Wann ist Weihnachtsmarkt im Schloss Raesfeld?

Schloss Raesfeld: Geschichte, Besitzer & mehr

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Schloss Raesfeld, im Volksmund oft als Raasfeld bezeichnet, bedarf keiner langen Suche. Schon von weitem grüßt sein imposanter Turm, dessen dreistufiger, von grüner Patina überzogener Helm als der eindrucksvollste unter den westfälischen Wasserburgen gilt. Ein Kunstgeschichtler beschrieb ihn einst treffend als „Ein zu Stein gewordener Trompetenstoß“. Doch hinter dieser markanten Silhouette verbirgt sich eine Geschichte, die Jahrhunderte umspannt und von Rittern, Grafen, Kriegen, Verfall und Wiederaufbau erzählt.

Wem gehört Schloss Raesfeld?
Das Schloß ist heute Eigentum der Handwerkerorganisationen von Nordrhein-Westfalen. Die Hauptburg ist Sitz der "Akademie des Handwerks", die Fach- und Führungskräfte des Handwerks weiterbildet.

Die Ursprünge der Burg reichen über 800 Jahre zurück. Erste urkundliche Erwähnungen zwischen 1166 und 1173 nennen den Edelherrn Rabodo von dem Berge vom Niederrhein als ersten Besitzer. Dieser ließ die ersten Steine für eine feste Burg in einem nassen Sumpf legen, während andere seiner Standesgenossen zum Zweiten Kreuzzug aufbrachen. Einige Jahre später errichtete dieser gottesfürchtige Ritter östlich seiner Burg, dort, wo drei Fuhrwege aufeinander trafen, eine Kirche. Um diese Kirche herum entstand im Laufe der Jahrhunderte das Dorf Raesfeld. Der Name selbst, „Hrothusfeld“, was „gerodetes Feld“ bedeutet, tauchte bereits 889 in einer Abgabenliste des Klosters Werden auf und zeugt von der frühen Besiedlung der Region.

Vom Rittersitz zum Zankapfel

Adam von dem Berge, ein Enkel Rabodos, verkaufte die Burg 1259 an den Ritter Simon von Gemen, der sich fortan „von Rasvelde“ nannte. Seine Nachfahren bewohnten die Stammburg für 300 Jahre. Unter ihnen gab es Ritter von unterschiedlichem Ruf. Bytter von Raesfeld kämpfte Ende des 14. Jahrhunderts mit 25 Kriegsknechten für die Stadt Dortmund. Nach seinem Tod um 1410 hinterließ er seinen vier Söhnen vier Burgen.

Ein besonders gefürchteter Name war Johann von Raesfeld. Der Fürstbischof von Münster nannte ihn einen Straßenräuber. Ein Zeitgenosse beschrieb seine Machenschaften drastisch: „Er schinderte die Straße und nahm viel Gut den Kaufleuten, ihr Gewand und Geld und ihre Taschen, und förderte es auf sein Haus!“ Das Ende dieses berüchtigten Burgherrn kam im Sommer 1551 jäh, als ihn eine aus der Wand brechende Eisenstange tödlich traf.

Nach seinem Tod heiratete die Witwe einen anderen Burgherrn, den Drosten von der Twente, und zog mit ihrem Sohn zum Kastell Twickel. Der junge Erbe, Johann von Raesfeld, starb 1559 während seines Studiums. Noch bevor die Nachricht Raesfeld erreichte, besetzte sein Stiefvater mit Kriegsknechten die verwaiste Burg. Dies führte zu einem langen und kostspieligen Rechtsstreit mit dem erbberechtigten Herrn von Velen. Erst nach vielen Jahren und dem Einsatz erheblicher Geldsummen entschied das Reichskammergericht in Speyer zugunsten der Familie von Velen. Hermann von Velen überließ 1595 das Raesfelder Erbe seinem jüngsten Sohn Alexander (I.).

Die Ära der Grafen von Velen und der prachtvolle Ausbau

Alexander (I.) von Velen verfolgte eine Karriere als Diplomat und Soldat im Dienste des Fürstbischofs von Münster und des Kaisers. Er kämpfte in Ungarn gegen die Türken und stieg zum kaiserlichen Obristen auf, bevor er 1630 starb. Er wurde in der Raesfelder Pfarrkirche beigesetzt.

Sein Sohn, der Reichsgraf Alexander II. von Velen (1599-1675), wurde zum bedeutendsten Bauherrn des Schlosses. Er war ein überaus erfolgreicher Heerführer in der kaiserlichen Liga während des Dreißigjährigen Krieges und gelangte so nicht nur zu Ruhm und Ehre, sondern auch zu erheblichem Reichtum. Während in Münster über den Westfälischen Frieden verhandelt wurde, verwandelte sich die Burgfreiheit in Raesfeld in eine riesige Baustelle. Die alte, im Krieg beschädigte Burg sollte zu einem prächtigen Residenzschloss umgebaut werden. Alexander II. plante eine Anlage mit vier turm- und giebelverzierten Bauten. Die Pläne dazu entwarf der Kapuzinermönch Michael van Gent in einem Münsteraner Kloster.

