Ist Grünau schön?

Grünau: Berlins Grüne Lunge am Wasser

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Die Frage „Ist Grünau noch Berlin?“ mag man sich stellen, wenn man aus dem geschäftigen Zentrum der Hauptstadt in diesen südöstlichen Stadtteil fährt. Doch ja, Grünau ist nicht nur Berlin, sondern ein ganz besonderer Teil davon. Oft liebevoll als die Grüne Lunge Berlins bezeichnet, bietet Grünau eine einzigartige Mischung aus reicher Geschichte, idyllischer Natur und einem entspannten Lebensgefühl, das man in der Innenstadt kaum findet. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise durch Grünau, von seinen historischen Wurzeln bis hin zu den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten von heute.

Ist Grünau noch Berlin?
Grünau [gʁyˈnaʊ] ist ein Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin am linken Ufer der Dahme.

Grünau liegt malerisch eingebettet im Südosten Berlins und grenzt an weitläufige Waldgebiete und Gewässer. Die Dahme und der Lange See bilden seine natürliche Grenze im Nordosten, während der Teltowkanal die nördliche Begrenzung markiert. Umgeben ist Grünau im Uhrzeigersinn von den Berliner Ortsteilen Adlershof, Köpenick, Schmöckwitz, Bohnsdorf und Altglienicke sowie der brandenburgischen Gemeinde Schönefeld. Diese Lage, nah an der Stadt und doch tief im Grünen und am Wasser, prägt den unverwechselbaren Charakter Grünaus.

Die spannende Geschichte eines Kolonistendorfs am Wasser

Die Anfänge Grünaus reichen zurück in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Auf Anweisung von Friedrich II., besser bekannt als der „Alte Fritz“, wurden zwischen 1747 und 1753 in den Wäldern des Amtes Köpenick neue Kolonistendörfer gegründet. Eines davon war das spätere Grünau. Die ersten vier Pfälzer Kolonistenfamilien ließen sich hier 1749 nieder und nannten den Ort zunächst „Auff der Grünen Aue“. Sie mussten dem Amt in Köpenick ihren Erbzins entrichten und versuchten sich zunächst an der ihnen vertrauten Weinkultur. Doch die märkische Erde und die unzureichende Sonneneinstrahlung machten diesen Plan zunichte.

Die frühen Bewohner mussten sich neu orientieren und lebten zunächst von der Baumwollspinnerei und der Anzucht von Seidenraupen, ähnlich wie in Friedrichshagen. Die Entwicklung des jungen Dorfes wurde durch den Siebenjährigen Krieg gebremst. Grünau blieb lange Zeit dünn besiedelt. Im Jahr 1800 zählte der Ort gerade einmal 59 Einwohner. Die Kolonistenhäuser standen weit auseinander, verstreut zwischen der Büxensteinallee und der Libboldallee. Erst nach und nach siedelten sich weitere Gewerbe an, darunter der Bootsbau und das Wäschereigewerbe, die beide von der Lage am Wasser profitierten.

Im Jahr 1858 gab es in Grünau vier Hofeigentümer, die dreizehn Knechte und Mägde beschäftigten. Hinzu kamen zwei nebengewerbliche Landwirte mit fünf Arbeitskräften und 49 Arbeiter. Die landwirtschaftliche Fläche umfasste 296 Morgen Acker, 68 Morgen Wiese und 16 Morgen Gartenland. Mit der Eröffnung der ersten Haltestelle der Berlin-Görlitzer Eisenbahn im Jahr 1866 änderte sich das Dorfbild und seine Bedeutung grundlegend. Die Berliner entdeckten die gewässerreiche Landschaft als attraktives Naherholungsgebiet. 1874 wurde der Vorortverkehr nach Berlin aufgenommen, was die Anbindung weiter verbesserte.

