Duisburg, oft im Zusammenhang mit Industrie und Binnenschifffahrt genannt, hat auch kulinarisch einiges zu bieten. Abseits der modernen Gastronomieszene, die sich natürlich auch hier entwickelt, gibt es traditionelle Gerichte, die tief in der regionalen Geschichte verwurzelt sind. Diese Küche ist oft bodenständig, ehrlich und sättigend – perfekt für die Menschen, die hier hart gearbeitet haben und arbeiten. Ein solches Gericht, das exemplarisch für die deftige und zugleich nahrhafte Küche des Ruhrgebiets steht, ist Endivien untereinander.

Es handelt sich dabei um eine Variante des klassischen Eintopfs oder vielmehr eines Stampfgerichts, bei dem Kartoffeln und Endiviensalat miteinander vermengt werden. Der Name „untereinander“ beschreibt genau diesen Prozess des Vermischens oder „Unterhebens“. Dieses Gericht ist nicht nur in Duisburg, sondern im gesamten Rheinland und Ruhrgebiet bekannt und beliebt, besonders in den kälteren Monaten, wenn man etwas Wärmendes und Kräftigendes braucht.
Was genau ist Endivien untereinander?
Im Kern ist Endivien untereinander ein einfacher, aber geschmacksintensiver Kartoffelstampf, der durch die Zugabe von rohem Endiviensalat eine besondere Note erhält. Der leicht herbe Geschmack des Endiviens harmoniert erstaunlich gut mit der sämigen Süße des Kartoffelpürees. Die Zubereitung ist denkbar unkompliziert und basiert auf wenigen, aber hochwertigen Zutaten. Dies spiegelt den Charakter der traditionellen Ruhrgebietsküche wider: Wenige Mittel, maximaler Geschmack und Sättigung.
Die Basis bilden gekochte Kartoffeln. Idealerweise verwendet man mehlig kochende Sorten, da diese sich besonders gut stampfen lassen und eine cremige Konsistenz ergeben. Die Kartoffeln werden nach dem Kochen heiß gestampft. Hier kommt oft ein großzügiges Stück Butter ins Spiel, das für Reichhaltigkeit und Geschmack sorgt. Warme Milch oder manchmal auch Sahne wird hinzugefügt, um das Püree geschmeidig zu machen und die gewünschte Konsistenz zu erreichen – nicht zu fest und nicht zu flüssig.
Der entscheidende Schritt, der dieses Gericht von einem gewöhnlichen Kartoffelpüree unterscheidet, ist die Zugabe des Endiviensalats. Der Salat wird gründlich gewaschen und in feine Streifen geschnitten. Wichtig ist, dass der Salat roh unter das heiße Kartoffelpüree gehoben wird. Die Resthitze der Kartoffeln lässt den Salat leicht zusammenfallen und macht ihn weicher, aber er behält dabei noch eine gewisse Frische und seinen charakteristischen leicht bitteren Geschmack. Bevor der Salat untergehoben wird, wird er oft mit etwas Öl, Essig, Salz und Pfeffer angemacht. Diese einfache Vinaigrette bringt zusätzliche Würze und Säure in das Gericht, was einen schönen Kontrast zur Schwere des Kartoffel-Butter-Pürees bildet.
Die klassischen Begleiter: Herzhaft und traditionell
Ein Gericht wie Endivien untereinander ist selten eine Solo-Performance. Es lebt von seinen Begleitern, die ihm die notwendige herzhafte Komponente hinzufügen. Traditionell gibt es hier zwei beliebte Optionen, die beide perfekt zur deftigen Basis passen:
Blutwurst
Eine der authentischsten Beilagen zu Endivien untereinander ist gebratene Blutwurst. Blutwurst, auch Rotwurst oder Griebenwurst genannt, ist eine Kochwurst, die aus Schweineblut, Speck, Schwarte und verschiedenen Gewürzen hergestellt wird. Für dieses Gericht wird die Blutwurst in Scheiben geschnitten und in der Pfanne angebraten, bis sie außen leicht knusprig und innen weich und warm ist. Der kräftige, würzige Geschmack der gebratenen Blutwurst bildet einen wunderbaren Kontrast zum milden, leicht bitteren Endivien-Kartoffel-Stampf. Es ist eine Kombination, die tief in der regionalen Esskultur verwurzelt ist und von vielen als die einzig wahre Art angesehen wird, Endivien untereinander zu genießen. Die Qualität der Blutwurst ist hier entscheidend; eine gute, handwerklich hergestellte Wurst vom Metzger des Vertrauens macht einen großen Unterschied.

