Als der „King of Rock 'n' Roll“ seinen Militärdienst in Deutschland ableistete, wurde eine kleine Kurstadt in Hessen zu seinem temporären Zuhause: Bad Nauheim. Von 1958 bis 1960 war die Stadt am Taunus der Schauplatz für ein außergewöhnliches Kapitel im Leben von Elvis Presley, das nicht nur sein persönliches Leben beeinflusste, sondern auch die Stadt auf die weltweite Landkarte setzte. Seine Anwesenheit zog Fans aus aller Welt an und sorgte für unvergessliche Momente, aber auch für einige Herausforderungen im Alltag des Superstars.

Ankunft und die ersten Unterkünfte
Elvis Presley kam am 1. Oktober 1958 mit dem Truppentransporter USS Randall in Bremerhaven an, um seinen Wehrdienst in der US Army anzutreten. Seine Reise führte ihn von dort mit dem Zug nach Friedberg (Hessen), wo er die kommenden 17 Monate in den Ray Barracks stationiert war. Doch die Kaserne war nicht der einzige Ort, an dem Elvis sich aufhielt. Schon bald nach seiner Ankunft trafen sein Vater Vernon, seine Großmutter Minnie Mae sowie seine Freunde Lamar Fike und Red West in Frankfurt ein. Ihnen wurde Bad Homburg als schöner Ort empfohlen, und so bezogen sie zunächst Quartier im Ritters Park-Hotel. Da Elvis die Nächte lieber bei seinen Vertrauten im Hotel als in der Kaserne verbringen wollte, aber Bad Homburg etwas zu weit von Friedberg entfernt lag, zog die Gruppe bereits am nächsten Tag nach Bad Nauheim um.
In Bad Nauheim bezogen sie zunächst das Hilberts Parkhotel. Doch dieser Aufenthalt war nur von kurzer Dauer. Bereits bei Einzug wurde die Gruppe darauf hingewiesen, dass sie bald wieder ausziehen müssten, da der saudische König Saud aufgrund seines bevorstehenden Kuraufenthalts in Bad Nauheim das komplette Hotel gebucht hatte. Das Hilberts Parkhotel wurde übrigens später, im Jahr 1982, geschlossen und 1989 abgerissen.
Aufgrund der Buchung des saudischen Königs zog die Gruppe am 11. Oktober 1958 ins Hotel Grunewald um. Diese Villa aus dem Jahr 1888 diente bis 2007 als Hotel und war danach zehn Jahre lang ein Privathaus. Im August 2017 wurde die Villa Grunewald jedoch erneut als Hotel eröffnet. Ein besonderes Detail für Fans: Das Zimmer mit der Nummer 10, das Elvis Presley zu jener Zeit bewohnte, wurde nahezu im Originalzustand erhalten und kann auch heute noch gebucht und bewohnt werden. Es ist ein Stück lebendiger Geschichte, das den Aufenthalt des Kings in diesem Hotel dokumentiert.
Der Umzug in die Goethestraße 14
Nach einiger Zeit im Hotel Grunewald kam es mehrfach zu Dissonanzen mit dem Hotelinhaber Otto Schmidt. Diese Probleme hatten verschiedene Ursachen. Zum einen gab es Ruhestörungen, vor allem verursacht durch Elvis' Freunde Lamar Fike und Red West. Zum anderen trug auch der King of Rock 'n' Roll höchstpersönlich durch lautes Musizieren zur Unruhe bei. Hinzu kamen die ständigen Belagerungen des Hotels durch Fans, die einen geregelten Ablauf des Hotelbetriebs erheblich erschwerten. Angesichts dieser Situationen beschloss Elvis Presley, eine privatere und ruhigere Unterkunft zu suchen.
So mietete Elvis Presley das Haus in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim. Dieses Haus wurde Anfang Februar 1959 bezogen und sollte für die nächsten 13 Monate sein Zuhause sein. Es ist dieses Haus, das bis heute untrennbar mit Elvis' Zeit in Deutschland verbunden ist und weltweit Bekanntheit erlangte.
Leben im berühmten Haus: Wer wohnte mit dem King?
Das Haus in der Goethestraße 14 war mehr als nur Elvis' Unterkunft; es war während seines Aufenthalts ein lebendiges Zentrum für seinen engsten Kreis. Permanent im Haus lebten neben Elvis Presley selbst sein Vater Vernon Presley und seine Großmutter Minnie Mae Presley. Sie bildeten den familiären Kern. Hinzu kamen seine engen Freunde Lamar Fike und Red West, die bereits von Beginn an in Deutschland dabei waren und für einige der anfänglichen Schwierigkeiten im Hotel mitverantwortlich waren. Auch seine Sekretärin Elisabeth Stefaniak wohnte im Haus und kümmerte sich um organisatorische Belange. An den Wochenenden gesellte sich oft auch sein Freund Charlie Hodge zu der Gruppe im Haus.
