Der Chinesische Turm ist weit mehr als nur ein Bauwerk im Englischen Garten; er ist ein lebendiges Herzstück Münchens, ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen gleichermaßen. Gelegen im südlichen Teil des weitläufigen Parks im Stadtteil Lehel, verkörpert dieser markante Turm bayerische Tradition und asiatische Inspiration in einer einzigartigen Symbiose. Er ist nicht nur eine architektonische Besonderheit, sondern auch Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen und Heimat eines der bekanntesten Biergärten der Stadt. Tauchen Sie ein in die Welt dieses faszinierenden Ortes, der Geschichte, Kultur und Geselligkeit vereint.

Lage und Erreichbarkeit: Ein Juwel im Grünen
Der Chinesische Turm fügt sich harmonisch in die idyllische Landschaft des Englischen Gartens ein. Er liegt strategisch günstig nördlich des Monopteros und der historischen Ökonomiegebäude sowie nur wenige Meter östlich des plätschernden Oberstjägermeisterbachs. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Rumfordhaus, ein weiteres bedeutendes Bauwerk im Park. Die zentrale, aber dennoch ruhige Lage macht den Turm zu einem idealen Ziel für einen Ausflug ins Grüne.
Die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel ist ausgezeichnet, was den Besuch des Chinesischen Turms unkompliziert gestaltet. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bietet verschiedene Möglichkeiten, um dorthin zu gelangen:
- Bus: Direkt am Turm liegt die Haltestelle „Chinesischer Turm“, die ausschließlich von Linienbussen und Fahrradfahrern genutzt werden darf. Dies gewährleistet eine direkte und bequeme Anreise.
- Straßenbahn: Eine Alternative bietet die Straßenbahnhaltestelle „Tivolistraße“. Von hier aus ist es nur ein kurzer Weg bis zum Turm, und es besteht Anschluss an Buslinien, die ebenfalls zur Haltestelle „Chinesischer Turm“ fahren.
- U-Bahn: Der nächstgelegene U-Bahnhof ist „Giselastraße“, der von zwei Linien der Stammstrecke 1 bedient wird. Von hier aus erwartet die Besucher ein etwa zehnminütiger Spaziergang durch den malerischen Englischen Garten, der bereits Teil des Erlebnisses ist.
Egal, für welchen Weg man sich entscheidet, die Anreise zum Chinesischen Turm ist dank der guten öffentlichen Verkehrsanbindung stets einfach und ermöglicht es, das Auto zu Hause zu lassen.
Die Architektur: Ein Hauch von Fernost in Bayern
Der Chinesische Turm ist ein beeindruckendes Beispiel für die damalige Faszination an exotischen Kulturen. Er wurde aus Holz erbaut und bewusst im Stil einer chinesischen Pagode gestaltet, um an einen Tempel aus Fernost zu erinnern. Mit einer stattlichen Höhe von 25 Metern erhebt sich der Turm über die Baumwipfel des Englischen Gartens.
Das Bauwerk verfügt über insgesamt fünf Stockwerke, wenn man das Erdgeschoss mitzählt. Seine Form ist polygonal, also vieleckig, und an jeder Ecke wurde er mit stabilen Säulen befestigt. Eine architektonische Besonderheit ist, dass der Durchmesser des Turms pro Etage nach oben hin schmaler wird – ähnlich der Form einer Tanne. Dies verleiht dem Turm eine dynamische und elegante Silhouette.
An der Außenseite jeder Etage sind traditionelle Schindeldächer angebracht, die das asiatische Flair unterstreichen. An den Ecken hängen vergoldete Glocken, deren sanftes Läuten im Wind zur besonderen Atmosphäre des Ortes beiträgt. Im Zentrum des Turms verbindet eine Wendeltreppe die einzelnen Stockwerke und ermöglichte früher wohl den Aufstieg, auch wenn der Turm heute in der Regel nicht bestiegen werden kann.
