Warum ist der Europaturm geschlossen?

Europaturm Frankfurt: Warum geschlossen?

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Der Europaturm in Frankfurt am Main, ein markantes Wahrzeichen der Stadt, ragt mit seiner imposanten Höhe in den Himmel und prägt die Skyline. Bekannt unter verschiedenen Namen wie „Fernmeldeturm Frankfurt“, populär als „Fernsehturm“ oder liebevoll im Volksmund als „Ginnheimer Spargel“ bezeichnet, weckt er bei vielen die Frage nach seiner Zugänglichkeit. Bedauerlicherweise ist der Turm seit vielen Jahren nicht mehr öffentlich zugänglich. Doch was sind die Gründe dafür, dass dieses beeindruckende Bauwerk, das einst Besucher anzog, heute seine Kanzel für die Öffentlichkeit verschlossen hält?

Geschichte und Bau des "Ginnheimer Spargels"

Die Geschichte des Europaturms begann im Jahr 1974 mit dem ersten Spatenstich. Geplant von Architekt Johannes Möhrle in Zusammenarbeit mit Peter Metzger und Erwin Heinle, war der Bau eine Reaktion auf die stetig wachsende Frankfurter Skyline. Das ursprüngliche Fernmeldehochhaus in der Innenstadt, einst zweithöchstes Gebäude der Stadt, konnte aufgrund umliegender Neubauten die wichtigen Richtfunkstrecken nicht mehr gewährleisten. Diese sind auf freie Sicht angewiesen. Die Deutsche Bundespost entschied sich daher für den Bau eines neuen, die Hochhäuser überragenden Turms außerhalb des Stadtzentrums am Ginnheimer Stadtweg 90, einem Standort, der oft dem Stadtteil Ginnheim zugeordnet wird und freie Sicht insbesondere in Richtung Taunus bot.

Kann man auf den Europaturm?
Sie ermöglicht einen einzigartigen Blick über das gesamte Rhein-Main-Gebiet und die Frankfurter Skyline. Doch leider ist die Kanzel für Besucher seit 1999 geschlossen und kann nicht besucht werden.

Fünf Jahre nach Baubeginn, im Jahr 1979, wurde der Turm in Betrieb genommen. Die reinen Baukosten beliefen sich auf beachtliche 75 Millionen Deutsche Mark, was heute einer Kaufkraft von rund 104 Millionen Euro entspricht. Bei seiner Fertigstellung erreichte der Turm eine Höhe von 331,15 Metern und war damit das höchste freistehende Bauwerk der Bundesrepublik Deutschland. Auch wenn der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz insgesamt höher ist, so verdankt er dies seiner längeren Antenne. Betrachtet man nur die Höhe der eigentlichen Bausubstanz, ist der Frankfurter Turm tatsächlich höher. Zudem liegt die Kanzel des Europaturms rund 20 Meter höher als beim Berliner Pendant.

Die Architektur des Turms ist einzigartig. Sein Ringfundament reicht 18,50 Meter tief in den Mergelboden, der speziell für die nötige Tragfähigkeit aufbereitet wurde. Der Turmschaft, gefertigt mittels Kletterschalung, verjüngt sich von zwanzig Metern Durchmesser am Fuß auf elf Meter direkt unterhalb der Kanzel. Diese befindet sich in 227 Metern Höhe und verteilt sich auf sechs Stockwerke. Mit einem Durchmesser von 59 Metern ist sie die weltweit breiteste Kanzel ihrer Art und bot einst einen unvergleichlichen Blick über das gesamte Rhein-Main-Gebiet.

Ein besonderes Merkmal der Architektur war die Gestaltung der Kanzel zur Integration der seinerzeit wichtigen Richtfunk-Muschelantennen. Um die klare geometrische Form möglichst wenig zu stören, wurde die konische Wand des Schafts im Bereich der Antennenträger ringförmig zurückgesetzt. Die Muschelantennen wurden kopfüber unter die Decke gehängt, sodass ihre schräge Vorderfläche mit der angepassten Außenkontur der Kanzel fluchtete. Dies schuf den Eindruck eines glatten Kegelstumpfs. Diese aufwendige Gestaltung wurde jedoch in den 90er-Jahren obsolet, als die großen Muschelantennen abgebaut wurden und den heute leeren, breiten Ring hinterließen.

