Stellen Sie sich vor, Sie genießen ein köstliches Essen in einem Restaurant in den Vereinigten Staaten. Die Speisekarte zeigt einen attraktiven Preis für Ihr Gericht, doch wenn die Rechnung kommt, ist der Betrag deutlich höher. Woran liegt das? Ein wesentlicher Grund sind die Steuern, die in den USA auf Restaurantmahlzeiten erhoben werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, wo die Mehrwertsteuer oft im Preis inbegriffen ist, werden in den USA die Steuern meist separat zur Endsumme addiert. Diese Praxis kann für Reisende und selbst für Einheimische, die nicht genau aufpassen, überraschend sein.

Veränderte Essgewohnheiten und ihre steuerlichen Folgen
Die Art und Weise, wie die Menschen in den USA essen, hat sich in den letzten fünfzig Jahren drastisch verändert. Früher wurde ein viel größerer Anteil der Ausgaben für Lebensmittel, die zu Hause konsumiert wurden, getätigt. Heute geben die Amerikaner einen erheblich größeren Teil ihres Budgets für zubereitete Speisen und Restaurantbesuche aus. Während vor fünfzig Jahren noch über zwei Drittel der Lebensmittelausgaben auf den Einkauf für zu Hause entfielen, war es im Jahr 2023 fast ein ausgeglichenes Verhältnis: 51 Prozent für zu Hause gekaufte Lebensmittel und 49 Prozent für zubereitete Mahlzeiten. Insgesamt ist der Anteil der Lebensmittelausgaben an den persönlichen Konsumausgaben zwar gesunken (von 18,8 Prozent auf 12,9 Prozent), doch die Ausgaben für Restaurants und zubereitete Speisen sind in absoluten Zahlen stark gestiegen. Im Jahr 2022 erreichten die Konsumausgaben für Gastronomiedienstleistungen erstmals die Marke von 1 Billion US-Dollar und stiegen bis 2023 auf beeindruckende 1,17 Billionen US-Dollar an.
Dieser Trend hin zu häufigeren Restaurantbesuchen und dem Kauf zubereiteter Mahlzeiten hat eine wichtige steuerliche Auswirkung. Für die Regierungen auf Bundesstaaten- und lokaler Ebene bietet dies eine einfache Möglichkeit, zusätzliche Einnahmen zu generieren. Warum? Weil zubereitete Speisen – im Gegensatz zu den meisten unverarbeiteten Lebensmitteln, die für den Heimverzehr gekauft werden und oft von der Umsatzsteuer befreit sind – in der Regel der allgemeinen Umsatzsteuer unterliegen. Wenn die Ausgaben für Restaurantbesuche steigen, steigen automatisch auch die Einnahmen aus der Umsatzsteuer.
Die doppelte Besteuerung: Umsatzsteuer und Spezielle Mahlzeitensteuern
In den meisten US-Bundesstaaten und Kommunen wird auf den Kauf von Waren und Dienstleistungen eine Umsatzsteuer (Sales Tax) erhoben. Die Höhe dieser Steuer variiert stark von Staat zu Staat und oft auch innerhalb eines Staates je nach Kommune. Wie bereits erwähnt, fällt diese Steuer in der Regel auch auf Restaurantmahlzeiten an. Dies ist die erste Steuerebene, die auf Ihre Restaurantrechnung aufgeschlagen wird.
Einige Städte und Bundesstaaten gehen jedoch noch einen Schritt weiter und erheben zusätzlich zur allgemeinen Umsatzsteuer eine spezielle Mahlzeitensteuer (Meals Tax oder Prepared Food Tax). Diese zusätzliche Steuer gilt speziell für zubereitete Speisen zum sofortigen Verzehr. Diese Praxis ist besonders für lokale Regierungen attraktiv, da ein beträchtlicher Teil der Ausgaben für Gastronomiedienstleistungen von Touristen und anderen Nichtansässigen getätigt wird. Die Erhebung einer zusätzlichen Steuer auf Mahlzeiten ermöglicht es den Kommunen somit, Einnahmen von Besuchern zu erzielen, die die lokale Infrastruktur nutzen, ohne direkt durch andere lokale Steuern (wie z.B. Grundsteuern) zur Finanzierung beizutragen.
