Der Alexanderplatz in Berlin, liebevoll von seinen Bewohnern „Alex“ genannt, ist weit mehr als nur ein großer Platz. Er ist ein Spiegelbild der deutschen Geschichte, ein zentraler Verkehrsknotenpunkt und ein Ort ständigen Wandels. Seine heutige Erscheinung ist das Ergebnis einer langen und oft turbulenten Entwicklung, geprägt von mittelalterlichen Anfängen, preußischem Glanz, den Wirren zweier Weltkriege und der sozialistischen Stadtplanung der DDR.

Von der Vorstadt zum Königsplatz: Die frühen Jahre
Die Geschichte des Alexanderplatzes reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als unweit des heutigen Areals das Spital Heiliger Georg entstand. Dieses gab dem Georgentor in der Berliner Stadtmauer seinen Namen. Die Fläche davor war zunächst kaum bebaut, ein Ort, der wegen eines nahegelegenen Galgens auch „Teufels Lustgarten“ genannt wurde. Hier liefen wichtige Handelsstraßen aus dem Norden und Nordosten zusammen, was dem Platz, der damals einfach „Platz vor dem Stadttor“ hieß, schon früh Bedeutung verlieh.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde Berlin zur Festung ausgebaut. Der Festungsring, geplant von Johann Gregor Memhardt, beeinflusste die ungewöhnliche Form des Platzes. Außerhalb des Georgentors etablierte sich schnell ein Viehmarkt, was dem Ort die Namen Ochsenmarkt oder Ochsenplatz einbrachte. Dies führte zur Entstehung einer Vorstadt, der Georgenvorstadt, die planlos wuchs. Ende des 17. Jahrhunderts lebten hier bereits zahlreiche Handwerker wie Schlächter und Viehmeister.
Das Georgentor selbst war ein Turmgebäude, das nicht nur von Wächtern genutzt wurde, sondern auch das Stadtgefängnis beherbergte. Eine Zugbrücke führte über den Festungsgraben. In der Nähe befanden sich die Georgenkapelle, ein Hospital und ein Waisenhaus.
Königstor und die Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert
Ein entscheidendes Ereignis war der Einzug des preußischen Königs Friedrich I. durch das Georgentor im Jahr 1701 nach seiner Krönung. Daraufhin wurde das Tor in Königstor und der Platz in Königs Thor Platz umbenannt. Die Georgenvorstadt hieß fortan Königsvorstadt. Mit dem Bau der Berliner Zollmauer 1734 verlor das Tor an Bedeutung und wurde 1746 abgetragen. Die Königsvorstadt entwickelte sich mit unregelmäßigen Blöcken und beherbergte Manufakturen und ein Arbeitshaus.
Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden wichtige Bauwerke am Platz. Zwischen 1771 und 1777 wurden die Königsbrücke mit den Königskolonnaden errichtet. Von 1783 bis 1784 baute Georg Christian Unger Gebäude rund um den Platz, darunter den berühmten Gasthof zum Hirschen. Der Alte Fritz ließ auf der Fläche neben dem Platz eine Reit- und Exerzierhalle errichten, die zusammen mit einem Paradeplatz fast 150 Jahre lang das Gebiet prägte. Bei archäologischen Grabungen im Jahr 2019 wurden Fundamentreste dieser Halle sowie Teile des ehemaligen Friedhofs freigelegt.
Am 25. Oktober 1805 wurde der russische Zar Alexander I. auf dem Paradeplatz empfangen. Zu Ehren dieses Besuchs erließ König Friedrich Wilhelm III. am 2. November die Verfügung zur Umbenennung des Platzes in Alexanderplatz. Im Südosten des Platzes wurde das Tuchmanufakturgebäude zum Königstädter Theater umgebaut, das jedoch aus finanziellen Gründen 1851 schließen musste und später als Gasthaus Aschinger genutzt wurde.
Der Alexanderplatz war im 19. Jahrhundert belebt von Handwerkern, Kleinbürgern und Markthändlern. Bereits 1847 gab es viertelstündlich Pferdeomnibusse zum Potsdamer Platz. Während der Märzrevolution 1848 war der Platz Schauplatz von Straßenkämpfen, bei denen Revolutionäre Barrikaden errichteten, wie Theodor Fontane berichtete, der sich daran beteiligte.