Nutzung: Von Richtfunkzentrale zu Besucherattraktion

Ursprünglich diente der Europaturm primär als zentrale Stelle für das Fernmeldenetz. In den oberen Stockwerken der Kanzel befanden sich Technikräume, darunter der sogenannte „Tonstern“. Dieser war der zentrale Knotenpunkt für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk, wo Programmübernahmen und -verteilungen manuell geschaltet wurden.

Die beiden unteren Etagen der Kanzel waren für den öffentlichen Besucherverkehr vorgesehen. Hier sollte ein Restaurant betrieben werden. Die Betreibergesellschaft Skyline investierte dafür beim Bau einen Millionenbetrag in die Turminfrastruktur. Allerdings ging diese Gesellschaft einige Jahre später in Konkurs. Seitdem gab es Phasen ohne gastronomische Nutzung oder mit wechselnden Pächtern und Konzepten in diesen Räumlichkeiten. Zuletzt befanden sich dort ein Restaurant und eine Diskothek.

Von 1989 bis 1997 war im Europaturm auch der Club Sky-Tower beheimatet, in dem Partys gefeiert wurden. Bis zur endgültigen Schließung der Besucherbereiche im Jahr 1999 gab es zudem ein Drehrestaurant, das den Besuchern während des Essens einen Panoramablick bot.

Die entscheidende Frage: Warum ist der Europaturm geschlossen?

Die Antwort auf diese Frage liegt in den Brandschutzauflagen. Im Jahr 1999 wurde der Europaturm für die Öffentlichkeit geschlossen, da die notwendigen Maßnahmen zur Erfüllung der geltenden Brandschutzvorschriften einen enormen finanziellen Aufwand erfordert hätten – einen Millionenaufwand, der zu diesem Zeitpunkt nicht getragen wurde. Die Brandschutzbestimmungen für öffentlich zugängliche hohe Gebäude sind sehr streng. Ein zentrales Problem bei der Ertüchtigung des Turms für Besucher ist das Fehlen zweier vollständig getrennter Rettungswege. Zwar gibt es ein Treppenhaus mit rund 1000 Stufen, doch dies allein genügt modernen Sicherheitsstandards für öffentliche Nutzung nicht. Zudem wäre die Installation eines speziellen Feuerwehraufzugs in einem der Aufzugsschächte erforderlich.

Was gibt es im Main Tower?
An seiner Spitze befindet sich eine Sendeantenne für die Hörfunkprogramme hr-info und You FM. Ein weiterer Nutzer war der Hessische Rundfunk, der hier bis Oktober 2015 ein Fernsehstudio betrieb. Im Main Tower wurde seit 15. Januar 2001 unter anderem das wochentägliche Boulevardmagazin maintower sowie alle wetter!

Die Kombination aus den hohen Investitionskosten für die Brandschutzertüchtigung und der fehlenden Rentabilität aus privatwirtschaftlicher Sicht führte zur Schließung der Besucherbereiche. Die Ablösung der ursprünglichen Richtfunktechnik in ihrer alten Form trug ebenfalls dazu bei, dass der Turm seine ursprüngliche Zweckbestimmung in Bezug auf die öffentliche Nutzung weitgehend verloren hat.

Heutige Nutzung des Turms

Obwohl für die Öffentlichkeit geschlossen, ist der Europaturm keineswegs ungenutzt. Der heutige Eigentümer, die Deutsche Telekom (als Nachfolgerin der Deutschen Bundespost), nutzt den Turm weiterhin intensiv. Er dient als wichtige Empfangsstation für Satellitensignale, die von hier aus terrestrisch oder über das Kabelnetz in Frankfurt und Südhessen verteilt werden. Darüber hinaus sind auf dem Turm nach wie vor verschiedene Richtfunk- und Mobilfunkantennen installiert, die für Kommunikationszwecke unerlässlich sind.

Interessanterweise wird der Turm auch für technische Tests genutzt. Der Aufzughersteller Schindler testet hier Komponenten für neue Fahrstühle, was die einzigartige Struktur und Höhe des Turms als Testumgebung nutzt.

