Wem gehört die Burg Vischering?

Burg Vischering: Ein Wasserschloss-Erlebnis

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Im Herzen des Münsterlandes liegt ein architektonisches Juwel, das Besucher in längst vergangene Zeiten entführt: die Burg Vischering. Als klassisches Wasserschloss ist sie nicht nur ein beeindruckendes Bauwerk, sondern auch ein lebendiges Zeugnis der Geschichte und des Lebensadels in dieser Region. Die Anlage, eingebettet in eine malerische Wasserlandschaft, lädt dazu ein, entdeckt zu werden und verborgene Geschichten preiszugeben.

Wem gehört die Burg Vischering?
Jahrhunderts gegründet, entwickelte sich die Burg zum Stammsitz der Familie Droste zu Vischering, deren Eigentum die Anlage heute noch ist.

Die Burg Vischering präsentiert sich als eine durchdachte Zwei-Insel-Anlage. Sie besteht aus zwei Hauptteilen: einer westlich gelegenen Vorburg, die einst die Wirtschaftsgebäude beherbergte, und der östlich davon liegenden Kernburg, auch Oberburg genannt, wo die herrschaftlichen Wohngebäude angesiedelt waren. Beide Inseln ruhen in einem großzügigen Hausteich von etwa 137 × 81 Metern. Dieses zentrale Gewässer, auch Innengräfte genannt, ist Teil eines komplexen Systems aus Wällen, weiteren Teichen und Gräften, die alle von der nahegelegenen Stever gespeist werden. Diese weitläufigen Wasseranlagen dienten nicht nur der Verteidigung, sondern prägten auch maßgeblich das Erscheinungsbild der Burg.

Rund um den Hausteich führt ein schmaler Damm, der zu einem idyllischen Rundweg für Fußgänger einlädt. Hier spenden jahrhundertealte Bäume Schatten: beeindruckende Stieleichen, die auf 300 bis 400 Jahre geschätzt werden, und eine mächtige Sommerlinde. Diese Linde ist eine von insgesamt drei Einzelbäumen auf dem Burggelände, die aufgrund ihres Alters und ihrer Bedeutung als Naturdenkmal unter Schutz gestellt sind. Gegenüber der markanten Auslucht der Kernburg sind zudem einige exotischere Gehölze zu finden, darunter Scheinzypressen, Platanen, Eiben und ein Trompetenbaum, die dem Gelände eine besondere Note verleihen.

Der Damm ist wiederum von einer weiteren Wasserfläche, der Außengräfte, umgeben, die ihrerseits von einem schützenden Wall umschlossen wird. Auch auf diesem äußeren Wall gibt es einen begehbaren Rundweg. Besonders im südlichen und östlichen Bereich wird dieser Weg von Hainbuchen gesäumt, deren bizarre, knorrige Formen auf ein Alter von etwa 350 Jahren hindeuten. Die hohe Anzahl solch alter Bäume auf dem Burggelände ist ein deutliches Zeichen für eine schon im 17. Jahrhundert beginnende, groß angelegte Landschafts- und Gartenplanung. Urkundlich wurden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erstmals ein großer Garten und ein Kräutergarten erwähnt. Man darf sich diese jedoch nicht als repräsentativen Schlosspark vorstellen, sondern vielmehr als Nutzgärten, die der Versorgung der Burgbewohner mit Obst und Gemüse dienten. Diese funktionalen Gärten bestanden noch mindestens bis ins Jahr 1780. Ein Großteil der heute das Burggelände prägenden Bäume wurde allerdings erst im 18. und 19. Jahrhundert gepflanzt.

