Wie viel kostet es auf der Reeperbahn?

Der Kiez und die Reeperbahn: Eine Begriffsklärung

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Oft hört man die Begriffe „Kiez“ und „Reeperbahn“ im Zusammenhang mit Hamburg, speziell mit dem Stadtteil St. Pauli. Viele fragen sich, ob das dasselbe ist oder wo der Unterschied liegt. Die Antwort ist vielschichtig, denn der Begriff „Kiez“ hat eine lange und bewegte Geschichte und bezeichnet heute sehr unterschiedliche Dinge, während die Reeperbahn ein sehr spezifischer Ort ist, der allerdings in einem bestimmten Kontext als „Kiez“ bezeichnet wird.

Was ist der Unterschied zwischen Reeperbahn und Kiez?
In Hamburg wird das Vergnügungsviertel rund um die Reeperbahn mit den umliegenden Straßen wie dem Hans-Albers-Platz, der Großen Freiheit, dem Hamburger Berg, der David-, Tal- oder der Herbertstraße als „Kiez“ bezeichnet. Der Begriff hat darum für Hamburger die Bedeutung Rotlichtviertel.

Um die Beziehung zwischen der Reeperbahn und dem Kiez zu verstehen, muss man zunächst die Herkunft und Entwicklung des Wortes „Kiez“ betrachten. Dieses Wort stammt ursprünglich von der Bezeichnung „Kietz“ ab, die im Mittelalter für bestimmte Siedlungen im Nordosten Deutschlands verwendet wurde. Dabei handelte es sich um sogenannte Dienstsiedlungen. Diese Siedlungen, deren Bewohner anfänglich oft slawischer Herkunft waren, lagen meist in unmittelbarer Nähe einer deutschen Burg und waren zu bestimmten Dienstleistungen für diese Burg verpflichtet. Eine häufige Verpflichtung war die Abgabe von Fisch, was darauf hindeutet, dass diese Kietze oft als Fischersiedlungen an Flussübergängen angelegt wurden.

Diese ursprünglichen, „echten“ Kietze findet man historisch nur östlich der Elbe. Ein Beispiel hierfür ist der Kietz in Berlin-Köpenick. Die genaue Herkunft des Begriffs „Kietz“ oder „Kiez“ ist dabei bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine lange Zeit verbreitete Theorie nahm einen slawischen Ursprung an, abgeleitet von „chyza“, was so viel wie „Hütte“ oder „Haus“ bedeutet. Neuere etymologische Forschungen tendieren jedoch eher zu einem germanischen Ursprung, beispielsweise von Wörtern wie „Kober“ (Tragekorb) oder „Kote“ (Hütte).

Auch lange nach der slawischen Besiedlung blieben viele dieser Kietze als eigenständige Strukturen erhalten. Einige von ihnen konnten ihre administrative Eigenständigkeit sogar bis ins 19. oder sogar 20. Jahrhundert bewahren, obwohl sie sich in unmittelbarer Nähe zum Zentrum einer Stadt befanden. Heute erinnern vielerorts, besonders in Nordostdeutschland, Orts- und Straßennamen an die Existenz dieser historischen Kietze. Gelegentlich sind sogar noch Spuren dieser Siedlungen im heutigen Ortsbild zu finden.

Im Laufe der Zeit wandelte sich die Bedeutung des Begriffs „Kiez“. Später wurde die Bezeichnung auch mit einer eher abwertenden Absicht für bestimmte abgelegene Siedlungen verwendet. Meyers Großes Konversations-Lexikon aus dem Jahr 1905 beschreibt dies treffend: „[…] da die Kietzer an Bildung, Wohlstand und Rechten den deutschen Städtern nachstanden, so erhielt der Name K[ietz] einen spöttischen Beigeschmack, und noch heute werden dürftige und entlegene Vorstadtgegenden scherzweise K[ietz] genannt.“

Eine weitere, für unsere Frage zentrale Bedeutung, die der Begriff teilweise annahm, ist die Verbindung mit Prostitution und dem damit verbundenen Umfeld. Bereits 1921 erschien das Lied „Mignon vom Kiez“, was diese Assoziation belegt. Genau in diesem Sinne wird der Begriff „Kiez“ bis heute für das berühmte Hamburger AmüsierviertelSt. Pauli verwendet. Insbesondere die Reeperbahn und die umliegenden Straßen sind mit dieser Bedeutung des Wortes „Kiez“ untrennbar verbunden.

