Wie lange dauert ein Rundgang im Klimahaus Bremerhaven?

Klimahaus Bremerhaven: Eine Reise um die Welt

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Das Klimahaus Bremerhaven ist weit mehr als nur ein Museum. Es ist eine faszinierende Erlebniswelt, die Besucher auf eine einzigartige Reise rund um die Erde mitnimmt. Das zentrale Element ist die Ausstellung „Reise“, die entlang des achten östlichen Längengrades führt und die unterschiedlichen Klimazonen unseres Planeten hautnah erlebbar macht. Von der trockenen Hitze der Sahelzone bis zur eisigen Kälte der Antarktis – hier spüren, sehen und verstehen Sie die Vielfalt des globalen Klimas und die Lebensbedingungen der Menschen.

Was kostet der Eintritt ins Klimahaus in Bremerhaven?
TageskartenTageskarteErwachsene£20.64Seniorenn.v.Jugendliche**£15.48Kinder***£12.04

Die Konzeption des Klimahauses zielt darauf ab, Wissen durch unmittelbare sinnliche Wahrnehmung zu vermitteln. Die Besucher durchqueren detailgetreu nachgebildete Landschaften, treffen auf die Geschichten lokaler Bewohner und erleben Temperaturen und Luftfeuchtigkeit, die den realen Bedingungen entsprechen. Diese immersive Erfahrung macht komplexe klimatische Zusammenhänge greifbar und bleibt lange in Erinnerung.

Die Grosse Reise: Einmal um die Erde im Klimahaus

Die zentrale und mit Abstand größte Ausstellung im Klimahaus ist die „Reise“. Sie nimmt eine Fläche von 4.800 m² ein und ist so gestaltet, dass Besucher neun verschiedene Orte auf fünf Kontinenten besuchen, die ungefähr auf dem Längenkreis von Bremerhaven liegen. Auch wenn der achte Längengrad nicht exakt durch Bremerhaven verläuft, dient dieser als roter Faden für die Tour. Die gesamte Tour ist etwa einen Kilometer lang und simuliert eine reale Reise von 40.000 Kilometern.

Für diese beeindruckende „Reise“ sollten Besucher etwa zwei bis drei Stunden einplan. Die Zeit vergeht schnell, denn an jeder Station gibt es viel zu entdecken, zu fühlen und zu lernen. Das Konzept, die Umgebung und die klimatischen Bedingungen so authentisch wie möglich nachzubilden, ist ein Kernmerkmal der Ausstellung und trägt maßgeblich zum Lernerfolg bei.

Stationen der Reise

Die Reise beginnt in Bremerhaven und führt die Besucher zunächst in die Schweizer Alpen nach Isenthal im Kanton Uri. Hier, am Blüemlisalpfirn-Gletscher, erleben Sie Hochgebirgsklima. Über Videosequenzen erzählen lokale Familien von ihrem Leben. Besucher können Kühe melken, einen simulierten Gipfel erklimmen und echtes Gletschereis berühren. Die Temperatur ist der Realität angepasst.

Weiter geht es in südlichere Gefilde. Auf Sardinien erleben Sie das Mittelmeerklima, das auch mal ein Gewitter zur Abkühlung bereithält. Der Kontrast wird deutlich in Niger, einem Land in der Sahelzone Afrikas. Hier herrschen beständig hohe Temperaturen um die 35 Grad Celsius, es regnet sehr selten, und Dürren sind eine ständige Bedrohung für die Menschen. Glücklicherweise ist die nächste Station nicht weit.

In Kamerun tauchen die Reisenden in die feucht-heiße Welt des tropischen Regenwaldes ein. Üppige Vegetation, exotische Fische in Aquarien und die Geräusche und Gerüche des Waldes, auch bei Nacht simuliert, vermitteln einen intensiven Eindruck dieses Lebensraums.

Wie lange dauert ein Rundgang im Klimahaus Bremerhaven?
Sie dauert etwa zwei bis drei Stunden und führt zu neun Orten auf fünf Kontinenten. Gut einen Kilometer lang ist die Tour, für die ein Reisender in der Realität 40.000 Kilometer zurücklegen müsste.

Nach der Hitze folgt die Kälte: In der Antarktis sinkt die Temperatur auf etwa minus 6 Grad Celsius. Dieser unwirtliche Lebensraum wird nur von Forschern in Polarstationen für begrenzte Zeit bewohnt. Dennoch hat die Natur hier ihren Reiz, beispielsweise der beeindruckende Sternenhimmel, der über eine Treppe von der Polarstation aus erreichbar ist.

Von der Kälte geht es in die tropische Wärme der Südsee. Samoa ist ein Inselstaat, der mit Korallenriffen, sattem Grün und Holzhütten Urlaubsstimmung aufkommen lässt. Doch auch hier gibt es Schattenseiten: Tropische Stürme und die Korallenbleiche stellen Mensch und Natur vor große Herausforderungen. Ein Blick auf ein gezüchtetes Saumriff aus lebenden Korallen zeigt die Schönheit, aber auch die Fragilität dieser Ökosysteme.

