Wem gehört Zwiesel?

Zwiesel: Stadt des Glases und Naturparadies

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Willkommen in Zwiesel, einer Stadt im Herzen des Bayerischen Waldes, die weit mehr zu bieten hat als nur ihre malerische Lage. Bekannt als die Stadt des Glases, verbindet Zwiesel eine jahrhundertealte Tradition der Glasherstellung mit der unberührten Schönheit der umliegenden Natur. Ob Sie sich für Handwerkskunst, Geschichte, Outdoor-Aktivitäten oder einfach nur Entspannung interessieren, Zwiesel hält unvergessliche Erlebnisse bereit.

Wem gehört Zwiesel?
Am 1. Oktober 2015 wurde Andreas Buske Alleineigentümer und Vorstand des Unternehmens. 2020 enthüllte das Unternehmen seine neue Dachmarke Zwiesel Glas, welche die Marken Zwiesel 1872 und Schott Zwiesel repräsentieren soll.

Eingebettet in das Mittelgebirge, nahe der tschechischen Grenze und umgeben von beeindruckenden Bergen wie dem Arber, Falkenstein, Rachel und Hennenkobel, ist Zwiesel ein idealer Ausgangspunkt für Entdeckungstouren. Doch bevor wir uns in die modernen Attraktionen stürzen, werfen wir einen Blick auf die tiefen Wurzeln dieser faszinierenden Stadt.

Die Wurzeln der Stadt: Ein Blick in die Geschichte

Die genaue Gründungsgeschichte von Zwiesel liegt im Dunkel der Zeit verborgen. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes findet sich in einer Besitzaufstellung des Abtes Hermann von Niederaltaich aus dem Jahr 1254. Dort wird „Zwisl“ als „Dorf, unbewohnt, mit Wiese“ beschrieben. Schon lange zuvor hinterließen frühe Goldwäscher während ihrer Aufenthalte Abraumhügel im Stadtgebiet und der näheren Umgebung. Der Ort entwickelte sich aus einem einfachen Rast- und Handelsplatz für die Säumerzüge. Diese nutzten einen uralten Handelsweg von der Donau nach Böhmen, dessen Existenz bereits für das 6. Jahrhundert nachgewiesen ist, aber vermutlich weitaus älter ist.

Der Name „Zwisel“ selbst stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „Gabel“. Dieser Name bezieht sich auf zwei markante geografische Merkmale der Region: zum einen auf den Zusammenfluss des Großen und Kleinen Regen, zweier wichtiger Flüsse, und zum anderen auf das Zusammentreffen des alten Baierweges mit dem Guntherweg. Diese „Gabelungen“ machten den Ort zu einem natürlichen Knotenpunkt.

Im Jahr 1295 wird erstmals die „Mauth“ in Zwiesel erwähnt, die von Rinchnach-Klessing hierher verlegt wurde. Das Zollrecht war eng mit dem Marktrecht verbunden. So ist es nicht verwunderlich, dass Zwiesel im Jahr 1312 erstmals offiziell als „Markt“ bezeichnet und sogar mit einem eigenen Richter für die Marktflur ausgestattet wurde. Dies markiert einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Ortes von einem Rastplatz zu einem bedeutenden Handelszentrum.

Zwiesel und die faszinierende Welt des Glases

Seit 1421 ist Zwiesel ununterbrochen ein Zentrum der Glasherstellung und -veredelung. Diese lange und reiche Glastradition prägt die Identität der Stadt bis heute. Hier arbeiten produzierende Glashütten und -werkstätten Seite an Seite mit Glaskünstlern und Ateliers. Besucher können die Handwerkskunst hautnah erleben, von der Entstehung eines Glases bis hin zu kunstvollen Objekten.

