Hat Albert Einstein in Ulm gewohnt?

Albert Einstein: Genie aus Ulm

Rating: 4.38 (8801 votes)

Albert Einstein, ein Name, der weltweit für Genialität und wissenschaftliche Revolution steht, wurde am 14. März 1879 in Ulm geboren. Obwohl seine Zeit in dieser schwäbischen Stadt nur von kurzer Dauer war – seine Familie zog bereits nach 15 Monaten nach München –, prägte dieser Geburtsort sein Leben auf subtile Weise und wurde später zu einem Symbol für das zerbrochene Verhältnis zwischen dem weltberühmten Wissenschaftler und seinem deutschen Heimatland während der dunklen Ära des Nationalsozialismus.

Hat Albert Einstein in Ulm gewohnt?
In Cannstatt bei Stuttgart heiratete er 1876 Pauline Koch. Er lebte mit ihr in Ulm im Haus Bahnhofstraße 20 (B135), wo Albert Einstein am 14. März 1879 zur Welt kam.

Die Familie Einstein war tief in der schwäbischen Region verwurzelt. Seine Eltern, Hermann Einstein und Pauline Einstein, geb. Koch, stammten aus jüdischen Familien, die seit Jahrhunderten in Süddeutschland lebten. Hermann Einstein, sein Vater, hatte um 1870 eine Teilhaberschaft an einer Bettfedernfabrik in Ulm erworben und besaß die Hälfte des Hauses am Weinhof 19. Alberts Eltern ließen sich in Ulm im Haus Bahnhofstraße 20 nieder, wo Albert das Licht der Welt erblickte. Doch die geschäftlichen Unternehmungen der Familie führten sie bald fort. Bereits 1880 zog die Familie nach München, wo Alberts Vater und Onkel eine Firma für Gas- und Wasserinstallationen gründeten und später eine eigene Fabrik für elektrische Geräte aufbauten.

Kindheit und Jugend: Ein Weg voller Eigenheiten

Albert wuchs in München in einer assimilierten deutsch-jüdischen Mittelstandsfamilie auf. Er begann erst spät zu sprechen und galt zunächst als zurückhaltend und verträumt. Doch schon früh zeigten sich seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, besonders in den Naturwissenschaften. Er besuchte das Luitpold-Gymnasium, wo er zwar gute bis sehr gute Leistungen zeigte, aber auch als aufmüpfiger Schüler auffiel, der sich dem strengen Schulsystem des Deutschen Kaiserreichs widersetzte. Sein Interesse an Physik und Mathematik wurde durch das Studium populärwissenschaftlicher Bücher geweckt.

Die wirtschaftliche Situation führte die Familie 1894 nach Mailand. Der fünfzehnjährige Albert sollte zunächst in München bleiben, entschied sich jedoch, die Schule ohne Abschluss zu verlassen und seiner Familie nach Italien zu folgen. Ein wesentlicher Grund dafür war sein Wunsch, dem Wehrdienst zu entgehen. Dieser Schritt führte dazu, dass er 1896 auf Antrag seines Vaters aus der württembergischen und damit deutschen Staatsbürgerschaft entlassen wurde. Fortan war er für mehrere Jahre staatenlos.

Sein Weg führte ihn in die Schweiz, um die Matura nachzuholen. Nach einer nicht bestandenen Aufnahmeprüfung am Polytechnikum Zürich besuchte er die Kantonsschule in Aarau, wo er bei der Familie Winteler lebte. Hier holte er nicht nur seinen Abschluss nach (mit hervorragenden Noten, wider das Gerücht, er sei ein schlechter Schüler gewesen), sondern fand auch eine erste Liebe. 1896 ließ er sich als „konfessionslos“ eintragen, obwohl er einer jüdischen Familie entstammte.

