Wenn man an das Hamburger Nachtleben denkt, fällt ein Name sofort: die Reeperbahn. Diese weltberühmte Straße im Stadtteil St. Pauli ist das pulsierende Herz des Ausgehens in der Hansestadt und gilt unbestritten als Hamburgs berühmteste Ausgehstraße. Sie ist nicht nur ein Zentrum des Nachtlebens, sondern auch Hamburgs wichtigstes Rotlichtviertel. Im Volksmund ist sie liebevoll oder ehrfürchtig als „die sündige Meile“ oder einfach nur als „der Kiez“ bekannt. Neben der Sternschanze bildet die Reeperbahn den zweiten großen Anziehungspunkt für Nachtschwärmer in Hamburg.

Die Geschichte der Reeperbahn ist ebenso faszinierend wie ihr heutiges Treiben. Der Name selbst, „Reeperbahn“, leitet sich vom niederdeutschen Wort „Reep“ für Seil ab (Standarddeutsch: Seil). Eine Reeperbahn war ein Ort, an dem Seile hergestellt wurden. Bis in die 1620er Jahre befanden sich die Hamburger Reeperbahnen in der Neustadt, nahe der Elbe. Da dieses Gebiet immer dichter bebaut wurde, mussten die Seilmachereien außerhalb der Stadtmauern verlegt werden. Der Weg, der in Richtung Altona führte, wurde zur neuen Heimat der Seilhersteller und nahm später den Namen „Reeperbahn“ an. So war die Straße im 17. und 18. Jahrhundert tatsächlich eine Stätte des Handwerks, lange bevor sie zum Synonym für Vergnügen und Sünde wurde.
Heute säumen die Reeperbahn eine schier endlose Vielfalt an Etablissements. Hier finden sich Restaurants für jeden Geschmack, Nachtclubs mit unterschiedlicher Musik und Atmosphäre, Discotheken, in denen bis in die frühen Morgenstunden getanzt wird, und unzählige Bars, von urigen Kneipen bis zu schicken Cocktail-Lounges. Doch die Reeperbahn wäre nicht die Reeperbahn ohne ihre spezielleren Angebote: Stripclubs, Sexshops, Bordelle und ähnliche Geschäfte sind ebenfalls ein fester Bestandteil des Kiezlebens.
Neben dem ausschweifenden Nachtleben bietet die Reeperbahn auch ein beachtliches kulturelles Angebot. Das Operettenhaus ist ein bekanntes Musical-Theater, das jahrelang berühmte Produktionen wie Andrew Lloyd Webbers „Cats“, das ABBA-Musical „Mamma Mia!“, Udo Jürgens' „Ich war noch niemals in New York“, „Sister Act“ und zuletzt „Rocky“ nach dem Stallone-Film beherbergte. Aber das ist nicht alles: Am Kiez gibt es weitere wichtige Theater wie das St. Pauli Theater, das Imperial Theater und Schmidt's Tivoli, die eine breite Palette an Aufführungen bieten. Auch verschiedene Cabarets und Varietés tragen zum kulturellen Reichtum der Reeperbahn bei.
Ein berühmtes Wahrzeichen der Reeperbahn ist die Davidwache. Diese kleine, aber legendäre Polizeistation befindet sich auf der Südseite der Reeperbahn an der Kreuzung zur Davidstraße. Die Davidwache ist seit Jahrzehnten untrennbar mit dem Kiez verbunden und ein Symbol für Recht und Ordnung inmitten des bunten Treibens. Auf der Davidstraße selbst ist Straßenprostitution zu bestimmten Tageszeiten legal.
Eine kurze Seitenstraße, die von der Davidstraße abzweigt, ist die Herbertstraße. Diese Straße ist seit 1933 durch Sichtblenden von den angrenzenden Straßen abgeschirmt. Hier präsentieren sich Sexarbeiterinnen hinter Fenstern und warten auf Kunden. Seit den 1970er Jahren weisen Schilder darauf hin, dass der Zutritt für Frauen und Jugendliche verboten ist. Dennoch handelt es sich um eine öffentliche Straße, die grundsätzlich von jedermann betreten werden darf.
Südlich der Reeperbahn liegt der Hans-Albers-Platz, benannt nach dem berühmten Schauspieler und Sänger, der oft mit Hamburg und dem Kiez assoziiert wird. Dieser Platz ist ebenfalls bekannt für seine vielen Kneipen und die dort anzutreffende Straßenprostitution.