Eine weitere hochspezialisierte Nutzung ist die Anbindung der Deutschen Börse. Über den Europaturm ist die Börse direkt mit anderen Handelsplätzen verbunden, was für den sogenannten Hochfrequenzhandel entscheidend ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Europaturm heute ein wichtiger Knotenpunkt für Telekommunikation, Rundfunk, Mobilfunk und sogar für den Hochfrequenzhandel ist, auch wenn seine Rolle als öffentliche Aussichtsplattform und Restaurant der Vergangenheit angehört.

Zukunftsperspektiven: Eine mögliche Wiedereröffnung?

Immer wieder gibt es den Wunsch und die Überlegung, den Europaturm wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Technisch ist eine Ertüchtigung für den Besucherverkehr grundsätzlich machbar, erfordert jedoch, wie bereits erwähnt, erhebliche Investitionen, primär zur Erfüllung der Brandschutzauflagen. Die Schaffung zweier getrennter Rettungswege und die Installation eines Feuerwehraufzugs sind dabei die zentralen Herausforderungen.

Der hohe finanzielle Aufwand macht eine rein privatwirtschaftliche Lösung unwahrscheinlich. Eine Wiedereröffnung würde wahrscheinlich öffentliche Unterstützung oder Fördergelder erfordern. Die Tatsache, dass der Turm seit Oktober 2019 unter Denkmalschutz steht, könnte hierbei eine Rolle spielen, da Denkmalschutzobjekte unter Umständen Zugang zu spezifischen Fördertöpfen haben.

Wo befindet sich die 47 Stock Bar in Frankfurt?
Die Bar befindet sich im 47. Stockwerk des Tower ONE auf einer Höhe von 185 Metern und ist Teil des gerade eröffnete nhow Hotels. Die NFT Skybar Frankfurt dank ihrer Lage im Europaviertel die höchste Skybar in Deutschland: Mainhattan at its best – mit spektakulärem 360-Grad-Blick über die Wolkenkratzer-Skyline.

Eine Entscheidung über eine mögliche Wiedereröffnung und die Finanzierung der notwendigen Umbauten steht jedoch aus. Bis dahin bleibt der Europaturm ein faszinierendes, aber für die breite Öffentlichkeit unzugängliches Bauwerk, das hinter den Kulissen eine wichtige technische Funktion erfüllt.

Häufig gestellte Fragen

Kann man den Europaturm besuchen?

Nein, der Europaturm ist seit 1999 für die Öffentlichkeit geschlossen. Die Schließung erfolgte aufgrund notwendiger, aber sehr kostspieliger Brandschutzmaßnahmen, die für den Betrieb mit Publikumsverkehr erforderlich wären.

Warum wurde der Turm ursprünglich gebaut?

Der Turm wurde von 1974 bis 1979 gebaut, um die Richtfunkverbindungen zu gewährleisten, die durch die zunehmende Hochhausbebauung in der Frankfurter Innenstadt gestört wurden. Er ersetzte in dieser Funktion teilweise das frühere Fernmeldehochhaus.

Wie hoch ist der Europaturm?

Bei seiner Fertigstellung im Jahr 1979 war der Turm 331,15 Meter hoch. Nach einem Antennenwechsel im Jahr 2004 beträgt seine heutige Höhe 337,5 Meter.

Was befindet sich in der Kanzel?

Die Kanzel beherbergte ursprünglich Technikräume (wie den "Tonstern") und Bereiche für den Besucherverkehr (Restaurant, Diskothek, Drehrestaurant). Heute befinden sich dort weiterhin Technikräume, und die ehemaligen Besucherbereiche stehen leer oder werden für spezifische Tests (z.B. von Schindler) genutzt.

Gibt es Pläne zur Wiedereröffnung?

Es gibt den Wunsch und Überlegungen, den Turm wieder öffentlich zugänglich zu machen. Dies erfordert jedoch erhebliche Investitionen in die Brandschutztechnik (z.B. zweite Rettungswege, Feuerwehraufzug), die voraussichtlich öffentliche Unterstützung benötigen. Konkrete Pläne oder Termine für eine Wiedereröffnung gibt es derzeit nicht.

Der Europaturm bleibt somit ein Wahrzeichen Frankfurts, dessen beeindruckende Architektur und technische Bedeutung weiterhin bestehen, auch wenn die Tage als öffentliche Aussichtsplattform bis auf Weiteres gezählt sind.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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