Steuersätze in den größten US-Städten: Ein Blick auf die Vielfalt
Die Höhe der kombinierten Steuer (allgemeine Umsatzsteuer plus eventuelle spezielle Mahlzeitensteuer) auf Restaurantmahlzeiten variiert erheblich zwischen den US-Städten. Generell haben größere Städte oft höhere Umsatzsteuersätze. Zusätzlich erheben 13 der 50 größten US-Städte eine spezielle zusätzliche Mahlzeitensteuer, während 37 keine höhere Steuer auf Mahlzeiten als auf andere Waren erheben. Die Unterschiede können beträchtlich sein und einen spürbaren Einfluss auf die Endrechnung haben. Betrachten wir einige Beispiele aus den Daten der 50 größten US-Städte:
| Stadt | Bundesstaat | Kombinierte Steuer auf Mahlzeiten (2024) | Rang (2024) | Differenz (2024 - 2012) |
|---|---|---|---|---|
| Minneapolis | MN | 12.03% | 1 | +1.25% |
| Chicago | IL | bis zu 11.75% | 2 | +1.00% |
| Virginia Beach | VA | 11.50% | 3 | +1.00% |
| Kansas City | MO | 10.85% | 4 | +1.77% |
| Seattle | WA | 10.35% | 5 | +0.35% |
| Long Beach | CA | 10.25% | 6 | +1.50% |
| Oakland | CA | 10.25% | 6 | +1.50% |
| Washington D.C. | DC | 10.00% | 8 | 0.00% |
| New York City | NY | 8.88% | 17 | 0.00% |
| Los Angeles | CA | 9.50% | 10 | +0.75% |
| Houston | TX | 8.25% | 28 | 0.00% |
| Philadelphia | PA | 8.00% | 39 | 0.00% |
| Phoenix | AZ | 8.60% | 22 | -0.70% |
| San Diego | CA | 7.75% | 41 | 0.00% |
| Portland | OR | 0.00% | 50 | 0.00% |
| Detroit | MI | 6.00% | 47 | 0.00% |
| Louisville | KY | 6.00% | 47 | 0.00% |
| Baltimore | MD | 6.00% | 47 | 0.00% |
| San Antonio | TX | 8.25% | 28 | +0.12% |
| Dallas | TX | 8.25% | 28 | 0.00% |
| Jacksonville | FL | 7.50% | 43 | +0.50% |
| Austin | TX | 8.25% | 28 | 0.00% |
| Fort Worth | TX | 8.25% | 28 | 0.00% |
| San Jose | CA | 9.38% | 12 | +0.87% |
| Columbus | OH | 7.50% | 43 | +0.75% |
| Charlotte | NC | 8.25% | 28 | 0.00% |
| Indianapolis | IN | 9.00% | 14 | 0.00% |
| San Francisco | CA | 8.63% | 20 | +0.12% |
| Denver | CO | 8.00% | 39 | -0.10% |
| Oklahoma City | OK | 8.63% | 20 | +0.25% |
| Nashville | TN | 9.25% | 13 | 0.00% |
| El Paso | TX | 8.25% | 28 | 0.00% |
| Las Vegas | NV | 8.38% | 25 | +0.27% |
| Boston | MA | 7.00% | 46 | 0.00% |
| Memphis | TN | 9.75% | 9 | +0.50% |
| Albuquerque | NM | 7.63% | 42 | +0.63% |
| Tucson | AZ | 8.70% | 19 | +0.60% |
| Fresno | CA | 8.35% | 26 | +0.38% |
| Sacramento | CA | 8.75% | 18 | +1.00% |
| Mesa | AZ | 8.30% | 27 | +0.25% |
| Atlanta | GA | 8.90% | 16 | +0.90% |
| Colorado Springs | CO | 8.20% | 38 | +0.80% |
| Omaha | NE | 9.50% | 10 | 0.00% |
| Raleigh | NC | 8.25% | 28 | +0.50% |
| Miami | FL | 9.00% | 14 | 0.00% |
| Bakersfield | CA | 8.25% | 28 | +1.00% |
| Tulsa | OK | 8.52% | 23 | +1.02% |
| Tampa | FL | 7.50% | 43 | +0.50% |
| Arlington | TX | 8.25% | 28 | +0.25% |
Wie die Tabelle zeigt, sind die höchsten kombinierten Steuersätze auf Mahlzeiten in Minneapolis, MN (12,03 Prozent), Chicago, IL (bis zu 11,75 Prozent je nach Stadtteil), Virginia Beach, VA (11,5 Prozent), Kansas City, MO (10,85 Prozent) und Seattle, WA (10,35 Prozent) zu finden. Raten von 10 Prozent oder mehr gelten auch in Long Beach und Oakland, CA, sowie in Washington, D.C. Am anderen Ende des Spektrums steht Portland, OR, als einzige Stadt unter den größten 50, die keinerlei Steuer auf Restaurantmahlzeiten erhebt. Dies liegt daran, dass Oregon generell keine Umsatzsteuer hat und die Stadt keine eigene Mahlzeitensteuer eingeführt hat. Die niedrigsten Raten unter den Städten mit Umsatzsteuer finden sich in Baltimore, MD, Detroit, MI und Louisville, KY, mit jeweils 6 Prozent.
