Aachen, die historische Stadt Karls des Großen, zieht Besucher nicht nur mit ihrem imposanten Dom und der bewegten Geschichte in den Bann. Auch kulinarisch hat die westlichste Großstadt Deutschlands einiges zu bieten, das eng mit ihrer Tradition und Lage im Dreiländereck verbunden ist. Wer Aachen besucht, sollte unbedingt einige lokale Spezialitäten probieren, die oft eine lange Geschichte haben und den Charakter der Stadt widerspiegeln. Es geht um mehr als nur satt werden; es geht um ein Stück Aachener Identität auf der Zunge.

Die Frage „Was muss man in Aachen gegessen haben?“ führt unweigerlich zu einigen unverzichtbaren Klassikern. Diese Gerichte und Backwaren sind tief in der regionalen Kultur verwurzelt und repräsentieren das kulinarische Erbe Aachens. Sie sind Teil von Festen, Alltagsfreuden und Souvenirs, die man gerne mit nach Hause nimmt. Machen Sie sich bereit für eine Reise durch die Geschmäcker der Kaiserstadt.
Aachener Printen: Mehr als nur Gebäck
Wenn von Aachen die Rede ist, fällt fast automatisch der Name Aachener Printen. Dieses einzigartige Gebäck ist das wohl bekannteste kulinarische Aushängeschild der Stadt und hat sogar einen geschützten geografischen Status in der EU. Doch was macht die Printen so besonders?
Printen sind eine Art Lebkuchen, aber mit einer ganz eigenen Textur und einem intensiven, komplexen Geschmacksprofil, das von einer speziellen Gewürzmischung dominiert wird. Zu den typischen Gewürzen gehören Anis, Zimt, Kardamom, Nelken, Koriander, Ingwer und oft auch Piment. Die genaue Mischung ist oft ein wohlgehütetes Geheimnis der jeweiligen Bäckerei. Charakteristisch ist die Süßung hauptsächlich durch Zuckerrübensirup, was ihnen eine dunklere Farbe und eine besondere Saftigkeit verleiht, die jedoch je nach Sorte variiert.
Vielfalt der Printen
Man unterscheidet grundsätzlich verschiedene Arten von Printen:
- Kräuterprinten (oder Hartprinten): Die ursprünglichste Form. Sie sind hart und fest im Biss und haben den intensivsten Gewürzgeschmack. Sie werden oft gelutscht oder in Kaffee oder Tee getunkt, um sie weicher zu machen.
- Weichprinten: Durch die Zugabe von mehr Zucker oder Honig und eine andere Teigführung sind sie weicher und saftiger als Kräuterprinten. Sie sind oft beliebter für den direkten Verzehr.
- Mandel-, Nuss- und Schokoladenprinten: Dies sind Varianten, bei denen die Printen mit Mandeln, Nüssen oder einer Schokoladenglasur verfeinert werden. Besonders die Schokoladenprinten sind international sehr beliebt.
- Figurenprinten: Besonders zur Weihnachtszeit werden Printen auch in verschiedenen Formen gebacken, oft als Figuren oder Tiere.
Die Geschichte der Printen reicht weit zurück, möglicherweise bis zur Zeit Karls des Großen, auch wenn die heute bekannte Form wahrscheinlich im 17. Jahrhundert entstand, als die Aachener Bäcker begannen, den teuren Rohrzucker durch Zuckerrübensirup zu ersetzen. Traditionell war die Weihnachtszeit die Hauptsaison, aber heute sind Printen das ganze Jahr über in vielen Bäckereien und Geschäften Aachens erhältlich.
Wo findet man die besten Printen?
Traditionelle Bäckereien sind die erste Anlaufstelle. Namen wie Nobis Printen oder Klein Printen sind überregional bekannt und haben Filialen in der ganzen Stadt. Aber auch kleinere, unabhängige Bäckereien pflegen oft ihre eigenen Familienrezepte. Es lohnt sich, verschiedene Sorten von verschiedenen Bäckern zu probieren, um seinen persönlichen Favoriten zu finden. Der Duft frisch gebackener Printen, der besonders in der Vorweihnachtszeit durch die Straßen zieht, ist ein Erlebnis für sich.
Aachener Sauerbraten: Deftige Tradition
Neben dem süßen Aushängeschild hat Aachen auch eine herzhafte Spezialität, die auf keiner kulinarischen Entdeckungsreise fehlen sollte: den Aachener Sauerbraten. Dieses Gericht ist ein Klassiker der rheinischen Küche, aber die Aachener Variante hat ihre Besonderheiten.