Ein entscheidender Wendepunkt war die Gründung des ersten Berliner Regatta-Vereins im Jahr 1881. Mit der Entwicklung des Wassersports wuchs auch der Strom der Ausflügler. Dies führte zum Bau zahlreicher Gaststätten entlang der Uferpromenade sowie von Bootshäusern für Ruder-, Segler- und Kanu-Vereine. Grünau etablierte sich als Zentrum des Wassersports in der Region.

Theodor Fontane, der berühmte Chronist der Mark Brandenburg, beschrieb in seinen „Wanderungen“ die idyllische Lage Grünaus und trug zu seiner Bekanntheit bei. Angezogen von der reizvollen Landschaft und den vergleichsweise niedrigen Bodenpreisen, ließen sich wohlhabende Bürger der wilhelminischen Ära in Grünau nieder. Sie bauten prächtige Villen und Landhäuser direkt an den Ufern der Dahme. Im Jahr 1900 war die Einwohnerzahl auf rund 2500 gestiegen, und es gab bereits 152 Häuser.

Die administrative Zugehörigkeit Grünaus änderte sich ebenfalls. Im Jahr 1903 entstand aus einem Schutzbezirk ein Gutsbezirk, der Grünau-Dahmer-Forst genannt wurde. Am 1. Oktober 1920 wurde die Gemeinde Grünau zusammen mit diesem Gutsbezirk aus dem Landkreis Teltow in der preußischen Provinz Brandenburg nach dem neugeschaffenen Groß-Berlin eingemeindet und wurde Teil des Bezirks Köpenick. Die Infrastruktur verbesserte sich weiter: 1928 wurde der elektrische S-Bahn-Verkehr aufgenommen, was die Verbindung nach Berlin noch schneller und bequemer machte.

Ein Höhepunkt in der Geschichte Grünaus war zweifellos das Jahr 1936, als die Ruder- und Kanuwettbewerbe der Olympischen Spiele auf der berühmten Regattastrecke Berlin-Grünau ausgetragen wurden. Dies festigte den Ruf Grünaus als bedeutender Standort für den Wassersport international.

Neben dem Tourismus und dem Wassersport siedelten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Industrieunternehmen in Grünau an, darunter chemische Fabriken wie Landshoff & Meyer, die in der DDR-Zeit als Filiale von VEB Berlin-Chemie fortbestand. Es ist erwähnenswert, dass die uns zur Verfügung stehenden Informationen eine Lücke für die Zeit zwischen 1945 und heute aufweisen, was die jüngere Geschichte Grünaus an dieser Stelle unvollständig lässt.

Historische Eckdaten Grünaus

JahrEreignis
1749Gründung als Kolonistendorf „Auff der Grünen Aue“
1800Einwohnerzahl: 59
1866Eröffnung der Eisenbahn-Haltestelle Berlin-Görlitz
1874Aufnahme des Vorortverkehrs nach Berlin
1881Gründung des ersten Berliner Regatta-Vereins
1900Einwohnerzahl: ~2500, 152 Häuser
1920Eingemeindung nach Groß-Berlin
1928Aufnahme des elektrischen S-Bahn-Verkehrs
1936Olympische Ruder- und Kanuwettbewerbe auf der Regattastrecke

Naturerlebnis pur: Grünau als grüne Oase

Grünau ist in erster Linie ein Ort der Natur und Erholung. Die weitläufigen Waldgebiete, die sauberen Seen und Flüsse laden dazu ein, die Hektik der Großstadt hinter sich zu lassen. Die Dahme und der Lange See sind zentrale Elemente der Landschaft und bieten unzählige Möglichkeiten für Aktivitäten auf und am Wasser. Ob bei einem entspannten Spaziergang am Ufer, einer ausgedehnten Fahrradtour durch den Wald oder einer Bootstour über die Seen – die Natur ist hier allgegenwärtig.

Für Radfahrer und Wanderer gibt es gut ausgebaute Wege. Neben dem bekannten Fontaneweg führt auch der Grüne Hauptweg Nr. 9 durch Grünau, immer entlang der Dahme. Diese Wege ermöglichen es, die Schönheit der Umgebung in aller Ruhe zu erkunden. Viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Naturschauplätze lassen sich bequem auf einer etwa einstündigen Fahrradtour (ohne Pausen) erreichen.