Panierte Frikadellen
Für diejenigen, die keine Blutwurst mögen oder eine Alternative suchen, sind panierte Frikadellen (auch Buletten oder Klopse genannt) eine ausgezeichnete Wahl. Frikadellen sind in ganz Deutschland beliebt, aber die Art, wie sie im Ruhrgebiet zubereitet und serviert werden, passt perfekt zur regionalen Küche. Eine klassische Frikadelle besteht aus gemischtem Hackfleisch (Schwein und Rind), das mit fein geschnittenen Zwiebeln, einem Ei und einem eingeweichten Brötchen vom Vortag vermengt wird. Das eingeweichte Brötchen sorgt für Bindung und Saftigkeit. Die Masse wird kräftig mit Salz, Pfeffer und oft auch Majoran gewürzt. Anschließend werden aus der Masse flache, runde Patties geformt und – wie hier beschrieben – paniert. Die Panade aus Semmelbröseln sorgt beim Braten in heißem Öl oder Butterschmalz für eine schöne goldbraune, knusprige Hülle, während das Innere saftig bleibt. Die gebratenen, knusprigen Frikadellen bilden ebenfalls einen schönen Kontrast zum weichen Stampf und sind eine sehr populäre Beilage.
Weitere Begleiter
Neben den Hauptprotagonisten Blutwurst und Frikadellen gibt es weitere Elemente, die das Gericht abrunden. Geröstete Zwiebeln sind eine fast unverzichtbare Beilage. In Ringe oder Streifen geschnitten und goldbraun und knusprig gebraten, fügen sie eine süßlich-herbe Komponente und eine tolle Textur hinzu. Ein weiterer traditioneller Begleiter, der dem Gericht eine süße Note verleiht und den leicht bitteren Geschmack des Endiviens wunderbar ausgleicht, ist süßes Rübenkraut (Zuckerrübensirup). Ein Löffel davon über den Stampf oder die Wurst gegeben, rundet das Geschmackserlebnis perfekt ab. Manchmal wird auch Apfelmus dazu gereicht, was ebenfalls eine süß-säuerliche Komponente einbringt.
Die Zubereitung im Detail
Die Zubereitung von Endivien untereinander ist, wie erwähnt, nicht kompliziert, erfordert aber ein gutes Timing, da der Salat erst ganz am Ende unter das heiße Püree kommt.
Für zwei Portionen Endivien untereinander:
- Die Kartoffeln: 500 Gramm Kartoffeln schälen, vierteln oder achteln (je nach Größe) und in Salzwasser gar kochen. Das dauert etwa 15-20 Minuten. Das Wasser abgießen.
- Das Püree: Die heißen Kartoffeln in den Topf zurückgeben. Ein großzügiges Stück Butter (mindestens 30-50 Gramm) und etwas warme Milch (ca. 100-150 ml, je nach gewünschter Konsistenz) hinzufügen. Mit einem Kartoffelstampfer zu einem groben Püree stampfen. Es muss nicht vollständig glatt sein; kleine Stückchen sind traditionell und erwünscht. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Püree warm halten.
- Der Endiviensalat: Einen halben Endivien-Salatkopf vorbereiten. Die äußeren, oft sehr grünen Blätter entfernen (diese können sehr bitter sein). Den restlichen Kopf halbieren, den Strunk herausschneiden und die Blätter in feine Streifen schneiden (ca. 0,5 - 1 cm breit). Den Salat gründlich unter fließendem Wasser waschen und gut abtropfen lassen oder trockenschleudern.