Der Weg zur Burg und die Mühleninsel

Die beeindruckende Burganlage ist über eine 90 Meter lange Lindenallee erreichbar, die von Westen kommend auf die Vorburg zuführt. Diese Allee durchquert dabei ein Areal, das als Freiheit bekannt ist. Es handelt sich um ein langgestrecktes Vorwerk, dessen frühere Befestigungen wie Mauern, Gräften und Wälle heute nicht mehr erhalten sind. Lediglich Reste eines ehemaligen Torbaus zeugen noch von dieser vorgeschobenen Anlage. Auf dem Weg zur Vorburg passiert der Besucher das sogenannte Pförtnerhaus, ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, sowie die Georgskapelle. Die Kapelle ist ein schlichter Ziegelbau, der sich durch spätgotisches Fischblasen-Maßwerk in den Fenstern auszeichnet. Ihr pfannengedecktes Satteldach wird von einem kleinen Dachreiter bekrönt. Die Georgskapelle wurde im Jahr 1495 geweiht und bewahrt in ihrem Inneren noch immer die ursprüngliche Altarplatte. Dieser Altar ist schlicht gehalten und besitzt weder ein Retabel noch sonstige Aufbauten. Auf der Altarplatte steht ein rechteckiger Tabernakel, dessen Türen im Nazarenerstil bemalt sind, sowie eine steinerne Leuchterbank. Darüber, an der Altarwand, hängt ein Epitaph in Renaissanceformen, das in seiner Breite nahezu dem Altar entspricht. Es erinnert an den im Jahr 1588 verstorbenen Erbdrosten Heidenreich Droste zu Vischering und zeigt eine Darstellung der Kreuzigung, gerahmt von Wappen. Ein Retabel, das offensichtlich zum Altar gehört und charakteristische neugotische Formensprache mit gesprengeähnlichen Merkmalen aufweist, befindet sich an der rechten Seite unterhalb des Fensters. Der reich verzierte flämische Kronleuchter an der hölzernen Flachdecke wird auf das 17. Jahrhundert datiert. Darüber hinaus dient die Kapelle als Grabkapelle der Familie Droste zu Vischering, wovon etliche Grabplatten und -denkmale im Inneren zeugen.

Ehe der Besucher die eigentliche Vorburginsel betritt, muss er zuvor noch die sogenannte Mühleninsel, auch Wallkopf genannt, überqueren. Ihren Namen verdankt diese Insel ihrer früheren Funktion als Standort zweier wasserbetriebener Mühlen. Die Tradition der Mühlen in Vischering reicht weit zurück; schon im Jahr 1289 wird anlässlich eines Streits mit den Herren von Lüdinghausen eine Mühle urkundlich erwähnt. Die Ölmühle wurde bereits im 18. Jahrhundert abgerissen, während die Kornmühle noch bis ins Jahr 1944 existierte. Sie war ein einfacher Fachwerkbau, dessen Bauholz kurz nach 1355 geschlagen wurde. Als das Gebäude 1944 durch eine Luftmine zerstört wurde, wurde der schwere Mühlstein aus Granit durch die Detonationswelle bis vor die Georgskapelle geschleudert, wo er noch heute liegt. Zwischen den ehemaligen Mühlenstandorten befindet sich das Wehr, das einst für die Verteidigung der Burg von großer Bedeutung war, da es die Wasserregulierung des weit verzweigten Gräftensystems der Anlage ermöglichte. Das Wehr kann heute über eine Brücke aus dem Jahr 1862 überquert werden. Seit 1549 existiert in der südwestlichen Ecke des Wallkopfs eine kleine Schlupfpforte. Über dem Türsturz sind die Wappen der Erbauerfamilien Münster, Droste, Hoberg und Knehem zu sehen. Der Durchgang wird an beiden Seiten von Schießscharten flankiert.

Die Vorburg – Zentrum der Wirtschaft

Vom Wallkopf führt eine Brücke aus dem Jahr 1719, flankiert von steinernen Pfeilern, über die Innengräfte zum Tor der trapezförmig angelegten Vorburg. Die Brücke überspannt nicht die gesamte Breite des Wassers; das letzte, kleine Stück wird von einer heruntergelassenen hölzernen Zugbrücke überwunden. Das Tor zur Vorburg ist mit Zinnen versehen und besitzt eisenbeschlagene Torflügel. Es wird links und rechts von niedrigen Wehrmauern mit Schießscharten geschützt. Über der rundbogigen Tordurchfahrt befindet sich ein spätgotischer Wappenstein mit dem Allianzwappen des Johann Droste zu Vischering und seiner Frau Elisabeth von Münster. Darunter erinnert die Inschrift RENOV[AT] MCMXLV an den Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Jahres 1944.