Unter dem Boden wurden ab dem ersten Stockwerk zusätzliche Holzbalken zur Verstärkung befestigt, was auf die sorgfältige Konstruktion hinweist. Der maximale Durchmesser des Chinesischen Turms am Fuß beträgt etwa 19 Meter, während der minimale Durchmesser einer oberen Etage bei etwa 6 Metern liegt. Zusammen mit dem Rumfordhaus und dem Monopteros zählt der Chinesische Turm heute zu den drei „Stimmungsarchitekturen“ des Volksparks, die bewusst zur Schaffung einer bestimmten Atmosphäre im Garten beitragen.
Das Historische Karussell: Freude für die Kleinsten
Neben dem imposanten Turm selbst zieht das historische Kinderkarussell zahlreiche Familien an. Bereits 1823 gab es in der Nähe des Turms ein erstes Karussell für Kinder, das jedoch nicht mehr existiert. Seit 1913 dreht sich jedoch wieder ein Karussell und erfreut die jungen Besucher des Englischen Gartens.
Das heutige Karussell ist eine Attraktion im Biedermeier-Stil und besticht durch seine kunstvollen Figuren. Kinder können auf holzgeschnitzten Tierfiguren reiten, darunter Hirsche, Steinböcke, Kamele, Giraffen, Pferde, Störche und Flamingos. Alternativ stehen altmodische Kutschen, Wagen und Schlitten zur Auswahl. Die Tierfiguren und Fahrzeuge sind auf einen Innen- und einen Außenkreis verteilt und drehen sich gemächlich zur Musik einer Walzenorgel und eines Polyphons.
Der Pavillon, der das Karussell beherbergt, befindet sich seit 1977 im Besitz des Bayerischen Freistaats. Das gesamte Ensemble, bestehend aus dem Karussell, dem Chinesischen Turm und dem umliegenden Englischen Garten, wird von der Bayerische Schlösserverwaltung betrieben und gepflegt. In unmittelbarer Nähe des Karussells gibt es zudem einen Spielplatz, der weitere Unterhaltung für Kinder bietet.
Das Karussell selbst wurde vom Bildhauer Joseph Erlacher und dem Dekorationsmaler August Julier entworfen, gefertigt und bemalt, was seine hohe handwerkliche Qualität und seinen historischen Wert unterstreicht.
Veranstaltungen am Turm: Tradition und Festlichkeit
Der Chinesische Turm ist nicht nur ein Ort der Ruhe und Erholung, sondern auch ein lebendiger Veranstaltungsort, der das ganze Jahr über Menschen anzieht. Regelmäßige und unregelmäßige öffentliche Veranstaltungen finden hier statt und tragen maßgeblich zur Beliebtheit des Ortes bei.
Die wohl bekannteste Veranstaltung ist der Kocherlball. Dieses einzigartige Ereignis findet am dritten Sonntag im Juli statt und beginnt ungewöhnlich früh, nämlich um 6:00 Uhr morgens. Tausende von Frauen und Männern versammeln sich in traditionellen Trachten am Turm, um gemeinsam Volkstänze und Walzer zur Musik zu tanzen. Der Ball ist nach einem alten Brauch benannt, bei dem sich Köche, Mägde und Diener in der Biedermeierzeit jeden Sommer-Sonntag vor Arbeitsbeginn am Turm zum Tanz trafen.
Der Kocherlball entstand um 1880 und zog schon damals rund 5.000 Menschen an. Im Jahr 1904 wurde er jedoch aus polizeilichen Gründen wegen angeblichen „Mangels an Sittlichkeit“ verboten. Erst 1989, im Rahmen der 200-Jahr-Feier des Englischen Gartens, wurde die Tradition wiederbelebt. Seitdem wird der Ball jedoch nur noch an einem einzigen Sonntag im Jahr gefeiert. Die Neuauflage war ein voller Erfolg und zog im ersten Jahr circa 15.000 Menschen an. In den folgenden Jahren pendelte sich die Teilnehmerzahl meist bei über 10.000 Gästen ein, mit Spitzenwerten von etwa 12.000 Besuchern (z.B. 2002 und 2013) und sogar wieder circa 15.000 bei der 16. Neuauflage. Im Jahr 2014 wurde die Tradition sogar in Bad Tölz aufgegriffen, um das 100-jährige Jubiläum des dortigen Kurhauses zu feiern.