Das Besondere am Sauerbraten ist die lange Marinierzeit des Fleisches (traditionell Rind, früher oft Pferd) in einer Mischung aus Essig, Wasser, Gewürzen (wie Lorbeer, Wacholderbeeren, Nelken, Pfefferkörner) und oft auch Gemüse. Diese Marinade macht das Fleisch nicht nur zart, sondern verleiht ihm auch eine charakteristische säuerliche Note. Nach dem Marinieren wird das Fleisch angebraten und dann langsam in der Marinade geschmort, bis es butterzart ist.
Die Sauce ist das Herzstück des Aachener Sauerbratens. Sie wird aus dem Schmorfond zubereitet und erhält ihre typisch süß-säuerliche Note oft durch die Zugabe von Apfelkraut (einem Sirup aus Äpfeln) und – hier kommt die lokale Verbindung – zerkleinerten Aachener Printen! Die Printen dienen nicht nur zum Abbinden der Sauce, sondern tragen auch ihre würzige Süße bei, was dem Gericht eine einzigartige regionale Prägung gibt.
Serviert wird der Aachener Sauerbraten traditionell mit Rotkohl und Kartoffelklößen oder Salzkartoffeln. Es ist ein wärmendes, sättigendes Gericht, das perfekt zu den oft kühlen Temperaturen der Region passt.
Tradition vs. Moderne
Während früher Pferdefleisch für Sauerbraten in der Region weit verbreitet war, wird heute fast ausschließlich Rindfleisch verwendet. Dies ist eine Anpassung an moderne Essgewohnheiten und Verfügbarkeiten. Die Zubereitung mit Printen in der Sauce bleibt jedoch ein wichtiges Erkennungsmerkmal des Aachener Sauerbratens und unterscheidet ihn von anderen regionalen Sauerbraten-Varianten.
Weitere lokale Spezialitäten
Obwohl Printen und Sauerbraten die unangefochtenen Stars sind, gibt es noch andere Leckereien, die man in Aachen entdecken kann. Dazu gehört beispielsweise der Aachener Fladen. Dies ist ein Blechkuchen, der süß oder herzhaft belegt sein kann. Eine bekannte Variante ist der Apfelfladen. Auch wenn nicht so berühmt wie die Printen, sind Fladen in vielen Bäckereien und Cafés zu finden und bieten eine weitere Facette der Aachener Backtradition.
Auch die Nähe zu Belgien und den Niederlanden prägt die Aachener Gastronomie. Man findet hier oft Einflüsse aus den Nachbarländern, zum Beispiel bei Waffeln oder bestimmten Biersorten. Eine Tasse Kaffee mit einem Stück Printen oder Fladen in einem der gemütlichen Cafés rund um den Dom ist ein typisches Aachener Erlebnis.
Wo genießt man diese Köstlichkeiten?
Um die Aachener Spezialitäten authentisch zu erleben, sollte man sich an die richtigen Orte begeben:
- Für Aachener Printen sind traditionelle Bäckereien die beste Wahl. Sie bieten die größte Vielfalt und höchste Qualität. Viele haben auch kleine Cafés, in denen man die Printen direkt vor Ort bei einer Tasse Kaffee probieren kann.
- Für Aachener Sauerbraten sucht man am besten ein traditionelles Aachener Gasthaus oder ein Restaurant mit regionaler Küche auf. Hier wird das Gericht oft nach überlieferten Rezepten zubereitet. Fragen Sie nach dem „Sauerbraten nach Aachener Art“, um sicherzugehen, dass er mit Printen in der Sauce serviert wird.
- Für den Aachener Fladen und andere Kuchen sind ebenfalls die Bäckereien und Cafés die richtige Adresse.