Das beherrschende Bauwerk auf dem Vorburggelände ist der hufeisenförmige Wirtschaftshof, der ungefähr die nördliche Hälfte der Vorburginsel einnimmt. Er besteht aus dem eingeschossigen Bauhaus an der Ostseite, an das sich westlich im spitzen Winkel der zweigeschossige Remisenbau anschließt. Der Remisenbau stammt aus dem Jahr 1720, was durch Maueranker in Form dieser Jahreszahl belegt wird. Er wurde von Christoph Heidenreich Droste zu Vischering und seiner zweiten Frau Adelheid Magdalena von Nagel unter Einbeziehung älterer Bausubstanz errichtet, wie das Allianzwappen des Paares über einem der Einfahrtstore zeigt. Das Erdgeschoss dieses Teils der Vorburg wurde aus Bruch- und Blocksteinen gemauert, während das Obergeschoss aus Backstein besteht. Die Remise diente nicht nur als Lagerraum, sondern beherbergte auch die Pferdeställe und die Wohnung des Verwalters.

Das Bauhaus wurde urkundlich erstmals im Jahr 1414 erwähnt, allerdings handelte es sich dabei um einen Vorgänger des heutigen Gebäudes. Der heutige Bau wurde erst nach einem Brand im Jahr 1584 neu errichtet. Eine entsprechende Inschrift in seinem rundbogigen Torgewände, begleitet von den Wappen der Erbauer Heidenreich Droste zu Vischering und seiner Frau Jaspara von Hoberg zu Kaldenhove, bezeugt dies. Das wuchtige Gebäude ist ein längsrechteckiger Fachwerkbau mit pfannengedecktem Satteldach, ein typisches Vierständerhaus für das Münsterland. Im Erdgeschoss befand sich früher mittig eine lange Diele, an die sich zu beiden Seiten Stallungen anschlossen. Im Dachgeschoss gab es einen großen Heuboden. Bei Umbauarbeiten zwischen 1980 und 1983 wurde das Bauhaus zu einer Vierständerhalle umgebaut, um es besser für seine vorgesehene museale Nutzung gestalten zu können.

An der Südseite der Vorburginsel steht ein kleinerer Backsteinbau, an den sich östlich ein Fachwerkhaus anschließt. Diese Gebäude, die beide nach Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden sind, beherbergten wahrscheinlich das Brau- und das Backhaus der Burg Vischering. Das Backhaus ist sogar noch mit einem funktionierenden Steinbackofen ausgestattet, der bei besonderen Anlässen in Betrieb genommen wird. Durch eine Hintertür ist es von hier aus möglich, über einen Holzsteg den Damm zwischen Innen- und Außengräfte zu erreichen.

Die Kernburg – Herz der Anlage

Eine etwa 25 Meter lange Holzbrücke führt zur Kernburg, deren Grundriss annähernd kreisförmig ist. Früher war der Zugang durch eine Zugbrücke geschützt; die Plattform, auf der die heruntergelassene Zugbrücke auflag, war noch Ende des 19. Jahrhunderts erhalten. In ihrer Form als Ringmantelburg ist Vischering einzigartig im Münsterland. Sie gründet auf einem Pfahlrost aus Eichenholz, der in den schlammigen Grund des Hausteichs getrieben wurde, dessen normaler Wasserstand 1,50 Meter beträgt. Die heute sichtbare Bausubstanz der Hauptburg stammt aus der Zeit der Spätgotik und Renaissance. Als Baumaterialien wurden Feldsteine, Ziegel und Haustein verwendet. Letzterer, Baumberger Sandstein, kam für dekorative Elemente wie Zierteile, Medaillons und Gewände zum Einsatz. Das steile Satteldach ist mit Biberschwanzziegeln, im Münsterland auch Ochsenzungen genannt, gedeckt – eine eher seltene Form der Eindeckung hier, wobei ein Teil der Ziegel sogar noch aus dem 16. Jahrhundert stammt.