Zu den Tänzen, die beim Kocherlball aufgeführt und oft auch vorgemacht werden, sodass jeder mitmachen kann, gehören traditionelle bayerische Tänze wie Landler, Zwiefacher, Polka, Walzer und die legendäre Münchner Francaise.
Neben dem Kocherlball fanden zur 200-Jahr-Feier des Englischen Gartens insgesamt 21 weitere Veranstaltungen am Chinesischen Turm statt, was seine Bedeutung als zentraler Veranstaltungsort unterstreicht.
Eine weitere jährliche Attraktion ist der Weihnachtsmarkt, der in der Weihnachtszeit am Chinesischen Turm stattfindet und Besucher mit festlicher Atmosphäre und Leckereien anlockt.

Im Sommer gibt es zudem regelmäßige Blasmusik-Konzerte. An Sonn- und Feiertagen spielen im ersten Stock des Chinesischen Turms abwechselnd die Kapellen Rossbachtaler und Thoma. Bei gutem Wetter sorgen die Musiker sogar zusätzlich am Mittwoch und Freitag bis zum frühen Abend für musikalische Unterhaltung. Diese Konzerte sind ein fester Bestandteil des Sommererlebnisses am Turm und laden zum Verweilen im Biergarten ein.
Gastronomie und Biergarten: Bayerische Gemütlichkeit
Der Chinesische Turm ist untrennbar mit der bayerischen Gastronomie verbunden. Bereits während der Biedermeier-Zeit (etwa 1825 bis 1848) gab es südlich des Turms die „Chinesische Wirtschaft“, die nicht nur Bier ausschenkte, sondern auch eine Kegelbahn und einen Tanzboden bot. Dreimal pro Woche wurde hier Tanzmusik gespielt, ergänzt durch Konzerte oder Auftritte von Militärkapellen. Zu dieser Zeit standen auch vier kleine Holzpavillons mit charakteristisch geschweiften Dächern an dieser Stelle.
Im Jahr 1912 wurde an dieser Stelle eine neue Gaststätte errichtet.
Seit 1974 ist am Chinesischen Turm ein großer Biergarten beheimatet, der unter der Führung der Wirtin Antje Schneider stand (Stand der Information). Mit rund 7.000 Sitzplätzen ist er nach dem Hirschgarten der zweitgrößte Biergarten Münchens und ein äußerst beliebter Anziehungspunkt, insbesondere für Touristen.
Im Biergarten wird traditionell Hofbräubier ausgeschenkt. Ganz im Sinne der bayerischen Biergartentradition ist es den Gästen erlaubt, ihre eigene Brotzeit zum Verzehr mitzubringen. Dies trägt zur ungezwungenen und geselligen Atmosphäre bei, die den Reiz eines bayerischen Biergartens ausmacht.
Neben dem großen Biergarten gibt es auch ein separates Restaurant am Chinesischen Turm. Dieses bietet eine vielfältige Speisekarte mit regionaler und internationaler Küche. Im 19. Jahrhundert war das Restaurant ein beliebter Treffpunkt der Hofgesellschaft, was auf seine historische Bedeutung und Qualität hinweist.
Wem gehört der Chinesische Turm?
Die Frage nach dem Eigentümer ist interessant. Obwohl der Text nicht explizit sagt „Der Turm gehört X“, liefert er klare Hinweise. Das Karussell-Pavillongebäude, das Teil des Ensembles ist, befindet sich seit 1977 im Besitz des Bayerischen Freistaats. Weiterhin wird das gesamte Ensemble, also der Chinesische Turm, der Englische Garten und das Karussell, von der Bayerische Schlösserverwaltung betrieben. Die Bayerische Schlösserverwaltung ist eine Behörde des Freistaats Bayern, die staatliche Schlösser, Gärten und Seen verwaltet. Dies impliziert sehr stark, dass der Chinesische Turm selbst und der umliegende Englische Garten im Besitz des Bayerischen Freistaats sind und von dieser staatlichen Verwaltungseinheit betreut werden.
Wann spielt die Musik am Chinesischen Turm?