Ein absolutes Muss für jeden Zwiesel-Besucher ist die berühmte Glaspyramide. Errichtet im Jahr 2007 vor dem Werksverkauf der Zwiesel Kristallglas AG, ist sie ein beeindruckendes Zeugnis der lokalen Fertigkeit. Für ihren Bau wurden auf 65 Ebenen sage und und schreibe 93.665 Weingläser der Serie Neckar kunstvoll und ganz ohne Klebstoff aufeinandergestapelt. Mit einer Höhe von über acht Metern und einem Gesamtgewicht von mehr als elf Tonnen hält diese Pyramide seit ihrer Errichtung den Weltrekord als „höchste Kristallglas-Pyramide der Welt“. Sie hat sich schnell zu einem Wahrzeichen der Stadt entwickelt und zieht jährlich zahlreiche Touristen an. Zum zehnjährigen Jubiläum 2017 wurden sogar kleinere Versionen der Pyramide, bestehend aus 1.496 Martinigläsern, in anderen Städten wie Paris und Flensburg aufgebaut, um die Tradition Zwiesels zu präsentieren.

Für was ist Zwiesel bekannt?
Die niederbayerische Stadt ist durch die Glasherstellung und die Glaskunst bekannt geworden. Noch heute ist der größte Arbeitgeber der Stadt mit der Zwiesel Kristallglas AG eine Glasindustrie. Der Wahlspruch der Stadt "Fein Glas, gut Holz sind Zwiesels Stolz" trifft also noch immer zu.

Neben der Pyramide gibt es weitere gläserne Höhepunkte in Zwiesel. Dazu gehört die Glaskapelle am Anger, die vollständig aus Glassteinen erbaut wurde und eine einzigartige spirituelle Atmosphäre schafft. Das Waldmuseum beherbergt neben interessanten Exponaten zum Lebensraum Wald auch kostbare Gläser und eine alte Stadtapotheke, die Einblicke in vergangene Zeiten gewähren.

Naturerlebnisse im Bayerischen Wald

Zwiesel liegt im nördlichen Teil des Nationalparks Bayerischer Wald und ist somit ein perfekter Ausgangspunkt für Naturliebhaber und Aktivurlauber. Die umliegenden Berge wie Arber, Falkenstein, Rachel und Hennenkobel bieten nicht nur eine idyllische Kulisse, sondern auch hervorragende Möglichkeiten zum Wandern und Radfahren. Egal, ob Sie anspruchsvolle Gipfeltouren oder gemütliche Familienausflüge bevorzugen, die gut ausgebauten Wege bieten für jeden Geschmack etwas. Von den Berggipfeln genießen Sie einzigartige Aussichtspunkte über die weite Landschaft des Bayerischen Waldes.

Die Region um Zwiesel eignet sich besonders gut für einen aktiven Familienurlaub. Kinder lieben es, die Bauernhöfe in der Umgebung zu besuchen oder wilde Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen zu entdecken. Die unberührte Naturlandschaft garantiert unvergessliche Erlebnisse und pure Erholung.

Attraktionen für Groß und Klein

Abseits der Wanderwege und Glaswerkstätten bietet Zwiesel weitere spannende Attraktionen. Ein Besuch der geheimnisvollen „Unterirdischen Gänge“ unter der Stadt ist ein faszinierendes Erlebnis, das Sie in die Vergangenheit entführt. Diese Gänge dienten einst als Schutzräume und Lager. Für Wasserratten und Erholungssuchende ist das Erholungsbad ZEB (Zwieseler Erholungsbad) der richtige Ort. Es bietet nicht nur Schwimmbecken und einen Strömungskanal, sondern auch einen großzügigen Außenbereich mit Naturteich und einem Piratenschiff, das besonders bei Kindern beliebt ist. Saunafreunde können in der Bayerwaldsauna mit Themensaunen und Solebecken entspannen.

Auch kulinarisch hat Zwiesel einiges zu bieten. Probieren Sie die regionalen Schmankerl in gemütlichen Gasthöfen. Besonders hervorzuheben sind die Dampfbierbrauerei Pfeffer, die für ihr einzigartiges Dampfbier bekannt ist, und die Kaffeerösterei Kirmse, wo Kaffeeliebhaber auf ihre Kosten kommen.