An der Westseite der Kernburg liegt das Torhaus, an das sich im Norden ein kleiner Anbau anschließt. Südlich des Tors befindet sich der Westflügel. Den südlichen Teil der Hauptburg bildet ein Saalbau mit dem sogenannten Rittersaal im Erdgeschoss. Die beiden Gebäudeflügel sind durch den Zwischenbau miteinander verbunden. An der Nahtstelle von Südflügel und Zwischenbau ragt die sogenannte Auslucht, ein dreigeschossiger Anbau, weit in den Hausteich hinaus. Zum Hof hin ist dem Südflügel ein Treppenturm mit einer Wendeltreppe vorgebaut. Die Kernburginsel wird im Osten und Nordosten von einer dicken Ringmauer abgeschlossen, die einen Innenhof von 35 bis 38 Metern Durchmesser umschließt.

Detailblick: Torhaus und Westflügel

Das zweigeschossige Torhaus der Hauptburg kann anhand einer Inschrift und der Wappen von Johann Droste zu Vischering und seiner Frau Elisabeth von Münster auf das Jahr 1519 datiert werden. Es ist das älteste erhaltene Bauwerk der Anlage, da es als einziger Teil den Brand im Jahr 1521 überstand. Der Rahmen für die einstige Zugbrücke und die Zugrollen sind noch vorhanden. Die einzelnen Geschosse des Torhauses werden an der Außenfassade durch Gesimse mit gotischen Wasserschlägen voneinander abgesetzt. Im zweiten Stockwerk gibt es zwei kleine Querstockfenster. Auf deren Höhe hängt am nördlichen Giebel ein Aborterker, der erst nach 1891 zu einem Abortschacht umgebaut wurde. Links neben dem runden Torbogen mit der anschließenden tonnengewölbten Durchfahrt findet sich an der Außenseite auf Höhe des ersten Stockwerks ein von Konsolsteinen getragener Erker, dessen Ursprünge im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts liegen. Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde er in alter Form wiederhergestellt.

Nördlich schließt sich dem Torhaus ein kleiner, eingeschossiger Fachwerkanbau an, der auch Kapellenanbau genannt wird und auf der Ringmauer aufsetzt. Er wurde wahrscheinlich von Heidenreich Droste zu Vischering (1507–1588) für seine zweite Frau Katharina Kock errichtet. Sein zweistöckiger, fialengeschmückter Giebel weist Ähnlichkeiten mit dem des Burgsteinfurter Rathauses aus dem Jahr 1561 auf.

Südlich des Torhauses steht der schlichte Westflügel der Hauptburg. Er wurde nach dem Brand von 1521 unter Verwendung erhaltener Bausubstanz neu aufgebaut. Seine zwei Obergeschosse erheben sich auf einem hohen Kellergeschoss mit stichbogigem Kreuzgratgewölbe auf Rundstützen. Im ersten Stock des südlich anschließenden Zwischenbaus befand sich früher die Schlafkammer des Drosten, die später als Wohnzimmer der Erbdrostenfamilie diente. Der renaissancezeitliche Kamin in diesem Raum stammt aus dem Jahr 1570. An der Außenseite der beiden Gebäudeteile lässt sich der Wiederaufbau nach dem Feuer auf und an der mittelalterlichen Ringmauer gut nachvollziehen. Deutlich sind im Bruchsteinmauerwerk die Backsteinpartien der Eingriffe sichtbar, mit denen Fenster eingefügt und die Bausubstanz um ein Geschoss erhöht wurde.