Wenn man in Hamburg davon spricht, „auf dem Kiez zu sein“, kann dies verschiedene Dinge bedeuten. Einerseits kann es eine Umschreibung für den Besuch einer Prostituierten sein, was die Verbindung des Begriffs zum Rotlichtmilieu unterstreicht. Andererseits bezeichnet die Wendung umgangssprachlich auch neutral jede andere Form des Aufenthalts in St. Pauli, sei es der Besuch eines Restaurants, einer Bar oder einfach nur das Wohnen in diesem Stadtteil. Aussagen wie „Ich wohne auf St. Pauli“ oder „Der Dom (ein Volksfest) ist auf St. Pauli“ zeigen, dass der Begriff „Kiez“ hier auch eine breitere Bedeutung als Synonym für den Stadtteil hat, was oft für eine beabsichtigte Doppeldeutigkeit sorgt. Im Zusammenhang mit dem Rotlichtviertel existiert auch der Begriff „Kiezgröße“ als Bezeichnung für einflussreiche Personen in diesem Milieu.

Hamburg ist jedoch nicht die einzige Stadt, in der „Kiez“ diese spezielle Bedeutung als Amüsierviertel hat. Auch in Hannover werden einige Straßen, die eine ähnliche Mischung aus Rotlicht- und Ausgehviertel aufweisen, als Kiez bezeichnet.

Interessanterweise wurde der Begriff „Kiez“ auch in der Zeit des Nationalsozialismus in einem spezifischen Kontext verwendet. Nationalsozialistische Schriften aus den 1930er Jahren verwiesen darauf, dass ein Kiez in Berlin „in der Kampfzeit“ vor 1933 ein „Ort mit ausgesprochen kommunistischer Bevölkerung“ war. Beispiele hierfür waren der Fischer-, Alexander-, Beussel-, Nostitz-, Rostocker oder Soldiner Kiez in Berlin, sowie der Kaiserkiez (Kaiserplatz) in Berlin Lichterfelde Ost. Der Historiker Herbert Ludat behandelte in seiner Arbeit über die ostdeutschen Kietze am Rande auch diese damals als Kietz oder Kiez bezeichneten Berliner Wohngebiete. Der Fischerkietz in Berlin-Mitte, bekannt geworden durch das Wirken von Horst Wessel, war für ihn ein fester Begriff, der „geradezu als Musterbeispiel für moderne und gerade erst im Entstehen begriffene Kietz-Benennungen gelten können“. Er erwähnte auch die „höhnende und absprechende Bezeichnung ‚Beamtenkietz‘“ für das Bötzowviertel und weitere Beispiele für Berliner Kietze, die für ihn aber weniger bedeutend oder neueren Ursprungs waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Begriff „Kiez“ in Berlin erneut weiter und nahm eine eher positive Bedeutung an. Er wurde zu einem positiv besetzten Appellativum für ein kleines, überschaubares Wohngebiet. Vergleichbar mit dem Wiener „Grätzl“ oder dem Kölner „Veedel“, bezieht sich der Berliner Kiez oft auf Gebiete mit gewisser Altbausubstanz und deren Bewohner. Dabei steht weniger die administrative Abgrenzung im Vordergrund, sondern vielmehr die Rolle des Viertels oder Quartiers als soziales Bezugssystem und als Ort mit starkem Nachbarschaftsgefühl.

Ein moderner Berliner Kiez zeichnet sich oft dadurch aus, dass die Bewohner dort eine abgeschlossene urbane Infrastruktur vorfinden. Das bedeutet, dass es in ihrem Kiez alle notwendigen Läden für den täglichen Bedarf, gemütliche Cafés, Restaurants und Kneipen gibt. Dies führt zu der in Berlin oft gehörten Wendung: „Der kommt aus seinem Kiez nicht raus.“ Diese Aussage bedeutet, dass jemand seine unmittelbare Wohnumgebung kaum verlässt, weil er dort schlichtweg alles findet, was er für seinen Alltag braucht. Die Anwohner bleiben weitestgehend unter sich, und Geschäfte siedeln sich fast ausschließlich für die dort ansässigen Bewohner an, im Gegensatz zu großen Einkaufszentren, die auf Laufkundschaft von außerhalb ausgerichtet sind.

Vor allem seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts sind Bezeichnungen mit dem Suffix „-kiez“ (oft angehängt an den Namen einer prägenden Straße oder eines zentralen Platzes, wie zum Beispiel „Helmholtz-Kiez“ oder „Kollwitz-Kiez“ in Berlin) auch als Eigennamen bestimmter Gebiete populär geworden. Dabei ist die Bezeichnung „Kiez“ mittlerweile nicht mehr nur auf Altbaugebiete beschränkt. Sie wird nun auch für Neubaugebiete oder sogar Einzelhaussiedlungen verwendet. Von manchen Immobilienunternehmen wird der Begriff „Kiez“ sogar bewusst als werbende Bezeichnung für Neubauprojekte eingesetzt, um diesen ein besonderes, gemeinschaftliches Flair zu verleihen und das Gefühl eines etablierten Nachbarschaftsgefühls zu vermitteln, obwohl es sich um neu entstandene Gebiete handelt.

