Wo befindet sich das Burgtheater?

Das Wiener Burgtheater: Mehr als nur Bühne

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Das Burgtheater in Wien ist weit mehr als nur eine Bühne für dramatische Kunst. Es ist ein Ort von tiefer historischer Bedeutung, ein Zentrum kulturellen Schaffens und ein Haus, das Besuchern vielfältige Erlebnisse bietet – von packenden Vorstellungen bis hin zu faszinierenden Einblicken hinter die Kulissen. Als eines der bedeutendsten Theater im deutschsprachigen Raum blickt das Burgtheater auf eine bewegte Vergangenheit zurück, die untrennbar mit der Geschichte Österreichs verbunden ist.

Welche Figur steht im Burgtheater?
Peer Gynt. Peer Gynt ist eine längst zum Mythos gewordene Theaterfigur – ein egozentrischer Träumer, Phantast, Lügner, ein Antiheld sowie eine Identifikationsfigur in einer irr gewordenen Welt, die jedes Maß verloren hat.

Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs trafen auch das Burgtheater schwer. Doch aus den Trümmern erwuchs ein starkes Symbol des Wiederaufbaus und der Unabhängigkeit. Die Wiedereröffnung im Herbst 1955, nur wenige Monate nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages, war ein bedeutender Festakt für das neue, unabhängige Österreich. Am 14. Oktober 1955 wurde das wiederaufgebaute Haus feierlich eröffnet. Ursprünglich wieder als Logentheater konzipiert, erklang zur Eröffnung Mozarts Kleine Nachtmusik. Am folgenden Tag, dem 15. Oktober, folgte mit Grillparzers König Ottokars Glück und Ende symbolträchtig das „österreichische Nationalstück”. Dieses Ereignis fand im Beisein von Bundespräsident Theodor Körner statt, während tausende Wienerinnen und Wiener die Ringstraße säumten, um diesen historischen Moment mitzuerleben. Selbst das damals noch im Versuchsstadium befindliche Fernsehen, das nur über wenige Zuseher verfügte, übertrug die Feierlichkeiten live.

Im selben Herbst, am 5. November 1955, folgte die ebenfalls live übertragene Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper. Dieses Ereignis wurde in der sozialistischen Arbeiter-Zeitung als „Krönungsjuwel unserer Freiheit“ bezeichnet. Die Staatsoper wurde mit Beethovens Fidelio unter der musikalischen Leitung von Direktor Karl Böhm eröffnet. Böhm hatte dieses Amt bereits von 1943 bis 1945 innegehabt, war jedoch von den Alliierten wegen seiner Nähe zum NS-Regime abgesetzt worden. Erst nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages konnte er wieder zum Staatsoperndirektor ernannt werden. In seiner Rede zur Eröffnung sprach Böhm über die Kontinuität, die durch seine Person hergestellt werde und vom „gestern zum heute hinüber führt“, und würdigte die Künstler und Männer, die in der Zwischenzeit die Ideale der Wiener Oper aufrechterhalten hatten. Diese beiden Wiedereröffnungen markierten einen Wendepunkt für das kulturelle Leben Wiens und Österreichs.

Vergleich der Wiedereröffnungen 1955

InstitutionDatum der WiedereröffnungEröffnungswerkBemerkungen
Burgtheater14. Oktober 1955Mozarts Kleine Nachtmusik / Grillparzers König Ottokars Glück und EndeWiedereröffnung als Logentheater, am zweiten Tag mit „österreichischem Nationalstück“, im Beisein des Bundespräsidenten.
Staatsoper5. November 1955Beethovens FidelioUnter der Leitung von Karl Böhm, der nach Unterzeichnung des Staatsvertrages wieder eingesetzt wurde.

Neben seiner historischen Bedeutung ist das Burgtheater natürlich vor allem ein Ort der darstellenden Kunst. Hier werden zeitlose Dramen und moderne Stücke aufgeführt, die das Publikum zum Nachdenken anregen und emotional berühren. Ein Beispiel für eine längst zum Mythos gewordene Theaterfigur, die auf der Bühne des Burgtheaters zu erleben war, ist Peer Gynt. In Henrik Ibsens „dramatischem Gedicht“ von 1867, einem Schlüsseltext über den modernen Menschen, wird die Figur Peer Gynt als egozentrischer Träumer, Phantast, Lügner, ein Antiheld, aber auch als Identifikationsfigur in einer aus den Fugen geratenen Welt gezeichnet. Als junger Mann verlässt Peer Gynt seine norwegische Heimat und begibt sich auf eine rastlose Reise. Diese Reise führt ihn nicht nur durch verschiedene Kontinente, sondern auch tief in sein eigenes Ich. Er schwebt dabei stets zwischen Traum und Realität, immer auf der Suche nach seiner Identität und seiner Rolle im Leben. Seine Wanderungen führen ihn durch Gebirge und Wüsten, er überquert Meere und Flüsse und begegnet dabei sogar Fabelwesen aus anderen Welten.

