Was kann man in Hamburg nähe Hauptbahnhof machen?

St. Georg: Hamburgs buntes Herz am Hauptbahnhof

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St. Georg in Hamburg ist weit mehr als nur der Stadtteil rund um den zentralen Hauptbahnhof. Es ist ein lebendiges, facettenreiches Viertel, das für seine bunte Diversität bekannt ist und eine faszinierende Mischung aus Großstadthektik und ruhigen Oasen bietet. Wer St. Georg besucht, taucht ein in eine Welt, in der verschiedenste Kulturen, Lebensentwürfe und Traditionen aufeinander treffen und ein einzigartiges Miteinander schaffen, das diesem Stadtteil seinen ganz besonderen Charakter verleiht.

Was ist das typische Essen Hamburgs?
Zu den typischen Gerichten Hamburgs zählen: Franzbrötchen (ein süßes, mit Zimt durchzogenes Gebäck ähnlich einem Croissant, das angeblich von Napoleons Truppen beeinflusst wurde), Döner (ein beliebtes türkisch-deutsches Straßenessen aus gewürztem Fleisch, serviert in Fladenbrot mit Salat und Soße), Fischbrötchen (ein Sandwich aus frischem oder eingelegtem Fisch, ...)

Auf einer Fläche von gerade einmal 1,8 km² leben hier über 12.600 Menschen, was eine Bevölkerungsdichte von über 7.000 Einwohnern pro Quadratkilometer bedeutet. Diese Dichte spiegelt sich im lebendigen Treiben wider, das St. Georg prägt. Vom ständigen Kommen und Gehen am Verkehrsknotenpunkt bis hin zu den ruhigeren Wohngegenden an der Alster zeigt der Stadtteil viele Gesichter.

Ein Schmelztiegel der Kulturen und Lebensstile

St. Georg wird oft als Hamburgs buntestes Viertel bezeichnet, und das aus gutem Grund. Hier leben Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religionen und sexueller Orientierungen friedlich Tür an Tür. Diese Vielfalt ist keine oberflächliche Fassade, sondern tief in der Identität des Stadtteils verwurzelt. Sie sorgt für eine Atmosphäre der Offenheit und Toleranz, die von den Bewohnern sehr geschätzt wird und zu einer besonders hohen Identifikation mit ihrem Viertel führt.

Das Nebeneinander von Tradition und Moderne, von ruhigen Wohngegenden und pulsierendem Leben, von schicken Adressen und bodenständigen Ecken macht St. Georg so reizvoll. Es ist ein Ort, an dem man ständig Neues entdecken kann und an dem das urbane Leben in all seinen Facetten erlebbar wird.

Das Herzstück: Die Lange Reihe

Wenn man von St. Georg spricht, kommt man an der Lange Reihe nicht vorbei. Diese Straße ist quasi die Hauptschlagader des Viertels und ein Zentrum des Lebens. Auf knapp 730 Metern reihen sich Cafés, Restaurants, kleine Boutiquen und Geschäfte aneinander und bilden ein lebendiges Ensemble, das zum Bummeln und Verweilen einlädt. Besonders in den wärmeren Monaten verwandelt sich die Lange Reihe in eine einzige große Freiluftzone, wenn Tische und Stühle die Gehwege bevölkern und Menschen das bunte Treiben genießen.

Die Atmosphäre hier ist chic und gleichzeitig ungezwungen – ganz im Sinne des Laissez-faire, das den Stadtteil prägt. Obwohl die Lange Reihe zu den teureren Gegenden Hamburgs zählt, hat sie ihren charmanten, individuellen Charakter bewahrt. Ein historisches Detail am Rande: In der Hausnummer 71 wurde einst Hans Albers geboren, einer der berühmtesten Söhne der Stadt.

