Das Restaurant Bok, eine feste Größe in der Hamburger Gastronomieszene, steht vor bedeutenden Veränderungen. Nach mehr als zwei Jahrzehnten kündigte Inhaber Shin-Won Kang über den Instagram-Account @bokhamburg am 2. Mai die Schließung von gleich zwei Standorten an. Betroffen sind die Filialen am Schulterblatt und in den Stadthöfen. Diese Entscheidung markiert das Ende einer Ära für viele Stammgäste in diesen Vierteln.

Die Nachricht wurde am 2. Mai veröffentlicht und sorgte in der Hamburger Gastronomiewelt für Aufsehen. Die Schließungen treten bereits Ende Mai in Kraft. Für Liebhaber der Bok-Küche gibt es jedoch die gute Nachricht, dass die Filialen in Altona und Eppendorf weiterhin geöffnet bleiben und das gewohnte Angebot fortführen werden.
Die Hintergründe der Schließungen
Inhaber Shin-Won Kang erläuterte, dass die Entscheidung zur Schließung am Schulterblatt und in den Stadthöfen im Zusammenhang mit der zukünftigen Ausrichtung steht. Die vegane Küche macht im Asia-Lokal Bok bereits 40 Prozent der Einnahmen aus. Eine vollständige Umstellung aller Bok Restaurants auf ein rein veganes Konzept kommt für den Gastronomen jedoch nicht in Frage. Stattdessen wird ein neuer Weg beschritten, der die wachsende Nachfrage nach veganen Angeboten bedient, ohne das bestehende Bok-Konzept zu verändern.
Ein neuer veganer Anfang: „Kkokki“ in der Schanzenstraße
Als Antwort auf die steigende Popularität pflanzlicher Ernährung plant Shin-Won Kang die Eröffnung eines komplett neuen, ausschließlich veganen Restaurants. Dieses Projekt trägt den Namen „Kkokki“ und soll ab Ende Juli seine Türen für Gäste öffnen. Der neue Standort wird in der nahegelegenen Schanzenstraße sein und Platz für rund 120 Gäste bieten.
Im „Kkokki“ dürfen sich Besucher auf eine rein koreanische Küche freuen. Das Angebot wird Klassiker wie Bibimbap umfassen sowie eine Vielzahl an Variationen von veganen Tapas. Dies stellt eine spannende Ergänzung des kulinarischen Angebots im Schanzenviertel dar und richtet sich gezielt an die wachsende Zahl vegan lebender oder interessierter Menschen.
Das Schulterblatt – Mehr als nur eine Straße
Das Schulterblatt, wo eine der Bok-Filialen schließt, ist eine der bekanntesten und geschichtsträchtigsten Straßen Hamburgs. Sie bildet zusammen mit der Budapester Straße, dem Neuen Pferdemarkt und der Eimsbütteler Chaussee einen wichtigen Straßenzug, der einer ehemaligen Landstraße folgt. Die Straße selbst ist etwa 800 Meter lang und verläuft durch die Stadtteile Sternschanze, Altona-Nord und Eimsbüttel.
Der Name der Straße hat einen ungewöhnlichen Ursprung: Er geht auf ein Wirtshaus zurück, das ab etwa 1700 das Schulterblatt eines Wals als Aushängeschild nutzte. Zunächst wurde die Gegend im Volksmund „Beim Schulterblatt“ genannt, bevor die offizielle Benennung in „Schulterblatt“ im Jahr 1841 erfolgte. Bis in die Nachkriegszeit war sogar die Bezeichnung „der Schulterblatt“ weit verbreitet, was auf eine Ungenauigkeit im Genus aus dem Missingsch zurückzuführen ist.
Historische Grenzen und ihre Spuren
Die Gegend um das Schulterblatt war seit der Gründung Altonas im 16. Jahrhundert ein wichtiges Grenzgebiet, sowohl zum Hamburger Berg (später St. Pauli) als auch zu den Ländereien des St. Johannis-Klosters, die unter Hamburgs Rechtsgewalt standen. Grenzstreitigkeiten waren häufig, bis 1739 ein Grenzvergleich zwischen dem dänisch verwalteten Altona und Hamburg stattfand.