Peer Gynt erlebt auf seiner Reise extreme Höhen und Tiefen. Er kommt zu großem Reichtum in Amerika, erlebt sich als spirituellen Menschen in Afrika und lässt sich schließlich in Ägypten in einem psychiatrischen Krankenhaus zum Kaiser krönen – ein Ausdruck seines Größenwahns und seiner ständigen Suche nach Anerkennung und Selbstbestätigung. Doch am Ende seines Lebens, als er in seine Heimat zurückkehrt, muss Peer Gynt eine ernüchternde Erkenntnis gewinnen: Er hat am eigentlichen Leben vorbeigelebt. Er ist zu einem Durchschnittsmenschen wie alle anderen geworden und erkennt, dass nur eine längst vergessene Liebe ihn vor der Bedeutungslosigkeit retten kann. Ibsens Epos über diesen „Ich-Verwirklicher“ konfrontiert uns mit der Rastlosigkeit und Dringlichkeit, mit der Peer Gynt Lebensentwürfe ausprobiert, Identitäten annimmt und wieder ablegt. Es zeigt, wie er kreatives Potential ausschöpft, aber auch durch Gier und Größenwahn Schuld auf sich lädt. Die Figur fordert uns auf, uns mit unserer eigenen fragilen Existenz auseinanderzusetzen und ermöglicht eine Reflexion über unsere eigenen Träume, Sehnsüchte, Ängste und Hoffnungen.

In einer spezifischen Inszenierung im Burgtheater unternahm der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson mit einem kleinen Ensemble eine Erkundung dieser zentralen Fragestellung des Textes: Wer bin ich? Bin ich ein Bettler oder ein Kaiser? Bin ich der Anfang oder das Ende? In dieser Produktion wurde die Titelrolle des Peer Gynt von Mavie Hörbiger übernommen, was eine interessante Interpretation der Figur ermöglichte.

Einblicke hinter die Kulissen: Die Burgtheater-Führung

Das Burgtheater bietet nicht nur Vorstellungen, sondern auch die Möglichkeit, das prächtige Gebäude bei einer Führung kennenzulernen. Ein solcher Rundgang gewährt faszinierende Einblicke in die Architektur und Geschichte des Hauses. Die Besichtigung beinhaltet die prunkvollen Feststiegen, deren Decken mit berühmten Gemälden von Franz Matsch sowie den Brüdern Gustav und Ernst Klimt geschmückt sind. Weiter führt der Weg durch die Skulpturensammlungen, die namhafte Dichter wie Hauptmann, Schnitzler, Raimund und Nestroy ehren. Die Ehrengalerie zeigt Porträts berühmter Ensemblemitglieder und zeugt von der langen Tradition und den herausragenden Persönlichkeiten, die an diesem Haus gewirkt haben.

Was macht man im Burgtheater?
Der Rundgang beinhaltet die Besichtigung der Feststiegen mit berühmten Deckengemälden von Franz Matsch und den Brüdern Gustav und Ernst Klimt, die Skulpturensammlungen namhafter Dichter wie u. a. Hauptmann, Schnitzler, Raimund, Nestroy, die Ehrengalerie mit Porträts berühmter Ensemblemitglieder bis hin zur Technik der ...

Ein besonderes Highlight ist der Einblick in die Technik der Bühne. Die Bühne des Burgtheaters gilt als die größte Sprechbühne Europas, und die Führung ermöglicht es, mehr über ihre Funktionsweise und Dimensionen zu erfahren. Sofern möglich, führt der Rundgang auch in den Zuschauerraum und auf die Bühne selbst. Es ist jedoch zu beachten, dass die Führung durch den Zuschauerraum und auf die Bühne an einzelnen Tagen sowie in den Sommermonaten aufgrund von Umbau-, Probe- oder Reparaturarbeiten eingeschränkt oder gar nicht möglich sein kann.

Für individuelle Besucher ist es in der Regel nicht notwendig, ein Führungsticket im Voraus zu buchen. Wenn Sie jedoch eine Gruppe sind, ist eine vorherige Buchung erforderlich. Das Burgtheater ist bestrebt, allen Besuchern Zugang zu ermöglichen und führt auch Rollstuhlgäste. In diesem Fall wird gebeten, die Teilnahme im Voraus bekannt zu geben, um die notwendigen Vorkehrungen treffen zu können.

Anreise und Praktisches

Für Besucher, die mit dem Auto anreisen, stehen in der Nähe des Burgtheaters Parkmöglichkeiten zur Verfügung. Die Tiefgarage BOE Rathausplatz bietet eine spezielle TheaterParkPauschale an. Diese Pauschale kostet 6,50 € und ist von Montag bis Samstag in der Zeit von 16.30 Uhr bis 1 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 9 Uhr bis 1 Uhr gültig. Um diesen Tarif zu erhalten, müssen Sie Ihr Parkticket am Abend vom Publikumsdienst im Theater stempeln lassen.