- Das Anmachen des Salats: Die trockenen Salatstreifen in einer Schüssel mit einem Esslöffel Öl (z.B. Raps- oder Sonnenblumenöl) und einem Esslöffel Essig (z.B. Weißweinessig oder mildem Branntweinessig) vermengen. Mit Salz und Pfeffer würzen und gut durchmischen.
- Das Unterheben: Nun die angemachten Salatstreifen zum heißen Kartoffelstampf geben und vorsichtig mit einem Löffel oder Spatel unterheben, bis der Salat gleichmäßig verteilt ist. Nicht zu lange rühren, da der Salat sonst matschig wird. Die Hitze der Kartoffeln lässt den Salat leicht zusammenfallen.
- Die Begleiter zubereiten: Während die Kartoffeln kochen, können die Begleiter vorbereitet werden.
Zubereitung der Blutwurst: Blutwurst in ca. 1-1,5 cm dicke Scheiben schneiden. In einer Pfanne etwas Fett erhitzen und die Wurstscheiben bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun und knusprig braten. Das dauert pro Seite nur wenige Minuten.
Zubereitung der Frikadellen: Für ca. 4-6 Frikadellen 500 Gramm gemischtes Hackfleisch in eine Schüssel geben. Eine Zwiebel sehr fein würfeln und zum Hackfleisch geben. Ein Ei hinzufügen. Ein Brötchen vom Vortag in lauwarmem Wasser oder Milch einweichen, gut ausdrücken und ebenfalls zum Hackfleisch geben. Die Masse kräftig mit Salz, Pfeffer und nach Belieben mit Majoran oder anderen Gewürzen würzen. Alles gut vermengen und mit den Händen zu Frikadellen formen. Die Frikadellen in Semmelbröseln wenden, sodass sie vollständig paniert sind. In einer Pfanne reichlich Öl oder Butterschmalz erhitzen und die Frikadellen bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun braten, bis sie durchgegart sind (ca. 8-10 Minuten insgesamt, je nach Dicke).
Zubereitung gerösteter Zwiebeln: Zwiebeln schälen und in Ringe oder Halbringe schneiden. In einer Pfanne etwas Öl erhitzen und die Zwiebeln bei mittlerer Hitze langsam goldbraun braten, dabei gelegentlich umrühren. Sie sollten weich und süß werden und am Ende leicht karamellisiert sein.

Das Servieren: Den Endivien untereinander auf Tellern anrichten. Die gebratene Blutwurst oder die panierten Frikadellen daneben legen. Mit den gerösteten Zwiebeln bestreuen. Wer möchte, gibt noch einen Klecks Rübenkraut oder Apfelmus dazu.
Endivien untereinander in der Duisburger Gastronomie
Während Endivien untereinander ein klassisches Hausmannskostgericht ist, findet man es auch in einigen traditionellen Gaststätten und Brauhäusern in Duisburg und Umgebung. Diese Lokale pflegen oft die regionale Küche und bieten solche deftigen Gerichte an, die bei Einheimischen und Besuchern gleichermaßen beliebt sind. Es lohnt sich, in älteren, urigen Gaststätten nach diesem Gericht Ausschau zu halten, besonders während der Saison für Endiviensalat im Herbst und Winter. Die Zubereitung kann von Haus zu Haus oder von Restaurant zu Restaurant leicht variieren, insbesondere bei den Gewürzen oder der Menge an Butter und Milch im Püree, aber das Grundprinzip bleibt dasselbe.