Musik gehört fest zum Erlebnis am Chinesischen Turm, insbesondere während der wärmeren Monate und bei besonderen Veranstaltungen:
- Blasmusik im Sommer:
- An Sonn- und Feiertagen: Im ersten Stock des Turms.
- Bei gutem Wetter zusätzlich: Am Mittwoch und Freitag bis zum frühen Abend.
- Kocherlball:
- Am dritten Sonntag im Juli.
- Beginn: Punkt 6:00 Uhr morgens.
- Dauer: Findet für mehrere Stunden statt (der Text erwähnt 4 Stunden Programm für Tänze).
Die historischen Notizen erwähnen zudem, dass in der Biedermeierzeit in der Chinesischen Wirtschaft dreimal pro Woche Tanzmusik, Konzerte oder Militärkapellen spielten, aber dies gehört der Vergangenheit an.
Historische Aspekte im Überblick
| Merkmal | Historisch (ca. 19. Jh.) | Heute |
|---|---|---|
| Gastronomie | Chinesische Wirtschaft (mit Kegelbahn, Tanzboden) | Großer Biergarten (7.000 Plätze), Restaurant |
| Eigene Brotzeit | Nicht explizit erwähnt für Wirtschaft, aber Biergarten-Tradition ist alt | Im Biergarten erlaubt |
| Musik | Tanzmusik, Konzerte, Militärkapellen (3x/Woche in Wirtschaft) | Blasmusik (Sommer: So, Feiertag; gutes Wetter: Mi, Fr), Musik beim Kocherlball (Walzenorgel, Polyphon am Karussell) |
| Kocherlball | Fast jeden Sommer-Sonntag (um 1880), 5.000 Teilnehmer, 1904 verboten | 1x/Jahr (3. So im Juli) um 6 Uhr, über 10.000 Teilnehmer seit Wiederbelebung 1989 |
| Kinderkarussell | Erstes Karussell 1823 (nicht mehr existent) | Historisches Karussell seit 1913 mit Biedermeier-Figuren |
| Besitz (Karussell-Pavillon) | Unklar | Bayerischer Freistaat (seit 1977) |
| Betreiber (Gesamt) | Unklar (ggf. Hofverwaltung) | Bayerische Schlösserverwaltung |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie hoch ist der Chinesische Turm?
Der Turm hat eine Höhe von 25 Metern.
Wann findet der berühmte Kocherlball statt?
Der Kocherlball wird einmal im Jahr am dritten Sonntag im Juli gefeiert und beginnt bereits um 6:00 Uhr morgens.
Darf ich meine eigene Brotzeit in den Biergarten am Chinesischen Turm mitbringen?
Ja, im Biergarten ist es gemäß der bayerischen Tradition erlaubt, seine eigene Brotzeit mitzubringen und zu verzehren.
Wann gibt es Blasmusik am Chinesischen Turm?
Im Sommer gibt es Blasmusik an Sonn- und Feiertagen. Bei gutem Wetter spielen die Kapellen zusätzlich auch am Mittwoch und Freitag bis zum frühen Abend.
Wem gehört der Chinesische Turm im Englischen Garten?
Das gesamte Ensemble, einschließlich des Turms und des Englischen Gartens, wird von der Bayerische Schlösserverwaltung betrieben. Der Karussell-Pavillon gehört dem Bayerischen Freistaat, was stark darauf hindeutet, dass auch der Turm und der Park im Besitz des Bayerischen Freistaats sind.
Gibt es Attraktionen für Kinder am Chinesischen Turm?
Ja, neben dem Turm gibt es ein historisches Kinderkarussell mit Holzfiguren sowie einen Spielplatz in der Nähe.
Kann man den Chinesischen Turm besteigen?
Der bereitgestellte Text erwähnt eine Wendeltreppe im Inneren, gibt aber keine Auskunft darüber, ob der Turm für Besucher zugänglich ist. Im Allgemeinen ist der Turm nicht zur Besteigung freigegeben.
Der Chinesische Turm bleibt ein faszinierender Ort, der Geschichte, Architektur, bayerische Kultur und gesellige Biergartenkultur vereint. Er ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Englischen Gartens und ein Wahrzeichen Münchens, das zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert ist.
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