Die Bebauung um den Platz verdichtete sich im 19. Jahrhundert, von drei- auf fünfgeschossige Gebäude. Manufakturen wichen Wohn- und Handelshäusern. Anfang der 1870er Jahre wurde der Festungsgraben zugeschüttet, um Platz für die Berliner Stadtbahn zu schaffen, die 1882 eröffnet wurde und den Bahnhof Alexanderplatz mit sich brachte. Weitere wichtige Bauten folgten, darunter das Grand Hôtel (1883–1884), das Polizeipräsidium (1886–1890) und das Amtsgericht. Die Zentralmarkthalle wurde 1886 westlich der Stadtbahn gebaut, was 1896 zur Schließung des Wochenmarkts auf dem Platz führte.
Blütezeit und architektonische Visionen im frühen 20. Jahrhundert
Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte der Alexanderplatz seine Blütezeit und entwickelte sich zum wichtigsten Einkaufszentrum Berlins. Hier entstand 1901 mit dem Überbrettl das erste deutsche Kabarett. Große Warenhäuser prägten das Bild: Tietz (später Kaufhof), Wertheim und Hahn. Das Warenhaus Tietz hatte ab 1911 mit 250 Metern die längste Kaufhausfassade der Welt. Für das Warenhaus Wertheim mussten 1910 die Königskolonnaden abgetragen werden, die heute im Heinrich-von-Kleist-Park stehen.
Das 1908 eingeweihte Lehrervereinshaus war nicht nur Geschäftshaus und Hotel, sondern auch Schauplatz wichtiger politischer Ereignisse, wie der Trauerfeier für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg 1919 oder des Vereinigungsparteitags von KPD und USPD 1920.

Die Funktion als Verkehrsknotenpunkt wurde immer wichtiger. Neben Fern- und S-Bahn hielten hier ab 1913 bzw. 1930 auch drei U-Bahn-Linien sowie Omnibusse und elektrische Straßenbahnen. Es entstanden fünf Verkehrsebenen. In den Goldenen Zwanzigern symbolisierte der Alexanderplatz das lebhafte Treiben der Weltstadt Berlin, geprägt von großen Leuchtreklamen, darunter die berühmte Manoli-Werbung. Der Platz inspirierte Künstler wie Alfred Döblin zu seinem weltbekannten Roman „Berlin Alexanderplatz“ und Walter Ruttmann zu seinem Film „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“.
Angesichts des wachsenden Verkehrsaufkommens wurden Ende der 1920er Jahre Pläne zur Umgestaltung des Platzes entwickelt. Baustadtrat Martin Wagner schlug einen Kreisverkehr vor, umgeben von siebengeschossigen Gebäuden. Ein Architekturwettbewerb folgte, den Hans und Wassili Luckhardt gewannen. Da sich jedoch nicht genügend Investoren fanden, griff der Magistrat auf den Entwurf von Peter Behrens zurück, der eine ovale Form und hufeisenförmig angeordnete Gebäude vorsah. Bis Anfang der 1930er Jahre wurden nach Behrens’ Plänen das Alexanderhaus und das Berolinahaus errichtet. Die Berolina-Figur, die 1925 weichen musste, wurde 1934 neu aufgestellt. Die Weltwirtschaftskrise verhinderte die vollständige Umsetzung dieser Pläne.
Zerstörung und Wiederaufbau in der Nachkriegszeit
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Alexanderplatz schwer getroffen. Unter dem Platz befand sich ein großer Tiefbunker. Bei den Kämpfen im April 1945 wurde die Umgebung stark zerstört. Die Sprengung des S-Bahn-Tunnels unter dem Landwehrkanal durch die SS am 2. Mai 1945 führte zur Flutung großer Teile des U-Bahn-Netzes, wobei viele Schutzsuchende ums Leben kamen.
Nach Kriegsende war der Alexanderplatz eine Trümmerlandschaft. Die Fläche diente zunächst als Schwarzmarkt. Die Wiederaufbauplanung im Ostteil Berlins orientierte sich an den „16 Grundsätzen des Städtebaus“ der DDR, die eine „autogerechte Stadt“ und breite Straßenschneisen vorsahen. Eine 90 Meter breite Straße sollte vom Osten über den Alexanderplatz zum Unter den Linden führen. Zerstörte Gebäude wurden durch Plattenbauten ersetzt.