Die kulinarische Szene in Duisburg im Wandel
Wie in vielen Städten unterliegt auch die Gastronomieszene in Duisburg einem stetigen Wandel. Neue Restaurants mit internationalen Küchen eröffnen, während traditionelle Lokale manchmal schließen. Dies ist ein natürlicher Prozess, der das Stadtbild und das kulinarische Angebot verändert. Kürzlich wurde beispielsweise bekannt, dass das griechische Restaurant „Athos“ in Duisburg nach fast vier Jahrzehnten seine Türen schließt. Solche Schließungen langjähriger Betriebe sind oft bedauerlich für die Stammgäste und tragen zum Wandel der lokalen Gastronomielandschaft bei. Sie zeigen aber auch, dass sich das Angebot ständig an neue Gegebenheiten und Geschmäcker anpassen muss. Dennoch bleibt die Liebe zur traditionellen, gutbürgerlichen Küche bei vielen Duisburgern bestehen, und Gerichte wie Endivien untereinander werden weiterhin in den Familien oder in den verbleibenden traditionellen Lokalen gepflegt.
Warum Endivien untereinander probieren?
Wer die authentische Küche des Ruhrgebiets kennenlernen möchte, kommt an Endivien untereinander kaum vorbei. Es ist ein Gericht, das Wärme von innen spendet, satt macht und den Geschmack der Region auf ehrliche Weise widerspiegelt. Es ist Hausmannskost im besten Sinne – unkompliziert, nahrhaft und voller Geschmack. Die Kombination aus cremigem Kartoffelstampf, leicht bitterem Salat, herzhafter Wurst oder Frikadelle, süßlichen Zwiebeln und der Note von Rübenkraut bietet ein komplexes, aber harmonisches Geschmackserlebnis. Es ist ein Stück kulinarisches Erbe, das es wert ist, entdeckt und genossen zu werden.
Häufig gestellte Fragen zu Endivien untereinander
- Was ist der Unterschied zwischen Endivien untereinander und anderen Kartoffelstampf-Gerichten?
- Der Hauptunterschied liegt in der Zugabe von rohem Endiviensalat. Bei anderen Stampfgerichten wie Himmel und Erde (Kartoffelpüree mit Apfelmus und Blutwurst) oder Grünkohl mit Pinkel werden andere Gemüse oder Zutaten verwendet und oft mitgekocht. Beim Endivien untereinander wird der Salat roh untergehoben, was ihm eine besondere Frische und leicht herbe Note verleiht.
- Kann ich auch anderen Salat verwenden?
- Traditionell wird Endiviensalat verwendet. Sein leicht bitterer Geschmack ist charakteristisch für das Gericht. Theoretisch könnte man auch anderen zarten, leicht bitteren Salat verwenden, aber das Ergebnis wäre nicht mehr das klassische Endivien untereinander.
- Muss es unbedingt Blutwurst oder Frikadellen sein?
- Blutwurst und Frikadellen sind die klassischen Begleiter. Manchmal wird auch gebratener Speck oder Mettwurst dazu serviert. Vegetarische Varianten sind unüblich für das traditionelle Gericht, aber man könnte es natürlich auch ohne Fleischbeilage genießen.
- Warum wird der Salat roh untergehoben?
- Der Salat wird roh unter das heiße Püree gehoben, damit er einerseits leicht erwärmt wird und zusammenfällt, aber andererseits seine Struktur und seinen leicht herben Geschmack behält. Würde man ihn mitkochen, würde er matschig werden und viel von seinem Aroma verlieren.
- Ist Endivien untereinander ein reines Wintergericht?
- Es ist besonders in den kälteren Monaten beliebt, da es sehr nahrhaft und wärmend ist. Endiviensalat hat typischerweise im Herbst und Winter Saison, was ebenfalls zur Tradition als Wintergericht beiträgt.
- Woher kommt der Name „untereinander“?
- Der Name beschreibt den Vorgang, bei dem der Endiviensalat unter das Kartoffelpüree gehoben und damit vermengt wird. Es ist eine typisch rheinische/niederländische Bezeichnung für solche Stampfgerichte, bei denen verschiedene Zutaten miteinander vermischt werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Endivien untereinander ein echtes Stück Duisburg und Ruhrgebiet auf dem Teller ist. Ein Gericht, das von einfachen Zutaten lebt, aber reich an Geschmack und Tradition ist. Es ist ein Muss für jeden, der die authentische, herzhafte Küche der Region erleben möchte.
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