Studium, Patentamt und das Wunderjahr 1905

Nachdem er die Matura bestanden hatte, begann Albert Einstein 1896 sein Studium am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Er studierte für das Diplom als Fachlehrer in mathematischer Richtung, das auch Physik umfasste. Einstein eckte oft an, da er lieber eigenen Denkprojekten nachging, als formales Wissen auswendig zu lernen. Nach dem Studium gelang es ihm zunächst nicht, eine Assistentenstelle zu bekommen. Er arbeitete als Aushilfslehrer und Hauslehrer, bevor er 1902 eine Anstellung als technischer Experte 3. Klasse beim Schweizer Patentamt in Bern erhielt – eine Position, die ihm die finanzielle Sicherheit gab, die er für seine wissenschaftliche Arbeit benötigte. 1901 wurde ihm die Schweizer Staatsbürgerschaft verliehen, die er zeitlebens behielt.

Die Zeit in Bern war wissenschaftlich äußerst fruchtbar. Im Jahr 1905, das als Einsteins Annus mirabilis (Wunderjahr) in die Wissenschaftsgeschichte einging, veröffentlichte der erst 26-jährige vier bahnbrechende Arbeiten: über den photoelektrischen Effekt, die Brownsche Bewegung, die Spezielle Relativitätstheorie und die Äquivalenz von Masse und Energie (E=mc²). Diese Arbeiten revolutionierten das physikalische Weltbild und legten den Grundstein für die moderne Physik. Für seine Verdienste, insbesondere für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts, wurde ihm später der Nobelpreis für Physik des Jahres 1921 verliehen.

Auf dem Weg zur Allgemeinen Relativitätstheorie und die Berliner Jahre

Nach seinen ersten großen Erfolgen begann Einstein, von Fachkreisen zunehmend wahrgenommen zu werden. Er erhielt Professuren an den Universitäten Zürich und Prag, bevor er 1914 einem Ruf nach Berlin folgte, wo er Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften wurde. In Berlin fand er die notwendige Ruhe und Zeit, um sein größtes Werk zu vollenden: die Allgemeine Relativitätstheorie, die er 1915 publizierte. Diese Theorie beschreibt die Gravitation als eine Krümmung der Raumzeit durch Masse und Energie und löste das newtonsche Weltbild ab.

Die Berliner Jahre waren auch privat ereignisreich. Er ließ sich von seiner ersten Frau, Mileva Marić, mit der er zwei Söhne hatte, scheiden und heiratete 1919 seine Cousine Elsa Löwenthal. Wissenschaftlich war er auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Seine Vorhersage der Lichtablenkung durch die Gravitation, die 1919 bei einer Sonnenfinsternis experimentell bestätigt wurde, machte ihn über Nacht weltweit berühmt. Er wurde zum Inbegriff des Genies.

Die Beziehung zu Ulm – Von Glückwünschen zur Ausbürgerung

Während seiner Zeit in Berlin, als seine globale Bekanntheit wuchs, gab es erste Interaktionen mit seiner Geburtsstadt Ulm. Im Jahr 1920 übermittelte die Stadt Ulm Glückwünsche, worauf Einstein höflich antwortete und die Bodenpolitik der Stadt lobte. Anlässlich seines 50. Geburtstags im Jahr 1929 benannte die Stadt Ulm eine Straße nach ihm. Einstein reagierte darauf mit seinem typischen Humor: „Von der nach mir benannten Straße habe ich schon gehört. Mein tröstlicher Gedanke war, dass ich ja nicht für das verantwortlich bin, was darin geschieht.“

Diese oberflächliche, aber höfliche Beziehung änderte sich schlagartig mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Einstein, der bereits früh vor faschistischen Tendenzen gewarnt hatte, kehrte von einer Vortragsreise in den USA nicht mehr nach Deutschland zurück. Er veröffentlichte ein klares Bekenntnis gegen das Regime, in dem er die fehlende politische Freiheit, Toleranz und Gleichheit in Deutschland anprangerte. Die Reaktion der Nationalsozialisten in Ulm ließ nicht lange auf sich warten: Noch im März 1933 wurde die Einsteinstraße in „Fichtestraße“ umbenannt. Im folgenden Jahr wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen – eine Strafausbürgerung als „schwere entehrende Strafe“.