Die Reise führt weiter nach Norden auf die Insel St. Lawrence in Alaska. Hier leben die Yupik, ein Eskimostamm, deren Leben in der kargen, baumlosen Landschaft hart ist. Der Walfang ist lebensgefährlich wegen der hohen Wellen.

Die letzte Station der Klimareise bringt die Besucher zurück nach Deutschland, genauer gesagt auf die Hallig Langeneß im nordfriesischen Wattenmeer. Hier stehen alle Häuser auf sogenannten Warften, künstlichen Erdhügeln, die Mensch und Tier vor Sturmfluten schützen. Mehrmals im Jahr heißt es hier „Land unter“, wobei in Extremfällen nur noch die Häuser aus dem Wasser ragen.

Die Stationen der Reise im Überblick

StationOrtKlima / Erlebnis
IsenthalSchweizHochgebirge, Gletscher, kalt
SenegheSardinien, ItalienMittelmeer, Gewitter
KanakNigerSahelzone, sehr heiß (~35°C), trocken
IkengeKamerunTropischer Regenwald, feucht-heiß
Königin-Maud-LandAntarktikaPolar, sehr kalt (~-6°C), Eis
SatitoaSamoaSüdsee, Tropen, Riffe, Stürme
GambellAlaskaArktisch, karg, hartes Leben
Hallig LangeneßDeutschlandNordseeküste, Wattenmeer, Sturmfluten

Weitere Ausstellungsbereiche: Perspektiven und Zukunft

Neben der beeindruckenden „Reise“ bietet das Klimahaus Bremerhaven weitere spannende Ausstellungsbereiche, die sich vertiefend mit klimatischen Zusammenhängen und der Zukunft auseinandersetzen. Der Bereich „Perspektiven“ beleuchtet den Klimawandel aus verschiedenen Blickwinkeln. Hier erfahren Besucher mehr über die Geschichte der Erde über vier Milliarden Jahre, die natürlichen Prozesse, aber auch die massiven Eingriffe des Menschen, wie den Abbau fossiler Brennstoffe. Basierend auf wissenschaftlichen Prognosen werden Szenarien für das Jahr 2050 entwickelt und gezeigt, wie sich das Leben in den verschiedenen Klimazonen verändern könnte, die man zuvor auf der „Reise“ kennengelernt hat.

Im „World Future Lab“ können Besucher spielerisch die Auswirkungen eigener Entscheidungen auf das globale Klima erfahren. Es zeigt, wie jede ökonomische und persönliche Entscheidung die klimatische Entwicklung beeinflussen kann und lädt dazu ein, sich aktiv an der „Rettung der Welt“ zu versuchen.

Der Bereich „Off-Shore-Center“ widmet sich der Offshore-Windenergie und veranschaulicht die Entstehung eines Hochsee-Windparks. Im „Wetterstudio“ schließlich lernen Besucher Wissenswertes über Wetterphänomene und haben sogar die Möglichkeit, selbst einen Wetterbericht zu moderieren. Eine neue Ausstellung namens „Wetterextreme“ ist für 2024 im Bau.

Wie warm ist es im Klimahaus Bremerhaven?
Die Station Antarktis weist im Klimahaus eine Temperatur von ca. −6 Grad Celsius auf, die Station Niger hingegen hat eine Temperatur von rund 35 Grad Celsius.

Architektur und Nachhaltigkeit: Ein Gebäude mit Verantwortung

Das Gebäude des Klimahaus Bremerhaven selbst ist bereits ein architektonisches Highlight. Eröffnet im Jahr 2009, besticht das gläserne Oval mit fast 5.000 Scheiben durch seine ungewöhnliche Form, die von außen an ein riesiges Schlauchboot erinnert. Mit einer Länge von gut 125 Metern und einer Breite von 80 Metern ist es ein markanter Bau in den Bremerhavener Havenwelten.

Bereits bei der Planung wurde großer Wert auf Nachhaltigkeit und einen geringen Energiebedarf gelegt. Moderne Techniken kommen zum Einsatz, um die komplexen klimatischen Bedingungen im Inneren zu realisieren und gleichzeitig die Umwelt zu schonen. Ein zentrales Element ist die Nutzung der thermischen Masse des Betons durch die sogenannte Betonkernaktivierung zur Temperierung der Räume.

Ein weiteres wichtiges Element ist die Nutzung der oberflächennahen Geothermie. Dafür wurden 464 der insgesamt 770 Pfähle, die das Gebäude tragen und bis zu 25 Meter tief in den Boden reichen, als Wärmetauscher genutzt. Diese „Energiepfähle“ enthalten Kunststoffrohre (insgesamt etwa 21 km), durch die eine Wasser-Glycol-Mischung zirkuliert. Im Winter wird so Wärme aus dem Boden gewonnen, im Sommer dient das System zur Kühlung des Gebäudes. Die Wärmeversorgung erfolgt zudem über Fernwärme aus dem Bremerhavener Müllheizkraftwerk.