Die Lange Reihe ist zudem das unbestrittene Zentrum der schwul-lesbischen Szene Hamburgs. Überall wehen bunte Regenbogenfahnen, als sichtbares Zeichen der Offenheit und Akzeptanz. Ein besonderes Highlight ist hier die Verkehrsampel an der Ecke Kirchenallee/Lange Reihe, die nicht die üblichen Einzelfiguren zeigt, sondern Ampelpärchen – ein schwules und ein lesbisches Paar – ein kleines, aber bedeutendes Symbol für die gelebte Vielfalt. Die Lange Reihe ist auch traditionell der Startpunkt der jährlichen Parade zum Christopher Street Day (CSD), dem Höhepunkt der Hamburg Pride.

Ruhe finden an der Außenalster

Nur wenige Schritte nördlich der Langen Reihe eröffnet sich eine ganz andere Welt: die Außenalster. Dieser Bereich von St. Georg bietet eine wunderbare Möglichkeit, dem Trubel der Großstadt zu entfliehen und inmitten Hamburgs Ruhe und Entspannung zu finden. Ein Spaziergang entlang des Ufers, der Blick über das glitzernde Wasser, auf dem Segelboote, Ruderer und Fahrgastschiffe ihre Bahnen ziehen – das ist Entschleunigung pur.

Die Uferpromenade ist beliebt bei Spaziergängern, Joggern und Radfahrern. Für diejenigen, die einfach nur die Aussicht genießen möchten, laden zahlreiche Bänke zum Verweilen ein. Wer sportlich aktiv sein möchte, kann den beliebten Jogging-Rundkurs um die gesamte Alster in Angriff nehmen. Optisch sticht an dieser Seite der Alster das elegante Hotel Atlantic hervor, dessen strahlend weiße Fassade ein beeindruckendes Bild abgibt.

Der vielschichtige Hansaplatz

Zwischen dem Hauptbahnhof und der Langen Reihe liegt der Hansaplatz, ein weiterer prägnanter Punkt in St. Georg, der die Gegensätze des Viertels aufzeigt. Der Platz, benannt nach der Hanse, wird dominiert vom imposanten Hansa-Brunnen aus dem Jahr 1878, auf dessen Spitze die allegorische Figur der Hansa wacht.

Der Hansaplatz markiert eine Art Schnittstelle. Auf der Westseite, in Richtung Hauptbahnhof, zeigt sich noch das rauhere, historisch bedingte Bild St. Georgs mit schrammeligen Kneipen und Etablissements. Hier ist die Nähe zum Bahnhof und dessen Begleiterscheinungen spürbar. Die Ostseite hingegen präsentiert sich deutlich ruhiger und einladender. Hier findet man Cafés und Restaurants, in denen man bei einem Kaffee oder einem Essen die Sonne genießen kann. Der Platz zieht auch eine unsichtbare Linie zwischen dem Hotelviertel an der Bremer Reihe und den eher wohnlich geprägten Gebieten im Osten des Stadtteils.

Zentraler Verkehrsknotenpunkt Hamburgs

Eine der unbestreitbaren Hauptrollen St. Georgs ist seine Funktion als zentraler Verkehrsknotenpunkt für Hamburg und Norddeutschland. Im Stadtteil befindet sich der Hamburger Hauptbahnhof, einer der meistfrequentierten Bahnhöfe Deutschlands. Täglich passieren hier fast 500.000 Reisende, und über 700 Züge des Fern- und Nahverkehrs laufen ein und aus. Der Hauptbahnhof ist Anbindungspunkt für alle Linien des Hamburger Schienen-Nahverkehrsnetzes (S-Bahn und U-Bahn), was St. Georg zu einem idealen Ausgangspunkt für Erkundungen in der gesamten Stadt macht.

Direkt neben dem Hauptbahnhof liegt zudem der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB), der Hamburgs Anbindung an den Fernbusverkehr sicherstellt. Diese zentrale Lage und die hervorragende Anbindung an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr sind ein wichtiger Grund für die Attraktivität und die hohe Frequenz des Stadtteils.

Kultur, Kunst und Wissenschaft

St. Georg hat auch kulturell und wissenschaftlich einiges zu bieten. Mit dem Deutschen Schauspielhaus und dem Ohnsorg Theater beherbergt der Stadtteil zwei der bedeutendsten Bühnen Hamburgs.