Dieser historische Grenzverlauf ist heute noch sichtbar. An dem Eckhaus Schulterblatt / Schanzenstraße, einem Wohn- und Geschäftshaus aus der Gründerzeit, sind oberhalb des zweiten Stockwerks zur Schanzenstraße hin das Hamburger und zum Schulterblatt das Altonaer Wappen im Fassadenschmuck zu finden. Zudem erinnern historische Grenzsteine mit der Markierung „A|H“ im Gehwegpflaster zwischen der Einmündung Susannenstraße und der Bahnbrücke an die Grenzziehung von 1739. Diese Steine stammen aus dem Jahr 1889 und stehen unter Denkmalschutz. Auch die unterschiedliche Pflasterung auf der „Piazza“ hebt den ehemaligen Grenzverlauf hervor.
Architektur und Nutzungsvielfalt
Das Schulterblatt zeichnet sich durch eine intensive Mischnutzung aus. Hier finden sich Wohnbebauung, zahlreiche kleine bis mittlere Läden, Gastronomiebetriebe und Dienstleistungsfirmen. Die Erdgeschosse im vorderen Abschnitt bis zur Bahnbrücke sind fast durchgängig von Ladengeschäften belegt. Die Bebauung ist heterogen, mit Bautypen aus verschiedenen Dekaden seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Wohngeschäftshäuser stehen unter Denkmalschutz, ebenso das Hinterhof-Ensemble Hamburger Hof und die Pianofabrik.
Das Boardinghouse des Westens
Ein prägnantes Gebäude ist das Boardinghouse des Westens (Hausnummer 26–36). Erbaut 1930/1931, sollte es bürgerliches Wohnen mit Gemeinschaftseinrichtungen und Hotelservice ermöglichen. Das Experiment scheiterte, und das Gebäude diente später als Verwaltungsgebäude, zur Unterbringung von Gastarbeitern und als Bürogebäude (Montblanc, STEG). Die Architektur mit der streng gegliederten Fassade und dem turmartigen Erkervorbau spiegelt die spitzwinklige Grundstücksform wider, die dem historischen Grenzverlauf folgt.
Die Pianoforte-Fabrik
Ein nicht direkt von der Straße einsehbarer Komplex ist der Gewerbehof der ehemaligen Pianoforte-Fabrik (Hausnummer 58), der 1873 aus rotem Backstein erbaut wurde. Ursprünglich für Isermanns Pianoforte-Fabrik geplant, beherbergten die drei Innenhöfe später verschiedenste kleine Firmen. Teile des Vorderhauses wurden im Zweiten Weltkrieg beschädigt und später wieder aufgebaut und aufgestockt. Der Innenhofkomplex wurde saniert und wird heute gewerblich (insbesondere von Firmen der Neuen Medien) und teilweise auch zu Wohnzwecken genutzt.
Der Hamburger Hof
Hinter den Hausnummern 14 und 24 liegt der Hamburger Hof, ein Hinterhof-Ensemble aus langgestreckten Putzriegeln, erbaut zwischen 1869 und 1882. Der Hof ist historisch bedeutsam, da er auf Hamburger Territorium lag, aber nur über Altonaer Gebiet erschlossen war. Dies hatte drastische Auswirkungen während der Choleraepidemie von 1892: Während im Hamburger Hof, der an das Altonaer Wassernetz angeschlossen war, kein einziger Fall auftrat, gab es in den direkt angrenzenden, mit Hamburger Wasser versorgten Häusern hohe Opferzahlen. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz.

Der Braunschweiger Hof
Eine weitere Besonderheit ist der Braunschweiger Hof (Hausnummer 59) auf der linken Straßenseite. Es handelt sich um zwei Backsteinetagenbauten der Hannoverschen Bauschule, eine für Altona untypische Architektur. Erbaut 1873 und 1875, wies das Ensemble gemischte Wohn- und Gewerbenutzung auf, inklusive Bierkeller, Pferdeställen und Kutschenzimmerei.
Die Rote Flora
Am Schulterblatt 71 befindet sich das ehemalige Concerthaus Flora, das seit 1989 als autonomes Stadtteilzentrum besetzt ist und Rote Flora genannt wird. Ursprünglich 1888 als „Gesellschafts- und Concerthaus Flora“ erbaut, diente es später als Theater für Varieté-Aufführungen und ab 1953 als Kino. 1987 gab es Pläne, ein Musical-Theater einzurichten, was auf breiten Widerstand stieß. Trotz Abrisses großer Teile des Gebäudekomplexes kam das Musicalprojekt nicht zustande. Nach einer provisorischen Wiederherstellung wurde die Rote Flora 1989 besetzt und dient seitdem als kultureller und politischer Treffpunkt, selbstverwaltet und ohne Fördergelder. Nach wechselnden Besitzverhältnissen kaufte die Stadt Hamburg das Gebäude 2014 zurück.