Zur Stromerzeugung trägt eine Photovoltaikanlage bei, die in das Dach der Plaza integriert ist. Mit 143 Modulen und einer Leistung von 35,7 kWp deckt sie den Stromverbrauch eines Ausstellungsbereichs und bietet zusätzlich eine 80-prozentige Verschattung, die im Sommer den Kühlbedarf reduziert. Hocheffizienzpumpen in der Wärmeverteilung tragen ebenfalls zur Stromeinsparung bei.

Bedeutung, Lage und Betrieb

Das Klimahaus hat sich seit seiner Eröffnung als bedeutende Besucherattraktion etabliert. Es ist die besucherstärkste Dauerausstellung in Norddeutschland und zählt zu den beliebtesten Tourismuszielen in ganz Deutschland. Es wurde mehrfach ausgezeichnet und genießt hohe Anerkennung als außerschulischer Lernort für Schulklassen und als Beispiel für erfolgreiche Wissenschaftskommunikation. Die Schirmherrschaft durch verschiedene Bundesumweltminister und die Unterstützung durch namhafte Forschungsinstitute wie das Alfred-Wegener-Institut unterstreichen seine Relevanz.

Das Klimahaus ist strategisch günstig in den Bremerhavener Havenwelten gelegen, einem städtebaulichen Projekt auf ehemaligen Hafenflächen. In unmittelbarer Nähe befinden sich weitere Attraktionen wie das Deutsche Auswandererhaus, das Deutsche Schiffahrtsmuseum, der Zoo am Meer sowie Hotels und ein Einkaufszentrum. Die Adresse lautet Am Längengrad 8, 27568 Bremerhaven.

Die Anreise ist sowohl mit dem Auto (Adresse für Navigationsgerät: H.-H.-Meier-Straße) als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut möglich. Vom Hauptbahnhof Bremerhaven fahren mehrere Buslinien Richtung Stadtmitte bis zur Haltestelle Havenwelten.

Wem gehört das Klimahaus in Bremerhaven?
Der Bremer Windkraftpionier und Unternehmer Klaus Meier wurde im Sommer 2023 von der städtischen Gesellschaft BEAN als Eigentümerin des Klimahauses nach einem Ausschreibungsverfahren zum neuen Betreiber der Ausstellung bestimmt.

Das Klimahaus ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Bremerhaven (als Bauherr und Eigentümerin über die BEAN) und eines privaten Betreibers. Die Investitionskosten von rund 70 Millionen Euro wurden aus öffentlichen Mitteln finanziert. Zum 1. Januar 2024 hat Klaus Meier die Betriebsführung von Arne Dunker übernommen, der das Klimahaus seit der ersten Idee begleitet und maßgeblich aufgebaut hat. Unter der neuen Führung soll das Klimahaus stärker zu einem Zentrum und aktiven Akteur in der Klimadiskussion werden. Geplant ist die Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH, bei der Gewinne im Haus verbleiben und in Ausstellungen und Veranstaltungen reinvestiert werden. Alle rund 130 Mitarbeiter sollen übernommen und der Stamm sogar erweitert werden.

Häufig gestellte Fragen zum Klimahaus Bremerhaven

Wie lange sollte man für einen Besuch einplan?

Für die zentrale „Reise“-Ausstellung sollten Sie etwa zwei bis drei Stunden veranschlagen. Wenn Sie auch die anderen Bereiche wie „Perspektiven“, „World Future Lab“ oder das „Wetterstudio“ erkunden möchten, planen Sie insgesamt eher drei bis vier Stunden oder länger ein, um alles in Ruhe genießen zu können.

Welche Temperaturen herrschen im Klimahaus?

Die Temperaturen variieren je nach simulierter Klimazone sehr stark. Sie erleben die extreme Kälte der Antarktis mit etwa minus 6 Grad Celsius und die feuchte Hitze des tropischen Regenwaldes in Kamerun oder die trockene Hitze Nigers mit rund 35 Grad Celsius. Es ist ratsam, sich auf diese Temperaturunterschiede einzustellen, vielleicht mit einer leichten Jacke oder Pullover für die kalten Bereiche.

Ist das Klimahaus für Kinder geeignet?

Ja, das Klimahaus ist hervorragend für Familien mit Kindern geeignet und versteht sich auch als außerschulischer Lernort. Die interaktiven Stationen, die authentischen Nachbildungen der Landschaften und die spannenden Informationen machen den Besuch zu einem lehrreichen und unterhaltsamen Erlebnis für alle Altersgruppen.

Wo genau befindet sich das Klimahaus in Bremerhaven?

Das Klimahaus liegt zentral in den Bremerhavener Havenwelten, direkt an der Weser. Die genaue Adresse ist Am Längengrad 8, 27568 Bremerhaven. Es ist von anderen Attraktionen und dem Stadtzentrum aus gut erreichbar.

Das Klimahaus Bremerhaven bietet eine einzigartige Möglichkeit, die Vielfalt der globalen Klimazonen zu erleben und gleichzeitig wichtige Zusammenhänge rund um Klima und Klimawandel zu verstehen. Es ist ein Ort des Lernens, des Erlebens und der Reflexion über die Zukunft unseres Planeten.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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