Kulinarischer Vergleich: Printen vs. Sauerbraten
Um die beiden Hauptdarsteller der Aachener Küche besser einzuordnen, werfen wir einen vergleichenden Blick auf sie:
| Merkmal | Aachener Printen | Aachener Sauerbraten |
|---|---|---|
| Art | Gebäck / Süßigkeit | Hauptgericht / Fleischgericht |
| Geschmacksprofil | Würzig, süß, oft herb (Kräuter) | Süß-sauer, herzhaft, würzig |
| Hauptzutaten | Mehl, Zuckerrübensirup, spezielle Gewürzmischung | Rind- (oft) oder Pferdefleisch, Essigmarinade, Gewürze, oft Printen im Sud |
| Typische Anlässe | Ganzjährig, besonders zur Weihnachtszeit | Traditionelles Mittag- oder Abendessen |
| Textur | Hart bis weich, je nach Sorte | Sehr zart (Fleisch), sämig (Sauce) |
| Herkunft | Aachen, geschützte Spezialität | Rheinland, mit Aachener Besonderheit |
Die Aachener Gastronomieszene
Abseits der ganz traditionellen Gerichte bietet Aachen eine lebendige und vielfältige Gastronomieszene. Die Nähe zu den Niederlanden und Belgien bringt internationale Einflüsse mit sich. Es gibt eine große Auswahl an Cafés, die nicht nur Printen, sondern auch modernere Kuchen und Kaffeespezialitäten anbieten. Restaurants decken eine breite Palette von Küchen ab, von italienisch über asiatisch bis hin zu moderner deutscher Küche. Auch für Vegetarier und Veganer gibt es mittlerweile viele gute Optionen, auch wenn die traditionellen „Must-Eats“ fleisch- oder honigbasiert sind.
Dennoch, um die Seele der Aachener Küche wirklich zu verstehen, führt kein Weg an den klassischen Spezialitäten vorbei. Sie sind ein Stück Geschichte und Kultur, das man schmecken kann.
Fazit
Ein Besuch in Aachen ist nicht komplett ohne die kulinarische Seite kennenzulernen. Die Aachener Printen und der Aachener Sauerbraten sind absolute Must-Eats, die die Tradition und den einzigartigen Charakter der Stadt verkörpern. Sie bieten ein Geschmackserlebnis, das man so nur hier findet. Planen Sie bei Ihrem Besuch unbedingt Zeit ein, um diese Köstlichkeiten in einem traditionellen Umfeld zu genießen. Es ist eine Reise wert – für den Gaumen und die Seele.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was genau sind Aachener Printen?
Aachener Printen sind ein traditionelles, würziges Gebäck, ähnlich dem Lebkuchen. Ihre Besonderheit liegt in der Verwendung einer speziellen Gewürzmischung und Zuckerrübensirup. Es gibt verschiedene Varianten von hart bis weich, oft verfeinert mit Nüssen, Mandeln oder Schokolade. Sie sind ein geschütztes Regionalprodukt.
Ist Aachener Sauerbraten immer aus Pferdefleisch?
Historisch wurde Sauerbraten in der Region oft aus Pferdefleisch zubereitet. Heute wird jedoch fast ausschließlich Rindfleisch verwendet. Die Bezeichnung „Aachener Art“ bezieht sich meist auf die Zubereitung der Sauce, die oft mit Apfelkraut und zerkleinerten Printen gebunden und abgeschmeckt wird.
Wo kaufe ich am besten Aachener Printen?
Die besten Printen finden Sie in traditionellen Aachener Bäckereien. Bekannte Namen wie Nobis oder Klein sind eine sichere Wahl, aber auch kleinere Bäckereien bieten oft exzellente, nach Familienrezepten hergestellte Printen an. Es lohnt sich, verschiedene Geschäfte auszuprobieren.
Kann man Aachener Printen das ganze Jahr über kaufen?
Ja, obwohl die Weihnachtszeit traditionell die Hochsaison ist und die Auswahl dann am größten ist, sind Aachener Printen das ganze Jahr über in vielen Bäckereien und Geschäften in Aachen erhältlich.
Gibt es vegetarische oder vegane Aachener Spezialitäten?
Die bekanntesten und traditionellen Aachener Spezialitäten wie Printen (oft mit Honig) und Sauerbraten (Fleischgericht) sind nicht vegetarisch oder vegan. Allerdings bietet die moderne Gastronomieszene in Aachen eine wachsende Vielfalt an Restaurants und Cafés mit vegetarischen und veganen Optionen, auch wenn diese nicht die historischen „Must-Eats“ der Stadt darstellen.
Wird Sauerbraten in Aachen süß oder sauer serviert?
Der Aachener Sauerbraten zeichnet sich durch eine süß-saure Geschmacksnote aus. Die Säure kommt von der Essigmarinade, während die Süße durch die Zugabe von Apfelkraut und oft auch Printen in der Sauce entsteht. Es ist eine harmonische Kombination aus beiden Komponenten.
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