Highlights und Sehenswürdigkeiten in Grünau

Grünau hat mehr zu bieten als nur Wasser und Wald. Hier sind einige der Orte, die einen Besuch lohnen:

  • Der S-Bahnhof Berlin Grünau: Ausgangspunkt für viele Besucher und historisch bedeutsam für die Entwicklung des Ortes.
  • Fluss Dahme und Langer See: Das Herzstück Grünaus, ideal für Wassersport und Uferspaziergänge.
  • Die Friedenskirche: Ein architektonisch interessantes Gotteshaus im Ortsteil.
  • Die Regattastrecke: Eine historische Sportstätte von internationaler Bedeutung.
  • Der Badestrand Bammelecke: Ein beliebter Ort zum Schwimmen und Sonnenbaden.
  • Das Strandbad Grünau: Ein weiteres, klassisches Strandbad für sommerlichen Badespaß.
  • Das Funkhaus Grünau: Ein Gebäude mit historischer Bedeutung im Bereich der Medien.
  • Das Sportdenkmal: Erinnerung an die lange Tradition Grünaus als Sportstandort.
  • Die Krumme Lake: Ein weiteres schönes Gewässer in der Umgebung.

Die Vielfalt der Landschaften, von offenen Wasserflächen über dichte Wälder bis hin zu den Uferpromenaden mit ihren historischen Villen, macht Grünau zu einem faszinierenden Ort für Entdeckungen.

Aktivitäten und Freizeit in Grünau

Grünau ist ein Paradies für Wassersportler. Die Tradition, die mit dem ersten Regatta-Verein begann und bei den Olympischen Spielen 1936 gipfelte, lebt hier fort. Es gibt unzählige Möglichkeiten, aktiv zu werden: Segeln, Kanufahren, Rudern oder das immer beliebtere Stand-Up-Paddling (SUP). Zahlreiche Vereine und Verleiher bieten Kurse und Ausrüstung an.

Doch auch wer lieber festen Boden unter den Füßen hat, kommt auf seine Kosten. Die Ufer der Dahme laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein, bei denen man die vorbeifahrenden Boote beobachten und die prächtigen Villen bewundern kann. Die Waldgebiete eignen sich hervorragend zum Joggen oder für Mountainbike-Touren. Grünau bietet eine perfekte Kulisse für sportliche Betätigung in der Natur.

Ist Grünau noch Berlin?
Grünau [gʁyˈnaʊ] ist ein Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin am linken Ufer der Dahme.

Gastronomie in Grünau: Stärkung für Ausflügler

Auch wenn das gastronomische Angebot in Grünau naturgemäß nicht die gleiche Dichte und Vielfalt aufweist wie in der Berliner City, so findet sich doch für jeden Geschmack und Anlass etwas Passendes. Nach einem langen Spaziergang, einer Radtour oder einer anstrengenden Wassersporteinheit ist eine gute Mahlzeit oder eine Kaffeepause genau das Richtige.

Bekannt ist zum Beispiel das Café Liebig, das sich großer Beliebtheit erfreut und für seinen guten Kuchen und Kaffee geschätzt wird – ein idealer Ort für eine gemütliche Pause am Nachmittag. Im neueren Wohngebiet an der Regattastraße findet sich das Café Tous les Jours, das eine modernere Atmosphäre bietet. Direkt gegenüber liegt die „Pizza Dorado“, wo man leckere Pizzen und andere Gerichte in ungezwungener Atmosphäre genießen kann.

Ein besonderes Highlight, vor allem für Radfahrer, die den Wald erkunden, ist die Waldgaststätte „Hanffs Ruh“. Mitten im Grünauer Forst gelegen, direkt am Wald-Radweg von Grünau nach Schmöckwitz, bietet sie eine idyllische Einkehrmöglichkeit abseits des Trubels. Die Gastronomie in Grünau mag überschaubar sein, aber sie bietet charmante Optionen, die perfekt zum Charakter des Ortes passen.