Die Verwendung des Begriffs „Kiez“ hat sich inzwischen auch weit über seine ursprüngliche Herkunftsregion, die Germania Slavica östlich der Elbe, hinaus verbreitet. Heute wird der Begriff auch im Süden Deutschlands verwendet. So bezeichnet beispielsweise das Amt für Soziale Arbeit der Stadt Wiesbaden in einer Broschüre eine Siedlung im Stadtteil Biebrich als „Kiez“. Die Stadt München wirbt im Zusammenhang mit ihrer Veranstaltung „Lange Nacht der Musik“ mit dem Begriff „Heimatkiez“, um das lokale und vertraute Gefühl der Veranstaltung in den verschiedenen Stadtteilen zu betonen. Ähnliche Verwendungen des Begriffs gibt es auch in Augsburg.

Bedeutungen des Begriffs "Kiez" im Überblick

Epoche / KontextBedeutungBeispiele / Merkmale
Mittelalter (Ursprung)Slawische DienstsiedlungenIn der Nähe von Burgen, oft Fischer, östlich der Elbe, z.B. Kietz in Berlin-Köpenick.
Später (abwertend)Dürftige, entlegene VorstadtgegendSpöttischer Beigeschmack, geringere Bildung/Wohlstand/Rechte.
Frühes 20. Jh. / Heute (spezifisch)Amüsierviertel / RotlichtviertelPrimär Hamburg (St. Pauli, Reeperbahn), auch Hannover. Umgangssprachliche Doppeldeutigkeit ("auf dem Kiez sein").
1930er Jahre (spezifisch)Gebiet mit kommunistischer Bevölkerung (Berlin)Beispiele in Berlin (Fischerkietz, Soldiner Kiez).
Nach 1945 (Berlin & später)Überschaubarer Wohnbereich / NachbarschaftsgefühlPositive Konnotation, lokale Infrastruktur, soziales Bezugssystem, Altbau/Neubau, z.B. Bötzowviertel, Kaiserplatz. Verbreitung auch nach Süddeutschland.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist die Reeperbahn das Gleiche wie "der Kiez"?

Nicht ganz. Die Reeperbahn ist eine sehr bekannte Straße im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Dieser Stadtteil wird oft als "der Kiez" bezeichnet, insbesondere im Sinne des Amüsierviertels und Rotlichtbereichs. Die Reeperbahn ist also ein berühmtes Beispiel für diese spezifische Bedeutung von "Kiez", aber der Begriff "Kiez" hat, wie wir gesehen haben, viele andere Bedeutungen und Ursprünge.

Sind alle "Kietze" Rotlichtviertel?

Absolut nicht. Diese Bedeutung ist nur eine von vielen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hat, vor allem im Zusammenhang mit Hamburg und Hannover. Ursprünglich waren Kietze Dienstsiedlungen, und heute bezeichnet der Begriff in Berlin und anderen Städten oft einfach einen überschaubaren Wohnbereich mit starkem Nachbarschaftsgefühl und lokaler Infrastruktur.

Woher stammt das Wort "Kiez"?

Die genaue Herkunft ist unklar. Lange wurde ein slawischer Ursprung vermutet (z.B. von 'chyza' für Hütte), aber neuere Theorien favorisieren einen germanischen Ursprung (z.B. von 'Kober' oder 'Kote'). Die ursprünglichen Kietze waren Dienstsiedlungen östlich der Elbe.

Gibt es "Kietze" nur im Osten Deutschlands?

Die ursprünglichen, mittelalterlichen Dienstsiedlungen gab es nur östlich der Elbe. Der moderne Gebrauch des Wortes "Kiez" für Wohngebiete oder als Teil von Ortsnamen hat sich jedoch ausgebreitet. Heute findet man den Begriff nicht nur in Berlin oder Hamburg, sondern auch in Städten in Süddeutschland wie Wiesbaden oder München, oft im Sinne eines lokalen Wohngebiets oder zur Bezeichnung von Veranstaltungen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Reeperbahn ein sehr spezifischer Ort ist – eine berühmte Straße in Hamburg St. Pauli –, während „Kiez“ ein Begriff mit einer langen und vielfältigen Geschichte ist. Er bezeichnete ursprünglich mittelalterliche Dienstsiedlungen, nahm später abwertende Bedeutungen an und wurde zum Synonym für Amüsierviertel (wie in Hamburg mit der Reeperbahn als Herzstück). In Berlin und zunehmend auch in anderen Teilen Deutschlands steht „Kiez“ heute oft für ein positives Nachbarschaftsgefühl und einen überschaubaren Wohnbereich mit eigener Infrastruktur. Die Reeperbahn ist also ein prominentes Beispiel für *eine* spezifische, historisch gewachsene Bedeutung des Wortes „Kiez“, aber der Begriff selbst ist viel älter, breiter und regional unterschiedlich besetzt.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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