Steuerentwicklung über ein Jahrzehnt: Ein Aufwärtstrend
Die Besteuerung von Restaurantmahlzeiten ist nicht statisch. Ein Vergleich der Steuersätze von 2012 und 2024 zeigt, dass die Raten in vielen Städten gestiegen sind. In 29 der 50 größten Städte haben sich die kombinierten Mahlzeitensteuersätze im letzten Jahrzehnt erhöht. In 19 Städten blieben sie konstant, und nur in zwei Städten – Phoenix, AZ, und Denver, CO – gab es Rateensenkungen. Bemerkenswert ist, dass fast alle großen Städte an der Westküste, mit Ausnahme von San Diego, CA, zu den Städten mit Steuererhöhungen gehören.
Die größten Anstiege verzeichneten Milwaukee, WI (+2,3 Prozentpunkte), Kansas City, MO (+1,77 Prozentpunkte), Long Beach und Oakland, CA (jeweils +1,5 Prozentpunkte), Minneapolis, MN (+1,25 Prozentpunkte) und Tulsa, OK (+1,02 Prozentpunkte). Diese Anstiege können die Kosten für Verbraucher, die häufig auswärts essen, spürbar beeinflussen.
Die Debatte um Mahlzeitensteuern: Einnahmequelle vs. Prinzipien
Aus Sicht der Regierungen sind Mahlzeitensteuern eine attraktive Einnahmequelle. Sie sind relativ einfach zu erheben und schwer zu hinterziehen. Zudem deuten Daten darauf hin, dass das Ausgehverhalten durch höhere Steuern kaum beeinflusst wird – die Nachfrage nach Restaurantbesuchen scheint relativ unelastisch zu sein. Da ein Teil der Einnahmen von Touristen generiert wird, erscheint diese Steuer für lokale Politiker politisch oft einfacher durchsetzbar als andere Steuererhöhungen, die nur die eigenen Bürger betreffen würden.
Aus wirtschaftspolitischer Sicht sind spezielle Mahlzeitensteuern jedoch umstritten. Während die allgemeine Umsatzsteuer darauf abzielt, einen breiten Konsumbereich zu besteuern, werden spezielle Verbrauchssteuern (Excise Taxes) typischerweise gerechtfertigt, um unerwünschtes Verhalten zu entmutigen (z.B. Tabaksteuer), negative externe Effekte zu internalisieren (z.B. Umweltsteuern) oder staatliche Programme nach dem Verursacherprinzip zu finanzieren. Keines dieser Argumente scheint auf Mahlzeitensteuern zuzutreffen. Regierungen wollen die Menschen nicht davon abhalten, auswärts zu essen. Der Konsum zubereiteter Speisen verursacht keine signifikanten gesellschaftlichen Kosten, die ausgeglichen werden müssten, und es gibt keine wesentlichen zusätzlichen Regierungskosten, die durch Restaurantbesuche entstehen.