Alexander II. verfolgte die ehrgeizige Vision, Raesfeld zum Mittelpunkt eines eigenen Fürstentums zu machen. Neben der Herrschaft Raesfeld erwarb er weitere Besitzungen, darunter die reichsunmittelbare Herrschaft Bretzenheim, die ihm Sitz und Stimme im Reichstag sicherte. Das Schloss wurde zu einem Zentrum höfischen Lebens. Alexander II. empfing hier hochrangige Gäste wie den Bischof von Straßburg, den Kurfürsten von Brandenburg und regelmäßig den Landesherrn, Fürstbischof Christoph-Bernhard von Gahlen, zu Jagdveranstaltungen.

Der Bauherr von Velen war auch ein Mann mit besonderen Interessen. Am Sterndeuterturm der Vorburg ließ er eine Balustrade anbringen, von der aus er seinen astrologischen Studien nachging und den nächtlichen Sternenhimmel beobachtete.

Ein besonderer Ort im Schloss ist die Schloßkapelle von 1648 mit ihrem schönen Barockaltar. In der Totengruft unter dem Chor wurde 1962 das „bleierne Herz“ Christoph-Otto von Velens gefunden. Er war der letzte Schloßherr aus der Familie Velen und verstarb 1733 in Brüssel.

Wem gehört Schloss Raesfeld?
Das Schloß ist heute Eigentum der Handwerkerorganisationen von Nordrhein-Westfalen. Die Hauptburg ist Sitz der "Akademie des Handwerks", die Fach- und Führungskräfte des Handwerks weiterbildet.

Das Schloss vereint verschiedene Bauelemente aus seiner langen Geschichte. Von den schlichten Schießscharten der ursprünglichen Rabadoburg bis zum hervorstechenden Renaissance-Erker von 1561 und barocken Elementen wie der Löwenmaske am Westflügel der Hauptburg – die Architektur erzählt die Geschichte der Umbauten und Erweiterungen.

Niedergang und Wandel

Mit dem Tod Alexanders II. von Velen im Jahr 1675 begann der Niedergang des Geschlechts von Velen auf Schloss Raesfeld. Sein Sohn Ferdinand-Gottfried übernahm ein Erbe, das er durch Verkäufe bereits zu Lebzeiten des Vaters geschmälert hatte. Der Glanz der großen Zeit verblasste, und der Reichtum schwand durch den verschwenderischen Lebensstil des neuen Schloßherrn.

Seine Söhne Alexander-Otto und Christoph-Otto traten in den Heeresdienst. Nach dem Tod Alexander-Ottos im Jahr 1727 brach ein Familienstreit um das Erbe aus. Christoph-Otto, ebenfalls mit einer glänzenden Militärkarriere, übernahm Schloss und Herrschaft. Doch nur sechs Jahre war der unvermählte und kinderlose Christoph-Otto Herr auf Raesfeld.

Das Jahr 1733 war ein Schicksalsjahr für die Familie. Christoph-Otto, sein Neffe Alexander IV. und dessen Erbsohn Alexander-Otto-Carolus starben. Mit dem Tod dieser Männer erlosch die männliche Linie des Geschlechts von Velen zu Raesfeld.

Danach kehrte Stille in der Schloßfreiheit ein. Das verwaiste Schloss geriet in Verfall. 1822 ging es in den Besitz des Freiherrn von Landsberg-Velen über und wurde zu einem Bauernhof. Der verwilderte Park wurde zu Ackerland, der Wall füllte die versumpfte Gräfte, und baufällige Teile wie die Harnischkammer und das Torhaus wurden abgerissen. Im Rittersaal, wo einst die Göttergestalten auf Zedernholz gemalt waren, lagerte nun Korngut. Statt Fürsten und Gesandtschaften kamen nur noch polnische Landarbeiter zur Erntezeit.

Im Frühjahr 1945 wurde das Schloss Hauptverbandsplatz und erlitt durch Granaten und Bomben weitere Schäden. In der Not der Nachkriegsjahre diente es als Notunterkunft für Ostvertriebene und Schulklassen.

Die Rettung und heutige Nutzung

Eine entscheidende Wende kam 1942, als das Schloss von den Handwerkskammern erworben wurde. Nach dem Krieg begannen in den fünfziger Jahren umfangreiche Restaurierungsarbeiten, um die Anlage zu retten und einer neuen Nutzung zuzuführen.

Heute ist das Schloss im Eigentum der Handwerkerorganisationen von Nordrhein-Westfalen und dient als bedeutendes Bildungszentrum. Die Hauptburg beherbergt die Akademie des Handwerks, die Fach- und Führungskräfte weiterbildet. In der Vorburg, wo früher Hofrat und Hofmeister residierten, befindet sich heute das Fortbildungszentrum für handwerkliche Denkmalpflege. Hier erlernen Meister und Gesellen alte Handwerkstechniken, die für die Restaurierung historischer Bauten unerlässlich sind.