Die Probleme der Juden in Deutschland wurden in den folgenden Jahren existenziell. Einstein nutzte seine Bekanntheit und seine Kontakte, um zahlreichen Verwandten in Ulm und Umgebung bei der Emigration zu helfen. Er stellte Bürgschaften aus und verfasste Empfehlungsschreiben für die Einreise in die USA. Doch nicht alle konnten gerettet werden. Mehrere seiner Cousinen und Cousins, darunter Lina Einstein, Bertha Hofheimer, Marie Wessel, Hugo Moos und Julius Moos, wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Dieses persönliche Leid vertiefte Einsteins Ablehnung Deutschlands nach dem Holocaust.

Exil in Princeton und Späte Jahre

Ab 1933 lebte Albert Einstein im Exil in Princeton, New Jersey, wo er Mitglied des neu gegründeten Institute for Advanced Study wurde. Er widmete sich in seinen späten Jahren vor allem der vergeblichen Suche nach einer einheitlichen Feldtheorie, die alle Naturkräfte beschreiben sollte. In Princeton, wo er bis zu seinem Tod lebte, erhielt er 1940 auch die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten, behielt aber seine Schweizer Staatsbürgerschaft.

Wie lange wohnte Albert Einstein in Ulm?
Ulm und Albert Einstein - Albert Einstein und Ulm. Das Verhältnis Albert Einsteins zu Ulm könnte man als reserviert, aber höflich beschreiben. Was nicht allzu sehr verwundern mag: Einstein lebte bekanntlich nur 15 Monate hier und hatte wohl keine Erinnerung an seine Zeit in Ulm.

Einstein nutzte seine Bekanntheit weiterhin für politisches Engagement. Er warnte Präsident Roosevelt vor der Möglichkeit, dass Deutschland eine Atombombe entwickeln könnte – ein Schreiben, das zur Initiierung des Manhattan-Projekts beitrug, an dem Einstein aber nicht direkt beteiligt war. Nach dem Krieg setzte er sich unermüdlich für Frieden, internationale Rüstungskontrolle und eine Weltregierung ein. Er unterstützte den Zionismus, lehnte aber das Angebot, Präsident Israels zu werden, ab. In seinem Essay „Why Socialism?“ legte er seine sozialistischen Ansichten dar und kritisierte den Kapitalismus, warnte aber auch vor den Gefahren der Bürokratisierung.

Seine Haltung zu Deutschland blieb bis zu seinem Lebensende geprägt von der Erfahrung des Holocaust. Er lehnte jegliche offizielle Verbindung zu deutschen Institutionen ab, blieb aber einzelnen deutschen Kollegen, die Distanz zum NS-Regime gewahrt hatten, freundschaftlich verbunden.

Albert Einstein starb am 18. April 1955 in Princeton im Alter von 76 Jahren. Sein Wunsch war eine einfache Einäscherung ohne großes Aufsehen. Ein Pathologe entnahm jedoch ohne Erlaubnis sein Gehirn und seine Augen, um sie für die Nachwelt zu untersuchen – ein umstrittener Akt, der die Faszination für das Genie auch nach seinem Tod unterstreicht.

Einsteins vielschichtige Staatsbürgerschaften

Albert Einsteins Leben war von häufigen Wohnortwechseln und damit verbundenen Veränderungen seiner Staatsangehörigkeiten geprägt:

ZeitraumStaatsbürgerschaft
1879–1896Württembergische (deutsche)
1896–1901staatenlos
1901–1955Schweizerische
1911–1912Österreichisch-ungarische
1914–1933Preußische (deutsche)
1940–1955Vereinigte Staaten

Die Schweizer Staatsbürgerschaft, die er 1901 erhielt, behielt er bis zu seinem Tod.