Diese Gemeinschaft teilte den Alltag im Haus, der stark durch Elvis' Militärdienst und seine Berühmtheit geprägt war. Das Haus war nicht nur ein Wohnort, sondern auch ein Rückzugsort, auch wenn dieser Rückzug oft durch die ständige Präsenz von Fans gestört wurde.
Der Wallfahrtsort Goethestraße 14: Fans und Alltag
Über den Zeitraum von 13 Monaten wurde das Haus in der Goethestraße 14 zu einem regelrechten Wallfahrtsort für Fans aus aller Welt. Sie belagerten das Haus Tag für Tag in der ständigen Hoffnung, ihrem Idol leibhaftig zu begegnen. Und oft wurden ihre Hoffnungen erfüllt. Elvis Presley verbrachte von Montag bis Freitag immer seine Mittagspause zu Hause. Auch nach Dienstschluss in den Ray Barracks kam er gegen 17:00 Uhr nach Hause, was den Fans weitere Gelegenheiten gab, einen Blick auf ihn zu erhaschen.
Ein besonderes Zugeständnis an die wartenden Fans war ein Schild, das darauf hinwies, dass täglich zwischen 19:30 und 20:00 Uhr Autogrammstunde war. Dies bot den Fans eine feste Zeit, zu der sie hoffen konnten, ein Autogramm oder ein paar Worte von ihrem Star zu bekommen. An vielen Sonntagnachmittagen konnte man Elvis auch bei einer seiner liebsten sportlichen Betätigungen zusehen: Football. Er spielte zusammen mit seinem Freund Red West und anderen Soldaten auf der dem Haus gegenüberliegenden Wiese, direkt vor dem Gradierbau IV/V. Diese öffentlichen Momente waren für die Fans besonders wertvoll.
Herausforderungen: Fans und die Vermieterin
Die ständige Belagerung des Hauses durch Fans und andere Neugierige hatte jedoch auch ihre Schattenseiten. Das Haus stand unter ständiger Beobachtung. Besonders aufdringliche Menschen schauten nicht nur durch die Fenster, sondern in seltenen Fällen gelangten sie sogar durch diese ins Haus. Als Reaktion darauf blieben die Rollläden im Erdgeschoss schon bald Tag und Nacht geschlossen, um wenigstens ein Minimum an Privatsphäre zu gewährleisten.
Doch selbst diese Maßnahme hielt die Fans nicht davon ab, zu beliebigen Zeiten, auch mitten in der Nacht, die Klingel zu betätigen. Ein weiteres Ärgernis war das Überklettern des Gartenzauns, um Presleys Hemden von der Wäscheleine im Garten hinter dem Haus zu entwenden. Außerdem wurden unzählige Liebes- und Grußbotschaften auf dem Gartenzaun hinterlassen. Die Menge war so groß, dass Presley den Zaun mehrmals im Jahr neu streichen lassen musste, um die Botschaften zu überdecken und den Zaun in Stand zu halten.
Auch das Verhältnis zur Vermieterin, der seinerzeitigen Hauseigentümerin Maria Pieper, war nicht immer einfach. Frau Pieper verlangte eine für damalige Verhältnisse überhöhte Monatsmiete von 3.200 Mark. Sie wusste, dass Presley sich dies leisten konnte und nutzte diese Situation aus. Während des 13-monatigen Aufenthalts ihres weltbekannten Mieters zog sich Frau Pieper ins Dachgeschoss des Hauses zurück. Obwohl sie eine hohe Miete erhielt, bekam sie auch viele Geschenke vom King of Rock 'n' Roll. Es heißt, Elvis habe somit für den „bürgerlichen Wohlstand“ im Hause Pieper gesorgt.
Trotz der Geschenke und der generell guten Einnahmen durch die Miete zeigte Frau Pieper am 1. März 1960, dem Vorabend des Auszugs der Presleys, eine weniger großzügige Seite. Sie ging mit ihrem Anwalt durch das Haus und stellte für jeden noch so kleinen Kratzer, den sie finden konnte, Nachforderungen. Diese Episode zeigt, dass selbst der King nicht vor alltäglichen Auseinandersetzungen gefeit war.
Besondere Ereignisse in der Goethestraße 14
Das Haus in der Goethestraße war nicht nur Wohnort und Anziehungspunkt für Fans, sondern auch Schauplatz bedeutender persönlicher Begegnungen für Elvis. Im August 1959 erhielt er Besuch vom 13. Sohn des bereits erwähnten saudischen Königs Ibn Saud. Ein ungewöhnlicher, aber sicherlich interessanter Besuch, der die globale Reichweite von Elvis' Berühmtheit unterstrich.

Wenige Wochen später, am Sonntag, den 13. September 1959, ereignete sich in der Goethestraße 14 ein noch viel bedeutenderes Ereignis für Elvis' persönliches Leben. Currie Grant, der Manager des Eagle’s Club in Wiesbaden, den Elvis am 17. Mai 1959 kennengelernt hatte, brachte zu einer Feier im Haus die damals erst 14-jährige Priscilla Beaulieu mit. Elvis begegnete Priscilla an diesem Tag und an diesem Ort zum ersten Mal. Diese Begegnung in Bad Nauheim war der Beginn einer Beziehung, die später zur Ehe führte und aus der seine einzige Tochter Lisa Marie Presley hervorging. Die Goethestraße 14 ist somit der Ort, an dem eine der wichtigsten Beziehungen in Elvis' Leben ihren Anfang nahm.