Die Große Freiheit ist eine weitere Straße, die untrennbar mit der Reeperbahn verbunden ist. Sie beginnt auf der Nordseite und ist gesäumt von Clubs und Bars. Früher war die Große Freiheit bekannt für ihre Live-Sex-Theater wie das Salambo, Regina, Colibri und Safari. Das Safari galt bis zu seiner Schließung im Jahr 2013 als das letzte Live-Sex-Theater Deutschlands. Heute befindet sich an der Stelle des Salambo der beliebte Table-Dance-Club Dollhouse. Auch das Hotel Luxor, Hamburgs ältestes Bordell, das 60 Jahre lang in dieser Straße betrieben wurde, schloss im Jahr 2008. Der Name „Große Freiheit“ hat übrigens einen historischen Ursprung: Katholiken durften hier ihre Religion ausüben, als dieser Bezirk noch nicht zu Hamburg gehörte und die Religionsausübung im protestantischen Hamburg selbst verboten war. Ein faszinierendes Detail, das die Geschichte des Kiez als Ort der Toleranz oder zumindest der Ausnahmen beleuchtet.

Die Reeperbahn hat im Laufe der Zeit viele Veränderungen erlebt. In den späten 1960er Jahren eröffnete hier das Eros Center, Europas damals größtes Bordell, das sich über sechs Etagen erstreckte. Es wurde Ende der 1980er Jahre im Zuge der AIDS-Angst geschlossen. Auch die Live-Sex-Theater auf der Großen Freiheit, einst eine Attraktion, sind weitgehend verschwunden.
Das Nachtleben auf der Reeperbahn ist vielfältig. Zu den Legenden gehört Rosi’s Bar, ein traditioneller Kiezschuppen, in dem dicht gedrängt zu Funk, Ska, Dancehall, Soul und Sixties-Rock getanzt wird und der das alte Reeperbahn-Flair verkörpert. Für Liebhaber elektronischer Musik ist der Baalsaal eine Institution auf der Reeperbahn, bekannt für seine internationalen DJs, Newcomer und eine der besten Soundanlagen der Stadt, die ab 1 Uhr nachts richtig aufgedreht wird. In der Nähe des Fischmarkts, unweit der Reeperbahn, befindet sich der Hafenklang, ein altes Tonstudio, das in einen Club umgewandelt wurde und mit Breakbeats, Rock- und Pop-Konzerten lockt. Auch der Golden Pudel Club am Fischmarkt war eine Legende des Undergrounds, der jedoch leider abgebrannt und geschlossen ist.
Die Reeperbahn war in der Vergangenheit auch Schauplatz krimineller Aktivitäten. Ein bekanntes Beispiel war der Prozess gegen zehn Mitglieder der „Marek-Bande“ in den Jahren 2006 und 2007, die Bordelle am und nahe dem Kiez kontrollierten. Auch wenn die Anklage wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung fallen gelassen wurde, ging es um Praktiken wie das Anwerben junger Frauen unter 21 Jahren in Diskotheken für die Prostitution und Missbrauch. Aufgrund der Probleme mit der Kriminalität erließ der Hamburger Senat im Jahr 2007 ein Waffenverbot für das Reeperbahn-Gebiet, ähnlich wie am Hansaplatz in St. Georg.
Die Reeperbahn unterliegt einem ständigen Wandel. Die St. Pauli Preservation Society beklagt die fortschreitende Gentrifizierung des Gebiets. Ältere Anwohner führen den Rückgang der klassischen Sexindustrie teilweise auf den Aufstieg von Discotheken und billigen Bars zurück, die ein jüngeres Publikum anziehen. Ein sichtbares Zeichen der Veränderung sind die Dancing Towers am östlichen Ende der Reeperbahn, die 2013 gebaut wurden und ein tanzendes Paar symbolisieren. Diese und andere moderne Gebäude stoßen bei einigen Bewohnern von St. Pauli auf Kritik, da sie das traditionelle Bild des Viertels verändern.
Die globale COVID-19-Pandemie traf die Reeperbahn besonders hart. Wie viele Unterhaltungszentren weltweit mussten fast alle Etablissements schließen, was die Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit dieses einzigartigen Ortes erneut auf die Probe stellte.