Das Erbe in Ulm heute

Obwohl Albert Einstein nur kurze Zeit in Ulm verbrachte, erinnert sich die Stadt heute an ihren berühmtesten Sohn. Es gibt ein Denkmal an der Stelle seines Geburtshauses. Kürzlich wurde das Museum „Die Einsteins. Museum einer Familie“ am Weinhof eröffnet, das die Geschichte der weit verzweigten Ulmer Familie Einstein und ihre Beziehungen innerhalb der jüdischen Gemeinde dokumentiert – in einem der wenigen erhaltenen Häuser, in denen Familienmitglieder Einsteins lebten. Zudem ist geplant, bis 2029 ein Albert Einstein Discovery Center zu eröffnen, das sein Vermächtnis erlebbar machen soll. Diese Initiativen zeigen, dass Ulm die Verbindung zu Albert Einstein, trotz der kurzen gemeinsamen Zeit und der späteren historischen Brüche, aktiv pflegt.

Häufig gestellte Fragen zu Albert Einstein und Ulm

Wie lange hat Albert Einstein tatsächlich in Ulm gewohnt?

Albert Einstein wurde in Ulm geboren, aber seine Familie zog bereits 15 Monate nach seiner Geburt nach München. Er hat also nur seine früheste Kindheit in Ulm verbracht und hatte keine bewussten Erinnerungen an die Stadt.

Warum verließ Einstein Deutschland?

Einstein verließ Deutschland bereits als Jugendlicher, um dem Wehrdienst zu entgehen und weil er das strenge Schulsystem und den Militarismus des Kaiserreichs ablehnte. Später, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933, kehrte er nicht mehr nach Deutschland zurück und wurde ausgebürgert, da er das NS-Regime öffentlich kritisierte und als Jude in Deutschland nicht mehr sicher war.

Wofür ist Albert Einstein am berühmtesten?

Albert Einstein ist am berühmtesten für die Entwicklung der Relativitätstheorie, die aus der Speziellen Relativitätstheorie (mit E=mc²) und der Allgemeinen Relativitätstheorie besteht. Diese Theorien veränderten unser Verständnis von Raum, Zeit, Gravitation und dem Universum grundlegend.

Wurde Einstein für die Relativitätstheorie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet?

Nein, entgegen der weit verbreiteten Annahme erhielt Einstein den Nobelpreis für Physik des Jahres 1921 nicht direkt für die Relativitätstheorie, sondern „für seine Verdienste um die theoretische Physik, besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts“. Die Relativitätstheorie galt vielen Mitgliedern des Nobelkomitees damals noch als zu spekulativ.

Gibt es heute noch Orte in Ulm, die an Albert Einstein erinnern?

Ja, in Ulm gibt es mehrere Orte der Erinnerung. Dazu gehören ein Denkmal am ehemaligen Standort seines Geburtshauses, das neu eröffnete Museum „Die Einsteins. Museum einer Familie“ und Pläne für ein zukünftiges Albert Einstein Discovery Center. Die Stadt Ulm erinnert aktiv an ihren berühmten Sohn.

Ein revolutionäres Genie mit komplexem Erbe

Albert Einsteins Leben war eine außergewöhnliche Reise von einer schwäbischen Kleinstadt an die Spitze der wissenschaftlichen Welt. Seine revolutionären Theorien veränderten die Physik für immer, und sein Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte machte ihn zu einer moralischen Instanz. Die Beziehung zu seiner Geburtsstadt Ulm und seinem Heimatland Deutschland war, besonders nach 1933, von den tragischen Ereignissen der Geschichte überschattet. Doch sein Erbe lebt weiter – nicht nur in den Gleichungen, die das Universum beschreiben, sondern auch im ständigen Streben nach Wissen und einer besseren Welt, ein Streben, das in Ulm begann.

Hat dich der Artikel Albert Einstein: Genie aus Ulm interessiert? Schau auch in die Kategorie Gastronomie rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!

Avatar-Foto

Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

Go up