Theater und Bühnen

Das Deutsche Schauspielhaus ist mit 1.200 Plätzen das größte Sprechtheater Deutschlands. Es ist bekannt für sein experimentierfreudiges und international ausgerichtetes Programm und bietet mit der großen Bühne und dem Malersaal zwei Spielstätten für anspruchsvolle Inszenierungen.

Das Ohnsorg Theater hingegen pflegt die norddeutsche Theatertradition. Es ist berühmt für seine Stücke auf Plattdeutsch, auch wenn heute die meisten Aufführungen auf Hochdeutsch mit dem typischen Hamburger Schnack gezeigt werden. Vor dem Theater erinnert ein Denkmal an Heidi Kabel, die legendäre Volksschauspielerin und ein echtes Hamburger Original. Auch der Platz vor dem Theater trägt ihren Namen.

Neben diesen beiden großen Häusern gibt es weitere Anlaufstellen für Freunde der darstellenden Künste, wie das Hansa Theater für Varieté und Kabarett oder das Centralkomitee für Comedy und Stand-up.

Museale Schätze

Direkt am Hauptbahnhof gelegen ist das Museum für Kunst und Gewerbe eines der beliebtesten Museen Hamburgs. Es beherbergt eine umfangreiche Sammlung, die europäische, asiatische und antike Kulturkreise abdeckt. Als eines der führenden Museen für Kulturgeschichte, Kunsthandwerk, Design, Fotografie und angewandte Kunst in Europa bietet es spannende Einblicke. Auch die Architektur des Gebäudes selbst, wie der eindrucksvolle Spiegelsaal, der heute für Konzerte genutzt wird, ist sehenswert.

Angewandte Wissenschaft

Neben der Kunst ist St. Georg auch ein wichtiger Wissenschaftsstandort. Hier befindet sich ein großer Teil der Hochschule für angewandte Wissenschaft (HAW), Hamburgs zweitgrößter Wissenschaftsstandort. Über 15.000 Studierende sind hier in zahlreichen Bachelor- und Master-Studiengängen eingeschrieben. Die HAW ist in vier Fakultäten gegliedert und deckt Schwerpunkte wie Design, Medien und Information, Life Sciences, Technik und Information sowie Wirtschaft und Soziales ab.

Ein Miteinander der Religionen

Die religiöse Vielfalt und das friedliche Zusammenleben sind ein besonderes Merkmal St. Georgs. Innerhalb weniger hundert Meter finden sich Gotteshäuser verschiedener Glaubensgemeinschaften. Nördlich der Langen Reihe liegt die Dreieinigkeitskirche, Heimat der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Südlich der Langen Reihe steht der Mariendom, die Kathedralkirche des römisch-katholischen Erzbistums Hamburg. Unweit des Hansaplatzes befindet sich zudem die Centrum-Moschee der Islamischen Gemeinde Hamburg. Dieses Nebeneinander zeigt die Offenheit und Toleranz, die den Stadtteil prägen.

Die bewegte Geschichte St. Georgs

Die lange Geschichte St. Georgs ist geprägt von Wandel und Herausforderungen. Alles begann im Jahr 1194 mit dem Bau eines Lepra-Hospitals außerhalb der Hamburger Stadtmauer. Das Hospital und später der Stadtteil wurden nach dem heiligen St. Georg benannt. Kranke wurden hier isoliert, was lange Zeit das Bild des Viertels prägte, da auch Pestkranke hier behandelt oder bestattet wurden.

Ab dem 17. Jahrhundert begann sich das Bild zu wandeln. 1606 wurde der Pesthof verlegt. Ende des 17. Jahrhunderts wurde St. Georg schließlich in die Hamburger Stadtgrenzen eingegliedert, was einen Aufschwung mit sich brachte. Um weiteren Raum zu schaffen, wurde ein Teil des Marschgebietes im benachbarten Hammerbrook mit Schutt und Trümmern aufgefüllt. Es entstanden neben Wohnhäusern auch Lagerplätze, Fabriken, Eisenbahnanlagen und Pferdeställe. Diese Entwicklung führte dazu, dass St. Georg lange Zeit als grauer, unattraktiver Stadtteil galt und den Beinamen "Jammerbrook" erhielt.