Eine weitere Option ist die WIPARK Garage Freyung. Hier können Sie für 5,00 € für fünf Stunden parken, wenn Sie ab 17 Uhr anreisen. An Wochenenden und Feiertagen gilt dieser Tarif bereits ab 12 Uhr. Eine Ermäßigungskarte zum Nachstecken am Automaten erhalten Sie ebenfalls beim Publikumsdienst des Burgtheaters.

Häufig gestellte Fragen zum Burgtheater

Frage: Welche bekannte Theaterfigur wurde kürzlich im Burgtheater inszeniert?
Antwort: Im Burgtheater wurde unter anderem das Stück Peer Gynt von Henrik Ibsen aufgeführt. Peer Gynt ist eine zentrale Figur dieses dramatischen Gedichts.

Frage: Wann wurde das Burgtheater nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder eröffnet?
Antwort: Das Burgtheater wurde am 14. Oktober 1955 feierlich wiedereröffnet.

Wann wurde das Burgtheater wiedereröffnet?
Am 14. Oktober 1955 wurde das wiederaufgebaute Burgtheater – wie ursprünglich als Logentheater – mit Mozarts Kleiner Nachtmusik eröffnet, am nächsten Tag folgte symbolträchtig und im Beisein von Bundespräsident Theodor Körner (1873–1957) das „österreichische Nationalstück” Grillparzers König Ottokars Glück und Ende.

Frage: Was war das erste Stück, das am Tag der Wiedereröffnung des Burgtheaters gespielt wurde?
Antwort: Am Tag der Wiedereröffnung, dem 14. Oktober 1955, wurde Mozarts Kleine Nachtmusik gespielt.

Frage: Welches Stück wurde am Tag nach der Wiedereröffnung als „österreichisches Nationalstück“ aufgeführt?
Antwort: Am 15. Oktober 1955, dem Tag nach der Wiedereröffnung, wurde Grillparzers König Ottokars Glück und Ende aufgeführt.

Frage: Wer spielte die Titelrolle in der im Text erwähnten Inszenierung von Peer Gynt im Burgtheater?
Antwort: In der genannten Produktion von Peer Gynt wurde die Titelrolle von Mavie Hörbiger verkörpert.

Frage: Kann ich das Burgtheater besichtigen, auch wenn ich keine Vorstellung besuche?
Antwort: Ja, das Burgtheater bietet Führungen an, bei denen Sie das Gebäude besichtigen können.

Frage: Was kann ich bei einer Führung durch das Burgtheater sehen?
Antwort: Eine Führung kann die Feststiegen mit Gemälden von Klimt und Matsch, die Skulpturensammlungen bekannter Dichter, die Ehrengalerie, die Technik der Bühne und, wenn möglich, den Zuschauerraum und die Bühne selbst umfassen.

Frage: Sind die Deckengemälde in den Feststiegen des Burgtheaters berühmt?
Antwort: Ja, die Deckengemälde in den Feststiegen stammen von berühmten Künstlern wie Franz Matsch und den Brüdern Gustav und Ernst Klimt.

Welche Figur steht im Burgtheater?
Peer Gynt. Peer Gynt ist eine längst zum Mythos gewordene Theaterfigur – ein egozentrischer Träumer, Phantast, Lügner, ein Antiheld sowie eine Identifikationsfigur in einer irr gewordenen Welt, die jedes Maß verloren hat.

Frage: Ist es notwendig, Tickets für eine Burgtheater-Führung im Voraus zu buchen?
Antwort: Für Einzelpersonen ist in der Regel keine Vorausbuchung nötig, es sei denn, Sie buchen für eine Gruppe.

Frage: Gibt es Einschränkungen beim Zugang zum Zuschauerraum oder zur Bühne während einer Führung?
Antwort: Ja, der Zugang zum Zuschauerraum und zur Bühne kann an bestimmten Tagen und in den Sommermonaten wegen Umbau-, Probe- oder Reparaturarbeiten eingeschränkt oder nicht möglich sein.

Frage: Bietet das Burgtheater spezielle Parktarife an?
Antwort: Ja, in nahegelegenen Tiefgaragen wie BOE Rathausplatz und WIPARK Freyung gibt es spezielle Parkpauschalen oder ermäßigte Tarife für Theaterbesucher, die oft eine Stempelung des Tickets erfordern.

Frage: Welche Künstler sind in der Skulpturensammlung des Burgtheaters vertreten?
Antwort: Die Sammlung umfasst Skulpturen namhafter Dichter wie Hauptmann, Schnitzler, Raimund und Nestroy.

Frage: Was ist eine Besonderheit der Bühne des Burgtheaters?
Antwort: Die Bühne des Burgtheaters gilt als die größte Sprechbühne Europas.

Das Burgtheater bleibt somit ein lebendiges Zentrum der Kultur, das Geschichte, Architektur und die darstellende Kunst auf einzigartige Weise vereint und Besuchern vielfältige Erlebnisse bietet.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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