliche Gartenhaus angebaut. Die Prinzenschule existierte bis 1910. Später diente das Haus unter anderem als Lazarett und ebenfalls als Internat.
Ähnlich wie das Schloss ist auch dieses Rokokoschlösschen für die Öffentlichkeit zugänglich, allerdings nur im Rahmen von Führungen. Diese ermöglichen einen Blick in das prunkvolle Innere und lassen die Besucher erahnen, wie das Leben der herzoglichen Familie und später der jungen Prinzen hier aussah. Es ist ein sehenswertes Beispiel für die Architektur und den Stil des 18. Jahrhunderts in der Holsteinischen Schweiz.
Die Prinzeninsel: Naturgenuss und kaiserliche Spuren
Neben den kulturellen Höhepunkten spielt der Naturgenuss in Plön eine herausragende Rolle. Ein besonders reizvolles Ziel ist die Prinzeninsel, eine Halbinsel südwestlich der Stadt. Sie ist dicht bewaldet und bietet bei einem Rundgang immer wieder herrliche Panoramablicke über den Großen Plöner See. Die Insel ist etwa zwei Kilometer lang und an manchen Stellen nur 30 Meter breit, was sie zu einem besonders intimen Naturerlebnis macht.
Die Prinzeninsel darf nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet werden, was ihre Ruhe und Ursprünglichkeit bewahrt. Bei schönem Wetter lockt das Prinzenbad, eine Badestelle mit Sandstrand, die zu einem erfrischenden Bad im See einlädt. Es ist der ideale Ort für einen entspannten Nachmittag am Wasser.
Auf der Südspitze der Insel steht ein kleiner Pavillon. Dieser markiert den Lieblingsplatz der letzten deutschen Kaiserin, Auguste Victoria. Ihre Söhne erhielten auf der Prinzeninsel eine landwirtschaftliche Ausbildung, was die historische Bedeutung dieses Ortes unterstreicht. Ein Besuch der Prinzeninsel verbindet Naturerlebnis mit einem Hauch von Geschichte und bietet unzählige schöne Fotomotive.
Der Parnaßturm: Weitsicht über die Seenlandschaft
Wer die gesamte Pracht der Plöner Seenlandschaft und des Naturparks Holsteinische Schweiz aus der Vogelperspektive erleben möchte, sollte den Parnaßturm besteigen. Dieser 20 Meter hohe Aussichtsturm wurde 1888 errichtet und besteht aus einer Stahlfachwerk-Konstruktion auf einem gemauerten Sockel. Er befindet sich nordöstlich des Stadtzentrums von Plön auf einer Anhöhe.
Von der Spitze des Parnaßturms bietet sich ein atemberaubender Rundblick. Man sieht die Stadt Plön mit ihrem Schloss, den weitläufigen Großen Plöner See mit seinen Inseln und die sanft gewellte Landschaft der Holsteinischen Schweiz, die von weiteren Seen und Wäldern durchzogen ist. Der Turm ist von Ostern bis Ende Oktober geöffnet und bei gutem Wetter ein Muss für jeden Besucher. Der Aufstieg wird mit einer unvergleichlichen Fernsicht belohnt, die die Dimensionen und die Schönheit der Region erst wirklich erfahrbar macht.
Museum des Kreises Plön: Regionalgeschichte lebendig
Für alle, die sich für die Geschichte und Kultur der Region interessieren, ist ein Besuch im Museum des Kreises Plön empfehlenswert. Das Heimatmuseum beleuchtet verschiedene Aspekte der Regionalgeschichte und beherbergt interessante Sammlungen.

Besonders hervorzuheben ist die umfangreiche Glassammlung des Museums. Sie umfasst Exponate aus dem 16. bis 19. Jahrhundert und zeigt die Entwicklung der Glaskunst in dieser Periode. Ein weiterer einzigartiger Bereich ist der Apothekergarten auf dem Museumsvorplatz. Hier können Besucher mehr als 350 verschiedene Heilpflanzen entdecken und erfahren, wie diese früher verwendet wurden.
Passend zum Apothekergarten beherbergt das Museum eine komplett eingerichtete historische Apotheke in seinen Ausstellungsräumen. Dies ist eine Hommage an die Plöner Hofapotheke, die bis 1928 ihre Geschäftsräume in genau diesem Museumsgebäude hatte. Der Besuch des Museums bietet einen tiefen Einblick in das frühere Leben, Handwerk und die Heilkunde der Region.
Fazit: Plön – Eine Stadt zum Verlieben
Plön ist weit mehr als nur eine Stadt am See. Es ist ein Ort, der Geschichte, Kultur und Natur auf einzigartige Weise miteinander verbindet. Ob man durch die historischen Twieten schlendert, das majestätische Schloss bewundert, im See badet oder vom Parnaßturm die Aussicht genießt – Plön bietet für jeden Geschmack etwas. Die Kombination aus städtischem Charme und der unmittelbaren Nähe zur unberührten Natur der Holsteinischen Schweiz macht Plön zu einem idealen Ziel für einen Ausflug oder einen längeren Aufenthalt. Die Stadt lädt dazu ein, entdeckt zu werden und ihre vielen Facetten in Ruhe zu erleben. Ein Besuch in Plön ist eine Bereicherung und hinterlässt bleibende Eindrücke von einer Region, die mit ihrem Wasserreichtum und ihrer Schönheit verzaubert.
Häufig gestellte Fragen zu Plön
Hat Plön eine Altstadt?
Ja, Plön hat eine historische Altstadt, deren Gassen traditionell „Twieten“ genannt werden. Dort finden sich viele historische Häuser und es werden auch Führungen durch die Altstadt angeboten.
Was ist das Wahrzeichen von Plön?
Das Wahrzeichen der Stadt Plön ist das weiße Schloss im Renaissance-Stil, das auf einem Hügel über der Stadt thront.
Kann man das Schloss Plön besichtigen?
Das Schloss Plön beherbergt heute eine Bildungsstätte. Besichtigungen sind nur im Rahmen von Führungen nach vorheriger Anmeldung möglich.
Was kann man auf der Prinzeninsel machen?
Die Prinzeninsel ist ein beliebtes Ausflugsziel für Naturfreunde. Man kann dort spazieren gehen, Rad fahren, baden (im Prinzenbad) und die schönen Seepanoramen genießen. Es gibt auch einen Pavillon am ehemaligen Lieblingsplatz der Kaiserin Auguste Victoria.
Ist der Parnaßturm in Plön geöffnet?
Der Parnaßturm ist in der Regel von Ostern bis Ende Oktober für Besucher geöffnet und bietet eine weite Aussicht über Plön und die Holsteinische Schweiz.
Welche Museen gibt es in Plön?
In Plön gibt es das Museum des Kreises Plön, ein Heimatmuseum, das über die Regionalgeschichte informiert und unter anderem eine Glassammlung sowie einen Apothekergarten beherbergt.
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