Detailblick: Rittersaal und Südflügel

Der südliche Bereich der Kernburginsel wird von einem zweigeschossigen Saalbau mit tonnengewölbtem Keller aus dem dritten Viertel des 16. Jahrhunderts eingenommen. Dieser Bau wurde seinerzeit über den alten Bering hinaus in den Hausteich vorgeschoben und durchbrach damit leicht die kreisrunde Form der Anlage. An der Außenseite besitzt der Flügel doppelte Entlastungsbögen über den großen Fenstern. Er erhielt seinen Namen vom großen Rittersaal im Erdgeschoss mit einer daneben liegenden Saalkammer, einer zur Bauzeit verbreiteten Raumaufteilung. Die Grundfläche der beiden Räume weist das typische Verhältnis von 1:2 auf, wobei die Saalkammer später durch eine Zwischenwand geteilt wurde. Auch der Saal war durch nachträgliche Wände unterteilt, ehe er Anfang der 1970er Jahre im Zuge der Museumseinrichtung in den Originalzustand zurückgebaut und restauriert wurde. Ohne Zwischenwände ist er einer der größten Säle im Münsterland. Bei der Restaurierung wurde zufällig sein großer Kamin an der Ostwand wiederentdeckt. Zugemauert verbarg er sich unter Putz. Auf dem Sturz zeigt er Sandsteinreliefs mit den Wappen der Familien Droste, Münster, Hoberg und Knehem. Seine Datierung 1570 deutet auf das Ende des Innenausbaus dieses Trakts hin. Neben originalen, mit farbigen Ornamenten verzierten Deckenbalken birgt der Rittersaal eine weitere Besonderheit: In der Südwestecke des Raums sind in Fenstergewänden und an den sie rahmenden Flächen Wandmalereien erhalten, die Menschen- und Tiergestalten zeigen. Diese al secco auf den Putz aufgetragenen Malereien sind ein seltenes Beispiel profaner Wandmalerei in Westfalen und stilistisch ins dritte Viertel des 16. Jahrhunderts zu datieren.

An der Hoffassade des Südflügels finden sich zwischen den Fenstern des ersten Stocks kreisrunde Steinmedaillons in Renaissanceformen. Sie zeigen neben der Jahreszahl 1552 das Wappen des Bauherrn Heidenreich Droste zu Vischering und seiner Frau Jaspara von Hoberg. Ihr Durchmesser beträgt 1,07 Meter. Sie sind, neben zwei weiteren Steinmedaillons über den hofseitigen Kellereingängen, die einzigen dekorativen Elemente an der Fassade. Die Kellermedaillons in gotisierenden, 1,30 Meter hohen Dreipassreliefs zeigen vermutlich Porträts des Bauherrn und seiner Frau, wobei Letzteres stark verwittert ist.

Zum Südflügel gehört ein schlanker, achteckiger Treppenturm, dessen Wendeltreppe die beiden Obergeschosse des Trakts verbindet. Der Turm ist außen horizontal durch sogenannte deutsche Bänder und verschiedene Gesimsarten gegliedert. In den oberen Etagen wurden glasierte Ziegel verwendet, um das Mauerwerk mit dekorativen geometrischen Mustern aufzulockern. Da der Turm auch als Wachturm diente, nimmt das oberste Geschoss eine Wachstube ein, die an jeder der acht Seiten ein Fenster besitzt. Die schiefergedeckte Haube des Turms wird von einer hölzernen Krone mit Metallüberzug und einer Wetterfahne gekrönt.

Detailblick: Die Auslucht

Im Südwesten ragt die Auslucht auf fast quadratischem Grundriss weit in den Hausteich hinein. Errichtet zwischen 1617 und 1622, ist sie der jüngste Teil der Burganlage. Ihre beiden Obergeschosse besitzen ein Backsteinmauerwerk mit Werksteingliederung und heller Eckquaderung. Ausgeprägte Gurt-, Kranz- und Fensterbrückengesimse an allen drei Außenseiten gliedern die Fassaden horizontal. Auf Höhe des ersten Stockwerks besitzt der Bau einen Erker mit flachem Dreiecksgiebel und vier Fenstern, verziert mit Beschlagwerk aus geometrischen Formen wie Rosetten und Waffeleisenmotiven. Die Wappen des Heidenreich Droste zu Vischering (1540–1622) und seiner Frau Cornelia Ketteler zu Hovestadt weisen sie als Bauherren aus; die Errichtung begann 1617, erkennbar an eisernen Mauerankern. Vollendet wurde der Bau jedoch von ihrem Sohn Heidenreich Droste zu Vischering (1580–1643) und seiner Frau Margarete von Raesfeld, wovon das Doppelwappen der beiden mit der Jahreszahl 1622 am Giebel zeugt. Dieser ist ein typisch münsterländischer Dreistaffelgiebel mit kugelbesetzten, halbkreisförmigen Aufsätzen und Fächerfüllung.