Winterfreuden am Arber

In den Wintermonaten verwandelt sich Zwiesel in einen attraktiven Wintersportort. Die Nähe zum schneesicheren Arber macht die Stadt zum idealen Ausgangspunkt für Skifahrer und Snowboarder. Kostenlose Skibusse verbinden Zwiesel bequem mit den höher gelegenen und schneesicheren Langlaufloipen am Kaisersteig in Rabenstein und am Bretterschachten. Hier finden Langläufer beste Bedingungen inmitten einer zauberhaften Winterlandschaft.

Die Zwiesel Kristallglas AG: Mehr als nur Gläser

Die Geschichte der modernen Glasherstellung in Zwiesel ist eng mit der Zwiesel Kristallglas AG verbunden. Das Unternehmen, das heute unter den Marken Zwiesel Glas, Schott Zwiesel und Jenaer Glas firmiert, blickt auf eine lange Geschichte zurück.

Ist Zwiesel eine Reise wert?
Im nördlichen Teil des Nationalparks und idyllisch inmitten der Berge Arber, Falkenstein, Rachel und Hennenkobel gelegen ist Zwiesel ein beliebtes Ziel der Ferienregion Bayerischen Wald. Auch für Bahnreisende ist Zwiesel durch seine gute Bus- und Bahnverbindung attraktiv.

Ihre Anfänge liegen im Jahr 1872, als der Unternehmer Anton Müller die Tafelglashütte Annathal gründete. 1884 verkaufte er die Hütte an die Brüder Theodor und Gustav Tasche aus Köln, die unter dem Namen Zwieseler Farbenglashütte Gebrüder Tasche firmierten. Gustav Tasche leistete wichtige Pionierarbeit bei der Weiterentwicklung von Kühlöfen und meldete eine neue Technik 1897 zum Patent an. Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1898 und dem Erwerb eines weiteren Glaswerks 1899 firmierte das Unternehmen als Vereinigte Zwieseler und Pirnaer Farbenglaswerke AG.

Im 20. Jahrhundert gab es weitere wichtige Entwicklungen. Ab 1924 begann die Produktion von Hohlgläsern als Basis für Trinkgläser. 1927 übernahm Schott & Gen (später Schott AG) die Aktienmehrheit. Die Flachglasherstellung wurde 1931 eingestellt. Nach den Schwierigkeiten während der Weltkriege und dem Verlust anderer Standorte wurde das Werk in Zwiesel zum einzigen verbliebenen Betrieb des Schott-Konzerns unter Erich Schott. 1953 zog Schott nach Mainz, doch die Produktion in Zwiesel wurde fortgesetzt und ausgebaut, unter anderem mit der vollautomatischen Produktion von Kelchglas ab 1961.

Ein wichtiger technologischer Schritt war 1970 die Produktion des ersten maschinell geblasenen Bleikristallglases mit der Serie Neckar. 1973 entstand das Werk Regenwiese. Ab 1991 verzichtete das Unternehmen, das inzwischen Schott-Zwiesel-Glaswerke AG hieß, auf die Verarbeitung von Bleikristallen und entwickelte ein neues, bleioxidfreies Kristallglas.

Das 21. Jahrhundert brachte weitere Veränderungen. 2001 übernahm die Table Top Alliance AG die Mehrheitsbeteiligung. Ein Jahr später wurde das bahnbrechende Tritan-Kristallglas entwickelt, ein spülmaschinen- und bruchfestes Glas mit besonderer Oberflächenhärte. Das Unternehmen expandierte international mit Vertriebsgesellschaften in Spanien, Japan, China und den USA. 2005 erfolgte die Umbenennung in Zwiesel Kristallglas AG und die Einführung der Manufaktur-Marke Zwiesel 1872. 2006 erwarb das Unternehmen die Rechte an der Marke Jenaer Glas und bietet seitdem auch hitzebeständige Borosilikatglas-Produkte unter dieser Marke an.