Mit dem Bau des Hauptbahnhofs siedelten sich viele Hotels an, was das Bild erneut veränderte. Allerdings entwickelten sich auch Begleiterscheinungen wie das horizontale Gewerbe und eine Drogenszene, die St. Georg lange Zeit ein negatives Image bescherten.

Im Zweiten Weltkrieg wurde St. Georg nahezu komplett zerstört. Dies führte in den 1960er- und 1970er-Jahren sogar zu Überlegungen, die verbliebene Bebauung abzureißen und ein gigantisches Projekt namens "Alsterzentrum" zu realisieren – ein Gebäudekomplex für 20.000 Menschen mit bis zu 63 Stockwerken. Dieser Plan wurde glücklicherweise 1973 verworfen, und das ursprüngliche St. Georg konnte erhalten bleiben.

In den folgenden Jahrzehnten legte der Stadtteil sein negatives Image Stück für Stück ab. Die Drogenszene wurde weitgehend verdrängt, die Prostitution eingedämmt. Gleichzeitig entdeckte die schwul-lesbische Gemeinde das Viertel für sich und trug maßgeblich zur Entwicklung einer offenen und lebendigen Atmosphäre bei. Im Zuge eines Gentrifizierungsprozesses hat sich St. Georg heute zu einem der beliebtesten und schönsten Stadtteile Hamburgs entwickelt, der seine bewegte Vergangenheit nicht vergessen hat, aber entschlossen in die Zukunft blickt.

Zahlen und Fakten zu St. Georg

  • Fläche: 1,8 km²
  • Einwohnerzahl: 12.631 (Stand: 31. Dez. 2023)
  • Bevölkerungsdichte: 7017 Einwohner/km²

Häufig gestellte Fragen zu St. Georg

Wo in Hamburg liegt der Stadtteil St. Georg?
St. Georg liegt im Zentrum Hamburgs, direkt östlich der Innenstadt und beherbergt unter anderem den Hamburger Hauptbahnhof.

Was macht St. Georg zu einem besonderen Stadtteil?
St. Georg zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Diversität aus. Hier leben verschiedene Kulturen, Religionen und Lebensstile eng zusammen. Die Mischung aus zentraler Lage, lebendiger Atmosphäre, kulturellen Einrichtungen und ruhigen Ecken macht ihn einzigartig.

Was ist die Lange Reihe in St. Georg?
Die Lange Reihe ist die zentrale Straße des Stadtteils, bekannt für ihre Vielzahl an Cafés, Restaurants, Boutiquen und Geschäften. Sie ist auch das Zentrum der schwul-lesbischen Szene Hamburgs und Startpunkt des CSD.

Welche bekannten Kultureinrichtungen gibt es in St. Georg?
In St. Georg befinden sich das Deutsche Schauspielhaus (größtes Sprechtheater Deutschlands), das Ohnsorg Theater (bekannt für Plattdeutsch), das Museum für Kunst und Gewerbe und weitere Bühnen.

Hat St. Georg eine bewegte Geschichte?
Ja, der Stadtteil hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich, beginnend als Standort für ein Lepra-Hospital außerhalb der Stadtmauern, über Phasen als unattraktives Viertel und Zerstörung im Krieg, bis hin zur heutigen Entwicklung zu einem beliebten und vielfältigen Stadtteil.

Fazit

St. Georg ist ein Stadtteil der Kontraste und der Vielfalt. Seine zentrale Lage rund um den Hauptbahnhof macht ihn zu einem dynamischen Ort des Ankommens und Abreisens. Gleichzeitig bietet er mit der Lange Reihe ein pulsierendes Herzstück voller Leben und Vielfalt, mit der Außenalster eine grüne Lunge zur Erholung und mit seinen zahlreichen kulturellen Einrichtungen und seiner reichen Geschichte spannende Einblicke. St. Georg ist ein Spiegelbild Hamburgs – weltoffen, tolerant und immer in Bewegung.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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