Neben der Bildungsarbeit ist Schloss Raesfeld auch ein wichtiger kultureller Anziehungspunkt. Der 1956 gegründete Kulturkreis Schloß Raesfeld e.V. veranstaltet im Rittersaal Konzerte und literarische Events, die dem einstigen Prunksaal, der zwischenzeitlich als Kornkammer diente, wieder festlichen Glanz verleihen.

Wichtige Stationen der Schlossgeschichte im Überblick

Jahr/ZeitraumEreignis / Besitzer
ca. 1166-1173Erste Erwähnung, Bau unter Rabodo von dem Berge
1259Verkauf an Simon von Gemen (Familie von Raesfeld)
1551Tod Johann von Raesfeld
Ende 16. Jh.Rechtsstreit, Besitz geht an Familie von Velen
1630-1675Bau des Residenzschlosses unter Alexander II. von Velen
1733Aussterben der männlichen Linie der Velens zu Raesfeld
1822Besitzübergang an Freiherr von Landsberg-Velen, Nutzung als Bauernhof
1942Erwerb durch die Handwerkskammern
seit 1950er JahrenRestaurierung und Nutzung als Bildungszentrum

Was kann man heute am Schloss Raesfeld erleben?

Schloss Raesfeld ist nicht nur ein Ort der Geschichte und Bildung, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel. Man kann die beeindruckende äußere Anlage mit dem markanten Turm und der Vorburg besichtigen. Der Tiergarten rund um das Schloss lädt zu Spaziergängen ein. Die Akademie und das Fortbildungszentrum bieten Einblicke in ihre Arbeit, oft im Rahmen von Veranstaltungen oder Tagen der offenen Tür.

Was kann man am Schloss Raesfeld machen?
AKTIVITÄTEN IN DER NÄHE VON SCHLOSS RAESFELD‎Schlösser. Wasserschloß Raesfeld. 2 Bewertungen. ...Historische Stätten. St. ...Fluchtspiele. Geheimdepot Dorsten. ...Geschenk- & Spezialgeschäfte. Stilvoll Raesfeld. ...Historische Stätten. Femeiche. ...Spezialmuseen. Lwl-museum Textilwerk. ...Gewässer. Aasee Bocholt. ...Zoos. Wildpark Frankenhof.

Der Kulturkreis bereichert das Angebot mit Konzerten, Lesungen und anderen kulturellen Veranstaltungen im historischen Rittersaal.

Ein besonderes Highlight im Jahreskalender ist der Adventsmarkt.

Informationen zum Adventsmarkt

Der Adventsmarkt auf Schloss Raesfeld zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Für den Besuch benötigt man Eintrittspins oder -karten. Im Vorverkauf sind Pins erhältlich, die an allen Markttagen gültig sind. Diese können bei verschiedenen Vorverkaufsstellen in Raesfeld und Erle erworben werden. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre haben freien Eintritt. Personen mit Behinderung und ihre Begleitperson erhalten ermäßigten Eintritt. Nach Ende des Vorverkaufs sind Tageskarten an der Kasse erhältlich, die zum einmaligen Eintritt berechtigen.

Häufig gestellte Fragen zu Schloss Raesfeld

Wem gehört Schloss Raesfeld heute?

Schloss Raesfeld gehört heute den Handwerkerorganisationen von Nordrhein-Westfalen. Es wurde 1942 von den Handwerkskammern erworben und dient seit den 1950er Jahren als Bildungszentrum.

Was ist die Akademie des Handwerks?

Die Akademie des Handwerks hat ihren Sitz in der Hauptburg von Schloss Raesfeld. Sie bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte des Handwerks an.

Welche Nutzung hat die Vorburg?

In der Vorburg befindet sich das Fortbildungszentrum für handwerkliche Denkmalpflege. Hier werden traditionelle Handwerkstechniken gelehrt, die für die Restaurierung historischer Gebäude wichtig sind.

Gibt es öffentliche Veranstaltungen im Schloss?

Ja, der Kulturkreis Schloß Raesfeld e.V. veranstaltet regelmäßig Konzerte und literarische Events im Rittersaal. Zudem findet jährlich ein Adventsmarkt statt.

Kann man das Schloss besichtigen?

Das Schloss dient primär als Bildungszentrum. Eine Besichtigung der Innenräume ist in der Regel im Rahmen von Veranstaltungen des Kulturkreises oder spezieller Führungen möglich. Die Außenanlage und der Tiergarten sind öffentlich zugänglich.

Schloss Raesfeld ist somit weit mehr als nur eine historische Wasserburg. Es ist ein lebendiger Ort, der Geschichte, Architektur, Bildung und Kultur auf einzigartige Weise vereint und dessen markanter Turm auch heute noch wie ein „Trompetenstoß“ aus der münsterländischen Parklandschaft ragt.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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