Das Belle Alliance
Ein weiteres historisch bedeutendes, aber im Krieg zerstörtes Etablissement war das Belle Alliance am Schulterblatt / Ecke Eimsbütteler Straße. Bereits 1827 als Timm’sches Wirthshaus erwähnt, wurde es später zu einem Hotel und Theater ausgebaut und besaß einen großen Tanzsaal. Es war auch ein wichtiger Versammlungsort für die Arbeiterbewegung. Ab 1906 beherbergte es ein Kino, das zeitweise als größtes Lichtspieltheater Hamburgs galt. Das Gebäude wurde in der Operation Gomorrha 1943 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Heute steht an seiner Stelle ein Klinkerbau aus der Nachkriegszeit.
Verkehrsanbindung
Obwohl das Schulterblatt selbst nicht von öffentlichen Verkehrsmitteln durchfahren wird, ist es gut angebunden. An der Kreuzung Max-Brauer-Allee / Altonaer Straße befindet sich eine Haltestelle der Metrobuslinie 15. Die nächstgelegene S- und U-Bahn-Station Sternschanze ist nur etwa 300 bis 400 Meter entfernt. Historisch gab es sogar einen eigenen Bahnhof Schulterblatt an der Verbindungsbahn (1865–1893) und mehrere Straßenbahnlinien, die durch die Straße führten.
Vergleich: Bok vs. Kkokki
| Merkmal | Bok (am Schulterblatt) | Kkokki (neu) |
|---|---|---|
| Status | Schließt Ende Mai | Eröffnet Ende Juli |
| Konzept | Asia-Lokal (40% vegan) | Rein vegan, Koreanisch |
| Standort | Schulterblatt | Schanzenstraße |
| Kapazität | Nicht angegeben | Ca. 120 Gäste |
| Gerichte | Asiatisch (auch vegan) | Koreanisch (vegan, Bibimbap, Tapas) |
| Verbleibende Bok-Filialen | Altona, Eppendorf | — |
Häufig gestellte Fragen
Wann schließt das Restaurant Bok am Schulterblatt?
Das Restaurant Bok am Schulterblatt schließt Ende Mai 2024.
Welche anderen Bok-Filialen schließen?
Neben dem Standort am Schulterblatt schließt auch die Filiale in den Stadthöfen.
Bleiben andere Bok-Filialen geöffnet?
Ja, die Bok-Filialen in Altona und Eppendorf bleiben bestehen.
Warum schließt Bok am Schulterblatt?
Der Inhaber möchte das bestehende Bok-Konzept nicht komplett auf vegan umstellen, plant aber stattdessen ein neues, rein veganes Restaurant.
Wann und wo eröffnet das neue vegane Restaurant „Kkokki“?
Das neue Restaurant „Kkokki“ soll ab Ende Juli 2024 in der Schanzenstraße eröffnen.
Was wird im „Kkokki“ angeboten?
Es wird rein koreanische, vegane Gerichte geben, darunter Bibimbap und verschiedene vegane Tapas.
Woher hat die Straße Schulterblatt ihren Namen?
Der Name stammt von einem Wirtshaus, das im 18. Jahrhundert das Schulterblatt eines Wals als Aushängeschild nutzte.
Fazit
Die Schließung des Bok Restaurants am Schulterblatt markiert eine Veränderung in einem der lebendigsten Viertel Hamburgs. Nach über 20 Jahren endet hier ein Kapitel. Doch die Gastronomieszene bleibt in Bewegung: Mit der Neueröffnung des rein veganen koreanischen Restaurants „Kkokki“ in der Schanzenstraße entsteht ein spannendes neues Angebot, das die kulinarische Vielfalt der Gegend weiter bereichern wird. Das Schulterblatt selbst bleibt mit seiner reichen Geschichte und seiner einzigartigen Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Ausgehen ein faszinierender Ort in Hamburg.
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