Elvis in Bad Nauheim jenseits der Goethestraße
Obwohl die Goethestraße 14 sein Hauptwohnsitz war, bewegte sich Elvis auch an anderen Orten in Bad Nauheim. Er verkehrte öfter mit Soldatenfreunden in der Bar der Gaststätte Schützenhaus, die sich gegenüber dem Rathaus von Bad Nauheim befand. Diese Gaststätte gehörte damals der Familie Kaiser, die noch persönliche Fotos aus Elvis' Soldatenzeit in Friedberg besitzt. Die kleinere Bar im Garten war den Soldaten ab Offiziersrang aufwärts vorbehalten. Dort im Schützenhaus lernte Elvis einen kleinen Jungen kennen, dem er spontan in dem benachbarten Fahrradgeschäft ein Fahrrad kaufte. Eine weitere kleine Geste, die seine Großzügigkeit zeigte.
Das Erbe des Kings in Bad Nauheim heute
Auch lange nach Elvis Presleys Zeit in der Stadt ist sein Erbe in Bad Nauheim lebendig. Es gibt einen aktiven Elvis-Verein, der eine Ausstellung betreibt, die sich dem Aufenthalt des Superstars widmet. Diese Ausstellung zieht weiterhin Fans und Interessierte an, die mehr über diese besondere Periode erfahren möchten. Ein weiteres, eher ungewöhnliches, aber charmantes Zeichen seiner Präsenz sind die speziellen Ampelmännchen in der Stadt, die anstelle der üblichen Figuren das Porträt des Sängers zeigen. Diese kleinen Details im Stadtbild erinnern täglich an den berühmtesten Einwohner, den Bad Nauheim je hatte.
Häufig gestellte Fragen zu Elvis in Bad Nauheim
Wo genau wohnte Elvis Presley in Bad Nauheim? Elvis Presley wohnte hauptsächlich im Haus in der Goethestraße 14 von Februar 1959 bis März 1960. Zuvor war er kurz im Hilberts Parkhotel und länger im Hotel Grunewald untergebracht.
Warum zog Elvis ins Haus in der Goethestraße? Er zog aufgrund von Ruhestörungen, lautem Musizieren und der ständigen Belagerung durch Fans aus dem Hotel Grunewald aus, um mehr Privatsphäre zu haben.
Wer wohnte alles mit Elvis in der Goethestraße 14? Ständig wohnten dort sein Vater Vernon, seine Großmutter Minnie Mae, seine Freunde Lamar Fike und Red West sowie seine Sekretärin Elisabeth Stefaniak. An den Wochenenden kam oft auch sein Freund Charlie Hodge dazu.
Wie verhielten sich die Fans in Bad Nauheim? Die Fans belagerten das Haus, versuchten durch Fenster zu schauen oder sogar einzudringen, klingelten zu jeder Tages- und Nachtzeit, kletterten über den Zaun, um Wäsche zu stehlen, und hinterließen Nachrichten auf dem Gartenzaun.
Traf Elvis in Bad Nauheim wichtige Personen? Ja, er traf den Sohn des saudischen Königs Ibn Saud und vor allem Priscilla Beaulieu, seine spätere Ehefrau und Mutter seiner Tochter.
Gibt es heute noch Spuren von Elvis in Bad Nauheim? Ja, es gibt einen Elvis-Verein mit Ausstellung und sogar Ampelmännchen mit seinem Porträt.
Kann man heute noch in einem Hotelzimmer schlafen, in dem Elvis übernachtet hat? Ja, im Hotel Grunewald wurde das Zimmer Nummer 10, in dem Elvis wohnte, weitgehend im Originalzustand erhalten und kann gebucht werden.
Wie war das Verhältnis zur Vermieterin des Hauses in der Goethestraße? Die Vermieterin, Maria Pieper, verlangte eine sehr hohe Miete, erhielt aber auch viele Geschenke von Elvis. Trotzdem forderte sie am Ende für jeden Kratzer Nachzahlungen.
Wo spielte Elvis Football in Bad Nauheim? Er spielte auf der Wiese gegenüber dem Haus in der Goethestraße 14, vor dem Gradierbau.
Besuchte Elvis auch Gaststätten in Bad Nauheim? Ja, er besuchte öfter die Bar in der Gaststätte Schützenhaus.
Diese Zeit in Bad Nauheim war eine einzigartige Mischung aus militärischem Alltag, dem Leben eines globalen Superstars und persönlichen Momenten, die sein Leben nachhaltig prägten. Das Haus in der Goethestraße 14 und die Stadt Bad Nauheim bleiben somit für immer ein wichtiger Teil der Geschichte von Elvis Presley.
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