Wie hoch sind die Eintrittspreise für die Burg Vischering?
EintrittspreiseVorburgKombiticket für Haupt- und VorburgErwachsene Ermäßigt3,50 € 2 €*7,50 € 5 €*Kinder ab 6 und Jugendliche bis 18 Jahre1,50 €3,50 €Familienticket I Ein Erwachsener und mindestens 2 Kinder5 €13 €Familienticket II Zwei Erwachsene und mindestens 2 Kinder8,50 €20 €

Der Raum im ersten Geschoss der Auslucht weist in der Mitte des Fußbodens eine runde Falltür auf, durch die ein darunter liegender Kellerraum erreichbar ist. Dass es sich hierbei nicht um ein Verlies handelt, zeigt der Ausgang zur Gräfte. Zudem führt eine Wendeltreppe vom Obergeschoss in den Keller. Viel eher handelt es sich um einen renaissancezeitlichen Tresorraum, in dem in Gefahr wichtige Dokumente und Wertgegenstände in Sicherheit gebracht und bei Bedarf von dort aus von der Burg fortgeschafft werden konnten. Die Familie Droste zu Vischering wollte damit wohl verhindern, dass ihre wertvollen Besitzurkunden erneut verloren gingen, wie es beim Brand von 1521 geschehen und das gesamte Familienarchiv vernichtet worden war.

Die Ringmauer

Sämtliche Bauten der Hauptburg stehen am Rand der Kernburginsel und umrahmen so einen Burghof, dessen nördliche und östliche Begrenzung die mittelalterliche Ringmauer bildet. An diesen Seiten ist ihr ursprünglicher, fensterloser Zustand erhalten. Lediglich eine zur Gräfte führende Schlupftür durchbricht das geschlossene Mauerwerk. Die an der Basis etwa 1,60 bis 1,70 Meter dicke Mauer wurde aus dunklen Raseneisensteinen und Schwartensandstein errichtet, letzterer vermutlich aus den Borkenbergen. Sie war früher deutlich höher, etwa 10 Meter, und besaß einen doppelten Fachwerk-Wehrgang, der wahrscheinlich zur Gräfte hin auskragte. Die Öffnungen der Türen zu den beiden Wehrgängen sind heute noch gut an der Hoffassade des Südflügels erkennbar.

Das Münsterlandmuseum

Heute ist in der Burg Vischering das Münsterlandmuseum beheimatet, das Besuchern täglich außer montags seine Ausstellungsstücke präsentiert. Das Museum erstreckt sich über das erste Stockwerk der Kernburg und den Wirtschaftshof der Vorburg und bietet auf 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche Einblicke in verschiedene Themenbereiche. Das Erdgeschoss des Bauhauses ist einer speziellen Mitmach-Ausstellung für Kinder gewidmet, die sich mit „Ritter und Pferde“ befasst. Hier können junge Besucher nicht nur Exponate betrachten, sondern auch selbst ausprobieren, wie schwer ein Kettenhemd ist oder wie unbequem ein Helm sein kann. Das Obergeschoss des Bauhauses widmet sich dem bäuerlichen Leben und Arbeiten, mit Gerätschaften für den Ackerbau, Webstuhl, Spinnrad sowie Exponaten zum Kochen und zur Vorratshaltung.

Das Erdgeschoss des nördlichen Remisenflügels ist Kutschen und Karren vorbehalten. Eine Vielzahl historischer Gefährte wird gezeigt, vom eleganten Landauer über einen Dogcart bis zur einfachen Sturzkarre. Das Obergeschoss der Remise wird für wechselnde kunst- und kulturgeschichtliche Ausstellungen genutzt. Die Sammlung im ersten Geschoss der Kernburg, verteilt auf vier Räume, behandelt die Geschichte der Herrlichkeit, der Burg und ihrer Bewohner sowie das adelige Leben in der Renaissancezeit. Die Ausstellung, 1972 eröffnet, wurde 1994 und zuletzt 2018 neu gestaltet.