Anreise und Fortbewegung in Grünau

Die beste Art, Grünau zu erreichen, ist mit der S-Bahn vom Berliner Zentrum aus in Richtung stadtauswärts. Der S-Bahnhof Berlin Grünau ist ein wichtiger Knotenpunkt und Ausgangspunkt für die Erkundung des Stadtteils. Von dort aus kann man sich entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit der Straßenbahnlinie 68 fortbewegen.

Die Tram 68 ist ein wichtiges Verkehrsmittel innerhalb Grünaus und verbindet den S-Bahnhof mit anderen Teilen des Stadtteils sowie den angrenzenden Orten Schmöckwitz und Köpenick. Sie führt entlang der Dahme und ermöglicht es, viele der Sehenswürdigkeiten bequem zu erreichen, ohne lange Strecken laufen zu müssen. Für die Erkundung der Natur und der versteckten Winkel empfiehlt sich jedoch das Fahrrad oder ein Spaziergang.

Häufig gestellte Fragen zu Grünau

Wo genau liegt Grünau?
Grünau ist ein Stadtteil im Südosten Berlins, gelegen im Bezirk Treptow-Köpenick, begrenzt von der Dahme, dem Langen See und dem Teltowkanal.

Ist Grünau gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar?
Ja, Grünau ist sehr gut mit der S-Bahn (Linien S8, S46, S85) erreichbar. Innerhalb Grünaus und zu den Nachbarorten verkehrt die Straßenbahnlinie 68.

Was sind die Hauptattraktionen in Grünau?
Zu den Hauptattraktionen zählen die Natur (Dahme, Langer See, Wälder), die historische Regattastrecke, die alten Villen entlang des Ufers sowie verschiedene Badestrände und Wassersportmöglichkeiten.

Kann man in Grünau Wassersport betreiben?
Absolut! Grünau ist ein traditionelles Zentrum des Wassersports. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zum Rudern, Segeln, Kanufahren und Stand-Up-Paddling.

Gibt es in Grünau Restaurants und Cafés?
Ja, es gibt mehrere gastronomische Angebote, darunter Cafés wie das Café Liebig und das Café Tous les Jours, eine Pizzeria (Pizza Dorado) und die Waldgaststätte Hanffs Ruh.

Welche historischen Ereignisse sind mit Grünau verbunden?
Grünau wurde im 18. Jahrhundert als Kolonistendorf gegründet, entwickelte sich im 19. Jahrhundert zum beliebten Ausflugsziel und Wassersportzentrum und war 1936 Austragungsort olympischer Wettbewerbe.

Ist Grünau ein guter Ort für einen Tagesausflug von Berlin aus?
Ja, Grünau ist ein ideales Ziel für einen Tagesausflug, um dem Trubel der Stadt zu entfliehen und Natur, Geschichte und Erholung am Wasser zu genießen.

Fazit

Grünau ist weit mehr als nur ein Stadtteil am Rande Berlins. Es ist ein Ort mit einer faszinierenden Geschichte als ehemaliges Kolonistendorf, das sich zu einem bedeutenden Zentrum des Wassersports entwickelte. Seine Lage inmitten von Wäldern und direkt an der Dahme und dem Langen See macht es zu einer wahren grünen Oase und einem beliebten Ziel für Erholungssuchende und Aktivurlauber. Ob Sie die historische Regattastrecke besichtigen, mit dem Boot über den See fahren, durch den Wald radeln oder einfach nur in einem Café am Wasser entspannen möchten – Grünau bietet vielfältige Erlebnisse, die den besonderen Charme dieses einzigartigen Berliner Stadtteils ausmachen. Es ist ein Beweis dafür, dass Berlin auch ruhige, naturnahe und historisch reiche Ecken hat, die es zu entdecken lohnt.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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