Trotz aller Veränderungen und Herausforderungen bleibt die Reeperbahn ein faszinierender und unverzichtbarer Teil Hamburgs. Sie ist mehr als nur eine Ausgehstraße; sie ist ein Spiegelbild der Stadtgeschichte, ein Ort der Kontraste zwischen Kultur und Kommerz, Tradition und Moderne, Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische gleichermaßen. Ob man das bunte Treiben in den Bars und Clubs sucht, ein Musical besuchen möchte oder einfach nur die einzigartige Atmosphäre auf sich wirken lässt – die Reeperbahn bietet ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Häufig gestellte Fragen zur Reeperbahn
Hier finden Sie Antworten auf einige häufig gestellte Fragen zu Hamburgs berühmtester Ausgehstraße:
Was genau ist die Reeperbahn?
Die Reeperbahn ist eine Straße und ein Unterhaltungsviertel im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Sie ist bekannt als Hamburgs berühmteste Ausgehstraße, ein Zentrum des Nachtlebens und das wichtigste Rotlichtviertel der Stadt. Sie wird oft als „die sündige Meile“ oder „der Kiez“ bezeichnet.

Woher kommt der Name Reeperbahn?
Der Name stammt aus dem Niederdeutschen („Reep“ = Seil) und bedeutet „Seilbahn“ oder „Reiferbahn“. Früher wurden hier Seile hergestellt, da die benötigten Bahnen sehr lang sein mussten und außerhalb der damaligen Stadtmauern Platz fanden.
Welche Art von Unterhaltung finde ich auf der Reeperbahn?
Die Reeperbahn bietet eine sehr breite Palette an Unterhaltung. Dazu gehören zahlreiche Bars, Kneipen, Nachtclubs, Discotheken, Restaurants, Musical-Theater (wie das Operettenhaus), andere Bühnen (St. Pauli Theater, Imperial Theater, Schmidt's Tivoli), Cabarets und Varietés. Daneben gibt es auch Etablissements des Rotlichtmilieus wie Stripclubs, Sexshops und Bordelle.
Gibt es auf der Reeperbahn auch kulturelle Angebote?
Ja, absolut. Neben dem Nachtleben ist die Reeperbahn auch ein wichtiger Standort für Kultur. Hier befinden sich mehrere bekannte Theater, in denen Musicals, Schauspiele und andere Aufführungen gezeigt werden. Auch Cabarets und Varietés gehören zum kulturellen Spektrum.
Ist die Reeperbahn nur für Erwachsene?
Obwohl Teile der Reeperbahn und angrenzende Straßen eindeutig dem Rotlichtmilieu zuzuordnen sind (z. B. Herbertstraße), ist die Reeperbahn insgesamt ein vielschichtiges Viertel. Viele Restaurants, Bars, Clubs und Theater sind für ein allgemeines Publikum zugänglich. Es gibt jedoch Bereiche mit Zutrittsbeschränkungen.
Was sind bekannte Orte auf oder nahe der Reeperbahn?
Zu den bekannten Orten gehören die Polizeistation Davidwache, die Straße Herbertstraße (Rotlicht), der Hans-Albers-Platz mit seinen Kneipen und die Straße Große Freiheit, die für ihre Clubs und ehemaligen Sex-Theater bekannt ist. Auch das Operettenhaus ist ein Wahrzeichen.
Ist die Reeperbahn sicher?
Die Reeperbahn ist ein belebtes Ausgehviertel mit einer hohen Polizeipräsenz (Davidwache). Aufgrund des Andrangs und der Art der Etablissements kann es, wie in vielen Ausgehvierteln, zu Vorfällen kommen. Seit 2007 gibt es in bestimmten Bereichen ein Waffenverbot, um die Sicherheit zu erhöhen. Wie überall ist es ratsam, auf seine Umgebung zu achten und Vorsicht walten zu lassen.
Überblick: Wichtige Orte am Kiez
| Ort | Beschreibung |
|---|---|
| Reeperbahn | Die Hauptstraße des Vergnügungsviertels; Mix aus Gastronomie, Clubs, Theatern und Rotlicht. |
| Davidwache | Berühmte Polizeistation; Wahrzeichen des Kiez. |
| Davidstraße | Straße an der Davidwache; zeitweise legale Straßenprostitution. |
| Herbertstraße | Abgeschottete Seitenstraße der Davidstraße; Fensterprostitution (Zutritt für Frauen und Jugendliche untersagt). |
| Hans-Albers-Platz | Platz südlich der Reeperbahn; bekannt für Kneipen und Straßenprostitution. |
| Große Freiheit | Straße nördlich der Reeperbahn; Standort vieler Clubs und ehemaliger Sex-Theater. |
| Operettenhaus | Großes Theater auf der Reeperbahn; bekannt für Musicals. |
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