Die Ruine des Lehrervereinshauses wurde beseitigt und 1961–1964 durch das Haus des Lehrers und die Kongresshalle ersetzt.
Der sozialistische Alexanderplatz der DDR-Zeit
Ab Mitte der 1960er Jahre wurde der Alexanderplatz im Sinne der sozialistischen Stadtplanung radikal umgestaltet. Ziel war ein großer, vom Autoverkehr befreiter Platz, der als zentraler Kundgebungsort dienen sollte, ähnlich dem Roten Platz in Moskau. Straßen wurden verlegt und unterirdische Fußgänge angelegt. Für den Bau eines Straßentunnels wurden historische Gebäude wie die Georgenkirche und das Minolhaus abgerissen. Auch Reste des Grauen Klosters und ein Flügel des Stadtgerichts fielen der Verbreiterung der Grunerstraße zum Opfer.
1967 wurden alle Straßenbahnlinien vom Platz entfernt. Neue Gebäude entstanden: das Centrum-Warenhaus (später Galeria Kaufhof) und das Interhotel Stadt Berlin (heute Hotel Park-Inn) im Westen, sowie das Haus des Berliner Verlages, das Haus der Elektroindustrie, das Haus der Statistik und das Haus des Reisens im Norden. Im Jahr 1969 erhielt der Platz sein charakteristisches Aussehen mit dem Brunnen der Völkerfreundschaft und der Weltzeituhr, die schnell zu beliebten Treffpunkten wurden. Mit einer Fläche von 80.000 m² war der Platz nun mehr als viermal so groß wie vor dem Krieg. Der nahegelegene Fernsehturm wurde zum weithin sichtbaren Wahrzeichen Ost-Berlins.
Der Platz belebte sich durch Großveranstaltungen wie die X. Weltjugendfestspiele 1973 oder die Feiern zum Jahrestag der DDR. Am 4. November 1989 wurde der Alexanderplatz Schauplatz eines der bedeutendsten Ereignisse der friedlichen Revolution: die Alexanderplatz-Demonstration, bei der Hunderttausende gegen das DDR-Regime protestierten. Dieses Ereignis gilt als Meilenstein auf dem Weg zum Fall der Berliner Mauer, der nur fünf Tage später folgte.
Wandel nach der Wende und aktuelle Entwicklungen
Nach der Wiedervereinigung entsprach die sozialistische Gestaltung des Alexanderplatzes nicht mehr den Vorstellungen einer lebendigen Innenstadt. Investoren drängten auf neue Planungen. Ein städtebaulicher Ideenwettbewerb 1993 führte zum Kollhoff-Plan, der eine hufeisenförmige Bebauung mit bis zu 150 Meter hohen Türmen im Außenbereich vorsah. Das denkmalgeschützte Alexanderhaus und Berolinahaus sollten erhalten bleiben. Obwohl der Plan beschlossen wurde, gestaltete sich die Umsetzung aufgrund privater Eigentumsverhältnisse und fehlender Investoren schwierig.
Dennoch gab es zahlreiche Veränderungen. 1995 wurde das Alexanderhaus saniert, 1998 kehrte die Straßenbahn auf den Platz zurück. Das Centrum Warenhaus wurde zum Galeria Kaufhof umgebaut und erweitert (ab 2004), das Berolinahaus wurde saniert (2005–2006). Die Verlängerung der Straßenbahnlinie zum Alexanderplatz wurde 2007 abgeschlossen, ebenso wie die denkmalgerechte Sanierung des U-Bahnhofs 2008.

Die Platzfläche selbst wurde ab 2006 neu gestaltet, mit gelbem Granitpflaster, Sitzbänken und sanierten U-Bahn-Eingängen. 2007 eröffnete das Einkaufszentrum Alexa in der Nähe des Platzes. 2009 folgte das Geschäftshaus die mitte, das den Platz nach Osten abschließt. Eine Tiefgarage unter der Alexanderstraße wurde 2010 eröffnet, gleichzeitig wurde die Straße verschmälert. 2012–2014 entstand das Wohn- und Geschäftshaus Alea 101.