Innovationen wie die Umstellung auf die Oxyfuel-Schmelzwannentechnologie im Jahr 2012 zeigen das Engagement für Nachhaltigkeit und Effizienz. Diese Technologie reduziert den Energieverbrauch und Emissionen erheblich. Ebenfalls 2012 wurde Tritan Glass Protect eingeführt, eine vergütete Stieloberfläche zur Steigerung der Bruchfestigkeit.

Seit 2015 ist Andreas Buske Alleineigentümer und Vorstand des Unternehmens. 2020 wurde die neue Dachmarke Zwiesel Glas eingeführt, die Zwiesel 1872 und Schott Zwiesel zusammenführt. Im Oktober 2022 schlossen sich Zwiesel Kristallglas AG und Fortessa Tableware Solutions, LCC nach langjähriger Kooperation zusammen, um gemeinsam Glas, Porzellan und Besteck anzubieten.

Wie alt ist Zwiesel?
Das genaue Gründungsjahr der Stadt Zwiesel liegt im Dunkel der Geschichte verborgen. Eine erste Erwähnung des Ortes findet sich in der Besitzaufstellung des Abtes Hermann von Niederaltaich aus dem Jahr 1254: "Zwisl, Dorf, unbewohnt, mit Wiese".

Die Zwiesel Kristallglas AG hat heute Niederlassungen in Halimba (Ungarn, Produktion) sowie Vertriebsbüros in Barcelona (Spanien), Shanghai (China), Tokio (Japan), den USA (Fortessa Tableware Solutions) und Mumbai (Indien). Weltweit sind circa 620 Mitarbeiter beschäftigt.

Häufig gestellte Fragen zu Zwiesel

Hier finden Sie Antworten auf einige der wichtigsten Fragen rund um Zwiesel:

Wem gehört die Zwiesel Kristallglas AG heute?

Seit dem 1. Oktober 2015 ist Andreas Buske Alleineigentümer und Vorstand der Zwiesel Kristallglas AG. Im Oktober 2022 hat sich das Unternehmen mit der amerikanischen Fortessa Tableware Solutions, LCC zusammengeschlossen.

Wofür ist die Stadt Zwiesel besonders bekannt?

Zwiesel ist vor allem für seine lange und reiche Glastradition bekannt, die bis ins Jahr 1421 zurückreicht. Heute ist die Zwiesel Kristallglas AG ein bedeutender Hersteller von Trinkgläsern. Die Stadt ist aber auch als Ferienregion im Bayerischen Wald beliebt, bekannt für ihre Natur, Wandermöglichkeiten und die berühmte Glaspyramide.

Lohnt sich eine Reise nach Zwiesel?

Ja, Zwiesel ist definitiv eine Reise wert. Als beliebtes Ziel in der Ferienregion Bayerischer Wald bietet es eine attraktive Mischung aus Kultur (Glastradition, Museen), Natur (Nationalpark, Berge) und Freizeitmöglichkeiten (Wandern, Radfahren, Schwimmbad, Wintersport). Die Stadt ist auch gut an das Bahnnetz angebunden.

Wann wurde die Stadt Zwiesel gegründet?

Das genaue Gründungsjahr ist nicht bekannt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1254. Zwiesel entwickelte sich als Rast- und Handelsplatz auf alten Handelswegen und wurde 1312 erstmals als „Markt“ bezeichnet.

Zwiesel ist eine Stadt, die stolz auf ihre Geschichte und Tradition ist, insbesondere auf ihr gläsernes Erbe, während sie gleichzeitig ein modernes Zentrum für Tourismus und ein Tor zu den Naturschönheiten des Bayerischen Waldes darstellt. Ein Besuch verspricht eine reiche Vielfalt an Eindrücken und Erlebnissen.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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