Dass Vischering einst eine eigenständige Herrschaft mit niederer Gerichtsbarkeit war, veranschaulicht der große Fußblock aus Holz und Eisen, in den drei Delinquenten gleichzeitig fixiert werden konnten. Ein Schatzfund aus dem benachbarten Seppenrade zeugt vom Achtzigjährigen Krieg, der auch die Gegend um Lüdinghausen betraf. Ein Bauer vergrub Silbermünzen in Tongefäßen, konnte sie aber nicht wieder bergen. Die Burgherren von Vischering sicherten ihr Hab und Gut in unsicheren Zeiten mit einem eisernen Schatzfass, das sie in der Burggräfte versenkten – ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Ein besonders eindrucksvolles Stück ist das eiserne Halsband des Lambert von Oer. Dieser über zwei Kilogramm schwere, sechseckige Eisenreif besitzt auf der Innenseite vier spitze Dornen. Goddert von Harmen ließ dieses 1520 von einem Nürnberger Schmied gefertigte Folterinstrument dem damals 80-jährigen Lambert von Oer anlegen, um ihn in einem Landbesitzstreit zum Einlenken zu zwingen. Lambert ritt nach Münster, wo ein Waffenschmied das Halsband aufmeißelte. Deshalb besteht der Reif heute aus zwei Teilen und sein Verschlussmechanismus ist beschädigt. Er wurde 2012 metallurgisch untersucht.

Eines der kunsthistorisch bedeutendsten Exponate ist das aus dem 16. Jahrhundert stammende Ehebett des Heidenreich Droste zu Vischering und seiner Frau Jaspara. Das 1,45 × 2 Meter große Himmelbett gehörte zum Original-Inventar und wurde der Familie Droste zu Vischering dem Museum überlassen. Sein hölzerner Baldachin und das Kopfbrett sind mit prächtigen Reliefschnitzereien verziert, die christliche Motive und Szenen aus der Genesis rund um Adam und Eva zeigen. Viele Abbildungen lehnen sich an Darstellungen aus Hans Holbeins des Jüngeren Totentanzfolge an. Am Bett finden sich auch die Wappen der Familien Droste, Hoberg, Münster und Knehem, die sich auch am Kamin im Rittersaal und an der Schlupfpforte auf der Mühleninsel wiederfinden. Reste früherer farblicher Fassungen lassen erahnen, welch farbenfrohen Eindruck das Bett einst machte.

Vergleich: Vorburg und Kernburg

MerkmalVorburgKernburg
FunktionWirtschaftsgebäude, Verwaltung, ZugangHerrschaftliche Wohngebäude, Verteidigung
FormTrapezförmigAnnähernd kreisförmig (Ringmantelburg)
HauptgebäudeWirtschaftshof (Remise, Bauhaus)Torhaus, Westflügel, Rittersaal, Auslucht
MaterialienBruch-/Blockstein, Backstein, FachwerkFeldsteine, Ziegel, Haustein (Sandstein)
Ältestes DatumErwähnung Bauhaus 1414 (Vorgänger)Torhaus 1519
MuseumsteileErd- & Obergeschoss Bauhaus, RemiseErstes Obergeschoss

Barrierefreiheit auf Burg Vischering

Burg Vischering legt großen Wert auf Barrierefreiheit, um möglichst vielen Besuchern ein angenehmes Erlebnis zu ermöglichen. Ein abgeflachter, rollstuhlgeeigneter Weg führt direkt von der Hauptstraße bis in den Hof der Vorburg. Von dort teilt sich der Weg auf, sowohl in Richtung des Cafés und des Kassenbereichs als auch zur Brücke, die zur Hauptburg führt. Für Rollstuhlfahrer gibt es spezielle Tickets, die das automatische Öffnen der Schwingtür im Sperrbereich auf der Brücke auslösen. Im Innenhof der Hauptburg führt der Weg weiter zu einer Automatiktür, die sich per Bewegungsmelder nach außen öffnet. Von hier aus sind mit dem Aufzug problemlos alle Etagen erreichbar. Die meisten Türen in der Burg haben eine Breite von mindestens 90 cm.