Die Pläne für Hochhäuser nach dem Kollhoff-Masterplan sind nach wie vor Gegenstand von Diskussionen und Anpassungen. Von ursprünglich geplanten 13 Türmen blieben zehn übrig, für acht existiert Baurecht. Die Umsetzung schreitet jedoch nur langsam voran. Ein geplanter 150 Meter hoher Wohnturm von Hines hinter dem Geschäftshaus die mitte, entworfen von Frank Gehry, sollte ursprünglich 2017 gebaut werden. Ein weiterer geplanter Turm, der Alexander Tower, erhielt 2018 die Baugenehmigung, doch die Baustelle liegt seit Dezember 2023 brach. Auch für die Erweiterung des Kaufhauses Galeria Kaufhof ist ein 135 Meter hohes Hochhaus geplant. Archäologische Untersuchungen im Zusammenhang mit den Hochhausplänen haben interessante Funde wie Reste der Exerzierhalle und Gräberfelder zutage gefördert.
Sicherheit am Alexanderplatz
Der Alexanderplatz ist nicht nur ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische, sondern laut Polizeistatistik auch ein Kriminalitätsschwerpunkt in Berlin. Seit Oktober 2017 wird er als kriminalitätsbelasteter Ort eingestuft. Die Zahl der registrierten Straftaten ist hoch, im Jahr 2022 waren es 6436, was über 17 Straftaten pro Tag entspricht. Auch im Jahr 2024 wurden bis Ende Juli bereits fast 4000 Straftaten gezählt, darunter zahlreiche Körperverletzungen. Trotz hoher Polizeipräsenz mit durchschnittlich 17 Kontrollen pro Tag kommt es immer wieder zu Vorfällen, insbesondere nachts gilt die Gegend als gefährlich.
Was gibt es heute am Alexanderplatz zu sehen und zu tun?
Trotz der ständigen Veränderungen und der Herausforderungen bleibt der Alexanderplatz ein lebendiger Ort. Er ist ein idealer Ausgangspunkt für Sightseeing-Touren durch Berlin. Zu den bekannten Sehenswürdigkeiten direkt am Platz gehören die Weltzeituhr und der Brunnen der Völkerfreundschaft. Der nahegelegene Fernsehturm bietet einen Panoramablick über die Stadt. In Laufnähe befinden sich die Museumsinsel und das Rote Rathaus.
Der Alexanderplatz ist auch ein bedeutendes Einkaufsziel mit großen Warenhäusern wie Galeria Kaufhof und dem Einkaufszentrum Alexa. Die Hackeschen Höfe sind ebenfalls gut zu Fuß erreichbar. Als Verkehrsknotenpunkt bietet der Bahnhof Alexanderplatz Anschluss an S-Bahn, U-Bahn, Regionalzüge, Busse und Straßenbahnen sowie Geschäfte für den täglichen Bedarf und ein Reisezentrum. In der Winterzeit finden am und um den Platz mehrere Weihnachtsmärkte statt.
Häufig gestellte Fragen zum Alexanderplatz
Warum heißt der Platz Alexanderplatz?
Der Platz wurde 1805 nach dem Besuch des russischen Zaren Alexander I. in Berlin benannt.
Was ist die Weltzeituhr?
Die Weltzeituhr ist eine 1969 im Zuge der sozialistischen Umgestaltung des Platzes aufgestellte Uhr, die die Uhrzeiten in verschiedenen Städten der Welt anzeigt und ein beliebter Treffpunkt ist.
Ist der Alexanderplatz sicher?
Laut Polizeistatistik wird der Alexanderplatz als Kriminalitätsschwerpunkt eingestuft. Es werden hohe Zahlen von Straftaten, darunter auch Gewaltdelikte, registriert. Die Polizei ist dort stark präsent.
Was kann man am Alexanderplatz unternehmen?
Der Alexanderplatz bietet zahlreiche Einkaufs- und Gastronomieangebote. Man kann die Weltzeituhr und den Brunnen besichtigen, den nahegelegenen Fernsehturm besuchen oder den Platz als Ausgangspunkt für Sightseeing in der Umgebung (z.B. Museumsinsel) nutzen. Er ist auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.
Gibt es Parkmöglichkeiten am Alexanderplatz?
Der Platz selbst ist eine Fußgängerzone mit wenigen Parkplätzen. Es gibt jedoch eine Tiefgarage unter der Alexanderstraße. Aufgrund der zentralen Lage und des Status als Verkehrsknotenpunkt wird die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen.
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