Die Hauptrechtfertigung bleibt daher oft die einfache Generierung von Einnahmen und die Tatsache, dass ein Teil der Last auf Nichtansässige abgewälzt werden kann. Ökonomen bevorzugen im Allgemeinen Steuern, die wirtschaftliche Entscheidungen weniger verzerren. Spezielle Steuern auf bestimmte Konsumentscheidungen sollten eine klarere Begründung haben, die bei Mahlzeitensteuern oft fehlt. Zudem können stark unterschiedliche Steuersätze in benachbarten Kommunen zu Wettbewerbsverzerrungen führen, auch wenn dies bei Restaurantbesuchen weniger ausgeprägt zu sein scheint als bei anderen Käufen.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Für Verbraucher bedeutet die Existenz von Mahlzeitensteuern und variierenden Umsatzsteuersätzen, dass die beworbenen Preise in US-Restaurants nicht der Endpreis sind. Man sollte immer die zusätzliche Steuer einkalkulieren. Dies gilt sowohl für Einheimische als auch und insbesondere für Reisende. Die Kenntnis der lokalen Steuersätze kann helfen, das Budget für Restaurantbesuche besser zu planen. In Städten mit hohen Steuersätzen kann die zusätzliche Abgabe einen erheblichen Teil der Rechnung ausmachen.
Während das Auswärtsessen durch die Steuern offenbar nicht stark eingeschränkt wird, belasten die höheren Abgaben dennoch den Geldbeutel der Verbraucher. Aus Sicht einer guten Steuerpolitik wäre es transparenter und neutraler, wenn die allgemeine Umsatzsteuerbasis verbreitert würde, um weniger Ausnahmen zu haben, anstatt spezifische Produkte oder Dienstleistungen wie Restaurantmahlzeiten zusätzlich zu besteuern. Solange dies nicht geschieht, bleibt es wichtig, sich der existierenden Steuern bewusst zu sein.
Häufig gestellte Fragen zu Restaurantsteuern in den USA
Wird auf Lebensmittel in den USA immer Umsatzsteuer erhoben?
Nein. In den meisten Bundesstaaten sind unverarbeitete Lebensmittel, die für den Heimverzehr gekauft werden (z.B. im Supermarkt), von der allgemeinen Umsatzsteuer befreit oder haben einen reduzierten Satz. Zubereitete Speisen und Restaurantmahlzeiten unterliegen jedoch in der Regel der vollen Umsatzsteuer.
Was ist eine Mahlzeitensteuer (Meals Tax)?
Eine Mahlzeitensteuer ist eine zusätzliche Steuer, die von einigen Städten oder Bundesstaaten speziell auf zubereitete Speisen zum sofortigen Verzehr (wie in Restaurants) erhoben wird. Sie kommt zur allgemeinen Umsatzsteuer hinzu.
Sind die Steuersätze in allen US-Städten gleich?
Absolut nicht. Die Steuersätze variieren stark je nach Bundesstaat, County und Stadt. Einige Städte erheben zusätzliche Mahlzeitensteuern, andere nicht. Die Spanne kann von 0% in Portland, OR, bis über 12% in Minneapolis, MN, reichen.
Warum erheben einige Städte höhere Steuern auf Mahlzeiten?
Oft geschieht dies, um zusätzliche Einnahmen zu generieren, insbesondere von Touristen und Nichtansässigen, die einen erheblichen Teil der Restaurantausgaben ausmachen. Mahlzeiten gelten zudem als relativ unelastisches Gut, was bedeutet, dass die Nachfrage auch bei höheren Preisen bzw. Steuern nicht stark zurückgeht.
Wie finde ich heraus, wie hoch die Steuer in einer bestimmten Stadt ist?
Die genauen Steuersätze können online auf den Websites der zuständigen Steuerbehörden des Bundesstaates und der Kommune gefunden werden. Oft wird die Steuer auch auf der Restaurantrechnung separat ausgewiesen.
Haben sich die Steuern in den letzten Jahren verändert?
Ja, die Daten zeigen, dass die kombinierten Steuersätze auf Mahlzeiten in vielen der größten US-Städte in den letzten zehn Jahren gestiegen sind.
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