Innerhalb der Geschosse können die meisten Zwischenstufen mit elektrischen Rollstuhlrampen überwunden werden. Nur an wenigen Stellen sind kleine Umwege nötig. Im Kellergeschoss gibt es geräumige sanitäre Anlagen, die ebenfalls barrierefrei sind. Die modernen Medienstationen im Museum sind so gestaltet, dass sie mit einem Rollstuhl unterfahren werden können.

Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung können an der Kasse Hörverstärker für Führungen ausgeliehen werden. Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen sind auf Anfrage möglich. Zudem können gegen Hinterlegung eines Pfandes ein Rollator oder ein Rollstuhl ausgeliehen werden. Das Burgpersonal steht jederzeit bereit, um bei Bedarf Hilfe zu leisten und den Besuch so komfortabel wie möglich zu gestalten.

Fragen und Antworten rund um Burg Vischering

Wem gehört die Burg Vischering heute?

Die hier bereitgestellten Informationen fokussieren sich auf die historische Familie Droste zu Vischering und deren Wirken auf der Burg über Jahrhunderte. Es wird beschrieben, wie Familienmitglieder bestimmte Teile der Burg erbauten und das Leben dort prägten. Das Münsterlandmuseum ist heute in der Burg untergebracht. Die genaue aktuelle Eigentümerstruktur geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.

Kann man die Burg Vischering besichtigen?

Ja, die Burg beherbergt das Münsterlandmuseum und ist für Besucher zugänglich. Die Informationen zur Barrierefreiheit und den Museumsausstellungen deuten darauf hin, dass die Burg als Museum öffentlich zugänglich ist.

Gibt es Gastronomie auf der Burg Vischering?

Die Informationen zur Barrierefreiheit erwähnen einen Weg, der sich im Hof der Vorburg auch „Richtung Café und Kassenbereich“ verzweigt. Dies lässt darauf schließen, dass es ein Café auf dem Gelände der Burg gibt.

Wie alt ist die Burg Vischering?

Die ältesten urkundlichen Erwähnungen betreffen eine Mühle im Jahr 1289. Gebäude wie die Georgskapelle stammen von 1495, das Torhaus der Kernburg von 1519. Teile der Ringmauer sind mittelalterlich. Die heute sichtbare Bausubstanz der Hauptburg stammt überwiegend aus der Spätgotik und Renaissance (ab frühem 16. Jahrhundert). Die Auslucht ist der jüngste Teil (1617-1622).

Ist Burg Vischering für Rollstuhlfahrer zugänglich?

Ja, die Burg Vischering ist sehr auf Barrierefreiheit ausgelegt. Es gibt spezielle Wege, automatische Türen, einen Aufzug, elektrische Rampen für Zwischenstufen und barrierefreie Sanitäranlagen. Auch Medienstationen sind unterfahrbar. Rollatoren und Rollstühle können ausgeliehen werden.

Welche Ausstellungen bietet das Münsterlandmuseum auf Burg Vischering?

Das Museum bietet verschiedene Dauerausstellungen: „Ritter und Pferde“ (Mitmach-Ausstellung für Kinder), „Bäuerliches Leben und Arbeiten“, „Kutschen und Karren“ sowie eine Sammlung zur Geschichte der Burg, ihrer Bewohner, der Herrlichkeit und des adeligen Lebens in der Renaissance. Zudem gibt es wechselnde kunst- und kulturgeschichtliche Ausstellungen.

Die Burg Vischering ist somit weit mehr als nur eine historische Festung. Sie ist ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird, Architektur bewundert werden kann und das kulturelle Erbe des Münsterlandes erlebbar gemacht wird – ein wahres Wasserschloss-Erlebnis.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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